Sachbücher
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Bini Adamczak : Gestern Morgen - Die Einsamkeit kommunistischer Gespenster und die Rekonstruktion der Zukunft
Die lang erwartete Fortsetzung von Bini Adamczaks "Kommunismus" nimmt einen unerwarteten Verlauf. Hatte die "kleine Geschichte wie endlich alles anders wird" den heimlichen Untertitel "Kommunismus für Kinder", so wird der zweite Teil den unausgesprochenen Namen "Kommunismus für Kommunistinnen" tragen. Pünktlich zum Jahrestag der russischen Revolution führt die Re-Konstruktion eines kommunistischen Begehrens in die Geschichte des Kommunismus und bürstet diese gegen den Strich: von 1939 bis 1917. Vom Hitler-Stalin Pakt bis zur Oktoberrevolution kreisen die überlegungen Adamczaks um die Figuren von Partei und Klasse von Verrat und Versprechen, um sie in ihrer Logik, aber vor allem als Erfahrungen zu rekonstruieren. Die Autorin sucht das Trümmerfeld der Geschichte nach den revolutionäen Wünschen ab, die darunter begraben liegen. Aber es gibt keinen unbeschadeten Zugriff auf die vergessenen Träume. Der Weg zu den vergangenen Hoffnungen führt über deren Enttäuschung, über das doppelte Scheitern der russischen Revolution, das unbewältigt immer noch anhält. Die bergende Arbeit an der Geschichte ist somit eine Arbeit der Trauer, eine Trauerarbeit, die das Buch einfordert und zugleich bereits einlöst. Es birgt eine vergangene Zukunft, die Gegenwart hätte sein können und Zukunft sein kann: "gestern morgen".
AG Gender-Killer : Das gute Leben - Linke Perspektiven auf einen besseren Alltag
Wie umgehen mit unseren Körpern? Wie umgehen mit unserer Sexualität? Wie umgehen mit dem älter werden? Das sind Fragen, denen niemand aus dem Weg gehen kann und auf die eine "Linke" um so dringender eine akzeptable Antwort braucht. Gemeinhin geraten die Fragen nach dem eigenen Leben im politischen Alltag immer unter die Räder zugunsten "wichtigerer" Ziele. Oder es gilt als selbstverständlich, dass der Streit für emanzipative Ziele auch automatisch auf das eigene Leben rückwirkt und uns in ein besseres Leben katapultiert. Doch so falsch wie die herrschenden Verhältnisse ist zunächst auch unser Leben: Eingebunden in sexistische, rassistische, antisemitische und kapitalistische Strukturen sind wir tiefer und engmaschiger in ihre Reproduktion verwoben, als uns lieb sein kann.
AG Grauwacke : Autonome in Bewegung. Aus den ersten 23 Jahren
Fünf Berliner Autonome erzählen ihre Geschichte linker militanter Politik von den ersten Kämpfen zu Beginn der 80er über Wackersdorf & Startbahn West, die Antifa-Bewegung der 90er bis hin zu aktuellen Kämpfen in der Antiglobalisierungsbewegung: Mit vielen Fotos hübsch autonom layoutet und locker lesbar. Den Bewegungsabläufen entsprechend enthält das Werk mehr Krawallstories als Theorie, aber auch diese hat ihren Platz. Der männliche und der Berlin-zentrierte Blick dominieren, aber, mal ehrlich, so wars ja auch. Ein nettes Buch für alle Dabeigewesenen und alle, die es wissen wollen.Einen Ein- und Ausblick bietet http://autox.nadir.org.
Justin Akers Chacón & Mike Davis : Crossing the border - Migration und Klassenkampf in den USA
Aus dem amerikanischen Englisch von Matthias Becker und Hanna SchroederDie Autoren analysieren in dieser gemeinsamen Arbeit die Geschichte der Einwanderung in die USA vom Eisenbahnstreik chinesischer Arbeiter im Jahr 1877 über die Aktivitäten der militanten Industrial Workers of the World (IWW) im frühen 20. Jahrhundert bis zu den Streiks und Aktionen im Rahmen der "Justice for Janitors"-Kampagnen der lateinamerikanischen MigrantInnen des Jahres 2006. Das Buch ist ein leidenschaftliches Plädoyer für eine internationale Organisierung von unten und die Abschaffung aller Grenzen.
Antifa Hannover : Antifaschistische Information: Freie Kameradschaften
Die neue Broschüre der Antifa 3000 informiert umfassend über freie Kameradschaften in Deutschland. Es gibt Berichte über ihre Struktur, ihre Geschichte, Frauen in ihren Gruppen, Aktionsfelder und -formen und ihrer Bedeutung innerhalb der rechten Szene. Außerdem beschäftigt sie sich mit der Einschätzung der Kameradschaften durch den Verfassungsschutz und gibt Hinweise zur Bekämpfung dieser und anderer neonazistischer Bestrebungen.
Jan O. Arps : Frühschicht - Linke Fabrikintervention in den 70er Jahren
»Ich wusste nicht, was auf mich zukam. Aber ohne die Arbeiterklasse hatten wir keine Chance, die Welt zu verändern, so viel war klar.« Das schreibt Harry Oberländer 1977, einige Jahre nachdem er als revolutionärer Aktivist bei Opel in Rüsselsheim angeheuert hatte. Vom Studenten zum Arbeiter.Was heute kaum vorstellbar klingt, war Anfang der 70er Jahre weit verbreitet. Auf die antiautoritäre Revolte von 1968 folgte für viele der Schritt in die Produktion; einige Tausend junge Linke tauschten den Seminarstuhl gegen die Werkbank ein, um die Arbeiterklasse für Revolution und Kommunismus zu begeistern.
Über die bunte Vielfalt der linken »Betriebsintervention« ist kaum noch etwas bekannt. Ebenso fast vergessen: Auch in bundesdeutschen Fabriken herrschten in jenen Jahren keineswegs nur Ordnung, Fleiß und Disziplin. Zwar ließen sich die westdeutschen ArbeiterInnen anders als in Frankreich oder Italien nicht von der revolutionären Begeisterung mitreißen, die die Universitäten erfasst hatte, doch wilde Streiks waren häufig und hohe Lohnabschlüsse die Regel.
Das Buch geht der Faszination nach, die diese Ereignisse auf die rebellischen StudentInnen hatte. Es behandelt die K-Gruppen, die sich an Lenins Modell der Kaderpartei orientierten, ebenso wie die Spontis, deren Schlachtruf »Wir wollen alles« lautete und die die These von der Autonomie der Arbeiterkämpfe in der Fabrik erproben wollten. Es zeichnet den Weg junger Linker in die Betriebe nach und schildert, welche Erfahrungen sie dort machten. Damit handelt es vom Konflikt zwischen revolutionären Wünschen und den Mühen des Alltags, von Begeisterung und Ernüchterung über die Arbeiterklasse und von der Krise der autoritären Disziplin, die zur Krise der Großfabrik und der an ihr orientierten politischen Ansätze beitrug. Im Mittelpunkt stehen die Erfahrungen der ProtagonistInnen dieses Experiments, die mal nur einige Monate, manchmal ein ganzes Leben in der Fabrik geblieben sind.
ASP : Versteckspiel - Lifestyle, Symbole & Codes von Neonazis
In dieser Broschüre werden Symbole, Marken und Codes, die in der rechten Jugendkultur eine wichtige Rolle spielen, nicht nur aufgelistet. Vielmehr wird erklät , wo diese Symbole herkommen und was sie im jeweiligen Zusammenhang bedeuten. Außerdem erfährt man einiges über rechte Musik und Publikationen in der rechten Szene. Eine umfassende und ausführliche Zusammenstellung aller gebräuchlichen Symbole u.ä.
Thomas Atzert & Jost Müller : Kritik der Weltordnung. Globalisierung, Imperialismus, Empire
Nach dem Erfolg von EMPIRE aus der Feder Hardts und Negris hat der ID-Verlag nachgelegt und einen kleinen Sammelband zu den Thesen der beiden sowie zur Rolle des Nationalstaates und zur Klassenanalyse herausgebracht. Besonders empfehlenswert ist hierbei der Aufsatz von Joachim Hirsch zur Internationalisierung des Staates im Zeitalter kapitalistischer Globalisierung. Hirsch widerspricht vehement der EMPIRE-These vom Verschwinden der Nationalstaaten und legt argumentativ schlüssig dar, dass auch im 21. Jahrhundert politische Regulierung im Kapitalismus ohne Nationalstaaaten nicht zu machen ist. Giovanni Arrighi hingegen kritisiert an EMPIRE, dass die prognostizierte Auflösung zwischen erster und dritter Welt genauso an der Realität vorbei geht wie die Thesen von Hardt/Negri zum Entstehen eines neuen Weltbürgertums jenseits nationalstaatlicher Regeln. In einem Interview mit den Herausgebern des Sammelbandes antwortet Negri auf die geschilderte Kritik. Hadt hingegen versucht in einem weiteren Aufsatz, die Konstituierung der Bauernschaft als kämpfende Klasse in Zusammenhang zu bringen mit seinem Begriff von Multitude und bedient sich hierbei theoretischer Schützenhilfe des großen Steuermannes Mao Zedong. Während Judith Revel sich mit den Aussagen von Foucault, Deleuze, Guattari und Clastres zum Krieg beschäftigt, thematisiert Anne Querrien skizzenhaft ihren Begriff von Multitude im Kontext des 11. 9. und Genua.Ein Buch, das auch vor der Lektüre von EMPIRE als kritische Einführung in die postoperaistische Theorie gelesen werden kann.
AutorInnenkollektiv : Wege durch die Wüste - Ein Antirepressionshandbuch für die politische Praxis
Auf einmal befindest du dich nach einer Demo im sogenannten Polizeigewahrsam, du wirst beim "wilden" Plakatieren erwischt oder du fragst dich einfach nur, ob du als AnmelderIn einer Demo rechtlich verantwortlich bist und Stress mit den Behörden bekommen kannst. Diese oder andere Situationen, in denen du dich mit prügelnden Cops oder nervenden Behörden konfrontiert siehst, kommen früher oder später auf jeden politisch aktiven Menschen zu. Grundlegend überarbeitet bietet der Ratgeber nicht nur einen schnellen überblick. Er vermittelt zu allen Themen auch die weitergehenden Zusammenhänge, verweist auf Erfahrungen aus der politischen Praxis und Diskussionen, die für einen Umgang mit Repression unverzichtbar sind.
Dario Azzelini & Stefan Thimmel : Futbolistas - Fußball und Lateinamerika
"Verpestende Idiotisierung durch wiederholtes Getrampel um ein Objekt herum", beschrieb die anarchistische Tageszeitung La Protesta 1917 den Fußballsport. So steht es auf der ersten Seite des Vorworts von Futbolistas, was direkt klar macht, dass dies kein Jubelbuch ist. Es folgen 45 Beiträge von Linken über Arbeitsbedingungen, Menschenrechte, die Situation von Frauen, Instrumentalisierung für politische Zwecke und alles was das linke Herz bewegt aber normalerweise nicht zur Sprache kommt, wenn das Leder regiert. Vor nicht allzu langer Zeit, hätten sich Linke eher gar nicht mit diesem Thema auseinandergesetzt, was vielleicht auch nicht das Schlechteste war. Der Begriff Populismus scheint angebracht. Aber es stimmt nachdenklich, wenn ein politischer Basisaktivist aus Brasilien berichtet, dass seine Stadtteilarbeit überhaupt erst Erfolg hatte, nachdem er begann, sonntags das Stadion zu besuchen. Und schade wäe es auch gewesen, wenn dieses tolle Buch aus Abneigung zum Thema nicht zustande gekommen wäe.
Dario Azzellini : Genua - Italien Geschichte Perspektiven
Die Proteste gegen den G8-Gipfel in Genua - vorläufiger militanter Höhepunkt der Antiglobalisierungskämpfe - sind Ausgangspunkt dieses Sammelbandes über das Land der zur Zeit stäksten linken Bewegungen europas. Nach einer kurzen Geschichte Italiens seit dem 2. Weltkrieg folgen Analysen zur politischen Rechten in Italien und Beiträge und Interviews über die Perspektiven der Linken. Spannend geschrieben.
Willi Baer & u.a. (Hg.) : Wir sind ein Bild der Zukunft - auf der Straße schreiben wir Geschichte
Im Winter 2008 durchbrachen Unruhen und Aufruhr den Alltag in Griechenland. Es war mehr als ein Protest gegen Staat und Kapital. Die Intensität der Krawalle war außergewöhnlich genauso wie die Solidarität und Organisation der Revoltierenden. Was brachte erst Athen und dann das ganze Land zum Explodieren? Antworten auf diese Frage sucht das Buch "Auf der Straße schreiben wir Geschichte". Das Buch schildert die Erschießung eines Athener Jugendlichen durch einen Polizisten im Dezember 2008 und wie aus der Wut darüber Aufruhr wurde. Es enthält Interviews mit ZeugInnen und TeilnehmerInnen der Revolte und Texte, die im Netzwerk der Protestierenden kursierten. Zudem thematisiert es die Mythen der Dezember-Revolte, die unter vielen AktivistInnen außerhalb Griechenlands kursieren.Der Laika-Verlag veröffentlicht die deutsche Übersetzung dieser überfälligen Auseinandersetzung mit der griechischen Revolte in seiner Edition Provo.
Margot Barnard : "Ich sehe Dich nie wieder!" - Erinnerungen für die Zukunft
Margot Barnard wird 1919 als Tochter der in Bonn ansässigen jüdischen Familie Kober geboren. Mit Hitlers Machtübernahme 1933 beginnen die Schwierigkeiten. Ihre Eltern haben kaum noch Einkommen, sie muss die geliebte Schule verlassen. In dieser Zeit bekennt sie sich gegen den Willen des Vaters, der Mitglied des Bundes jüischer Frontsoldaten ist, zum Zionismus und gründet einen zionistischen Jugendbund, welcher der Jugendbewegung HaSchomer HaZair angehört. Sie bewirbt sich um ein Zertifikat zur Ausreise und Einreise nach Palästina und verlässt Deutschland im September 1936. Ihre Eltern, die im KZ umkommen, sieht sie nie wieder. Mehrere Jahr arbeitet sie im Kibbuz, dann in Haifa und in Jerusalem. Dort lernt sie Ted Barnard, Sergeant Major der englischen Armee, kennen, tritt in die englische Luftwaffe ein und heiratet ihn 1944. Kurz vor Kriegsende werden sie nach England geschickt. Bis 1955 arbeiten sie für die Armee in Gibraltar, Nigeria und wieder in England. 1956 werden sie nach Deutschland versetzt. 1964 stirbt Ted während einer Herzoperation. Seit 1980 informiert Margot Barnard an englischen und deutschen Schulen und auch schon mehrfach im Bonner Buchladen Le Sabot als Zeitzeugin am Beispiel des eigenen Lebens über das Schicksal jüdischer Mitbürgerinnen in der Zeit des Nationalsozialismus. Margot Barnard lebt bis heute in London und hat jetzt, im Alter von 89 Jahren ihre Lebenserinnerungen auch in Buchform zugänglich gemacht.
Gioconda Belli : Die Verteidigung des Glücks
Aus dem Spanischen übersetzt von Lutz KlicheMit ihren Erinnerungen, die sie mit gut fünfzig Jahren vorlegt, lernen wir Gioconda Bellis überaus abenteuerliches Leben kennen und können die wilden Jahre des Kampfes gegen die Somoza-Diktatur aus allernächster Nähe miterleben. Gioconda Belli wurde in eine privilegierte Familie hinein geboren und entschloss sich sehr jung, für die FSLN (Sandinistische Befreiungsfront Nicaraguas) zu arbeiten und schließlich Teil von ihr zu werden. Sie kämpfte zunächst nicht im Untergrund und auch nicht in den Bergen, sondern führte mit ihrer Zelle politische Diskussionen und unterstützte die Bewegung infrastrukturell. Schließlich wurde es auch für sie zu gefährlich weiterhin in der Legalität zu leben. Ihr Weg führte über Mexiko nach Costa Rica, wo sie mehrere Jahre im Exil lebte und von dort aus internationale Arbeit für die Sandinisten leistete. Dabei durchlebte sie private Höhen und Tiefen und neben der Sympathie und dem Respekt, die ich auf Grund dieser aus dem Vollen schöpfenden Autobiografie für Gioconda Belli empfinde, stelle ich fest, dass sie ihr Leben viel authentischer beschreibt und damit auch ihren Kampf für eine gerechtere Welt viel glaubwürdiger werden lässt, als die häufig so heroisierende (Selbst-)Beschreibung männlicher Revolutionäe. Sie lebte für die Revolution ebenso wie für die Liebe und ihre Kinder. Und sie ist bereit, über jeden dieser Bereiche offen und für sich selbst oft nicht in vorteilhafter Weise, zu erzählen, zu reflektieren, zu berichten und zu begeistern. Ihr humorvoller Stil lässt erahnen, in welcher Stimmung die Menschen von Nicaragua ihren schweren Kampf geführt haben. Und das macht Mut.
Walther Bensemann : Bensemanns Fußball Glossen: Der König aller Sports
Walther Bensemann gilt als eine prägende Figur der Fußballgeschichte. In Süddeutschland wirkte er Ende des 19. Jahrhunderts als legendäer Pionier; während der Weimarer Zeit gründete er den "Kicker" und glänzte als scharfsinniger Beobachter des Spiels. Nie hat jemand im deutschen Sport geschliffener geschrieben, urteilte später der renommierte Sportfeuilletonist Richard Kirn über Bensemann. 1933 musste der Kosmopolit jüdischer Herkunft in die Schweiz emigrieren, wo er ein Jahr später starb. Seit 2006 erinnert an ihn der "Walter-Bensemann-Preis", der bisher an Franz Beckenbauer und an Alfredo di Stéfano verliehen wurde. Das vorliegende Buch versammelt Bensemanns beste "Kicker"-Beiträge aus den Jahren 1920 bis 1933. Damit ist nicht nur ein glänzendes Stück Fußball-Feuilleton dokumentiert, sondern zugleich ein eindrucksvolles Panorama des Fußballs jener Zeit eröffnet.
Monika Berberich & Irene Rosenkötter : Aber wir haben immer auf das Leben gesetzt...
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In Interviews kommen zwölf Frauen zu Wort, die unter der Militädiktatur in Uruguay zwischen 1973 und 1985 aufgrund ihrer politischen Aktivitäten inhaftiert worden waren.In den 60er Jahren erlebte Uruguay, bis dahin als die Schweiz Amerikas bezeichnet, eine Wirtschaftskrise. Es folgten die üblichen Auflagen des Internationalen Währungsfonds, Massenarbeitslosigkeit einerseits, Finanzspekulation anderseits, und eine zunehmende Verarmung der Unterklassen und der Mittelschicht. Auf die dagegen enstehende Organisierung unabhängiger Gewerkschaften und die studentische Bewegung von 1968 sowie die Gründung bewaffneter Widerstandsgruppen reagierte die Regierung mit einer zunehmend autoritäen Politik und letztendlich mit der Ausrufung des Kriegszustandes 1972. Es folgte eine Militädiktatur, in der mehr als ein Viertel der Bevölkerung von Knast oder Ermordung der nächsten Angehörigen betroffen war. Ab 1980 organisierten gewerkschaftliche Gruppen, StudentInnen und Angehörige der politischen Gefangenen eine neue Widerstandsbewegung. Die folgende Massenmobilisierung führte zum Ende der Militädiktatur, der Übertragung der Macht an eine Zivilregierung und einer Amnestie für die Mehrzahl der politischen Gefangenen am 10. Mäz 1985.
Die meisten Interviewten kommen aus der Guerillaorganisation MLN/Tupamaros. Aber auch Frauen aus der kommunistischen Partei, der anarchistischen FAU, der trotzkistischen PST und der christlichen Jugendbewegung erzählen ihre Geschichte. Sie berichten über ihren familiäen Hintergrund, ihre Politisierung und ihre Aktivitäten bis zur Verhaftung. Großen Raum haben die Knasterfahrungen, der alltägliche Widerstand gegen Repression und Folter, das Problem, hinter Gittern persönliche Beziehungen und Gefühle nicht mehr ausleben zu können, der Versuch, die eigene Identität dabei aufrechtzuerhalten und wie sich diese Erfahrungen auf die Zeit nach der Freilassung auswirken. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Frage nach den Unterschieden zwischen Frauen und Männern, dem unterschiedlichen Verhalten im politischen Kampf, im Knast und nach der Haftentlassung.
Das ist der besondere Zugang der Herausgeberinnen zum Thema, die sich über ihr Interesse am Erinnern und der Verarbeitung traumatisierender Extremsituationen wie Folter und Haft hinaus vor allem mit den besonderen Erlebnis- und Erfahrungsweisen aus Frauensicht auseinandersetzen.
Die Idee zu dem Buch kam den beiden - Monika Berberich war selbst politische Gefangene aus der RAF von 1970-88, Irene Rosenkötter arbeitet seit Jahren in Solidaritätsgruppen wie der Gruppe der Angehörigen politischer Gefangener in der BRD - nach Dreharbeiten zu dem Film Und plötzlich sahen wir den Himmel. Der Film handelt von Frauenbiographien aus dem Widerstand in Uruguay und Deutschland. Einige der Interviewten des Buches können dort auch audiovisuell erlebt werden (Als Video erhältlich bei Medienwerkstatt Freiburg; Tel.: 0761/709757).
Vera Bianchi : Feministinnen in der Revolution - Die Gruppe Mujeres Libres im Spanischen Bürgerkrieg
Die Gruppe Mujeres Libres (Freie Frauen) wurde kurz vor Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs gegründet, um sich zwei Zielen zu widmen: der sozialen Revolution und der Verbesserung der Situation der Frauen. In den drei Jahren ihres Bestehens waren mehr als 20.000 Mitglieder in über 150 Ortsgruppen organisiert; sie gaben eine Zeitschrift heraus, leiteten Bildungs- und Ausbildungskurse für Frauen, organisierten Hilfsarbeiten für die Frontkämpfer und eigene Kolonnen von Frontkämpferinnen.Vera Bianchi beschreibt die Entstehung und Entwicklung der Mujeres Libres, ihre Theorie und Praxis und ihr Verhältnis zu anderen anarchistischen und feministischen Gruppen. Der Text wird ergänzt durch den Abruck einiger Originaldokumente aus dem spanischen Bürgerkrieg und viele Fotos der Mujeres Libres.
Willi Bischof & Irit Neidhardt : Wir sind die Guten. Antisemitismus in der radikalen Linken
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So wichtig und richtig es stets war, dass die radikale Linke einen vehementen Kampf gegen die deutsche Schlussstrich-Mentalität, die Kontinuität des Faschismus und die Gleichsetzung von Rot und Braun geführt hat, so dürftig, unreflektiert und bisweilen peinlich fielen nicht selten ihre Analysen zum Thema Antisemitismus aus. Wie oft hatte leider auch in linken Kreisen eine unkritisch positive Bezugnahme auf das deutsche Volk antisemitische Untertöne, die mit den Deckmänteln Antizionismus und Antiimperialismus nur schlecht kaschiert wurden? Zwischen der Nazi-Parole Kauft nicht bei Juden! und der linken Forderung der siebziger und achtziger Jahre Boykottiert Israel! mochte man in der Regel keine Gemeinsamkeit sehen. Wir sind die Guten - damit war jeder (Selbst-)Kritik der Boden entzogen, obwohl hinter der deutschen Linken die linken Deutschen immer stäker hervortraten.Um so erfreulicher, dass es dem kleinen Unrast-Verlag nun gelungen ist, einen Band herauszubringen, in dem Gruppen und Einzelpersonen aus der radikalen Linken endlich eine solche selbstkritische Reflexion leisten. Denn die eigene Sprachlosigkeit in den Debatten um Martin Walser und das Holocaust-Mahnmal hat erneut verdeutlicht, dass das Thema immer noch weitgehend unbehandelt ist. Selbst die Instrumentalisierung von Auschwitz durch die Propaganda im Krieg gegen Jugoslawien blieb von großen Teilen der Linken unbeantwortet. Um sich aber den linken antisemitischen Strukturen zu nähern und sich davon lösen zu können, ist eine Kenntnis des NS-Erziehungsstils unabdingbar. Eine Aufkläung über seine fortwährende Tradierung ermöglicht erst eine Auseinandersetzung jenseits von Selbstmitleid oder Selbstverachtung. Auf dieser Grundlage befassen sich in Wir sind die Guten verschiedene AutorInnen mit linker Antifa-Politik im weitesten Sinne. Dabei geht es um die Erfahrungen bei dem Versuch, Antisemitismus in den eigenen Reihen zu enttabuisieren, genauso wie um das Verhältnis der Linken zu Israel, um die Rolle, die Antisemitismus in autonomer Antifa-Politik (nicht) spielt, und um persönliche Reflexionen politischen Handelns. Das Buch mag so manche/n provozieren, und auch der Vorwurf, es spiele den Falschen in die Hände, wäe für radikale Linke nichts Ungewöhnliches. Argumente, es nicht zu lesen, sind das jedoch nicht. Im Gegenteil.
Terry Bisson : on a move - Die Lebensgeschichte von Mumia Abu-Jamal
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Michael SchiffmannMumia Abu-Jamal ist derzeit sicherlich der bekannteste politische Gefangene der Welt. Die Artikel des afroamerikanischen Journalisten sind in zwei Büchern publiziert und allwöchentlich in der Tageszeitung "junge welt" nachzulesen. Die Hintergründe des Gerichtsverfahrens, wegen dem er seit fast zwanzig Jahren aus der Todeszelle heraus gegen seine Hinrichtung kämpft, sind ebenfalls in mehreren Büchern akribisch beschrieben.
On a move ist in erster Linie eine Erzählung über den privaten Mumia Abu-Jamal: über Herkunft, Kindheit und Jugend, über Schulzeit, Ausbildung und seine Tätigkeit als Journalist, über erste Liebe, Beziehung und Vaterschaft. Eingebettet wird diese Geschichte in die historischen Zeitumstände: die Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung in den USA, den Widerstand dagegen, von der Bürgerrechtsbewegung über die Black Panther Party bis hin zu MOVE. Den privaten Mumia und die politischen Gegebenheiten führt Terry Bisson in einer politischen Persönlichkeit zusammen. Eins ergibt sich aus dem anderen, ein Lebensweg wird nacherlebbar und ebenso die kompromißlose Häte, mit der rassistische Behörden ihren Hass auf einen ihrer erfolgreichsten Kritiker richteten. Die Erzählung endet mit der Verhaftung Mumias und beschränkt sich auf wenige Zeilen zum Prozeß und zur Zeit in der Todeszelle. All das ist in einer einfachen, klaren Sprache geschildert, reich bebildert und gerade auch für Jugendliche gut lesbar. Die notwendige Einführung für alle, die sich nicht damit abfinden wollen, das rassistische US-Justizsystem und die Todesstrafe als Normalzustand zu akzeptieren.
Klaus Bittermann : Its a Zoni. Zehn Jahre Wiedervereinigung. Die Ossis als Belastung und Belästigung
Bereits das Foto auf dem Cover ist die pure Verheißung. Es zeigt Jens Jeremies, Fußballprofi bei Bayern München, im Nationaltrikot, nach einem Gegentreffer im eigenen Tornetz liegend. Schadenfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Das Bild deutet symbolhaft an, was der Autoren Anliegen ist: Ossi-Bashing. Anschlussdeutsche schlagen nicht nur selbst, sie sind auch zu schlagen. It's a Zoni ist eine Fortsetzung des 1993 erschienenen Abrechnungsbandes Der rasende Mob. Die Ossis zwischen Selbstmitleid und Barbarei. Zehn Jahre nach dem Ereignis, das im Herrschaftssprech Wiedervereinigung heißt, legt die Edition Tiamat nun eine neuerliche, nicht minder gnadenlose Bilanz vor - übrigens rechtzeitig zu ihrem zwanzigsten Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle. Doch von Jubiläumsstimmung kann keine Rede sein. Clemens Nachtmann schildert in seinem Beitrag die Situation in Neufünfland treffend: Die nicht unbedingt glatzköpfigen Mordbrenner, die selber Hand anlegen; eine Polizei, die, wenn überhaupt, regelmäßig dann am Tatort eintrifft, wenn den Opfern schon der Schädel zertreten wurde, und die hinterher verlautbart, daß keine Anzeichen für einen fremdenfeindlichen Hintergrund vorlägen; Sozialarbeiter, die ... in sämigem Betroffenheitsjargon von akzeptierender Sozialarbeit faseln und als Jugendclubs getarnte Nazi-Kaderschmieden betreiben, ... eine Bevölkerung schließlich, die die Taten ihrer braunen Avantgarde in jeder Hinsicht ermuntert, beklatscht oder duldet. Eine Reise in den braunen Osten lohnt sich also nicht und ist sogar gefährlich, wie selbst die brandenburgische Landesregierung zugeben musste. Mal ernsthaft, mal satirisch wird in dem Tiamat-Buch mit den Ostdeutschen ins Gericht gegangen. Der Ossi, so die Verlagsankündigung, sei der unangenehme Zeitgenosse geblieben, der er schon immer war, ein verdruckster Typ, der schnell und schwer beleidigt ist, sich ständig von den Wessis über den Tisch gezogen fühlt, obwohl er von denen schon einige Milliarden abgegriffen hat, und der ansonsten von der guten" alten Zeit unter Erich schwämt, als eben alles noch besser war und die Ostlimonadenmarke Club Cola und Rotkäppchen sich noch nicht im westlichen Verdrängungswettbewerb behaupten mußten. Die Zonis haben es nicht anders gewollt und beschweren sich jetzt über Verhältnisse, die ihnen vierzig Jahre lang im Staatsbürgerkundeunterricht prophezeit worden sind. Dumm gelaufen. Bei aller beißenden Kritik kann zumindest Fritz Tietz in seinem Aufsatz der zehnjährigen großdeutschen Realität einen positiven Aspekt abgewinnen. Ohne die Feindschaft zwischen Ossis und Wessis wäe nämlich nie bewiesen worden, daß es eine auf Herkunft, Geschichte, Blut oder sonstige Körpersäfte sich gründende nationale Identität nicht gibt. Außer natürlich als Chimäe, als Einbildung oder auch als fadenscheinigen Grund für einen Angriffskrieg, wenn auch leider bloß gegen die BR Jugoslawien und nicht etwa gegen die Stadt Magdeburg oder die sog. national befreiten Zonen in Mecklen- oder Brandenburg. Dementsprechend hat sich die nationalistische Lehre vom ewigen und einigen deutschen Volk und Vaterland ... durch die Realität gründlich widerlegt (Tietz).
Ronny Blaschke : Angriff von Rechtsaußen
Seit vielen Jahren bemüht sich die rechtsradikale Szene, bei den Fußballfans Einfl uss zu gewinnen zuweilen mit Erfolg. Der Journalist Ronny Blaschke hat Beispiele recherchiert: NPD-Mitglieder rekrutieren Nachwuchs in der Anhängerschaft des 1. FCLok Leipzig; in Sachsen-Anhalt arbeitet ein Rechtsradikaler als Jugendtrainer; in Dortmund gibt es Überschneidungen zwischen Autonomen Nationalisten und Fanszene. Dass bei Teilen der Fans rechtsextreme Einstellungen verwurzelt sind, zeigt sich, wenn rassistische, antisemitische oder schwulenfeindliche Parolen angestimmt werden.Blaschke sprach mit Neonazis ebenso wie mit Sozialarbeitern, Forschern und Vertretern aus Politik und Verfassungsschutz. Sein Buch gewährt alarmierende Einblicke in ein Problemfeld, über das wenig bekannt ist. Zugleich wertet es Erfahrungen und Vorschläge aus, wie dem Einfluss Rechtsradikaler in den Vereinen und Stadien begegnet werden kann. Und es plädiert für eine politische Diskussionskultur in einer Branche, die sich ihrer sozialen Verantwortung selten bewusst ist.
Horst-Pierre Bothien : Das braune Bonn (Personen und Ereignisse 1925-1939)
Das in einer Schriftenreihe des Stadtmuseumszur Geschichte Bonns erschienene Buch beginnt mit einer Chronik des Schreckens, einer beispielhaften Darstellung der Schicksale verschiedener Gruppen und Personen, die von Bonner Nazis verfolgt wurden. Das eigentliche Thema dieser Arbeit aber ist der Blick auf die Täterseite Aufsätze über die Frühgeschichte der Bonner NSDAP, das Funktionieren des NS-Systems in Bonn und einige der Verantwortlichen fügen sich zu einen Bild über das braune Bonn zusammen, durch das deutlich wird, dass auch hier der Faschismus nicht plötzlich vom Himmel fiel und auch hier ganz viele dabei gewesen sind. Somit ist dieser Band die notwendige Ergänzung zu den bekannten Büchern über Bonner Opfer nationalsozialistischer Verfolgung. Bleibt zu hoffen, dass auch die Bonner Tätergeschichte ab Kriegsbeginn bald Gegenstand einer ähnlich fundierten Recherche wird.
Volkhard Brandes : Paris, Mai '68
1968 in der BRD war ganz schön lasch im Vergleich zu dem, was in Frankreich abging. Nach den Studierenden, probten auch die ArbeiterInnen den Aufstand, am Generalstreik beteiligten sich 10 Millionen Menschen, der Ausnahmezustand wurde erklät, Panzer rollten durch Paris und der französiche Präsident floh nach Baden-Baden. Diese Buch widmet sich dem Anteil, den Künstlerinnen und Künstler an der Revolte hatten. Dokumentiert werden die kollektive Plakatproduktion des "Atelier populaire" und Arbeiten der berühmtesten französischen KarikaturistInnen. Dem gegenüber gestellte Fotos bezeugen die Wirkung dieser Werke in den Strassen von Paris.
Nikolaus Brauns & Brigitte Kiechle : PKK - Perspektiven des kurdischen Freiheitskampfes
Für eine friedliche und demokratische Entwicklung im Mittleren Osten ist eine Lösung der kurdischen Frage unabdingbare Voraussetzung. Diese setzt aber die Beteiligung der von der Türkei, EU und den USA als terroristisch eingestuften Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) voraus, die mehr als alle anderen politischen Kräfte der Region den Willen der kurdischen Bevölkerung in der Türkei repräsentiert. Ausführlich wird die hierzulande weitgehend unbekannte politische und programmatische Entwicklung der PKK von den 70er Jahren bis zur Gegenwart dargestellt. Eingegangen wird auch auf die Bedeutung der zivilen kurdischen Selbstorganisation und der Frauenbewegung. . Aufgezeigt wird, welche globalstrategischen Interessen einer Lösung der kurdischen Frage entgegenstehen, welche Verhältnisse in der von den USA protegierten kurdischen Autonomieregion im Nordirak herrschen und warum politische und militärische Unterdrückung in den kurdischen Gebieten der Türkei trotz einer von der islamisch-konservativen AKP-Regierung angekündigten "demokratischen Öffnung" weitergehen. Gefragt wird nach Chancen und Risiken des EU-Beitrittsprozesses und den Auswirkungen des Neoliberalismus auf die Türkei.Dabei lassen die Nikolaus Brauns und Brigitte Kiechle keinen Zweifel daran, dass es eine wirkliche Befreiung der kurdischen Bevölkerung nur geben wird, wenn neben der kolonialen Unterdrückung auch der feudale Grundbesitz und der Kapitalismus als Grundlage von Unterentwicklung und Armut abgeschafft werden.
Abgerundet wird das Buch durch persönliche Erfahrungen aus Reisen in die kurdischen Landesteile der Türkei und des Irak.
Franziska Bruder & Heike Kleffner : Die Erinnerung darf nicht sterben...
Barbara Reimann - Eine Biografie aus acht Jahrzehnten DeutschlandDiese lebensnahe Biografie ist über eine Zeitspanne von fünf Jahren hinweg entstanden. In drei Teilen schildert die heute achtzigjährige Barabara Reimann im Gespräch mit den beiden Herausgeberinnen ihr Leben. Im Anhang wird das Buch durch einen hervorragenden Anmerkungsteil um zeitgeschichtliche Informationen sowie Kleinstbiographien der erwähnten Personen ergänzt und gegebenenfalls erläutert.
Barbara Reimann wurde 1920 in Hamburg geboren. Ihre Eltern und beide Brüder waren in der KPD organisiert, wodurch ihr die politische und soziale Arbeit der kommunistischen Bewegung von klein auf vertraut war. Ihr Vater, Max Dollwetzel, wurde im September 1933 von der Gestapo verhaftet und ermordet. Die beiden Brüder lebten längere Zeit in der Illegalität, bevor sie nach ihrer Verhaftung durch die Gestapo zunächst in die Sowjetunion beziehungsweise nach Dänemark emigrierten. Die Gestapo nahm die Mutter, Clara Dollwetzel, ebenfalls aktive Kommunistin, 1934 zum ersten mal fest. 1943 wurden Barbara, ihre Mutter und ihr Stiefvater verhaftet. Nachdem Barbara zwischenzeitlich für zwei Monate entlassen worden war (das tat die Hamburger Gestapo im Sommer 1943 mit vielen politischen Gefangenen, um deren Kontakt zu anderen WiderständlerInnen zu enttarnen), blieb sie bis April 1944 in Haft im KZ Fuhlsbüttel und wurde von dort gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Patentante mit dem Vermerk RU (Rückkehr unerwünscht) in das KZ Ravensbrück gebracht. Kurz vor der Befreiung 1945 räumte die SS das Lager und zwang die kranken und geschwächten Häftlinge auf die Todesmäsche. Von dort konnte Barbara gemeinsam mit ihrer Mutter und Patentante fliehen und alle drei zu Verwandten nach Schwerin in Sicherheit bringen.
In den ersten Nachkriegswochen lebte Barbara noch in Hamburg. Dort hatte sie die Aufgabe, die Identität der ehemaligen Häftlinge von Ravensbrück festzustellen, um ihnen dann Ausweispapiere ausstellen zu können. Dabei enttarnte sie häufig SS-Angehörige, die auf diese Weise versuchten, ihren Persilschein zu bekommen. Außerdem berichtet sie über die Prozesse der Briten und der Deutschen gegen die Nazis, in denen sich bereits damals eine Verharmlosung des Naziterrors zeigte. Sie zog dann bald nach Berlin, arbeitete von Anfang an bei der VVN (Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes) mit und gründete gemeinsam mit überlebenden Freundinnen die Lagergemeinschaft Ravensbrück. Ihre Schilderung, wie sie und andere im KZ Fuhlsbüttel und später in Ravensbrück die schwere Zeit bewältigten, die Verhöre und Folterungen, das Aushungern und die entwürdigende und erniedrigende Behandlung, die Hinrichtung ihr bekannter Menschen, die ihr vielfach sehr liebgeworden waren. All das beschreibt sie mit einer bewundernswerten Stäke und zeigt, wie durch gegenseitige Hilfe und Organisierung vieles besser bewältigt werden konnte. Sie erzählt von zahlreichen GenossInnen, deren Biografien im Text sowie im Anhang erwähnt werden, so daß der Widerstand dieser Menschen in diesem Buch noch einmal lebendig wird. Denn Die Erinnerung darf nicht sterben...
Franziska Bruder und Heike Kleffner, beide Berliner Journalistinnen, hatten 1995 im Rahmen einer Artikelserie über Menschen, die in Widerstandsgruppen gegen das NS-Regime aktiv gewesen waren, Barbara Reimann kennengelernt. Nach Fertigstellung des geplanten Artikels wurde der Kontakt weitergeführt und intensiviert und führte so zu diesem lebendigen Buch.
Buchenwald : Ein Konzentrationslager
Immer schwerer wird es für die wenigen noch lebenden Überlebenden des KZ Buchenwald, über die Nazizeit zu berichten. Auch die wenigen noch erhaltenen Bauten machen es schwer, sich das Leben im KZ vorzustellen. Deshalb kam man auf die Idee, diese CD-ROM zu erstellen. Etwa 450 Bilder und Dokumente illustrieren die Texte der überlebenden Widerstandskämpfer und Häftlinge. Sie selber kommen in über 50 Audio- und Videosequenzen zu Wort. Bewusst wird aus der Perspektive der überlebenden Häftlinge berichtet. So bilden der Widerstand und die Selbstbefreiung des KZ durch die Häftlinge einen Schwerpunkt der CD-ROM. Seit der Übernahme der Gedenkstätte durch die Bundesrepublik gibt es Versuche dies zu leugnen. Diese CD liefert ein Zeugnis gegen die Geschichtsrevisionisten, indem ausführlich die Selbstbefreiung dargestellt wird. Das KZ Buchenwald war aufgrund seiner speziellen Situation das einzige Konzentrationslager, in dem dies gelang. Eine klandestine Widerstandsorganisation im Lager sammelte Waffen, verzögerte die von der SS und der Lagerleitung geplante Evakuierung und griff am Nachmittag des 11. April 1945 die SS-Bewacher an. So konnten die übrig gebliebenen 21.000 Häftlinge vor dem sicheren Tod bewahrt werden. Als die US-Armee zwei Tage später das KZ erreichte, wurden ihr über 200 von den Häftlingen gefangen genommene SS-Leute übergeben. Ca. 250.000 Menschen durchliefen dieses Lager, davon kamen etwa 65.000 um.In unterschiedliche Kapitel unterteilt, wird anschaulich der gesamte Komplex KZ Buchenwald dargestellt. So erfährt man von der Geschichte des KZ, der Struktur, den unterschiedlichen Orten innerhalb des KZ, z. B. vom Zoo oder vom Falkenhof, der für die Weimarer Bevölkerung zugänglich war, und vieles mehr. Erwähnt wird auch die Funktion des Lagers als Sonderlager 2 durch die Sowjetarmee, die hier meist Nazi-Mitläufer inhaftierte. Aufgrund der katastrophalen Lebensmittelsituation starben mehrere tausend Menschen. Erschütternd der Bericht eines ehemaligen Häftlings, der erst unter den Nazis in Buchenwald einsaß und dann aufgrund eines Versehens, ohne Möglichkeit dies zu berichtigen, über zwei Jahre im Sonderlager 2 sass. Sein Bericht ist aber auch eine klare Absage an die immer wieder versuchte Gleichsetzung von KZ und Sonderlager, indem er darlegt, dass die Lebensbedingungen in keinster Weise zu vergleichen waren.
Die Benutzerführung der CD ist durchdacht, so dass man jederzeit zu jedem Punkt springen kann. Vielfache Verlinkungen ergänzen die Texte und Dokumente. Ein Nachteil historischer CDs sind die nötigen umfangreichen Texte. Die AutorInnen haben sich bemüht, diese so kurz wie möglich, so lang wie nötig zu halten, dennoch ist die Scheibe notgedrungen sehr textlastig. Das Layout hätte durchaus etwas moderner sein können, das mindert jedoch nicht die Aufmerksamkeit des Betrachters. Die CD ist hervorragend für Schüler geeignet und durch Unterrichtsmaterialien für diese ergänzt.
Thomas Buergenthal : Ein Glückskind
Eine glückliche, behütete Kindheit hätte es für Thomas Buergenthal werden können, damals in Lubochna. Doch dann kamen die Deutschen: Die Familie flieht nach Polen, wird verhaftet und ins Ghetto gesperrt, weil sie jüdisch ist. Es folgt die Deportation nach Auschwitz. Als eines von nur ganz wenigen Kindern überlebt Thomas einen der berüchtigten "Todesmäsche" im eiskalten Winter 1944/45. Nach seiner Befreiung aus dem KZ Sachsenhausen erlebt er als "Maskottchen" der polnischen Armee den Kampf um Berlin mit, kommt schließlich in ein Waisenhaus und findet auf wundersame Weise seine Mutter wieder.Auf bewegende Weise, ganz ohne Bitterkeit, erzählt Thomas Buergenthal seine Kindheitsgeschichte und überdies, wie er zunächst in Deutschland bei seiner Mutter, später in den USA ein neues, "zweites Leben" beginnt.
Colectivo Situaciones : Que se vayan todos - Krise und Widerstand in Argentinien
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Der Dezemberaufstand 2001 markiert einen tiefen Einschnitt in der Geschichte Argentiniens. Nach langen Jahren ungebrochener Herrschaft des Neoliberalismus, der das Land völlig zerrüttet hat, fegte eine Massenmobilisierung die Regierung hinweg.Straßenblockaden der Piqueteros und Stadtteilversammlungen, Aktionen gegen die Verantwortlichen der Militärdiktatur und besetzte Fabriken bestimmen seither das soziale Panorama.
Die neuen Bewegungen stellen alle Formen der politischen Repräsentation radikal in Frage und sprengen die überkommenen Konzepte der traditionellen Linken. Das Buch unternimmt eine erste Reflexion dieses Aufstands neuen Typs und der tastenden Suche nach alternativen Formen der Vergesellschaftung von unten.
Margaret Collins Weitz : Frauen in der Resistance
Es ist schon erstaunlich, dass es bis heute kaum Untersuchungen über Frauen in der Resistance gibt. Die US-Amerikanerin Margot Collins Weitz schließt mit ihrem Buch eine Lücke. Bis heute ist es üblich, den Anteil der Frauen im Widerstand herunter zu spielen. Das liegt sicherlich an der Tatsache, dass nur ein geringer Teil aktiv mit der Waffe kämpfte. Trotz des Wunsches vieler Frauen nach dem bewaffneten Kampf wurde dies weder vom gaullistischen noch vom kommunistischen Widerstand gerne gesehen. So waren sie vor allem in den wichtigen Bereichen der Unterkunft- und Informationsbeschaffung, des Botendienstes und des Sanitätsbereiches tätig, ohne die ein Widerstand auch nicht möglich ist. Der Ausspruch eines Resistancekämpfers bei der Fallschirmlandung der Instrukteurin Bohec: "Was soll das denn? Jetzt schicken sie schon die Kinder", war eine typische männliche Reaktion auf kämpfende Frauen. Erst Bohecs umfangreiche Ausbildung in Sabotagetechniken verschaffte ihr den nötigen Respekt der Männer. Von dem bürgerlichen Bild der Frau - als Mutter, Freundin, Geliebte - war auch die Resistance nicht frei. Weitz führt in das Geschehen über die gesellschaftliche Situation vor dem Krieg ein, in der Frauen noch nicht einmal wählen durften. Dem Einmarsch und der folgenden Besatzung durch die Deutschen folgte eine Zäsur innerhalb der Gesellschaft. Während die einen abwarteten, wollten andere Widerstand leisten. Die Brüche gingen mitten durch die gesellschaftlichen Schichten. So fanden sich in der Resistance Frauen und Männer wieder, die vorher auf Grund des unterschiedlichen gesellschaftlichen Status niemals miteinander zu tun gehabt hätten. Sie alle vereinte der Kampf gegen die Nazis. Weitz zeigt die verschiedenen Facetten des Widerstandes, die ständige Gefahr von Verhaftung und Ermordung, die den Widerstand prägten. Die meisten Frauen waren sehr jung und unerfahren. Alle Praktiken, vom Verhalten auf der Straße bis hin zum Kampf mit der Waffe, mussten mühselig angeeignet werden. Eine Vielzahl der aktiven jungen Frauen kamen aus bürgerlichem Hause. Sie hatten meist auf den Eliteschulen Deutsch gelernt und mussten den gefährlichen Job des Feindkontaktes übernehmen.Die Arbeit im Geheimen hatte natürlich auch zur Folge, dass Liebschaften entstanden. Weitz nimmt sich auch dieses Themas an und gibt damit ebenfalls einen sehr intimen Einblick in die Resistance, der in den meisten Büchern einfach ausgeklammert bleibt. Immer wieder geht sie auf das propagierte Bild der Frau durch die Nazis und auch Petains, des Führers der unbesetzten französischen Zone, ein. Dieses Bild wurde nach der Befreiung nicht gebrochen. Da war eine Frau dann entweder Hure oder Kollaborateurin, wie Weitz schildert. Das sahen die Frauen aus der Resistance nicht ein und hatten im befreiten Frankreich kein leichtes Leben. Man merkt Weitz das Interesse an den Frauen an, das auf einer Vielzahl von Interviews basiert und sich nicht nur auf die Geschehnisse alleine reduziert. Dadurch ergibt sich ein tiefer Einblick, der das Buch überaus lesens- und empfehlenswert macht. Ein großartiges Buch, das schon lange gefehlt hat.
Cross the Border : Kein Mensch ist illegal - ein Handbuch zu einer Kampagne
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MigrantInnen und Flüchtlinge sind in Europa unerwünscht. Nachdem es für sie nahezu unmöglich ist, auf legalem Weg hierher zu fliehen, einzureisen oder einzuwandern, ist die Überschreitung der Staatsgrenzen nur noch illegal möglich und nicht selten mit tödlichen Gefahren verbunden. Illegal wird, wer bleibt, obwohl der Aufenthalt nicht mehr erlaubt, gestattet oder geduldet ist.In entrechtetem, ungesichertem oder illegalisiertem Status zu leben, bedeutet die ständige Angst vor Denunziation und Erpressung, weil die Entdeckung Bestrafung, Abschiebehaft oder die sofortige Abschiebung zur Folge hat. Es bedeutet völlige Schutz- und Rechtlosigkeit gegenüber Behörden, Arbeitgebern und Vermietern, aber auch im Falle von Krankheiten, Unfällen und Übergriffen usw.
Deshalb rufen wir dazu auf, MigrantInnen bei der Ein- und Weiterreise zu unterstützen. Wir rufen dazu auf, MigrantInnen Arbeit und Papiere zu verschaffen. Wir rufen dazu auf, MigrantInnen medizinische Versorgung, Schule und Ausbildung, Unterkunft und materielles Überleben zu gewährleisten. Dieser Aufruf auf der documentaX im Juni 1997 startete die Kampagne kein Mensch ist illegal. Durch Aktionen wie das Wanderkirchenasyl in NRW und die bundesweite Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen wurde sie öffentlich bekannt, und mittlerweile ist ein Netzwerk aus linken, radikaldemokratischen, kirchlichen und gewerkschaftlichen Gruppen entstanden, das versucht, den im Aufruf gesetzten Anspruch in die Tat umzusetzen.
Das vorliegende Handbuch enthält Texte zum Hintergrund der Kampagne, eher theoretische über Rassismus und Flüchtlingspolitik, Berichte über Fluchthilfe und Beratungstätigkeit, aber auch praktische Hinweise, z.B. einen Leitfaden zur Eheschließung zwecks Erhalt eines Aufenthaltsstatus. Klar und verständlich geschrieben und ergänzt durch eine Adressenliste mit Anlaufstellen, ist das Buch eine gelungene Reflexion über den bisherigen Verlauf und die Perspektiven der Kampagne und ermöglicht gleichzeitig den Einstieg in die konkrete Unterstützungsarbeit.
Mike Davis : Eine Geschichte der Autobombe
Autobomben sind in der Berichterstattung über den Irak und Afghanistan zu täglichen Ereignissen geworden. Dass die Autobombe eine über 80-jährige Geschichte hat und von ganz unterschiedlichen Akteuren und in verschiedenen Kontexten auf fast allen Kontinenten eingesetzt wurde, ist wenig bekannt. Mike Davis gibt einen überblick über nahezu alle bis heute gezündeten Autobomben und stellt die Entwicklung dieser Waffentechnik in den jeweiligen historischen Kontext.
Willem de Vries : Sonderstab Musik - Organisierte Plünderungen in Westeuropa 1940-45
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Willem de Vries, niederländischer Musik- und Zeithistoriker beschäftigt sich seit 30 Jahren mit der Geschichte des Nationalsozialismus. Er greift in diesem Buch bisher wenig beachtete Themen auf: die deutsche Musikpolitik während des Nationalsozialismus und die Beteiligung von bekannten Musikwissenschaftlern an der Organisierung und Durchführung von Plünderungen von Musikalien aller Art.Im Mittelpunkt steht der von Alfred Rosenberg initiierte Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR), der mit der Sichtung und Plünderung von Kunstschätzen in den von Deutschland besetzten Gebieten befaßt war.
De Vries skizziert die kulturpolitischen Ambitionen Rosenbergs hinsichtlich der Musikpolitik. Der Schwerpunkt liegt auf der Beschreibung des Sonderstab Musik des ERR und der von ihm organisierten Plünderungen von Musikalien in Frankreich, den Niederlanden und Belgien. Dabei werden die Hauptakteure wie Herbert Gerigk und Wolfgang Boetticher benannt und ihre Aktivitäten, insbesondere vor dem Hintergrund ihres Erfolges im Nachkriegsdeutschland ausführlich analysiert.
Das Buch zeichnet sich durch seinen flüssigen Schreibstil aus. Zur Zeit besitzt es große Aktualität, denn es liefert Informationen zu der Diskussion über die Wiedergabe bzw. Entschädigung von arisiertem jüdischen Besitz.
Gabriele Dennert : In Bewegung bleiben
100 Jahre Politik, Kultur und Geschichte von Lesben - informativ, vielfältig, historisch, bunt, analytisch und streitbar. Das Buch versammelt rund 100 Beiträge zu Bewegung, Alltag und Kultur lesbischer Frauen im 20. Jahrhundert. Aktivistinnen zwischen Jahrgang 1931 und 1981 beschreiben politische Kämpfe, Widerstand und Rückschläge, Spaß und Lust, Kontroversen und Streit. 325 Fotos, Plakate und Titelbilder illustrieren Bewegungsaktionen und Bewegungsalltag.
Sarah Diehl : Deproduktion - Schwangerschaftsabbruch im internationalen Kontext
Laut WHO stirbt alle sieben Minuten auf der Welt eine Frau an den Folgen eines unsicheren Schwangerschaftsabbruchs. Das verdeutlicht, dass Frauen gesellschaftlichen Konstellationen ausgesetzt sind, die sie dazu bringen, für die Beendigung einer ungewollten Schwangerschaft ihr Leben aufs Spiel zu setzen, wenn ihnen der Zugang zu einem medizinisch korrekt durchgeführten Abbruch verwehrt wird. Dennoch gibt es international nur wenige Bestrebungen, diesem Phänomen konsequent entgegenzutreten, während zugleich illegale Abtreibungen weltweit zu einem lukrativen Geschäft geworden sind. Die Anthologie verbindet historische Begebenheiten, kulturwissenschaftliche Perspektiven und persönliche Erfahrungsberichte von Frauen, Aktivistinnen und Wissenschaftlerinnen aus Ländern mit unterschiedlichen gesetzlichen Regelungen und stellt die Selbstverständlichkeit in Frage, mit der Frauen moralisch, sozial und politisch immer noch ihre vollen reproduktiven Rechte und ihre körperliche Selbstbestimmung verwehrt werden. Anhand des Themas Schwangerschaftsabbruch wird eine Vielfalt gesellschaftlich relevanter Aspekte verhandelt, die Normvorstellungen über Weiblichkeit und die Reproduktionsarbeit von Frauen in Frage stellen.
Jutta Ditfurth : Ulrike Meinhof
Die Publizistin Jutta Ditfurth stieß in ihrer sechsjährigen Recherche auf bisher unbekanntes Quellenmaterial über Ulrike Meinhof und kann dadurch neue Zusammenhänge in der Lebensgeschichte dieser äußerst kompromisslosen Frau aufzeigen. Eine umfassende Biographie von Ulrike Meinhof, in der sich die Nachkriegsgeschichte der Bundesrepublik und das politisch rebellische Klima der sechziger und siebziger Jahre widerspiegeln.
Christian Dornbusch & Hans-Peter Killguss : Unheilige Allianzen
Reihe antifaschistischer Texte
Im Schatten des Black-Metal-Mainstreams hat sich eine Underground-Szene aus Bands, Fans und Magazinen entwickelt, die sich zwischen Satanismus, Heidentum und offener Glorifizierung des Nationalsozialismus bewegt. Obgleich von der öffentlichkeit weniger beachtet, haben die extrem rechten Bands des Genres unter dem Label NS-Black-Metal den Schulterschluss mit ihren Brüdern im Geiste, den neonazistischen Skinheads, längst vollzogen.Die Autoren recherchieren seit einigen Jahren in der Szene. Sie beschreiben die Entwicklungen des Black Metals, analysieren die Motive des Genres sowie ihre Verknüpfung mit der Ideenwelt der extremen Rechten und benennen Bands und Akteure, die zum neonazistischen Untergrund in Deutschland und Europa gehören.
Wolfgang Dreßen : Betrifft Aktion 3: Deutsche verwerten jüdische Nachbarn
Die als erste Station einer Wanderausstellung in Düsseldorf gezeigten Dokumente geben Auskunft, wie präzise die von den Nationalsozialisten mit der Verwaltung jüdischen Eigentums betrauten Ämter gearbeitet haben. Aber nicht nur das: Überdeutlich belegen sie, wie ganz normale BürgerInnen das Eigentum ihrer jüdischen Nachbarn erstanden in der Gewissheit, dass die nicht wiederkommen. Das Thema der Ausstellung erweist sich auch über ein halbes Jahrhundert später als noch so brisant, dass die meisten relevanten Akten von den Oberfinanzdirektionen unter Verschluss gehalten werden; die Ausstellungsmacher konnten viele Exponate nur quasi illegal präsentieren.Der Band enthält die Dokumente der Ausstellung, denen ein ausführlicher Kommentar vorangestellt ist. Wolfgang Dreßen leitet die Arbeitsstelle Neonazismus an der Fachhochschule Düsseldorf.
Angelika Ebbinghaus : Die 68er - Schlüsseltexte der globalen Revolte
"1968" stellt eine Chiffre dar. Die Sozialbewegungen wurden vor allem von Jugendlichen, Studierenden, Intellektuellen und Künstlern, aber auch von Arbeitern - wie in Frankreich, Brasilien und Italien - getragen und zeichneten sich durch antiautoritäe Mentalität, Kultur und Lebensweise aus. Der Protest gegen den Vietnamkrieg sowie die Auflehnung gegen Rassismus, gesellschaftliche Ungleichheit und autoritäe bzw. bürokratische Strukturen waren gemeinsame Anliegen. Der Wunsch nach einer besseren Welt verband diese Bewegungen über Länder und Kontinente hinweg. Die Parole "Ich nehme meine Wünsche für die Wirklichkeit, denn ich glaube an die Wirklichkeit meiner Wünsche" an den Wänden der Sorbonne und die Forderung italienischer Arbeiter zehn Jahre später, "Wir wollen alles!", markieren die Utopien und Hoffnungen dieser langen Revolte. Die hier zusammengestellten Texte, u.a. von Simone de Beauvoir, Ernesto "Che" Guevera, Herbert Marcuse und Antonio Negri, haben das globale "1968" geistig vorbereitet und beeinflusst.
Barbara Eder & Felix Wernheuer (Hg.) : Die Linke und der Sex
Die Überwindung von autoritären Formen der Kindererziehung und monogamen, eheähnlichen Zweierbeziehungen war immer wieder integraler Bestandteil utopischer Gesellschaftsentwürfe auf Seiten der politischen Linken. Ebenso waren viele AktivistInnen der 1968er-Bewegung der Überzeugung, soziale Revolution sei nicht ohne „befreite“ Sexualität denkbar. Die Hoffnungen, die mit der Idee einer „sexuellen Revolution“ verbunden wurden, haben sich jedoch nicht erfüllt: Radikale Kommune-Projekte scheiterten, die fortschreitende Liberalisierung führte zur Kommerzialisierung von Sex(arbeit). Feministinnen kritisierten zu Recht, dass Fragen von Reproduktionsarbeit und Heterosexismus in gesellschaftsverändernden Entwürfen der Linken nur selten mitbedacht wurden.Mit der vorliegenden Dokumentation von linkskommunistischen, freudo-marxistischen und (queer)-feministischen Texten wird die Frage aufgeworfen, inwiefern Projekte einer gesamtgesellschaftlichen politischen Emanzipation mit einer Kritik der Sexualität einhergehen kann. Dabei geht es auch um neue Beziehungsformen wie die „erotische Freundschaft“, Praktiken zur Überwindung einer genitalfixierten Sexualität oder um die Frage, wie (Un-)Lust mit Lohnarbeit zusammenhängt. Über den Umweg einer historischen Spurensuche versucht dieses Buch, emanzipatorische Elemente freizulegen.
Mit Texten von Alexandra Kollontai, Elfriede Friedländer, Herbert Marcuse, Shulamith Firestone, Reimut Reiche, Michel Foucault, Beatriz Preciado, Linda Singer u.a.
Stefan Eggerdinger & Hans-Rüdiger Minow : Der Terror des Krieges. Der Überfall auf Jugoslawien und die Eroberung Südosteuropas
Als aus dem Kosovo-Konflikt der Kosovo-Krieg wurde (besser gesagt: der Krieg um das Kosovo), erlangte die Bundesrepublik Deutschland endlich ein weiteres Stück der so heiß ersehnten Normalität: Zum dritten Mal in diesem Jahrhundert überfielen Deutsche Jugoslawien. Keine Lüge war der rot-grünen Bundesregierung, kaum im Amt, du dreist, um sie nicht als Rechtfertigung für den ersten wirklichen Kriegseinsatz seit 1945 ins Feld zu führen - vor dem Krieg nicht, während dessen nicht und hinterher schon gar nicht. Zuerst haben sie Genozide und Völkermorde herbei fantasiert, dann einen souveränen Staat angegriffen und das und das zur Lehre aus Auschwitz umgelogen; am Schluss wurden noch Hufeisenpläne erfunden, um das Bild von Slobodan Milosevic als Reinkarnation Adolf Hitlers aufrecht erhalten zu können.Die Linke hatte an Protest und Widerstand leider viel zu wenig zu bieten. Viele ihrer (ehemaligen) MitstreiterInnen sypathisierten mit Rot-Grün und hatten jetzt den Salat bzw. keinen Anlass mehr, auf die Straße zu gehen. Dass das angegriffene Jugoslawien nicht gerade eine ideale Identifikationsfigur abgab, trug zusätzlich zu der Schwäche der Anti-Kriegs-Bewegung bei. Doch sie hatte auch ihre Höhepunkte. Einer davon war die Veranstaltung Der Terror des Krieges am 27. Mai 1999 in einer Bonner Mensa. Knapp 800 BesucherInnen bekamen die Statements der TeilnehmerInnen an einer zuvor organisierten wissenschaftlichen Konferenz für ein Tribunal gegen den Angriff auf Jugoslawien auf einer Podiumsdiskussion mit internationaler Beteiligung präsentiert. Die Beiträge richteten sich aus den unterschiedlichsten Gründen und Positionen allesamt scharf gegen den Krieg; die Bandbreite reichte von einem eher konservativen französischen Historiker, der die NATO ablehnt, bis zur antideutschen Jutta Ditfurth. Das Publikum verließ beeindruckt den Saal. Das Tribunal war perfekt organisiert, würdig und gelungen.
Ein knappes Jahr später ist nun das Buch erschienen, das den Titel der Bonner Veranstaltung trägt und überarbeitete Beiträge der KonferenzteilnehmerInnen und anderer AutorInnen enthält. Auch hier sorgt die internationale Besetzung für eine wichtige Erweiterung des Blickfeldes; ein Qualitätsmerkmal, das nicht viele Bücher zum Thema Jugoslawien-/Kosovo-Krieg aufweisen. Überhaupt gehört der Band zum weitaus Besten, was zu dieser Angelegenheit publiziert wurde. Besondere Beachtung finden die Kapitel von Stefan Eggerdinger - der über die Rolle der Bundesrepublik bei der Zerschlagung Jugoslawiens schreibt - und Wolfgang Dreßen. Der Düsseldorfer Hochschullehrer, der für die Ausstellung Aktion 3 verantwortlich zeichnet - eine Präsentation von Dokumenten aus Finanzamtsbeständen, die eindrucksvoll zeigen, ein wie großer Teil die so genannte Arisierung elementarer Bestandteil des NS-Vernichtungsprogramms war und in welch hohem Ausmaß die Bevölkerung genau Bescheid wusste und sich an jüdischem Eigentum bereicherte -, befasst sich mit der rot-grünen Relativierung von Auschwitz im Jugoslawien-Krieg. Im kleinen Verlag zur Förderung der wissenschaftlichen Weltanschauung ist ein großes Buch erschienen, das viel mehr Resonanz erfahren sollte als das vermutlich der Fall sein wird.
Verlag z. Förderung d. wissenschaftlichen Weltansc, Karton, 180 Seiten, 978-3-00-005809-5
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Heinrich Ehlers : Haschomer Hazair
Die jüdische Jugendbewegung Haschomer Hazair, gegründet in Wien am Vorabend des Ersten Weltkrieges, nimmt unter den unzähligen Jugendorganisationen in aller Welt eine besondere Stellung ein. Eine besondere äa in ihrer Geschichte stellt die Nachkriegszeit dar, als die überlebenden der Shoa aus den Konzentrationslagern und Ghettos sowie, heimkehrend aus der Emigration, nach österreich strömten. In über 40 Beiträgen berichten die AutorInnen, alle aus dieser Generation stammend, nüchtern und ohne Pathos, ebenso faszinierend wie erschütternd über ihre Erinnerungen, welche - unterstützt durch zahlreiche Fotos - ein zeitgeschichtliches Dokument ersten Ranges und ein Stück ungeschriebener Geschichte der Jüdischen Gemeinde Wiens darstellen.
Einstellungsbündnis : Das zarte Pflänzchen der Solidarität gegossen
Hier ist das Fazit des Bündnisses zu den Verfahren und dem Prozess wegen Mitgliedschaft in der militanten gruppe (mg).Nach drei Jahren Solidaritätsarbeit und der Verurteilung von Axel, Florian und Oliver wegen versuchter Brandstiftung an Bundeswehr-LKW im Berliner mg-Prozess legt das Einstellungsbündnis sein Resümee vor. Die Soli-Gruppe beschreibt unter anderem die verschiedenen Linien und Fallstricke der Soli-Arbeit, die Möglichkeiten und Schwierigkeiten, einen politischen Prozess zu führen und die Wahrnehmung durch die Linke und die Medien. Die Auswertung versteht sich als Handreichung für alle, die sich mit Repression auseinandersetzen, von ihr betroffen sind oder sein könnten.
Gernot Ernst : Komplexität: Chaostheorie und die Linke
Das Ziel jeder linken Bewegung ist die Veränderung der existierenden Verhältnisse zum Besseren. Um aber die Möglichkeiten, aber auch Grenzen von Veränderungen, ob in evolutionäer oder revolutionäer Form, besser zu verstehen, kann es nichts schaden, die Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Komplexitätsforschung zu verstehen.Dass Systeme nicht statisch, sondern dynamisch, also in Bewegung sind, ist jedem Marxisten aus dessen Beschreibung der menschlichen Geschichte bekannt. Anarchistinnen haben schon lange über angenommene und beobachtete Selbstorganisationsphänomene nachgedacht. Linke sind im Grunde genommen Systemtheoretikerinnen und Dynamiker der ersten Stunde. In diesem Buch der Reihe "theorie.org" werden deshalb zunächst einige zentrale Ideen wie die der "Chaos-Theorie", der dynamischen Systeme oder Netzwerke entwickelt. Dabei werden, soweit wie möglich, Beispiele aus der Gesellschaftstheorie herangezogen. Danach wird der derzeitige Stand der Diskussion in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen dargestellt. Ein eigenes Kapitel soll einen Teil der bisherigen linken Diskussion darstellen, deren Ergebnisse kritisch diskutiert werden.
Ulises Estrada : Tania
Aus dem kubanischen Spanisch von Asma Esmeralda Abd'Allah PortalesEine Biografie der Mitkämpferin Che Guevaras mit bisher unveröffentlichten Dokumenten. Tania wird 1937 in Argentinien als Haydée Tamara Bunke Bíder geboren. Ihre Eltern sind jüdische Kommunisten, die vor den Nazis ins Exil geflüchtet waren. Nach dem Zweiten Weltkrieg zieht die Familie in die DDR. Als junge Frau wird Tania von der kubanischen Revolution inspiriert und angezogen. Sie wird schließlich eine Aktivistin der lateinamerikanischen Revolution, die es schafft, in Bolivien mit falscher Legende in die höchsten Kreise der von den USA an der Macht gehaltenen Oligarchie vorzudringen. Auf diese Weise wird sie zu einer wichtigen Wegbereiterin des von Che Guevara geleiteten Versuchs, eine revolutionäe Aufstandsbewegung in Bolivien zu initiieren.
Frank Fernández : Anarchismus auf Kuba - Geschichte einer Bewegung
Ein gern verschwiegener schwarz-roter Faden zieht sich durch die Geschichte Kubas. Der Autor hat mit seinem Buch diese Geschichte neu aufgerollt. Er spannt den Bogen von der Zeit der spanischen Kolonialherrschaft bis hin zu dem heutigen Castro-Regime. Fernández zeichnet das Bild einer wechselvollen Geschichte der libertäen kubanischen Bewegung, die oft in den diversen politischen Strömungen unterzugehen drohte. Die Unabhängigkeitsbewegungen (Loslösung von Spanien) mit ihrem Patriotismus wie auch die späteren Diktaturen von Machado und Batista konnten sie nicht klein kriegen. Das besorgte in den fünfziger Jahren erst das Regime von Castro. Dieses Buch sei daher vor allen auch den Leuten ans Herz gelegt, die immer noch ein romantisierendes Bild eines kubanischen "Sozialismus" mit den marxistisch-leninistischen Galionsfiguren Che Guevarra und Castro pflegen.In diesem Sinne: "Kill your Idols".
Harry Fisher : Comrades - Bericht eines US-Interbrigadisten im spanischen Bürgerkrieg
Mit einem Vorwort von Pete SeegerWir kämpften dafür, Madrid zum Grabe des Faschismus zu machen. Mit diesen Worten beginnt der Bericht des heute 90jährigen ehemaligen Spanien-Veterans Harry Fisher, der mit den Internationalen Brigaden gegen den faschistischen Putsch General Francos kämpfte. Er war einer der über 3000 US-amerikanischen "verfrühten Antifaschisten" - so die Bezeichnung für diese amerikanischen Kommunisten in der McCarthy-Ära - von deren Geschichte bislang wenig bekannt war. Der in Bonn ansässige Pahl-Rugenstein-Verlag hat nun mit der Übersetzung von Fishers Tales of a Brigadista in the Spanish Civil War erstmals in deutscher Sprache eine Publikation zu diesem Thema vorgelegt.
Im Februar 1937 entschloss sich der junge Gewerkschafter und YCL-(Young Communist League)Funktionä sein Verständnis von praktizierter internationaler Solidarität umzusetzen und nach Spanien zu gehen um, wie er schreibt, durch die Verhinderung einer faschistischen Machtergreifung in Spanien einen zweiten Weltkrieg zu verhindern. Fisher berichtet von den Schwierigkeiten, die den amerikanischen Interbrigadisten schon vor ihrer Abreise aus den USA von Seiten der Regierung gemacht wurden und von der illegalen Einreise über die geschlossene französische Grenze nach Spanien. Nachdem diese Hindernisse erfolgreich überwunden wurden, erhielten die frisch eingetroffenen Brigadistas lediglich eine kurze militäische Ausbildung, bevor sie den Befehl erhielten die loyalistischen Truppen an der Front zu unterstützen. Anders als in so vielen anderen Darstellungen des spanischen Bürgerkrieges finden sich keine heroisierenden und bisweilen an die Grenzen des Kitsches stoßenden Beschreibungen von den Heldentaten der Interbrigaden. Vielmehr erzählt hier einer, der sowohl den Tatendrang und die felsenfeste Überzeugung der Antifaschisten als auch ihre Ängste und den Schrecken des Krieges plastisch schildert. Dabei ist er stets darauf bedacht kein propagandistisch durchfäbtes Pamphlet zu liefern und auch die negativen Vorfälle nicht zu verschweigen. Die längste Zeit seines 19monatigen Einsatzes in den Interbrigaden verbrachte Harry Fisher als Fernmelder. Auch, wenn er in dieser Funktion zahlreichen lebensgefährlichen Situationen ausgesetzt war, überlebte er den Krieg ohne größere Verletzungen. Diesem Glück, das einem Drittel seiner amerikanischen Genossen, die in Spanien getötet wurden, nicht zur Seite stand, verdanken die LeserInnen den geschlossenen Bericht über die Geschichte des Lincoln(-Washington)Bataillons von der Schlacht im Jarama-Tal angefangen bis zur bitteren Niederlage gegen die übermächtigen faschistischen Einheiten am Ebro. Mit den immer wieder eingestreuten, erhalten gebliebenen Briefen an seine Verwandten, dem illustrierten Mittelteil und den englisch-deutschen Liedtexten der Interbrigaden im Anhang, ist Comrades sicherlich einer der besten Tatsachenberichte über den Spanischen Bürgerkrieg.
Anja Flach : Frauen in der kurdischen Guerilla
Die ArbeiterInnenpartei Kurdistans PKK wird in Europa sehr kontrovers diskutiert. Wenig Beachtung fand bisher dagegen die kurdische Frauenarmee, die Mitte der 90er Jahre gegründet wurde. Tausende Frauen schlossen sich in der Folge der Aufstände und der Repression durch den türkischen Staat den Guerillakräften an. Zunehmend setzte sich die kurdische Bewegung mit der Geschlechterfrage auseinander. Aus der Sicht der feministischen Ethnologie untersucht Anja Flach vor allem die Motivation und Identität der Kämpferinnen sowie die Geschlechterrollen und Gender-Beziehungen innerhalb der kurdischen Guerilla und deren Auswirkungen auf die Situation der Frauen in der traditionell geprägten kurdischen Gesellschaft.
Eric Friedler & Andreas Kilian Barbara Siebert : Zeugen aus der Todeszone. Das jüdische Sonderkomando in Auschwitz
Das ist eine Krankheit ohne Namen, sagt Shlomo Venezia. In seinen Träumen sieht er seit fast 60 Jahren die verzweifelten Gesichter der Opfer auf dem Weg in den Tod, die entstellten Gesichter und gewundenen Körper der Ermordeten in der Gaskammer und hört die erschütternden Todesschreie der Sterbenden. Venezia gehört zu den vermutlich 25 letzten der ehemals 110 Überlebenden von etwa 2.200 Häftlingen aller jüdischen Sonderkommandos im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. In den Gaskammern von Auschwitz ermordete die SS zwischen 1941 und 1945 hunderttausende Menschen. In Gang halten mussten die Todesfabrik jedoch hilflose Arbeitssklaven: die jüdischen Häftlinge des Sonderkommandos Sie waren neben den TäterInnen und Ermordeten gezwungenermaßen die einzigen Augenzeugen der Vorgänge in den Vernichtungsanlagen. Die SS zwang sie, den Opfern beim Auskleiden zu helfen und auf diese beruhigend einzuwirken. Sie mussten nach der Vergasung die Leichen aus den Gaskammern zerren, sie nach Wertsachen untersuchen und ihnen das lange Kopfhaar abschneiden sowie die ausgewerteten Körper verbrennen. Wer sich weigerte, wurde ermordet. Doch als Geheimnisträger lebten die Sonderkommando-Häftlinge letztlich nur so lange, wie ihre Arbeitskraft von der SS missbraucht werden konnte. Die letzten Zeugen aus dem Inferno der Vernichtung überlebten wie durch ein Wunder.
Sabine Fuchs : Femme! - radikal - queer - feminin
Lesbisch und Lippenstift? Homosexuell und hautenger Rock? Das sind nicht gerade die gängigen Vorstellungen, die über Lesben existieren. Doch auch in lesbischen Kreisen galt Weiblichkeit lange als nicht politisch korrekt und als Anpassung an die zweigeschlechtliche heterosexuelle Lebenswelt. Nun widmet sich das erste deutschsprachige Buch dem Thema Femme und zeichnet ein selbstbewusstes, radikales und politisches Bild einer femininen Lesbe, fern von den Klischees um Lederjacken, Motorräder, lila Latzhosen und kurze Haare. In zahlreichen Aufsätzen, Essays und Interviews widmet sich dieser Sammelband einem Thema, das viel zu lange verpönt war. Kritisch-analytisch, selbstironisch-provokant und feministisch entdecken die Autorinnen die neue Weiblichkeit!
Leo Gabriel & Herbert Berger : Lateinamerikas Demokratien im Umbruch
Leo Gabriel & Herbert Berger: Lateinamerikas Demokratien im Umbruch
Mandelbaum 2010, 300 Seiten,
Die geopolitische Wende am amerikanischen Subkontinent ist keine kurzfristige. Sie basiert auf einem tief sitzenden Wandel im politischen Bewusstsein der Bevölkerungsmehrheiten, der sich seit nunmehr fünfzig Jahren abzeichnet. Mit Beiträgen aus Argentinien, Chile, Brasilien, Bolivien, Ecuador, Honduras, Kolumbien, Mexiko, Panama, Paraguay und Venezuela beleuchtet das Buch aus verschiedenen Blickwinkeln das Spannungsfeld zwischen Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Staat. Ursachen für die Erneuerung sind der katastrophale Bankrott der vorherigen Wirtschaftsrezepte einerseits, und ein Erstarken der durch Jahrhunderte unterdrückten oder instrumentalisierten Volkskulturen. Das Buch geht der Frage nach, welche Perspektiven diese höchst unterschiedlichen Bewegungen haben, die mit Namen wie Hugo Chavez, Luiz Inácio da Silva "Lula", Kirchner oder Evo Morales verbunden werden. Das Buch bietet eine Einführung in die Problematik Lateinamerikas und richtet sich in erster Linie an ein politisch interessiertes Publikum. Gezeigt werden die Erfolge und Perspektiven, aber auch die enormen Schwierigkeiten und Rückschläge eines kontinentalen Transformationsprozesses.
Klaus Gietinger : Eine Leiche im Landwehrkanal - Die Ermordung Rosa Luxemburgs
Die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ist eine der großen Tragödien des letzten Jahrhunderts. Kaum ein politischer Mord hat so sehr die Gemüter bewegt und das politische Klima in Deutschland verändert wie jener in der Nacht vom 15. auf den 16. Januar 1919 vor dem Hotel mit dem paradiesischen Namen "Eden". Der Mord war Auftakt für weitere politische Morde und nicht nur das: Der Fall Luxemburg/Liebknecht war sozusagen der Sündenfall, nach dem die Grundlagen für den deutschen Faschismus gelegt wurden. Über Jahre hinweg folgten Verdrehungen, Verdunklungen, Vorschubleistungen, falsche Verdächtigungen und Selbstbezichtigungen. Eine "Justizposse", die als einer der großen Justizskandale des vergangenen Jahrhunderts bezeichnet werden muss, machte aus der Tragödie eine Groteske. Gietinger hat seine akribischen Recherchen in dieser neu durchgesehenen und überarbeiteten Ausgabe zu einem spannenden Text zusammengefügt und entlarvt in aller Klarheit Mörder und Drahtzieher.
Edition Nautilus 2008, 192 Seiten mit 70 S-W-Abbildungen, Karton, 978-3-89401-593-0
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Alexander Goeb : Kambodscha - Reisen in einem traumatisierten Land
1979: Phnom Penh, die Hauptstadt, ist eine Geisterstadt. Totenschädel am Straßenrand, die Killing Fields. Goeb reist zum ersten Mal nach Kambodscha. Vietnamesische Soldaten patrouillieren vor dem Chatomuk-Theater. Blicke in verstörte Gesichter, Zeugen treten auf. überlebende. Ein Tribunal. Der Genozid in Zahlen. Todesurteile wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit werden gefällt. Doch Pol Pot und Ieng Sary, die Angeklagten, sind nicht anwesend. Vor der vietnamesischen Armee flüchteten sie in den Dschungel, aus dem sie einst kamen.2007: Ein neues Tribunal. Kambodschanische und internationale Richter sollen für späte Sühne sorgen. Wird das Trauma der Khmer dann zu Ende gehen? Die Mörder sind" alte Männer, in Freiheit und reich. Einige sind tot - wie Pol Pot. In Freiheit leben auch die Befehlsempfänger: an der Seite ihrer Opfer.
Gabriele Goettle : Wer ist Dorothea Ridder?
Gabriele Goettle rekonstruiert in Gesprächen mit Freunden Dorothea Ridders nicht nur das Leben einer Frau, die ihr Gedächtnis verloren hat, sondern einer ganzen Generation, deren Welt ssich um so mehr zu entfernen scheint, je mehr über sie geschrieben wurde. Dorothea Ridder flüchtete 1959 nach Westdeutschland, arbeitete als Kinderbetreuerin und Animierdame, gründete die Kommune 1 und saß wegen RAF-Unterstützung ein Jahr in Isolationshaft, als Ärztin arbeitete sie in Ankara un Berlin. 1997 erlitt sie im Alter von 55 Jahren einen schweren Schlaganfall, wodurch sie einen großen Teil ihrer Erinnerungen verlor. Das Buch ist der Versuch einer Rekonstruktion dieser Erinnerungen.
Uki Goni : Odessa. Die wahre Geschichte - Fluchthilfe für NS-Kriegsverbrecher
Der Name Odessa steht für die massenhafte Flucht von NS-Kriegsverbrechern - unter ihnen Adolf Eichmann, Klaus Barbie und Josef Mengele -, die sich mithilfe eines hoch organisierten Netzwerkes der Justiz entziehen konnten. Der argentinische Historiker und Journalist Uki Goñi zeichnet auf der Basis langjähriger Recherchen in Argentinien, den USA und Europa nach, wie es Tausenden von Nazis gelang, nach Lateinamerika zu entkommen. Hauptaufnahmeland und zentrale Drehscheibe war das Argentinien unter Juan Domingo Perón. Die Fluchthilfeorganisation verfügte über Basen in Skandinavien, Spanien und Italien, aktive Hilfe leisteten Schweizer Behörden - und im Vatikan liefen alle Fäden zusammen.
Rolf Gössner : Erste Rechts-Hilfe
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Rechts- und Verhaltenstips im Umgang mit Polizei, Justiz und GeheimdienstenAn Elogen soll nicht gespart werden, wo es angemessen ist. Rolf Gössners Buch ist das beste, das es zum Thema politische Repression derzeit auf dem Buchmarkt gibt. Es ist für RechtsanwältInnen, die sich mit politischem Strafrecht befassen, ebenso unverzichtbar wie für Bürgerrechts- und linke Anti-Repressions-Gruppen. Letztere sind im Anhang mit Anschrift, Telefon- und Faxnummer aufgelistet und teilweise sogar mit einer kurzen Beschreibung gewürdigt worden.
Die größte Stäke des beim Verlag Die Werkstatt erschienenen Bandes ist es, übersichtlich und sinnvoll gegliederte Rechts- und Verhaltenstips im Umgang mit staatlichen Verfolgungsbehörden und ausführliche politische Einschätzungen zu neueren Entwicklungen im Bereich der Inneren Sicherheit zusammenzuführen. Diese Kombination ergibt eine ideale Handreichung. Ob es um polizeiliche Demonstrationseinsätze, Hausdurchsuchungen, Strafverfahren und Gerichtsprozesse, Anwerbeversuche des Verfassungsschutzes, Datenschutzrechte oder den Großen Lauschangriff geht - Gössner hat nichts vergessen.
Das Buch ersetzt alle mühsamen Sammlungen von Flugblättern, Presseausschnitten und Broschüren. Und der Autor schreibt so verständlich, dass auch Nicht-JuristInnen mit den Tips etwas anfangen können. Und wer doch mehr wissen will, für den/die findet sich am Ende eines jeden Kapitels ein umfangreicher Literaturapparat zum Weiterlesen.
Madeleine Grawitz : Bakunin - Ein Leben für die Freiheit
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Übersetzt von Andreas LöhrerWer den Anarchismus liebt oder sich für die radikale Linke des 19. Jahrhunderts, ihre Kämpfe und ihre Milieus interessiert, wer eine der faszinierendsten Persönlichkeiten dieser Zeit und ihr abenteuerliches Leben kennenlernen möchte, wird in diesem opulenten Werk der französischen Sozialgeschichtlerin Madeleine Grawitz schwelgen. Fern vom Klischee des pulverdampfumflausten Barrikadensatans, der mit perfider Wut die schöne bürgerliche Welt ins Verderben reißen will, ersteht vor uns Michail Alexandrowitsch Bakunin, geboren am 18. Mai 1814 als Aristokratenspößling auf dem Gut Prjamuchino in der Provinz Twer, gestorben am 1. Juli 1876 in Bern, in der ganzen Leibes-, Gedanken und Temperamentenfülle seines Seins. Wem dabei auf über fünfhundert Seiten die Orientierung verlorengeht, der findet im Anhang neben dem Glossar der Protagonisten und einem Register einen vorzüglichen chronologischen Abriß von Bakunins Leben vor den geschichtlichen Ereignissen, die ihn bewegt haben und an denen er mitgedreht hat.
Von der 1848er Revolution bis zur Commune, von der Erhebung in Dresden, Streitereien in der Internationale bis hin zum Scheitern der Aufstände von Lyon und Bologna erleben wir einen Freigeist von Rang, der, ohne je sesshaft und gesittet zu werden, seinem Ideal gefolgt ist. - Bakunins Versuch, den Ruhestand in La Baronata zu genießen, geht denn auch vollständig daneben, bzw. macht den schon schwer kranken" alten Kämpfer, zeitlebens von Schulden geplagt, von Polemiken umzingelt und auf sein Erbteil wartend, in den Augen seiner Kritiker unglaubwürdig. Grawitz läßt ihrem Helden auch hier Gerechtigkeit widerfahren.
Was die äußeren Ereignisse dieses Lebens betrifft, so wird nichts ausgelassen. Bakunins unermüdlicher Einsatz an allen möglichen Fronten, um die Leidenschaft zur Freiheit, die Empörung gegen jede Autorität zu entfesseln,die schöpferische Lust an der Vernichtung aller Formen von Staatlichkeit, die die Freiheit in der Gleichheit oder die wesentliche Kollektivität des Menschen unterbindet, wird detailliert nachgezeichnet. Einen Höhepunkt stellt dabei sicherlich die Re-Inszenierung des Aufstands von Lyon durch Grawitz/Bakunin dar. Eindringlich sind zu Anfang die Familienszene, die Jugend in der heimatlichen Idylle, die intensiven Beziehungen zu den Schwestern, die Entwicklung des Themas Freiheit-Widerstand aus dem Geist des Idealismus und der Romantik erzählt worden. Hier erhalten wir auch behutsame Deutungshinweise oder auch Deutungsverbote zu Bakunins Lust an der Revolution aus dem Geist der geheimbündlerischen Bruderschaft, zu seiner unbändigen Sinnenlust auf Streiten und Denken, Essen und (Tee) Trinken, die seltsamerweise vor der Sexualität haltmacht; Bakunins Idealisierung der reinen Liebe mündet später in der skandalumwitterten menage à trois mit seiner jungen Frau Antonia und ihrem neapolitanischen Geliebten Gambuzzi.
Wir erfahren von einem unsteten Leben aus dem Koffer, Versammlungen, Konspirationen, schriftstellerischer Arbeit, vom (später umgewandelten) Todesurteil, der Auslieferung an das zaristische Rußland, von zwölf Jahren Kerkerhaft in der Peter-und-Pauls-Festung in St. Petersburg und der spektakuläen Flucht aus Sibirien über die USA nach europa zurück. Wir lesen von den Auseinandersetzungen zwischen Marx (dem Theoretiker und Taktiker, dem durchtriebenen Ränkeschmied, seiner Eitelkeit und Rachsucht) und Bakunin (dem Propheten der Revolution, dem Vielgeliebten und, seine Freunde wie die Sache, heiß Liebenden), ihren Parteiungen und dem Ausschluß der Anarchisten aus der Internationale. Und immer wieder die überwältigende großherzige Persönlichkeit Bakunins, der - als Denker des Anti-Autoritarismus paradox mit der größten natürlichen Autorität ausgestattet - an die Spitze jeder Bewegung gesetzt wurde und sie durch die einzigartige Fähigkeit lenkte, Begeisterung und politische Leidenschaft zu erzeugen; daß er hinsichtlich der letzteren zur Selbstkritik fähig war und in seinen späteren Jahren sich von Fanatikern zu distanzieren suchte, denen jedes Mittel, den Krieg gegen die Herrschenden zu schüren, gelegen kam, bestätigt das nur. (Ob Bakunins antisemitische Äußerungen allerdings so tief gehängt werden dürfen wie in diesem Buch, kann ich nicht beurteilen.) - Daß bei all dem der Theoretiker Bakunin ein wenig kurz kommt, ist zu verschmerzen, weil die Lesenden nach diesem Buch mit Bakunin bestimmt nicht fertig sein werden. Aus dem Jura berichtet Grawitz, daß die Kinder, als sie diesen Riesen mit seinem gutmütigen und breiten Lächeln, seinem großen Schlapphut, seinem Umhang und seinen groben russischen Stiefeln vorbeigehen sahen, riefen: Da ist der große König der Internationale. Voilà, dies Buch ist das Standbild seiner Majestät.
Melanie Groß & Gabriele Winker : Queer - Feministische Kritiken neoliberaler Verhältnisse
Seit den 1990er Jahren ist die feministisch und queer-feministisch orientierte Wissenschaft in Deutschland stark mit ihren eigenen theoretischen Grundlagen beschäftigt. Es gab vielfältige Erkenntnisse sowohl aus komplexen theoretischen Debatten als auch aus akribischer empirischer Arbeit. Wie lassen sich mit diesen vorliegenden Erkenntnissen feministischer und queer-feministischer Wissenschaft neoliberale Entwicklungen verstehen, die mit Ungleichheiten, fehlender Anerkennung oder geringer gesellschaftlicher Teilhabe bestimmter Gruppen von Menschen einher gehen? Daran schließt sich die Frage an, welche queer-/feministischen Handlungsperspektiven sich aus diesem Verständnis entwickeln lassen.
Gruppe Magma : ...denn Angriff ist die beste Verteidigung!
Die KPD zwischen Revolution und FaschismusAls am 30. Januar 1933 der deutsche Reichspräsident, Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg, Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte und ihm so die Macht übertrug, hatten die Nazis gesiegt und der deutschen Arbeiterbewegung die verheerendste Niederlage ihrer Geschichte beigebracht. Was folgte, ist bekannt. Die beiden großen Arbeiterparteien, KPD und SPD, hatten den Triumphzug des deutschen Faschismus nicht verhindert. Beide wurden verboten, ihre Mitglieder verfolgt, vertrieben, vernichtet. Nachdem sich die revolutionäen und die reformistischen Teile der organisierten Arbeiterschaft jahrelang zum Teil schäfer gegenseitig bekämpft hatten als gegen die Nazis vorzugehen, merkte man plötzlich gemeinsam in den Konzentrationslagern, wie schwer dieser Fehler gewesen war.
Die KPD agierte in der Weimarer Republik dabei wie nach dem Motto ...denn Angriff ist die beste Verteidigung!, ständig in der Erwartung, die nächste Krise des Kapitalismus würde seine letzte sein. Die sozialistische Revolution schien nur eine Frage der Zeit - denn daß die Massen unweigerlich nach Links tendieren würden, stand außer Frage.
Die SPD mutierte zunehmend zur Hauptgegnerin der KPD, verzögerte sie mit ihrer Politik den Tod des Kapitalismus doch nur. Sie hatte bereits die Novemberrevolution blutig niedergeschlagen und die junge Republik im Bündnis mit den" alten kaiserlichen Eliten aufgebaut. Die These vom Sozialfaschismus brach sich Bahn. Umgekehrt setzte die SPD-Führung unversehens Kommunismus und Faschismus gleich.
Die Autoren analysieren, warum ein Bündnis zwischen KPD und SPD nicht zustande kommen konnte. Sie untersuchen Theorie und Praxis der KPD in der Weimarer Republik und stellen dabei deren Faschismusverständnis in den MittelpunKarton Ihr Standpunkt ist dabei einer, der revolutionäen Antifaschismus für notwendig und unabdingbar hält und trotzdem (oder gerade deshalb) ausführlich auf fatale Fehler der KPD eingeht. So finden sich neben einer chronologischen Darstellung der KPD-Geschichte Betrachtungen dazu, wie diese Partei mit Nationalismus, Antisemitismus und der Frauenbewegung umgegangen ist und inwieweit sie Kriterien emanzpatorischer Politik erfüllt.
Das Buch stellt sich deutlich gegen Versuche, kommunistische Politik per Totalitarismusthese dem Faschismus gleichzustellen. Gleichzeitig hebt es sich von Publikationen orthodoxer Prägung ab. Insofern - und weil es durchweg leicht verständlich ist - eignet es sich vor allem für LeserInnen, die sich bislang nicht oder kaum mit der Thematik auseinandergesetzt haben und die zwischen Links und Rechts noch unterscheiden können und wollen.
Birgit Haas : Der postfeministische Diskurs
Der interdisziplinäe und internationale Essayband diskutiert den umstrittenen Begriff des Postfeminismus aus performativer, literaturwissenschaftlicher und soziologischer Sicht. Die Kernfrage ist dabei, ob der Postfeminismus mit seiner Aufwertung der Weiblichkeit einen Rückfall in präfeministische Zeiten darstellt oder ob er als Radikalisierung des Feminismus zu verstehen ist. Bedeutet die Vorsilbe post das Ende des Feminismus oder einen neuen, radikalen Anfang? Eine Problematik, die sich keinesfalls auf einen einfachen Nenner bringen lässt, wie die unterschiedlichen Analysen und Ansätze zeigen. Mit Blick auf die Streitfrage ob bzw. in welcher Form Postfeminismus existiert, betrachten die Beiträge unterschiedliche gegenwätige Erscheinungsformen der postfeministischen Kultur: Die Bandbreite reicht dabei von der Debatte um die Camp-Kultur über den girlism bis hin zum Backlash.
Lili Hahn : Bis alles in Scherben fällt - Tagebuchblätter 1933-1945
Lili Hahn, 1914 in Frankfurt am Main geboren, erhält als junge Journalistin 1936 totales Berufsverbot. Bis Kriegsende arbeitet die Tochter aus katholisch-bürgerlichem Hause als medizinische Laborantin und Sekretärin. In ihrem Tagebuch notiert sie Veränderungen, Ereignisse, Erfahrungen, Gespräche. Sie beschreibt, was sie erlebt, dabei entsteht mosaikartig ein dichtes Zeitgemälde des Dritten Reiches. Lilis Vater, angesehener Arzt mit Verdiensten in der Tuberkuloseforschung, klammert sich wie viele Deutsche an die Hoffnung, dass unbescholtenen Bürgern nichts Böses droht. Lilis Mutter, der Herkunft nach Jüdin, aber dem Glauben nach glühende Christin, hält sich für immun gegen die Judenverfolgung. Lili aber sieht das Unheil kommen, denn mehr und mehr ihrer Freunde werden kaltgestellt, inhaftiert, deportiert. Dann stehen die Zeichen auf Krieg, und die Repressalien nehmen weiter zu.
Roya Hakakian : Bitterer Frühling - Meine Jugend im Iran der Revolutionszeit
Aus dem amerikanischen Englisch von Rita SeußZwischen Schah und Chomeini: eine bezaubernde Geschichte vom Erwachsenwerden Roya Hakakian wuchs in einer jüdischen Familie in Teheran auf und schildert ihre Kindheit und Jugend im Iran der siebziger und frühen achtziger Jahre. Aus der Perspektive des optimistischen jungen Mädchens erzählt sie von den Ereignissen der iranischen Revolution, dem Sturz des Schahs und davon, wie die Etablierung des Ayatollah-Regimes, die Hoffnungen einer ganzen Generation junger Iranerinnen und Iraner auf eine bessere und gerechtere Zukunft zunichte machte. Hakakians Familie musste nach der Revolution mit Schrecken feststellen, dass sie im iranischen Gottesstaat nicht mehr erwünscht war:
Heide Hammer : Revolutionierung des Alltags
Die Beschäftigung mit llinken Ansätzen deutschsprachiger politischer Philosophie führt Heide Hammer zur Analyse zweier meist gegensätzlich rezipierter Strömungen: Kritische Theorie versus Poststrukturalismus. Hammer untersucht die Möglichkeiten eines anerkennenden Nebeneinanders unter Einbeziehung der Theorien von Spinoza, Deleuze, Guattari, Foucault, Butler, Haraway u.a. Neben der Analyse von Machtregimen steht die Beschreibung kollektiver Widerstandsformen: die EZLN in Chiapas/Mexiko, die Ereignisse um Genua im Juli 2001, die Entstehung der Neuen Linken 1977, die Bewegung der Autonomia in Italien 1969, und die Studentenproteste im Mai 1968 in Frankreich. Die Autorin begibt sich auf die Suche nach gegenwätigen und vergangenen Widerstandspraktiken. Revolutionäes, theoretisches Gedankengut und Popkultur werden mit offensiven Formen der Lebensfreude und des Genusses kontrastiert: Riot Grrrls existieren neben Lady-Festen und Radical Cheerleading.
Michael Hardt & Toni Negri : Empire
Ein Literaturwissenschaftler & ein Uraltautonomer verfassen das Kommunistische Manifest des 21. Jahrhunderts - und alle jubeln. Warum? Weil sie wissen, dass die Revolution nicht aufzuhalten ist. Unser teuerstes & trotzdem bestverkauftes Buch im Frühjahr 2002...
Michael Hardt & Toni Negri : Empire
Ein Literaturwissenschaftler & ein Uraltautonomer verfassen das Kommunistische Manifest des 21. Jahrhunderts - und alle jubeln. Warum? Weil sie wissen, dass die Revolution nicht aufzuhalten ist. Unser teuerstes & trotzdem bestverkauftes Buch im Frühjahr 2002...
Sabine Harling : Lieber Leser, willst Du mich begleiten...
Nachdem das Buch "Leben in der Bonner Nordstadt 1850-1990" leider schon länger vergriffen ist, gibt es jetzt wieder eine Alternative. Sabine Harling von der Bonner Geschichtswerkstatt vermittelt Geschichte und Gegenwart der Bonner Nordstadt in Form eines historischen Stadtrundgangs von der" alten Synagoge bis zum Oscar-Romero-Haus.
Arthur Heinrich : Der deutsche Fußballbund
Eine politische GeschichteWas hat Fußball mit Politik zu tun? Nichts, wenn man den Funktionäen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) glaubt. Seit der Gründung des Verbandes vor 100 Jahren versteckten sich dessen Obere stets hinter dem Bild vom völlig unpolitischen Fußballsport. Dessen gesellschaftliche Bedeutung konnte man zwar nicht leugnen, aber zum Politikum taugte er offiziell nie. Es ist schon merkwürdig: Was deutsche Banken, Wirtschafts- und Versicherungsunternehmen inzwischen - mit unentschuldbarer Verspätung - nolens volens veranlaßt haben, nämlich die Aufarbeitung ihrer Vergangenheit durch unabhängige Wissenschaftler, scheint der Deutsche Fußballbund überflüssig zu finden", leitet der Politikwissenschaftler Arthur Heinrich seine Betrachtung zur politischen Geschichte des größten Fußball-Verbandes der Welt ein. Heinrich ist auch ohne offiziellen Auftrag genau diese Aufarbeitung gelungen. Akribisch analysiert er die Verbandsgeschichte jenseits ihrer unmittelbaren fußballerischen Aspekte.
Dabei räumt er mit so ziemlich allen Mythen auf, die in den hundert Jahren des Bestehens des DFB entstanden sind und gepflegt wurden. Der Verband war stets hoch politisch in seiner Ausrichtung und seinem Tun, nur begriffen seine Offiziellen ihre durchgängig stramm autoritäe, deutsch-nationale Gesinnung nie als Ausdruck politischen Denkens und Handelns. Politisch, das war ein Schimpfwort, das waren immer nur die anderen, die Demokraten, die Arbeitersportler, die Kommunisten. Bis heute ist man beim DFB daher beispielsweise der Meinung, eine Nische im Nationalsozialismus gebildet zu haben; schlimmstenfalls sei man eben instrumentalisiert worden. Man war (und ist) sich nicht der geringsten Schuld bewusst. Die Wahrheit sieht jedoch anders aus: Nach 1933 wurden deshalb keine Funktionäe ausgetauscht, weil die bis dahin aktiven bereits freiwillig ein derart hohes Maß an Übereinstimmung mit den Zielen der Nazis zum Ausdruck gebracht hatten, dass es schlicht keines neuen Personals bedurfte.
Auch nach der Niederschlagung des deutschen Faschismus änderte sich nichts an der politischen Linie des DFB. Die Funktionäe blieben die gleichen; die Ziele musste man zwar etwas zurückhaltender formulieren, aber bei dieser Einschränkung blieb es auch. Die dreiste Missachtung des alliierten Verbots einer Verbandsneugründung; die weiterhin antidemokratische Struktur; die trotzige Instrumentalisierung des WM-Erfolgs von 1954 als verspäteter Sieg über die Kriegsgegner; die Kooperation mit faschistischen Regimen und Militädiktaturen; das Einfliegen eines hoch dekorierten Nazi-Fliegers in das Trainingslager der Nationalmannschaft; der arrogante Umgang mit jeder Art von Kritik und nicht zuletzt die unbeugsame Weigerung, die eigene Geschichte einer (selbst-)kritischen Prüfung zu unterziehen - all das ist Teil der (eben politischen) Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes
Wenige haben im Zusammenhang mit dessen 100-jährigem Jubiläum auf diese Versäumnisse und Verfehlungen hingewiesen, und die, die es taten, kamen nicht aus den eigenen Reihen und waren nicht dazu eingeladen. Arthur Heinrichs Arbeit (mit der er im übrigen an der Berliner Humboldt-Uni promovierte) ist das Beste und Umfassendste, was zu diesem Thema publiziert wurde. Sie ist eine Gegen-Geschichte, deren Zustandekommen der DFB auch noch dadurch behinderte, indem er dem Autor die wichtigen Archivalien vorenthielt. Zweifellos wird der Fußball-Verband mit Heinrichs heftiger Kritik so verfahren, wie er es immer tat: Er wird sie aussitzen. Kein Grund allerdings, das Buch nicht zu lesen und nicht dessen fundierte Ergebnisse zu verbreiten. Im Gegenteil: Das ist die einzige Chance - übrigens nicht nur für Fußballfans -, ein wenig am Thron der Frankfurter Tugendwächter zu rütteln und ihre Selbstherrlichkeit anzugreifen.
Elisa Heinrichs & Lukas Hano : Flüchtlingsgeschichten - Interviews und Hintergründe
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Gut gegliedert und übersichtlich gibt dieses Buch einen Einblick in das Leben von Menschen, die aus dem Land in dem sie einst wohnten, flüchteten. Den Interviews der zwölf Flüchtlinge aus Afrika, Asien und europa geht jeweils eine kurze demo- und geographische Hintergrundinformation über die Herkunftsländer voraus. Dann folgt eine aufschlußreiche Beschreibung der (politischen)Geschichte des Landes, was beim anschließenden Lesen der Interviews beim Erkennen von Hintergründen und Zusammenhängen hilfreich ist. Dort erzählen Menschen über die politische Lage und die Menschenrechtssituation in ihrem Land. Verfolgung, Angst, die Ankunft in einem fremden Land und nicht zuletzt auch ihrer Eindrücke und der Alltag in Deutschland sind Thema.
Florence Hervé & Gerd Schumann : Baskenland - Frauengeschichten - Frauengesichter
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Mit Fotos von Mundo Cal - Ein Reisebuch der besonderen ArtFlorence Hervé und Gerd Schumann, beide langjährige KennerInnen des Baskenlandes, suchten und fanden einen Schatz" alter und junger, wahrer und erdachter Geschichten von und über Frauen, die der Region ihre geheimnisvolle, kratzbürstige, lebenslustige und widerständige Atmosphäe geben. Die Autoren haben, unterstützt vom galizischen Fotografen Mundo Cal, eine bunte Mischung aus Geschichten, Dokumenten, Reportagen und Interviews über das nördliche (Iparralde) und südliche Baskenland (Hegoalde). zusammengetragen. Im Anhang sorgt eine Landkarte für die Orientierung, ein Glossar für besseres Verstehen und die Literaturliste macht, ebenso wie das ganze Buch, neugierig.
Am Anfang steht der Blick zurück: in einem Gespräch mit Teresa de Valle, Leiterin des Seminars für Frauenstudien an der Universität von San Sebastian, wird die soziale und ökonomische Entwicklung des Baskenlandes der Frauen in einem Schnelldurchgang durchstreift. Streben nach Selbstständigkeit, so erfahren wir aus Reiseaufzeichnungen des" alten Wilhelm von Humboldt (1801), gehört ebenso zu den Wesensmerkmalen (nicht nur) der baskischen Frauen, wie das ausgeprägte soziale gesellschaftliche Zusammenleben. Traditionell kam den Frauen innerhalb der Familien eine gehobene Stellung zu. Die ausgewählten Texte beleuchten die Geschichte des Baskenlandes von unerwarteten Seiten: man lernt die weiblichen Zauberwesen kennen, von denen es in den Bergen und Höhlen nur so wimmelt: die laminaks, hadas und sorginaks Zu deren Zusammenkünften versammeln sich schon mal bis zu 12.000 ihrer zauberhaften Art. Auch die dunkle Seite wird nicht vergessen: im 16. und 17. Jahrhundert wurden tausende von Menschen wegen vermeintlicher Hexerei auf den Scheiterhaufen verbrannt. 1672 stoppten aber 5000 Fischer in Saint Jean de Luc (Donibane Lohitzun) den Marsch der Frauen zum Scheiterhaufen und befreiten alle. Es waren ihre Ehefrauen. Eine Mitarbeiterin des Museums der Baskenmütze erzählt die Geschichte der typischen Kopfbedeckung, man lernt die erste baskische Fotografin Eulalia Allende kennen, die seit 1873 die industrielle Revolution im Baskenland dokumentierte und - last but not least - wird Dolores Ibarruri, la Pasionara, gewürdigt, Mitbegründerin der spanischen KP (1920), bekannt durch ihren entschiedenen Ausruf No Pasaran! mit dem die Widerstandskämpfer 1936 die Eroberung Madrids durch faschistische Truppen stoppten.
Auf der Reise durch Iparralde, den baskischen Norden, begegnen wir einer Angelfischerin, ehemaligen Kämpferinnen der Resistance, die im KZ Ravensbrück inhaftiert waren, Schriftstellerinnen, einer Lehrerin, einer Sängerin und zwei politischen Flüchtlingen, Baskinnen aus dem Süden. Nicht zu vergessen, die Weltmeisterin im urbaskischen Pelota-Sport. Was das ist? Auch das wird natürlich anschaulich erklät. Die Reise durch den baskischen Süden, Hegoalde, beginnt in Bilbao. Nach und nach durchstreifen die Autoren die 4 südlichen Provinzen, treffen eine Schauspielerin, eine Schriftstellerin, eine Buchhändlerin, eine Frau Bürgermeisterin und viele Frauengesichter und deren Geschichten mehr. Die Dame von Gernika, die 12 war, als die nazideutsche Legion Condor ihre Stadt in Schutt und Asche legte, erzählt ihre Geschichte.
Die Autoren haben die Frauengeschichten und -gesichter respektvoll, voller Zuneigung ausgesucht. Da Liebe bekanntlich durch den Magen geht, schließt das Buch mit Rezepten ab: Marmitako, Menestra, Ttoro - wer wissen möchte, was das ist und wie es zubereitet wird, findet nähere Angaben dazu, garniert mit ein paar Geschichten zum Vorlesen bei verschiedenen Gelegenheiten. Das Buch ist eine gelungene Anregung zum Anders Reisen und im übrigen: nicht nur für Frauen geeignet.
Merle Hilbk : Sibirski Punk
Sehnsuchtsvolle Balladen und russischer Rock 'n' Roll bilden den Soundtrack zu diesem transkontinentalen Trip, der von Hamburg über Nowosibirsk bis hinter den Baikalsee, 20000 Kilometer durch Steppen, Gebirge und Taiga, führt. Wir begegnen Grigori, dem Direktor des Atomforschungsinstitutes der Wissenschaftlerstadt Akademgorodok, Swetlana, der Gründerin des ersten sibirischen Frauenautomobilclubs, oder Pjotr, dem Manager der Punkband "Orgasmus Nostradamus". Sie leben in Industriestädten wie Irkutsk und Ulan-Ude oder mitten in einsamster Wildnis. Mit ihnen teilt die Autorin Alltag und Träume, feiert wilde Partys am Baikal und lernt, wie man russischen Männern ein Liebeslied singt. Merle Hilbk lässt uns an den witzigen, bizarren, sentimentalen Erlebnissen dieser Reise teilhaben und vermittelt die Faszination eines rätselhaften Kontinents.
Eric Hobsbawm : Wieviel Geschichte braucht die Zukunft
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Eric Hobsbawm ist die Gallionsfigur der Universalhistoriker. Sein Schaffen wurde vergangenes Jahr in Leipzig mit dem Hauptpreis für Europäische Verständigung honoriert.Im vorliegenden Band sind Vorträge und Beiträge zu Konferenzen und Symposien der letzten dreißig Jahre versammelt, die teilweise schon in Zeitschriften oder Festschriften publiziert wurden. Sie alle verbindet die theoretischen Überlegungen zum Thema Geschichte. Im Vordergrund stehen Fragen nach dem Wert der Geschichtswissenschaften für andere Disziplinen, sowie nach der Form historischer Darstellungen und Interpretationen unter Berücksichtigung neuerer Trends und Moden. Hier bezieht Hobsbawm Stellung und verdeutlicht so an vielen Punkten sein eigenes Interpretationsmodell: den historischen Materialismus bzw. die marxistischen Geschichtswissenschaft.
Hobsbawm schreibt erfrischend und klar, seine Ausführungen sind gut nachzuvollziehen, ohne dabei theoretischen Gehalt zu verlieren. Ein wichtiges Buch in einer Zeit, in der Geschichte einerseits für viele an Interesse einzubüßen scheint und für Politiker zur Rechtfertigung ihrer repressiven Politik mißbraucht wird.
Kurt Holl & Claudia Glunz : Satisfaction und ruhender Verkehr - 1968 am Rhein
Ende der Sechziger, als die Aktionen der APO in Berlin und Frankfurt im Fokus des Interesses liegen, entfalten sich am Rhein ganz eigene Initiativen. In der Nähe der ideologischen und politischen Zentren der Adenauerrepublik wuchs aus dem Zorn über die verlogene Moral und die repressiven Tendenzen der Zeit eine Bewegung der lustvollen Provokation. Beuys, Böll, Vostell, The Can oder Rolf Dieter Brinkmann - Namen wie diese stehen für die Phantasie, die Furchtlosigkeit und die unbändige Sehnsucht jener noch nicht so fernen Zeit, von der dieses Buch berichtet.
Steffi Holz : Alltägliche Ungewissheit - Erfahrungen von Frauen in Abschiebehaft
Abschiebehaft ist Bestandteil deutscher Zuwanderungs- und Abgrenzungspolitik. Sie ist offiziell eine Verwaltungsmaßnahme zur Vorbereitung der Abschiebung und keine Strafhaft. Für die Inhaftierten ist sie jedoch ein Gefängnisaufenthalt, der als Bestrafung wahrgenommen wird und eine bedrohliche Erfahrung und extreme Lebensrealität darstellt. In ihrer auf der Basis von Interviews erstellten Studie lässt Steffi Holz diese Lebensrealität sichtbar werden und beschreibt die Handlungsperspektiven und Strategien der Frauen, mit der belastenden Situation umzugehen. Thematisch begleitend enthält das Buch Fotos von Leona Goldstein.
ISF : Furchtbare Antisemiten, ehrbare Antizionisten: Über Israel und die linksdeutsche Ideologie
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Als am 17. Januar 1991 die USA anfing, den Irak zu bombardieren und so den zweiten Golfkrieg begann, erlebte die Friedensbewegung ihren vorläufig letzten Frühling. Hunderttausende gingen auf die Straße, um zu demonstrieren. Kein Blut für Öl, hieß die griffige Parole, mit der der Protest gegen den Angriff der Weltmacht auf den Punkt gebracht werden sollte. Namhafte (Ex-) Linke wie Wolf Biermann und Hans-Magnus Enzensberger verglichen in der Zeit bzw. dem Spiegel Saddam Hussein mit Adolf Hitler und schrieben so ein weiteres, nicht unbedeutendes Kapitel deutscher Geschichtsrelativierung. Zeitgleich distanzierten sich Linke um die Zeitschrift konkret von den Protesten der Friedensbewegung. Auch wenn der Golfkrieg von den USA angeführt werde, müsse er verteidigt werden, weil Israel bedroht sei.Diese Position blieb in eben dieser Linken minoritä. Dass es ausgerechnet Israel war, das von Bagdad mit aus Deutschland geliefertem Giftgas angegriffen wurde, schien kein besonderes Problem darzustellen; auch Christian Stöbeles antisemitische Ausfälle Henryk M. Broder gegenüber nahm man zur Kenntnis, widersprach aber nicht. Der" alternative Freiburger Radiosender Radio Dreyeckland ging sogar so weit, einen notorisch antisemitischen Universitätsprofessor zu einem Plauderstündchen einzuladen, um mit ihm einer Meinung über die Rolle Israels zu sein. Anschließende Proteste saßen die Radioten (Zitat der Herausgeber) mehrheitlich aus. Der Golfkrieg ist mittlerweile fast zehn Jahre her, doch in nicht unbeträchtlichen Teilen der Linken gehört der so genannte Antizionismus immer noch zum Repertoire. Insofern hat der Band Furchtbare Antisemiten, ehrbare Antizionisten der Initiative Sozialistisches Forum leider nichts an Bedeutung und Aktualität eingebüßt. In zehn Thesen über die linksdeutsche Ideologie, Israel und den Klassenkampf am falschen Objekt begründen die Herausgeber, inwiefern es sich bei Israel um eine Projektionsfläche deutscher Ideologie handelt, warum Antizionismus schlecht verbrämter Antisemitismus ist und weshalb die populäe Ansicht, Israel sei der Brückenkopf des Imperialismus im Nahen Osten, an der Wirklichkeit und Wahrheit vorbei geht. Im Anschluss daran schildern die Autoren die Vorfälle bei Radio Dreyeckland beispielhaft für die Funktionsweise linken Antisemitismus' und analysieren an drei Fallstudien die (Nicht-) Aufkläbarkeit der Antizionisten.
Der polemische Ton des Buches ist dabei durchaus angemessen und dürfte nur diejenigen ägern, die wahlweise etwas gegen die Störung linker Befindlichkeiten haben oder selbst zu denen gehören, die sich partout nicht aufkläen lassen wollen - weil Antisemitismus eine Doktrin, eine Weltanschauung ist, die keine Begründung erfordert, weil sie sich selbst Begründung genug ist.
Frank Jäger & Harald Thomé : Leitfaden Alg II / Sozialhilfe von A -Z
Der Leitfaden beruht auf vielen Jahren Beratungspraxis und Engagement in der Sozialen Bewegung.Er stellt zugleich mit den Regelungen des Arbeitslosengelds II auch die Regelungen der Hilfe zum Lebensunterhalt und der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung dar. Als einziger umfassender Ratgeber für das Existenzsicherungsrecht im SGB II und SGB XII ist er deswegen für Beratungszwecke besonders geeignet.
Im ersten Teil werden in 90 Stichworten alle Leistungen ausführlich in übersichtlicher und bewährt verständlicher Form erläutert. Der zweite Teil behandelt in 33 Stichworten ausgiebig wie man sich erfolgreich gegen die Behörde wehren kann.
Der aktuelle Stand der Rechtsprechung und der Gesetzgebung ist eingearbeitet und kritisch kommentiert. Der Leitfaden berücksichtigt die umfassenden Gesetzesänderungen durch das „Haushaltsbegleitgesetz 2011” und das „Regelbedarfsermittlungsgesetz”, die zum Januar und April 2011 in Kraft getreten sind.
Für Betroffene und deren Berater ist der Leitfaden ein fundierter Ratgeber – er soll zur rechtlichen Gegenwehr befähigen und ermutigen. Die Autoren wollen aber auch Mut machen, sich gegen Sozialabbau und Lohndumping zur Wehr zu setzen.
Christian Jakob & Friedrich Schorb : Soziale Säuberung
Wie New Orleans nach der Flut seine Unterschicht vertrieb. Die Vernichtung von Sozialbauvierteln ist ein zentrales Projekt der repressiven Wende der amerikanischen Sozialpolitik. In New Orleans vollzieht sie sich - wegen des Hurrikans "Katrina" - im Zeitraffer. Die Autoren lassen nach dem Sturm aus der Stadt vertriebene afroamerikanische SozialmieterInnen, Verantwortliche aus Bundesbehörden, Manager von Immobilienfirmen, AktivistInnen und Bürgerrechtler sprechen. Sie erzählen, wie am Mississippi im Namen des "Wiederaufbaus" ein brutales Verwertungs- und Vertreibungsprogramm durchgesetzt wird.
Ryszard Kapuscinski : Die Erde ist ein gewalttätiges Paradies - Reportagen, Essays, Interviews aus vierzig Jahren
Aus dem Polnischen von Martin Pollack, Renate Schmidgall & Edith HellerLeider konnte der Auftritt des polnische Journalisten Ryszard Kapuscinski auf der lit-cologne nicht mehr stattfinden, da er am 23. Januar im Alter von 75 Jahren verstorben ist. Es bleibt die Erinnerung an einen der besten politischen Reise-Journalisten des 20. Jahrhunderts und eine Vielzahl spannend und informativ geschriebener Reportagen, Essays und Interviews aus vierzigjähriger beruflicher Tätigkeit in Afrika, Asien, Lateinamerika und Europa. Das im Mäz in vierter Auflage erschienene Buch gibt einen guten Einblick in sein Gesamtwerk.
Pnina Moed Kass : Echtzeit
Aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn In diesem im heutigen Israel spielenden Roman kreuzen sich die Wege verschiedener Personen. Da gibt es den 16-jährigen Thomas aus Berlin, der auf der Suche nach Antworten über seinen Großvater, einen ehemaligen Nazi-Offizier, ist. Vera aus Odessa. Baruch Ben Tov, einen Holocaust-Überlebenden. Den jungen Palästinenser Sameh Laham. Einen palästinensischen Arzt in einem israelischen Krankenhaus. Von einem Moment auf den anderen wird ihr Leben und das von vielen anderen erschüttert und für immer verändert, als auf einer Straße außerhalb Jerusalems ein Selbstmordanschlag verübt wird.
Jens Kastner : Transnationale Guerilla - Aktivismus, Kunst und die kommende Gemeinschaft
Die Gefahren beim Verfassen eines Essays wie diesem sind klar, die Mängel liegen auf der Hand: Für Kunsttheorie zu viel Politik, für sozialen Aktivismus zu viel Theorie, für politische Theorie zu viel Kunst. Dennoch scheint es lohnenswert darauf hinzuweisen, dass die von Agamben bzw. Lenin aufgeworfenen Fragen Was ist bloßes Leben? und Was tun? nicht nur zwei der drei Leitmotive einer der wichtigsten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, der documenta 12 sind, sondern auch im Bereich des politischen Aktivismus diskutiert werden. Die Transnationale Guerilla ist insofern ein Versuch, die von Bourdieu beschriebenen Feldgrenzen zwischen Kunst und Aktivismus zu überwinden: Die jeweiligen Eigenlogiken von Theorie- und Kunstproduktion sowie politischer Aktion weisen immer wieder überlappungen und Verstrickungen auf. An diesen gilt es anzusetzen, und zwar nicht über identitäe Schließungen oder vorausgesetzte, kontextlose Gemeinschaften. Sondern als Transnationale Guerilla.
MIrja Keller & u. a. : Antifa
Geschichte und Organisierung
Erstmals ist ein Buch zur antifaschistischen Bewegung in Deutschland erschienen und zwar in der Reihe theorie.org. In neun Kapiteln wird ihre Geschichte von 1918 bis 2007 behandelt. Von der Novemberrevolution 1918 bis zum G8-Gipfel in Heiligendamm reicht die Einführung. Für die 1990er Jahre wird insbesondere die Organisierung unter dem “Konzept Antifa” beschrieben. Die Antifaszene der Jahre ab 2000 wird als ein Prozeß der (inhaltlichen) Ausdifferenzierungen benannt. Im letzten Kapitel “Wie weiter?” wird der Erfolg der antifaschistischen Bewegung für die Zukunft in drei Faktoren gesehen: Einer multidimensionalen Gesellschaftskritik, “eine Orientierung an der Praxis”, die auf die Gesellschaft wirkt und “eine gewisse verbindliche Struktur” (S. 160).Der Band ist als gelungene Einführung sowohl alten Hasen als auch Menschen, die sich erstmals mit dem Thema Antifa beschäftigen, zu empfehlen. Wohltuend ist die sachliche Beschreibung der einzelnen Strömungen besonders nach 2000, bei der die AutorInnen nicht Partei für eine Richtung ergreifen. Ein Manko des Buchs ist das es mit dem Jahr 2007 endet. In den letzten vier Jahren hat es einige wichtige Entwicklungen in der Antifaszene gegeben und verschiedene Naziaufmärsche wurden erfolgreich verhindert (z.B. in Dresden 2010 und 2011), was in dem Buch aber keine Berücksichtigung findet.
Bernd Kleinhans : Ein Volk, ein Reich, ein Kino - Lichtspiel in der braunen Provinz
Ein besonders wirksames Instrument der Massenbeeinflussung im Dritten Reich war der Film. Als modernstes Massenmedium der Zeit sprach das Kino vor allem die Emotionen der Menschen an. Weit mehr als Presse oder Rundfunk wurde er so zum idealen Mittel, Feindbilder zu erzeugen, Bewunderung und Verehrung für das Regime und seinen Führer Hitler zu erwecken. Auf Betreiben des Propagandaministers Joseph Goebbels begann bereits unmittelbar nach der Machtübernahme der Zugriff auf die Filmwirtschaft. Das betraf zunächst die Filmproduktion: Eine strenge Zensur sorgte dafür, dass nur noch vom Regime akzeptierte Filme zur Vorführung kamen. Alle Filmschaffenden mussten überdies Mitglied in der neu geschaffenen Reichsfilmkammer werden. Wer politisch nicht genehm war, ob als Schauspieler, Drehbuchautor oder Kameramann, wurde ausgeschlossen und erhielt Berufsverbot.In seinem Buch zeigt der Historiker Bernd Kleinhans, dass der Machtanspruch sich nicht auf eine regimekonforme Filmproduktion beschränkte: Das gesamte System der mehr als 5000 Lichtspieltheater im Reich sollte zu einem einheitlichen und zentral gelenkten Propagandaapparat gleichgeschaltet werden. Man wusste im Propagandaministerium nur zu gut, dass die Wirksamkeit eines politischen Films nicht nur von Drehbuch und Inszenierung, sondern ebenso von der Präsentation vor Ort abhing. Nur wenn die Kinobetreiber einen Film zu einem lokalen Ereignis machten, konnte er die gewünschten Effekte entfalten. Die Kinos waren nach NS-Verständnis eben nicht bloße Abspielstätten, sondern Zentren der nationalsozialistischen Volkskultur. Das galt gerade für die Provinz. Fernab von den Metropolen sollten die Kinos etwas vom schönen Schein des Dritten Reiches vermitteln, nicht zuletzt mit Filmberichten über Parteitage, Kundgebungen und natürlich mit Filmbildern des Führers. Der Kinosaal, so Kleinhans, wurde zum Ort der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft, wo der Führer durch seine übergroße Leinwandchimäe das Volk beherrschte. Dabei widerlegt Kleinhans das verbreitete Klischee vom Kino der 30er und 40er Jahre als einer rein großstädtischen Angelegenheit: Vielfach übertrafen kleine Provinzstädte in punkto Kinodichte und Besuchshäufigkeit sogar die Metropolen wie Berlin in Hamburg. So hatte Berlin beispielsweise zwar eine hohe Kinoversorgung von 46 Kinoplätzen pro 1000 Einwohner, wurde darin aber sogar von kleinen Städten wie Husum oder Kempten überboten. Selbst das flache Land ohne eigene Kinos wurde mit Filmen versorgt. Hier übernahmen mobile Filmtrupps der Parteifilmstellen diese Aufgabe. Mehr als 800 Tonfilmwagen - komplett ausgestattete rollende Kinos - sorgten dafür, dass auch in den abgelegenen Regionen Thüringens oder des bayerischen Waldes wenigstens monatlich ein Film zu sehen war. Entsprechend umfassend war der Zugriff auf die Kinobetreiber. Wie die Filmschaffenden mussten auch die Kinobetreiber in der Reichsfilmkammer Mitglied werden und ihnen drohte bei nicht parteikonformem Verhalten ebenso rasch Berufsverbot wie den Filmproduzenten. Bei den Kinobetreibern ging man sogar noch einen Schritt weiter: Die NSDAP bestellte in den Gauen eigene Filmstellenleiter, die als regionale Beauftragte der Reichsfilmkammer praktisch den Kinos vor Ort vorgesetzt waren.
Eine Flut von immer neuen Regelungen schränkte die Kinos zunehmend ein. So gab es detaillierte Vorschriften, wie hoch die Preise sein durften, an welchen Orten neue Kinos zugelassen werden konnten, wie Filme beworben und teilweise sogar, welche Filme abgenommen werden mussten. Zu Sonderveranstaltungen wie Schulfilmstunden und Filmvolkstagen waren die Kinobetreiber sogar gezwungen, ihre Theater kostenlos zur Verfügung zu stellen. Wehren konnten sich die Kinobetreiber kaum: Anordnungen der Filmkammer hatten Verordnungs- teilweise sogar Gesetzescharakter. Überwacht wurde die Einhaltung der Anweisung daher nicht nur von der Kammer und der Partei, sondern auch von der örtlichen Polizei. Viele Filmvorführungen, insbesondere der sogenannten staatspolitisch wertvollen Filmen, wurden zu diesem Zweck als regelrechte Kultfeiern durchgeführt: Tage zuvor wurde in Zeitungsberichten die Bevölkerung auf das bevorstehende Ereignis eingestimmt. Am Tage des eigentlichen Kinoereignisse wurden die Theater meist schon an der Außenfront mit riesigen Hakenkreuzfahnen geschmückt, die Innenräume waren ebenfalls mit NS-Flaggen und Grünschmuck ausgestattet. Vor der eigentlichen Filmvorführung spielte das Orchester irgendeiner lokalen NS-Formation und dann sprach ein hoher Funktionä - meist der Kreis- oder Ortsgruppenleiter zur Einführung. Und nach der Filmvorführung wurde das Publikum erst nach Absingen gemeinsamer Lieder entlassen. Auch für solche Kultfeiern gab es eigene Richtlinien und Vorschriften der Reichsfilmkammer.
Ein besonders düsteres Kapitel der NS-Kinopolitik im Dritten Reich behandelt Kleinhans auch: Die Verfolgung und Vertreibung jüdischer Kinobetreiber: Obgleich vermutlich nicht einmal 2% aller Kinos in Deutschland von Juden betrieben wurden, waren sie nach 1933 den Repressionen der neuen Machthabern besonders ausgesetzt. Gerade in der Provinz waren die kleineren Kinobetreiber oft besonders dem Terror der lokalen Machthaber ausgesetzt, waren sie vor Ort doch die einzig greifbaren Vertreter der angeblich von Juden beherrschten Filmwirtschaft. Auch die Kinos waren bereits 1933 in die Boykottmaßnahmen gegen jüdische Geschäfte einbezogen. Nach und nach wurden Juden zur Aufgabe ihrer Lichtspieltheater gezwungen. Am Ende gab es sogar ein Verbot für Juden, Kinos zu besuchen. Die umfassende Studie wird vervollständigt durch die Analyse einiger Filmbeispiele. Am Beispiel Leni Riefenstahls Parteitagsfilm Triumph des Willens zeigt der Autor, wie das Kino auch die Funktion hatte, die Provinz an an die Machtzentrale anzubinden: Durch ständige optische Präsentation des Führers im ganzen Reich, konnte die Gefolgschaft des Hitlerstaates auch in den Regionen gesichert werden, in denen er persönlich nie auftrat.
Weitere Analysen beschäftigen sich mit der Wochenschau, antisemitischer Filmpropaganda. Am Beispiel der Heinz-Rühmann-Komödien zeigt Kleinhans, wie die Strategie einer verdeckten Propaganda in scheinbar unpolitischen Filmen funktionierte. Typische Probleme des NS-Staates - Machtlosigkeit des Einzelnen oder der Wunsch aus Zwang und Befehl auszubrechen - werden hier aufgegriffen und in ein unpolitisches Milieu der ökonomie oder des Privaten übetragen. Nahezu alle Rühmann-Komödien, so Kleinhans, zeigen eine ähnlich Struktur: Ein aufbegehrendes Individuum gliedert sich am Ende wieder freiwillig in eine größere Gemeinschaft an, die in diesen Filmen immer für die Volksgemeinschaft steht. Kleinhans beleuchtet mit Ein Volk, ein Reich,ein Kino nicht nur bisher wenig berücksichtigte Aspekt der Kinogeschichte im Dritten Reich. Es ist zugleich ein hervorragender Überblick über die Film- und Kinopolitik der braunen Machthaber. Ausgewiesenen Filmhistorikern wird dieser Band ebenso nützlich sein wie allen Interessierten, die sich einen Überblick über das wichtigste Propagandainstrument des NS-Staates verschaffen wollen. Trotz ausführlicher und genauer Quellenbelege ist das Buch spannend zu lesen: Sehr empfehlenswert.
Hermann Knüfken : Von Kiel bis Leningrad - Erinnerungen eines revolutionären Matrosen 1917 bis 1930
Hermann Knüfken ist der Prototyp aller politischen Abenteuerer des 20. Jahrhunderts. Vom Kieler Matrosenaufstand 1918 führt sein Weg in verschiedene Länder Europas. Er wird Emissä der Kommunistischen Internationale und später Chef des Interklubs der Seeleute im Leningrader Hafen. Knüfken beschreibt sein Leben als deutscher Matrose, der an vielen Brennpunkten der Arbeiterbewegung zu finden war. Die stalinistische Umformung der Russischen Revolution durchlebte er bereits 1929 in der Lubjanka. Seine Erinnerungen an die Jahre 1917-1930 erscheinen hier erstmals. Im Anhang dokumentieren Briefe, amtliche und persönliche Berichte sowie ein Nachwort die weiteren Stationen seines Lebens.
Gertrud Koch : Edelweiß - Meine Jugend als Widerstandskämpferin
Im Jahr 2000 fand im Kölner NS-Dokumentationszentrum im EL-DE-Haus, der ehemaligen Gestapo-Zentrale, eine Ausstellung über Kölner WiderstandskämpferInnen statt. Eine Besucherin meinte eher beiläufig, dass sie auch im Keller der Gestapo inhaftiert gewesen war. Einem Mitarbeiter, der sie daraufhin ansprach, erzählte sie ihre Geschichte. Lange hatte sie geschwiegen, auch weil der antifaschistische Widerstand proletarischer Jugendlicher, die im Nationalsozialismus unter dem Namen Edelweißpiraten bekannt waren, in Nachkriegsdeutschland Jahrzehnte lang nicht nur nicht gewürdigt, sondern eher als kriminell angesehen wurde. Aus diesem ersten Gespräch enstand ein Buch über Jugendwiderstand im NS, Gefangenschaft und Flucht. Eine spannende Autobiografie und nach mehreren Piraten-Büchern, erstmals die Geschichte einer Frau aus dem Edelweiß-Widerstand.
Kollektiv Rage : Banlieus - Die Zeit der Forderungen ist vorbei
Der polizeilich verschuldete Tod zweier Jugendlicher in der Pariser Vorstadt Clichy-sous-Bois löste im Herbst 2005 eine wochenlange Revolte aus, die sich rasch über die Armutsviertel des gesamten Landes ausbreitete. Schon bald war von Intifada und Stadtguerilla die Rede, vom Kollaps der multikulturellen Gesellschaft, von der Festigung kolonialer Verhältnisse innerhalb Europas. So schnell, wie der Chor der Kommentatoren anhob, verstummte er auch wieder. Spätere Revolten wurden kaum noch zur Kenntnis genommen, genauso wenig wie die sicherheitspolitische Aufrüstung des französischen Staates. Was aber geschieht in den französischen Armutsvierteln wirklich? Welche Gewaltverhältnisse bestimmen den Alltag auf der Straße, in der Familie, in den Schulen, am Arbeitsplatz und auf dem Arbeitsamt? Welche Rolle spielt die lange Vorgeschichte des Aufstands, von den Unruhen der 1970er und 1980er Jahre über die Reformpolitik unter Mitterrand bis hin zur Durchsetzung des Antiterrorismus als neuem sicherheitspolitischen Paradigma? Und vor allem: Wie beschreiben die Bewohner und Bewohnerinnen der Viertel selbst ihre Lage und wie begründen sie ihre Verweigerung institutionalisierter Politikformen?
Christine Künzel : Die letzte Kommunistin - Texte zu Gisela Elsner
144 Seiten, Kartoniert
Mit ihrem Erstling "Die Riesenzwerge" (1964) wurde Gisela Elsner über Nacht berühmt. Doch in den 1980er Jahren wurde es still um die schreibende Kleopatra, die sich 1992 das Leben nahm. Der Film "Die Unberührbare" brachte die Autorin im Jahr 2000 kurzzeitig wieder ins Gedächtnis. Der Band ist ein erster Versuch, Elsners Werke vor dem Hintergrund aktueller literatur- und kulturwissenschaftlicher Debatten neu zu verorten und politischen Motiven in Elsners Leben und Schaffen nachzuspüren. Mit Texten von Elfriede Jelinek, Tjark Kunstreich u.v.a.
Leipziger Kamera. Initiative gegen Überwachung : Kontrollverluste - Interventionen gegen Überwachung
"Kontrollverluste" versammelt Beiträge zu Fragen einer linken emanzipatorischen Kritik an der aktuellen überwachungsgesellschaft. Es führt unterschiedliche Inhalte, Strategien, Positionen und Stimmen der überwachungskritik zusammen. Das Buch weist über den engen Bezugsrahmen des Grundgesetzes und der "bürgerlichen Freiheiten" hinaus, indem es die aktuellen überwachungsentwicklungen in ihrem sozialen Kontext verortet. Es stellt die Grundpositionen einer linken Kritik an der überwachungsgesellschaft dar und fragt nach ihrer praktischen Umsetzung. AktivistInnen, Initiativen und kritische WissenschaftlerInnen stellen unterschiedliche theoretische, strategische und aktionsorientierte überlegungen an. Diese reichen von der Beschäftigung mit vernachlässigten Themen linker überwachungskritik (Migration, Gender, Hartz IV) über grundlegende Reflexionen politischer Handlungsbedingungen in der überwachungsgesellschaft (Feindstrafrecht, Neoliberalismus und Kontrolle, "Krieg gegen Terror") und die Auseinandersetzung mit liberalen Positionen der überwachungskritik (Kampagne gegen die Vorratsdatenspeicherung) bis hin zur Reflexion konkreter politischer Handlungserfahrungen einzelner Initiativen.
Jonathan Littell : Das Trockene und das Feuchte. Ein kurzer Einfall in faschistisches Gelände
Wer "Die Wohlgesinnten" gelesen hat und sich fragt, wie wohl die reale Sprache des Faschisten ist, dem sei dieses Buch sehr empfohlen. Ausgehend von Klaus Theweleits "Männerphantasien" untersucht Littell das Buch "La campagne de Russie" des belgischen Faschisten Léon Degrelle. Darin schildert Degrelle seine Erlebnisse mit der Legion "Wallonien", einem Zusammenschluß von kollaborierenden französischsprachigen Belgiern in der Wehrmacht. Die Legion kämpfte während des 2. Weltkriegs gegen die Sowjetunion an der Ostfront. Später wurde Degrelle deren Kommandeur und erhielt von Hitler zahlreiche militärische Auszeichnungen. Dies und seine anschließende Flucht nach Kriegsende nach Spanien machten ihn zu einer Art Mythos innerhalb der neofaschistischen Szene. In Anlehnung an Theweleit ist für Littell der Faschist der "Nicht-zu-Ende-Geborene", der sich sein äußeres Ich als "Ich-Panzer" geschaffen hat. Dadurch schützt er sich vor Auflösung und "allem, was fließt", den größten Gefahren, denen er gegenüber steht. Der Faschist muß, "um sich zu strukturieren, die Welt strukturieren, üblicherweise, indem er tötet, und auch die Sprache, also die Wirklichkeit, strukturieren" (S. 29). Dies geschieht durch Gegensatzpaare, von denen "das Trockene" und "das Feuchte" die wichtigsten sind. Im folgenden analysiert Littell Degrelles Text intensiv. Dabei bedient sich Degrelle den nationalsozialistischen Stereotypen über die sowjetrussischen Gegner und ergänzt sie durch eine ganze Reihe eigener Begriffe. Die US-amerikanischen Soldaten, auf die die Legion im Westen trifft, werden dagegen als ebenbürtige Gegner dargestellt. Die Abwesenheit "des Juden" in Degrelles Buch erklärt sich Littell dadurch, dass für den Faschisten die "Endlösung" schon abgeschlossen ist und somit liege es auch für den Autor nahe, "dass sein Buch genauso 'judenrein' ist" (S. 87). Abgeschlossen wird Littells Untersuchung durch ein Nachwort von Theweleit.
Silke Lohschelder : AnarchaFeminismus - Auf den Spuren einer Utopie
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Eventuell antiquarisch erhältlich.
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Unter Mitarbeit von Ines Gutschmidt und Liane M. DubowyDas Buch beschäftigt sich mit Anarchismus, Feminismus und ihrer Verbindung, dem AnarchaFeminismus. Die Autorinnen stellen die jeweiligen theoretischen Grundlagen in Kurzform dar. Zusätzlich werden die historischen Wurzeln und die damit verbundene Praxis vorgestellt - inklusive der Biographie von einzelnen AnarchistInnen (überwiegend Frauen).Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf der Darstellung der Praxis. Die theoretischen Teile sind eher Einführungen in die jeweiligen Themenbereiche. Dabei wird dem Anarchismus deutlich mehr Platz als dem Feminismus gewidmet. Vorgestellt werden der soziale Anarchismus Proudhons, Bakunins kollektiver Anarchismus und Kropotkins kommunistischer Anarchismus. Die Theoretiker werden zusätzlich auf ihre Standpunkte zum Geschlechterverhältnis abgeklopft. Die (anarcha-)feministische Theorie wird schlagwortartig in ihren Grundrichtungen und ihrer Entwicklung abgehandelt.
Der historische Teil bietet einen Überblick über verschiedene Orte und Zeiten, zu denen anarchistisch orientierte Frauen(gruppen) aktiv waren: Rußland im 19. Jahrhundert, die Pariser Kommune, Spanien im Bürgerkrieg, Italien in den 70ern und 80ern des 20. Jahrhunderts, Louise Michel, Emma Goldman ... Die Darstellung bezieht immer den historischen und politischen Kontext mit ein. Dadurch gehen die Beschreibungen weit über das hinaus, was Bücher mit Titeln wie starke Frauen oder Rebellinnen leisten. Schon allein wegen diesem Teil ist AnarchaFeminismus lesenswert.
Trotz der Schwächen in den theoretischen Teilen, die bei dem geringen Umfang wohl unvermeidlich sind, ist AnarchaFeminsmus allen ans Herz zu legen, die endlich mal etwas (Genaueres) über Anarchismus, Feminismus und AnarchaFeminismus wissen wollen.
Mary Low & Juan Ramón Bréa : Rotes Notizbuch
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Erstmalig erscheint das Rote Notizbuch auf deutsch. Die junge Britin australischer Herkunft, Mary Low, und ihr kubanischer Lebensgefährte Juan Bréa schreiben das Notizbuch kurz nach ihrer Flucht aus der spanischen Republik, die sich noch verzweifelt im Bürgerkrieg gegen die faschistischen Franco Truppen befindet. Fliehen mussten die beiden, weil sie der POUM angehören. Einer trotzkistischen Gruppe, die sich zusammen mit den Anarchisten in der Republik gegen die Kommunisten wehren müssen. Die stalinistische KP hat wie in der UDSSR ein Terrorregime aufgezogen, in dem viele POUMler und Anarchisten ihr Leben verlieren.Von den Anfängen der Revolution bis zu dem Anfang des Ende erzählt dieses Buch. Die beiden Journalisten kommen 1936 kurz nach Beginn des Kampfes in Spanien an. In bewegten Schilderungen zeigen sie die ansteckende Lebensfreude und das bunte Alltagsleben der Revolution. Es ist der Beginn eines Traumes, das ein anderes Leben möglich ist. Low und Bréa gehen diesen Traum ein Stück mit und geben ein lebendiges Bild von diesen Tagen, ohne die Kritik zu vergessen. Wo George Orwell mit Mein Katalonien aufhört, fängt das Buch an. Orwell kam ungefähr nach Spanien, als das Paar das Land gerade verlassen hat. In Orwell´s Buch fehlt der Anfang der Revolution, der hier geschildert wird, und auch die schleichenden Veränderungen, die letztendlich zur Tragödie führen.
Das Notizbuch diente als Vorlage für Ken Loachs Film Land und Freiheit. Einen Film könnte man auch von dem bewegten Leben von Low und dem schon 1941 gestorbenen Bréa machen. Ein schönes Buch, das einem ein wenig Glauben an Veränderungen wieder gibt.
Malte Ludin : 2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß
Die Familie eines Nazitäters, 60 Jahre nach Kriegsende. Längst ist die Wahrheit über die Vergangenheit des Vaters aktenkundig, aber unter seinen Verwandten wird sie beschönigt, geleugnet und verdrängt - mit all der Leidenschaft, zu der nur Familienbande fähig sind. Hanns Ludin, Wehrmachtsoffizier, steigt nach 1933 schnell zum SA-Obergruppenführer auf. Ihm werden der Blutorden und andere hohe Weihen des Nazistaates zuteil. Diese Tatsachen nimmt sein jüngster Sohn, der Filmemacher Malte Ludin, zum Ausgangspunkt einer schmerzlichen filmischen Auseinandersetzung mit den Legenden, die in der Familie über den Vater kursieren.
Subcomandante Marcos : Kassensturz - Interviews mit Laura Castellanos
Aus dem Spanischen übersetzt von Horst RosenbergerWas passiert in Chiapas, in den Gebieten, die zwar vom Militä umstellt, nicht aber besiegt wurden, bei den Menschen, die die "erste Revolution des 21. Jahrhunderts" initiiert haben? Im Gespräch mit der Journalistin Laura Castellanos analysiert Marcos, was die zapatistische Bewegung seit ihrem Anfang, dem Aufstand vom 1. Januar 1994, gewonnen und was sie verloren hat. Er skizziert die Konflikte, die über die Zukunft entscheiden werden, nicht nur über die der zapatistischen Gemeinschaften, sondern auch über die Zukunft seiner Person und seiner Rolle als "Sub". Marcos erklät seine Position zu wichtigen Themen, wie z.B. der Beziehung zu anderen bewaffneten Organisationen, er spricht über Fidel Castro, Hugo Chávez, Evo Morales u.a. und verortet die Bewegung in Chiapas innerhalb der kontinentalen Politik Lateinamerikas. Marcos lässt die Geschichte Revue passieren und antwortet auf die Kritik, die ihm entgegengebracht wurde. Er schildert die Perspektiven der Bewegung und prangert das massive Anwachsen der militäischen Bedrohung an. Eine aktuelle Bestandsaufnahme aus der mexikanischen Krisenregion.
Susanne Messmer : Chinageschichten
Die Männer und Frauen, die in "Chinageschichten" zu Wort kommen, sind heute um die achtzig Jahre" alt. Sie waren also 1949, als Mao Zedong auf dem Platz des Himmlischen Friedens die Volksrepublik China ausrief, um die Zwanzig. Sie haben noch ein Stück" altes China erlebt, kennen das Ende der letzten Dynastie aus den Erzählungen der Eltern, wissen, wie geschnürte Füße aussahen und wie es in Peking zur Zeit der japanischen Besatzung zuging. Einige von ihnen haben vor 1949 den Bürgerkrieg auf der Seite der Kommunisten erlebt, andere sprechen am liebsten von der Zeit nach 1953, als in China Aufbruchstimmung herrschte. Einige sind fast verhungert, als Mao Zedong den "Großen Sprung nach vorn" ausrief und eine der schlimmsten Hungersnöte der Geschichte auslöste. In "Chinageschichten" erzählen Menschen von der Kulturrevolution und von der Öffnung Chinas in den achtziger Jahren. 1989, als die chinesische Demokratiebewegung auf dem Platz des Himmlischen Friedens niedergeschlagen wurde, gingen die Protagonisten dieses Buches in Rente. Sie berichten auch von ihren Enkeln, den 'brandneuen Menschen', die in relativem Wohlstand aufgewachsen sind und nie die "Bitterkeit gekostet" haben. In diesem Buch kommen Menschen unterschiedlichster Gesellschaftsschichten vor: ein Sohn eines Lehrers in der Provinz Sichuan, der in Peking leitender Ingenieur wurde und mehrfach beruflich ins Ausland reiste, eine Tochter aus einer armen Pekinger Handwerkerfamilie, die in den fünfziger Jahren freiwillig aufs Land ging und dort das Land mit aufbauen wollte; ein Soldat, der im antijapanischen Krieg auf Seiten der Kommunisten kämpfte - sowie ein Pekingopernsänger, der im Peking vor der japanischen Besatzung auf eine Opernschule ging und während der Kulturrevolution Revolutionsopern sang."Chinageschichten" ist - in der Tradition der Gesprächsprotokoll-Literatur - ein Versuch der Annäherung an das Land "unterhalb" der großen Politik, aus der Perspektive des privaten Lebens und der Vertracktheiten der Organisation des Alltags zwischen gesellschaftlichen und politischen Wandlungsprozessen, wie sie selten drastischer waren als in diesem letzten Jahrhundert in China, und individueller Selbstbehauptung und Glücksuche. Das Buch ist mit aktuellen Porträtfotos bebildert und enthält Fotos aus den privaten Archiven.
Peter Michels : Black Perspectives I & II - Berichte zur schwarzen Bewegung
Peter Michels begann Ende der 60er Jahre seine journalistische Tätigkeit mit Radiosendungen. Seit 1970 unternahm er zahlreiche Reisen in die USA und die Karibik und verarbeitete seine Kontakte mit praktisch allen wesentlichen Organisationen der schwarzen und karibischen Bewegungen zu Hörfunkbeiträgen und mehreren Büchern. Das vorliegende zweibändige Werk versammelt diese Beiträge in zum Teil überarbeiteter und thematisch gegliederter Form.Band I ist den Bewegungen in den USA gewidmet und beschäftigt sich zuerst mit dem geschichtlichen Hintergrund aus der Sicht der Schwarzen, vom Ursprung eines afroamerikanischen Bewußtseins aus dem Widerstand gegen die Versklavung bis hin zur Situation nach der Bürgerrechtsbewegung. Der geschichtliche Teil endet mit einer Beschreibung des Lebens der puertoricanischen Bevölkerung im New Yorker Ghetto Spanish Harlem. Im zweiten Teil des ersten Bandes folgt eine Darstellung der Bewegungen, Ideologien und Aktionen der Black Panther Party, der GI-Bewegung gegen den Vietnamkrieg, den puertoricanischen und Chicano-Organisationen und vieler anderer. Band II befaßt sich mit der Situation in der Karibik. Neben aktuellen Portraits der verschiedenen Staaten von Cuba bis Trinidad enthält er eine Darstellungen verschiedener politischer Bewegungen, insbesondere auch der musikalisch geprägten wie den Rastafaris auf Jamaica. Insgesamt gelingt Michels durch ungefilterte Einbeziehung umfangreichen Originaltonmaterials tatsächlich eine Darstellung aus schwarzer Perspektive. Gleichzeitig ist es die Perspektive von unten, keine Erfolgsrezepte und Siege werden abgefeiert, sondern Momentaufnahmen aus kontinuierlichen Kämpfen geboten, eine Seltenheit und um so wertvoller, da die Geschichte normalerweise von den Siegern geschrieben wird.
Bascha Mika : Die Feigheit der Frauen - Rollenfallen und Geiselmentalität
"Eine Streitschrift wider den Selbstbetrug" ist dieses Buch der ehemaligen TAZ-Chefredakteurin untertitelt. Ausgangslage ist die Erfahrung von Millionen von Frauen, nicht nur von den wenigen, die in den Führungspositionen sitzen oder dorthin wollen, sondern von den vielen jungen und älteren, Müttern und Familienfrauen, Singles, Ehefrauen und Partnerinnen, die es eben nicht tun. In zahllosen Gesprächen mit den unterschiedlichsten Frauen aller Altersstufen, Schichten und Lebensentwürfen ist Bascha Mika ihrer Frage nachgegangen, ob Frauen sich trotz der Forderung nach einem eigenständigen Leben freiwillig gesellschaftlichen Rollen unterordnen, ob sie nicht frei und gleich sein können oder es nicht wollen. "Ihr Frauen," sagt Bascha Mika, "lasst das Jammern, verzichtet auf Entschuldigungen, warum es wieder nicht geklappt hat, und meidet das Suchen nach Sündenböcken für eure Situation. Übernehmt selbst Verantwortung dafür, habt Mut, das alte Spiel der Rollen nicht mehr mitzuspielen". Tja, so schreibt eine, die es geschafft hat, eine Führungsposition zu kriegen und erntet zu Recht Gegenwind: "Wie viele Frauen gibt es überhaupt, die vor der Entscheidung stehen, in der »Komfortzone« herumzusitzen oder sich um Firmenparkplätze und Vertragsabschlüsse zu streiten? Bekommen nicht viel mehr Akademikerinnen gar keine Kinder mehr, weil diese immer noch so schwierig zu vereinbaren sind mit dem Wunsch nach beruflichem Erfolg? Und sind solche Elitendiskussionen tatsächlich dazu angetan, gesellschaftliche Strukturen zu verändern?" fragt Claire Horst in einem lesenswerten Artikel in der Jungle World.
Gitta Mühlen Achs : Wer führt? Körpersprache und die Ordnung der Geschlechter
Welche Frau hat sich nicht schon einmal gefragt, warum sie sich so angegriffen fühlt, wenn bestimmte Männer auch nur den Raum betreten? Oder, ob es wirklich so wichtig ist, eine superschlanke Figur zu haben?Auf diese und viele andere Fragen aus den Bereichen Körpersprache, Geschlechterdifferenz, Körperideale und symbolische/ persönliche Räume antwortete Gitta Mühlen Achs ausführlich und vor allem anhand von vielen Beispielen und Abbildungen sehr anschaulich. Sie zeigt damit, daß die" alte Ordnung der Geschlechter mitnichten verschwunden ist, sondern besonders durch Medien und Werbung aufrecht erhalten wird.
Ziel ihres Buches ist es daher vor allem, aus diesen körperlichen Strukturen der Geschlechterordnung auszubrechen und frau zur größeren individuellen und gesellschaftlichen Freiheit zu verhelfen.
Kien Nghi Ha & Sheila Mysorekar Nicola Lauré al-Samarai : re/visionen
Postkoloniale Perspektiven von People of Color auf Rassismus, Kulturpolitik und Widerstand in Deutschland.Im vorliegenden Band werden erstmals kritische Stimmen ausnahmslos von People of Color zusammen gebracht - Schwarze Deutsche, Roma und Menschen mit außereuropäischen Flucht- und Migrationshintergründen. Ihre widerständige Wissensproduktion und ihr politischer Erfahrungsaustausch bringen" alternative Diskussionen hervor. Sie setzen sich mit Rassismus, Islamophobie und ausgrenzenden Migrations- und Integrationsregimes auseinander und diskutieren Fragen von individuellem und kollektivem Widerstand, antirassistischer Kulturpolitik und postkolonialen Denkansätzen. Selbstbestimmte Räume und solidarische Visionen werden sichtbar, welche die rassistische Logik des Teilens und Herrschens herausfordern und auf grenzüberschreitende Identitäten und Bündnisse zielen. Durch den People of Color-Ansatz wird ein Paradigmenwechsel möglich, der die weiße Norm hinterfragt und nachhaltig untergräbt.
Notes from Nowhere : Wir sind überall - weltweit.unwiderstehlich.antikapitalistisch
Aus dem Englischen übersetzt von Sonja Hartwig, Dietlind Falk und Eva-Maria BachEin inspirierendes Handbuch des neuen weltweiten Protests, der ohne Führer und ohne Kleines Rotes Buch auskommt und dezentral für Deglobalisierung , Pluralismus und direkte Demokratie eintritt. Ein Pflasterstein gegen den Zynismus und ein beeindruckendes Dokument der Zivilcourage. Für alle, die nicht an Alternativlosigkeit glauben und diesen Zweifel praktisch bestätigt sehen wollen. Subjektive Berichte, praktische Tipps und zusammenführende Analysen machen dieses Buch zu einer" alternativen Weltreise. Auf über 500 Seiten Text, illustriert mit 150 Fotos, berichten AktivistInnen aus aller Welt über die neue, kreative Bewegung der Bewegungen: Straßenkarnevalisten aus England, G-8-Protestiererinnen aus Seattle und Genua, gegen genmanipuliertes Saatgut kämpfende Bauern aus Indien, die Wasserkrieger aus Bolivien, Landbesetzerinnen aus Brasilien, afrikanische Sans-Papiers aus Frankreich, Gartenguerilleras aus New York ...
Gisela Notz : Warum flog die Tomate? - Die autonomen Frauenbewegungen der 70er Jahre
In diesem Buch geht es um die Gründe für die Herausbildung eigenständiger Frauenbewegungen in der BRD, die ihre agitatorischen Schwerpunkte und ihre größte Breitenwirkung in den 1970er Jahren erreichten. Es geht auch um Organisationsformen, Programme und Institutionen, um politische Wirksamkeit sowie um Auswirkungen über die Gründerinnengeneration hinaus.
Abdullah Öcalan : Verteidigungsschriften - Jenseits von Staat, Macht und Gewalt
Dieses Buch ist die bisher ausführlichste Darstellung von Philosophie und Politik der PKK und der kurdischen Befreiungsbewegung aus der Feder ihres wichtigsten politischen Repräsentanten. Öcalans Vision einer kommunal organisierten demokratisch-ökologischen Gesellschaft gab der kurdischen Bewegung wichtige Impulse und bietet Anregungen für die globale Debatte um einen neuen Sozialismus. Sein Plädoyer gegen staatliche Gewaltverhältnisse und Krieg und Gewalt zur Durchsetzung von Machtinteressen bildet ihr theoretisches Fundament. Bei dieser Analyse stellt der Geschlechterwiderspruch einen zentralen Hebelpunkt dar. Auch die Freiheitsbewegung unterzieht er einer radikalen Kritik, wobei er seine eigene Person schonungslos miteinbezieht. Die Prinzipien des demokratischen Konföderalismus und der demokratischen Autonomie werden hier erstmals ausformuliert. Insofern konkretisiert Öcalan Lösungsvorschläge für die „kurdische Frage“ und seinen Gesellschaftsentwurf für einen neuen demokratischen und friedlichen Mittleren Osten.
Saul K. Padover : Lügendetektor
Übersetzt von M. FienborkDer Lügendetektor wurde bereits 1946 in den USA veröffentlicht und ist nun endlich in der Anderen Bibliothek bei Eichborn erschienen. Saul K. Padover wurde 1905 in Wien geboren und wanderte 1920 mit seiner jüdischen Familie in die USA aus. Seit 1943 arbeitete er für das dortige Innenministerium in derAbteilung Psychologische Kriegsführung. Sein Auftrag in Deutschland beginnt im Herbst 1944, also noch zu Kriegszeiten, und lautet: Die politische Stimmung und die Denkweise des Feindes zu erforschen .Noch vor Kriegsende war er einer der ersten, der sich ein Bild machen konnte von der politischen und moralischen Bewußtseinslage der Deutschen. Er war dabei, als die erste deutsche Großstadt Aachen von den Alliierten eingenommen wurde. Es war eine gefährliche Arbeit, da die Kampfzone nicht immer eindeutig abgegrenzt war und er sich manchmal zwischen den schemenhaften oder auch vor den eigentlichen Fronten bewegte. Er sprach mit Menschen aus allen Bevölkerungsschichten um zu einem repräsentativen Ergebnis zu gelangen.. Es gab zufällige und beabsichtigte Gespräche mit Nazis, Mitläufern und Gegnern- die er kaum fand- des Dritten Reiches. In all seinen Gesprächen und Interviews behielt er die nötige Distanz. Sein Resumée ist erschreckend und nur ganz wenige Begegnungen haben bei ihm hoffnungsvolle Erinnerungen hinterlassen. Er zeichnet ein Bild von sich selbst bedauernden Deutschen, obwohl es keinem in europa materiell so gut ging wie Ihnen. Auch in den befreiten Städten entpuppten sich die Deutschen weiterhin als autoritätsgläubig, äußerten sich abfällig über die Weimarer Republik, das Mehrparteiensystem und lehnten sogar Gewerkschaften ab.Der Versailler Vertrag war für viele die Ursache allen Übels. Fast alle , die dem Naziregime ablehnend gegenüberstehen, klagen darüber, wie schwer sie es hatten. Sie fließen über vor Selbstmitleid. Diese Larmoyanz ist eine mehr oder weniger unbewußte Methode zur Rechtfertigung des eigenen Mitläufertums. Bei dieser quasi ethnologischen Reise durch Deutschland empfindet er die Deutschen als geduckte Menschen, die zu selbständigem Handeln ebenso unfähig sind wie zu couragiertem Widerstand.
Teo Panther : Alle Macht den Räten I - Novemberrevolution 1918
Es war die Revolte der spontan gebildeten Arbeiter-, Soldaten-, und Bauernräte, die im November 1918 das Ende des 1. Weltkriegs besiegelte und den deutschen Kaiser zum Teufel jagte. Die Novemberrevolution war geboren, doch konnte die Macht der Räte nicht in eine (sozialistische) Räterepublik gewandelt werden. Die Arbeiter- und Soldatenräte selbst gaben ihre Macht wieder aus der Hand. Klassiker der Sozialrevolte Bd. 12, editiert mit Vorwort, Kurzbiografien, Zeittafel und historischen Abbildungen.
Guillaume Paoli : Mehr Zuckerbrot, weniger Peitsche
Aufrufe, Manifeste und Faulheitspapiere der Glücklichen ArbeitslosenNur selten haben sich Feuilletonisten dermaßen auf eine Gruppierung gestürzt wie momentan auf die in Berlin entstandene Gruppe Die glücklichen Arbeitslosen. Was sich zunächst wie eine Verhöhnung der weit über vier Millionen Arbeitslosen anhört, ist eine Auseinandersetzung mit der Ware Arbeit. Die ketzerischen Ansichten brachten ihnen mediale Öffentlichkeit, aber auch Angriffe von allen Seiten ein. Bestenfalls wurden die glücklichen Arbeitslosen als nette Spinner belächelt. Dabei wäe eine Auseinandersetzung mit Argumenten über den Begriff Arbeit durchaus wünschenswert und wichtig. Dazu gibt das vorliegende Büchlein Gelegenheit. Dort sind die wichtigsten Beiträge der glücklichen Arbeitslosen versammelt.
Mit dem Titel Die Glücklichen Arbeitslosen knüpfen sie einerseits an das Manifest von Peter Paul Zahl in seinem herzerfrischenden und lesenswerten Roman Die Glücklichen an, anderseits auch an Lafarguess Manifest des Rechts auf Faulheit. Sie sprechen von einem Leben jenseits der Arbeit. Arbeit macht nicht glücklich. So ist auch nicht die Arbeitslosigkeit das Problem, sondern die Geldlosigkeit, die den Menschen zu schaffen macht. Dem vorliegenden Buch zufolge bietet sich in der aktuellen Situation eine historische Chance, denn die schön formulierte These von der Arbeit für alle wird man wohl endgültig ad acta legen können.
Demnach entscheidet sich gerade, wie die Gesellschaft mit Arbeitslosigkeit umgehen wird. Der Weg, die Arbeitslosen über die Hartz-Kommission in staatlich geförderter Job-Simulation zu parken (neueste Variante: die Ich-AG), ist die Zuckerbrot-Variante. Der andere Weg degradiert die Arbeitslosen zu überflüssigen Elementen, die an ihrem Schicksal angeblich selber schuld sind. Dies nennt Paoli die Peitschen-Variante. Der dritte Weg kann nur in der Freiheit des Einzelnen liegen, selbstbestimmt über sein Leben - ob nun Karriere oder Faulenzen - zu verfügen. Der Zugang zu diesen Möglichkeiten sollte von der Schule bis zur Rente gelten. Die Finanzierung hierfür dürfte dabei das geringste Problem sein.
Mit ihrem ostentativen, trotzigen Glücklichsein sind die Berliner Arbeitslosen ein Affront gegen die immer stäker werdende Ideologie der Leistungsgesellschaft, nach der nur der glücklich sein darf, der auch etwas leistet. Damit begehen sie regelrecht einen Tabubruch in Punkto Arbeit und Arbeitsmoral. Ihr Verdienst ist es, der ganzen Diskussion etwas Gefühl und Witz beigegeben zu haben. So sind in diesem Band, neben den theoretischen Grundlagen der Glücklichen Arbeitslosen, auch viele Berichte von ihren Aktionen in Arbeitsämtern, bei Verleihfirmen etc. enthalten. Mittlerweile gibt es sogar internationale Ableger, beispielsweise in Spanien.
Also: Ein Buch, das jedeR lesen sollte. Es ist zwar nicht unbedingt die Anleitung zum Glücklichsein, aber es zeigt auf, dass es Wichtigeres und vor allem Schöneres gibt als Arbeit. Damit sind aber noch nicht alle Probleme gelöst.
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Claudia Pinl : Das Biedermeier-Komplott
Wie Neokonservative Deutschland retten wollen
Neokonservative Publizisten sehen Deutschland am Abgrund. Werte und Institutionen wie die Familie, die Nation und die Religion seien systematisch heruntergewirtschaftet worden. Das Ergebnis: Bevölkerungsschwund und allgemeine gesellschaftliche Erosion.Claudia Pinl macht in ihrem Buch deutlich, dass der Neokonservatismus, der in der Politik und in den Medien immer öfter zum Ausdruck kommt, die wahren Probleme der Gesellschaft verschleiert. Sein Bemühen, rechte Denkfiguren in der politischen Mitte heimisch zu machen, ist ein gefährlicher Angriff auf die demokratischen Grundlagen der Gesellschaft.
Silvy Pommerenke : Küsse in Pink
Anne Wills spätes Coming-out auf dem (vorläufigen) Höhepunkt ihrer Karriere lässt vermuten: Offen lesbisch zu sein ist noch immer nicht selbstverständlich. Nicht für eine gestandene Frau. Und erst recht nicht für Mädchen und junge Frauen in der Selbstfindungsphase. Trotz einiger "Promi-Lesben" und den Lesben in den Vorabend-Soaps ist das Coming-out für jede Einzelne ein vielschichtiger und oftmals von großer Verunsicherung geprägter Prozess, für den es Rückenstäkung braucht.Die Berliner Autorin Silvy Pommerenke hat mit vielen jungen Frauen gesprochen und sie zu allen Aspekten rund um ihr Coming-out befragt. Sachinformationen, Geschichten und ein Anhang mit einem kleinen lesbischen Wörterbuch, Literatur- und Filmtipps sowie weiterführenden Links unterstützen die Leserin darin, ihren eigenen Weg des Coming-out zu finden. Coming-out-Ratgeber (auch für Lesben) gab es schon einige, aber Silvy Pommerenke hat einen für das 21. Jahrhundert geschrieben.
Wolfgang Pomrehn : Heiße Zeiten - Wie der Klimawandel gestoppt werden kann
Die Klimadebatte ist voll entbrannt und geht doch am entscheidenden Punkt vorbei: Es geht um den kompletten Umbau der Industriegesellschaft. Die Frage ist nicht, ob das Zeitalter von öl, Kohle und Atomenergie zuende geht, sondern wann und wie das geschieht. Den Umbau so schnell wie möglich zu beginnen und nicht abzuwarten, bis die ökologische Krise allgegenwätig und die ökonomische nicht mehr abzuwenden ist, darum dreht es sich. Und zugleich um die Kontrolle über die gesellschaftlichen Ressourcen: Gelingt die Umstellung der Energieversorgung oder überziehen die Stromkonzerne das Land mit neuen Kohlekraftwerken? Diktiert weiterhin die Autolobby die Verkehrspolitik? Können die Kämpfe für Klimaschutz und sinnvolle Beschäftigung miteinander verbunden werden? Wolfgang Pomrehn trägt die wichtigsten Fakten und Argumente zusammen. Er macht die physikalischen Grundlagen der Klimaprobleme verständlich, nimmt die Bedrohungsszenarien unter die Lupe und diskutiert Sackgassen und echte Alternativen.
pro:fem : Das feministische Dschungelbuch
Die anfängliche Kraft des Feminismus scheint einer Erschöpfung und Lustlosigkeit gewichen. Ist die Luft raus nach all den Jahren? Wie kommt es, dass parallel die bundesrepublikanische Presse die Gefahr des Feminismus für Frieden und Ordnung beschreit, als stünde eine Massenbewegung bevor? Die Autorinnen erlebten einige überraschungen in der Analyse öffentlicher Texte und ihrer Selbst-Verwicklungen im Alltagsdschungel. Die Expedition war erfolgreich. Mitgebracht haben sie neue Fragen, inspirierende Ideen und Politikvorschläge für einen zeitgemäßen Feminismus - und dieses Handbuch. Ein Bericht für all diejenigen, die die Expedition selbst wagen wollen.
PROKLA 153 : Die USA nach Bush
Schon in den 1970er Jahren wurde der "US-Decline" prognostiziert. Stattdessen hatten das Ende des Weltwährungssystems von Bretton Woods und die Krise des Fordismus als ein Ergebnis eine Transformation der US-amerikanischen Hegemonie. Die USA etablierten ein "Dollar-Wall-Street-Regime" (Gowan) und der Zusammenbruch der Sowjetunion ließ die USA als alleinige Supermacht zurück. Die erneuten Krisenprozesse - z.B. die New Economy-Blase, der 11. September 2001, die Doha-Runde der WTO, der Aufstieg neuer Regionalmächte wie Brasilien, China und Indien - schaffen grundsätzlich neue Bedingungen in der globalen Arena. Aktuell kommen die US-Immobilienkrise, die anhaltende Schwäche des Dollar und das immer weiter zunehmende Haushaltsdefizit hinzu. Wie wirken sich alle diese Faktoren auf die US-Hegemonie aus? Ist die Rede vom Abstieg der USA auch diesmal verfrüht? Handelt es um den Übergang von einer "integralen Hegemonie" mit einer starken Position der USA zu einer "minimalen Hegemonie" mit einer geschwächten Position der Hegemonialmacht?
Luise F. Pusch : Die Eier des Staatsoberhaupts und andere Glossen
Als Luise F. Pusch gebeten wurde, etwas über die Frage "Ist die Frauensprache am Ende?" zu schreiben, denn so der Fragesteller "man hört rein gar nicht mehr von dem Thema", fragte sie zurück, "wie ist es mit Skandinavien? Ist Skandinavien auch am Ende? Man hört in letzter Zeit so wenig von Skandinavien." Die Frage, ob Frauenbewegung und Frauensprache tot sind, ist ungefähr so" alt wie diese selber, und kann mit "Nein" beantwortet werden. Denn immer neue Herausforderungen an die Sprache halten diese quicklebendig: Kann eine Frau die "Schirmherrschaft" übernehmen? Wäe es nicht besser von einem Matronat zu sprechen? Gibt es eine passendere Bezeichnung für "Frauenpaar" vielleicht "Knutschfreundinnen"?Pusch gelingt es immer wieder, gedanken- und bedenkenlos verwendete Sexismen in der Sprache aufzudecken und sie durch witzige, überraschende und oft durchaus ironische Feminin-Äquivalente zu ersetzen.
re.ACTion : Antisexismus_reloaded.
Zum Umgang mit sexualisierter Gewalt - ein Handbuch für die antisexistische Praxis
Zum Umgang mit sexualisierter Gewalt - ein Handbuch für die antisexistische PraxisEin aktuelles Buch mit Grundlagen zu Definitionsmacht, Parteilichkeit, Veröffentlichung, UnterstützerInnengruppe, Umgang in Politgruppen, Täterumgang, etc. hat bislang gefehlt. Antisexismus_reloaded bietet einen Ausweg aus dem Kreislauf üblicher Debatten zum Umgang mit sexualisierter Gewalt und zeigt einen emanzipatorischen Ansatz auf.
Dieser Leitfaden richtet sich sowohl an Menschen, die sich noch nicht mit dem Thema auseinandergesetzt haben als auch an solche, die Erfahrungen im Umgang mit sexualisierter Gewalt gemacht haben. Anschaulich und zugleich fundiert werden die entscheidenden Punkte angesprochen, kontextualisiert und Vorschläge für einen reflektiertes Handeln dargestellt.
Redaktionskollektiv : Tipps & Tricks für Antifas - reloaded
Aus der Erfahrung des antifaschistischen Widerstands der letzten 20 Jahre heraus gibt Tipps & Tricks für Antifas, jetzt in der aktuell überarbeiteten Auflage, grundlegende Informationen und Unterstützung für die alltäglichen Fragen in der Antifa-Arbeit: Wie gründen wir eine Gruppe? Wie geben wir eine Zeitung heraus und organisieren Veranstaltungen? Wie gehen wir mit Festnahmen und anderen staatlichen Repressalien um? Welche Formen des Widerstandes von der Recherche bis hin zu Demos gegen Nazis gibt es und was ist dabei zu beachten?
Robert A. Rockaway : Meyer Lansky, Bugsy Siegel & Co - Lebensgeschichten jüdischer Gangster in den USA
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Robert Rockaway in Detroit geboren arbeitet als Historiker an der Universität von Tel Aviv und ist Autor mehrerer Bücher über jüdisches Leben in den USA. Hier beschreibt er die Geschichte jüdischer Gangster vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Vor allem in den dreißiger Jahren, in der Zeit der Prohibition, verdienten sie durch Alkoholschmuggel und -Verkauf Millionen Dollar und gehörten gerade in New York zu den führenden Köpfen der organisierten Unterwelt. Rockaway berichtet aber nicht nur die kriminelle Seite des Lebens dieser Gangster, sondern auch über ihr Engagement und ihre Hilfe für die jüdische Bevölkerung in den USA, hauptsächlich in den Großstadtslums jüdischer osteuropäischer Einwanderer. Viele kämpften im Zweiten Weltkrieg freiwillig in der US-Armee gegen die Nazis oder organisierten Geld und Hilfe für den Aufbau des Staates Israel. Ein faszinierendes Buch, das eine Epoche beschreibt, die uns bisher nur aus US-Gangsterfilmen bekannt war.
Shmuel Ron : Die Erinnerungen haben mich nie losgelassen
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Übersetzt von Esther KinskyIn schlichter, einprägsamer Sprache beschreibt Shmuel Ron seine Situation in Polen zur Zeit des Nationalsozialismus. Er hat aktiv am jüdischen Widerstand teilgenommen. Nun wirft er Fragen der Moral auf: Ob mehr Widerstand hätte geleistet werden können, ob es grundsätzlich eine Pflicht zum Widerstand gegeben hat, warum nicht mehr Unterstützung aus dem Ausland kam? Wie kann man mit seinen Kindern über den Genozid sprechen? Kann man es überhaupt? Ron legt in seinem Buch Zeugnis für seine Kinder ab. Es ist ein Erinnerungsbericht, der ihn befreit aber auch bittere Erinnerungen wach werden läßt. Alle seine Mitkämpfer kommen um. Er selbst wird am 31. Mäz 1944 nach Auschwitz deportiert. Er überlebt. Seine Wunden schließen sich nicht, zumal er mehrere Male als Zeuge gegen NS-Verbrecher aussagt, diese aber dennoch freigesprochen werden. Dieses Buch gehört zu den wichtigen, die zu diesem Thema in den letzten Jahren erschienen sind.
Verlag ,
Andrea Röpke & Andreas Speit : Neonazis in Nadelstreifen - Die NPD auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft
In den letzten Jahren konnte die NPD nicht nur Wahlerfolge in Ost und West verbuchen. Gemeinsam mit den außerhalb der Parlamente agierenden "Freien Kameradschaften" ist es ihr gelungen, vielerorts eine rechte Alltagskultur zu etablieren. Der Grund dafür ist ein Strategiewechsel, mit dem sie sich zugleich ein neues Image zu geben versucht: Sie greift soziale ängste und regionale Probleme auf, und ihre Mitglieder engagieren sich verstäkt in Vereinen und ehrenamtlichen Initiativen. Dabei stützt sich die NPD auf ein bundesweites Netzwerk von Kameradschaften, Wirtschaftsunternehmen und Organisationen. Als harmlos erscheinende Bürgerinitiativen setzen sie sich zudem für Stadtteil- und Gemeindethemen ein. Doch auch im Gewand des Biedermannes werden die" alten völkischen Botschaften verbreitet, hinter der Bürgernähe steht eine straff geführte Organisation, und die Zahl rechtsextremer Gewalttaten nimmt weiter zu. Dieses Buch gibt einen überblick und deckt Hintergründe auf.
Christoph Ruf : Die Untoten vom Millerntor
"Der Selbstmord des FC St. Pauli und dessen lebendige Fans" ist dieser Sammelband untertitelt und bringt Innenansichten eines Vereins, der trotz Durchmarsch von der Bundesliga in die Regionalliga Nord bundesweit immer noch zehntausende von Fans hat. Im ersten Teil des Buches wird der zum Teil selbstverschuldete Niedergang des Vereins eingehend analysiert, was den treuen GenossInnen des linken Mythos-Vereins schon die Tränen aus dem Knopfloch treiben kann. Im zweiten Teil aber beschreiben Prominente wie Richard Golz oder Gregor Gysi und Fans von der Basis, warum Pauli immer noch das Größte ist.
Wolfgang Schieder : Der italienische Faschismus. 1919-1945
Ende August 2010 ist in der Reihe C. H. Beck Wissen der Band "Der italienische Faschismus" erschienen. Autor ist der bekannte Faschismusforscher Wolfgang Schieder, der bis zu seiner Emeritierung an der Kölner Universität lehrte.Auf 115 Textseiten wird das Thema in sieben Kapiteln behandelt. Von den Entstehungsbedingungen, über die Bewegungs- und Diktaturphase bis zum Ende des Faschismus als "Republicca Sociale Italiana" reicht der historische Abriß. Abgeschlossen wird das Buch durch ein Kapitel zum Faschismus in der kollektiven Erinnerung der Italiener und eine Zeittafel.
Als Einstieg zur Thematik ist dieses Büchlein nützlich. Insgesamt ist der Band leider viel zu knapp geraten. Auf sechs Seiten etwa lassen sich die Entstehungsbedingungen des Faschismus nicht ausreichend beschreiben, die Rolle der italienischen Futuristen als Wegbereiter wird nicht gewürdigt und der wichtige Ideologe Giovanni Gentile wird nur in zwei Nebensätzen erwähnt. Wer sich eingehender mit dem italienischen Faschismus beschäftigen möchte, dem sei die "Kurze Geschichte des italienischen Faschismus" von Brunello Mantelli ans Herz gelegt.
Bernhard Schmid : Der Krieg und die Kritiker
Die Realität im Nahen Osten als Projektionsfläche für Antideutsche, Antiimperialisten, Antisemiten und andereBernhard Schmids neues Buch handelt von dem Krieg im Libanon, der im Hochsommer 2006 rund 1.200 zivile Tote kostete, und den Reaktionen innerhalb von Teilen des - im weiteren Sinne - gesellschaftskritischen Spektrums darauf. Es geht dabei um unterschiedliche Flügel der Linken und der Intellektuellenszene, jedenfalls desjenigen Spektrums, das selbst den Anspruch erhebt, Kritik an der bestehenden Gesellschaft zu üben. Im Anfangsteil des Buches wird ein Rückblick auf das Nachkriegsverhältnis zwischen Deutschland und Israel und seine Rezeption durch die Linke geworfen. Im Anschluss wird auf die Entstehung von linken Weltbildern, die vom Antiimperialismus bzw. der Entkolonialisierung dominiert waren, und ihre Auswirkung auf die Wahrnehmung der israelisch-arabischen Konflikte eingegangen. Schließlich wird sehr ausführlich die Entstehung und Auswirkung der antideutschen Ideologie und ihre, gegenüber den bis dahin dominierenden linken Wahrnehmungsmustern schroff entgegen gesetzte, Rezeption des Nahostkonflikts eingegangen. Ferner wird ein, knapper, Blick über den nationalen Tellerrand riskiert und, in einem kurzen Vergleich mit den deutsch-österreichischen Debatten, auf den Stand der politischen Auseinandersetzung in den USA und Frankreich verwiesen.
Bernhard Schmid : Die arabische Revolution?
Soziale Elemente und Jugendprotest in den nordafrikanischen Revolten Anfang 2011 hätte wohl niemand für möglich gehalten, dass die seit Jahrzehnten bestehenden Regime in der arabischen Welt so schnell ins Wanken geraten könnten.
Doch nachdem sich in Tunesien aus Sozialprotesten eine Revolte gegen den Diktator Ben Ali entwickelte, fallen die arabischen Herrscher wie Dominosteine: Erst Ben Ali, dann Mubarak, als nächstes Gaddafi. Während einige Linke sich noch nicht recht entscheiden können, ob Gaddafi nicht doch irgendwie auch Sozialist war, sehen andere vor allem die Sicherheit Israels bedroht. Doch was wollen die Protestierenden eigentlich? Wie verhält es sich mit den Kräfteverhältnissen in Bewegung und Gesellschaft und wie sind die Geschehnisse aus emanzipatorischer Sicht zu bewerten? Diese Fragen diskutiert Bernhard Schmid und nimmt dabei sowohl die Gemeinsamkeiten, als auch die Unterschiede in den verschiedenen arabischen Ländern in den Blick. Ferner stehen das Verhältnis des Westens zu seinen arabischen Diktatoren, sowie die Frage, was das Ganze eigentlich mit uns und der deutschen Protestlethargie zu tun, auf der Tagesordnung.
Birgit Schmidt : Freundliche Frauen - Eine Kritik an der Juden - und Frauenfeindlichkeit des esoterischen Feminismus
Das weibliche Selbstverständnis speist sich heute aus anderen Quellen als noch vor 30 Jahren. Eine wachsende Zahl an Frauen gewinnt aus der Identifikation mit der Natur einen wesentlichen Teil ihrer Identität. Durch die Renaissance der Hexen verbreitet sich der Glaube an Karma und Reinkarnation. Erkläte Feministinnen bringen mit einem vermeintlich historischen Matriarchat paradiesische Zustände in Verbindung. Für die Unterdrückung der Frau wird, ebenso wie für Naturzerstörung und Krieg, der übergang zum Patriarchat verantwortlich gemacht, der zeitlich mit der Herausbildung des Judentums zusammenfalle. Birgit Schmidt hat die "Große Göttin-Szene" kritisch unter die Lupe genommen. Sie analysiert die Verkürzungen und Denkfehler, die den esoterischen öko-Feminismus prägen; sie verweist auf die Anschlussfähigkeit vieler Auffassungen zu rechtem Gedankengut und warnt vor den immer wieder zutage tretenden antisemitischen Untertönen.
Ulrich Schneider : Paris - Boulevard St. Martin No. 11.
Peter Gingold (1916-2006) war einer der profiliertesten jüdischen Widerstandskämpfer und Kommunisten in der Bundesrepublik. Besonders seit den 70er Jahren trat er als Redner auf politischen Kundgebungen gegen Naziaufmäsche und als Zeitzeuge in Schulen und bei Jugendgruppen auf. Er hatte viel zu berichten: Die Zeit des aufkommenden Faschismus in Deutschland, Exil in Frankreich und Widerstand in den Reihen der Résistance (Illegalität, politische Agitation unter deutschen Besatzungssoldaten, Flucht aus den Fängen der Gestapo und Teilnahme am Aufstand zur Befreiung von Paris 1944). Den 8. Mai 1945 erlebte er in Turin mit der italienischen Resistenza. Zurückgekehrt nach Deutschland, gestaltete er dort den politischen Neuanfang aktiv mit, musste jedoch erleben, wie er und seine Familie danach fast zwei Jahrzehnte der erneuten Verfolgung, der Ausbürgerung und des Berufsverbots erlebten. Trotzdem verstand er sich stets als Mut-Macher, seine Maxime: "Nie aufgeben!"
Georg Schön : Somos Viento. Wir sind der Wind. Globalisierte Lebenswelten in Lateinamerika.
Ausgehend von der deutschen Bewegungsforschung zeichnet der Autor ein interdisziplinäes Bild über zeitgenössische Perspektiven auf soziale Bewegungen in Lateinamerika. Multiple methodische Zugänge bearbeiten die Brennpunkte aktueller sozialer Prozesse: ökologische und kulturelle Verteilungskämpfe, indigene soziale Bewegungen, Sozialforen, Netzwerk- und Artikulationsprozesse sozialer Bewegungen, Auswirkungen von neuen Informations- und Kommunikationstechnologien auf globalisierte Bewegungslandschaften, Aufbau von (Gegen-) öffentlichkeiten und" alternativen Räumen von Macht. Die in diesem Buch aufgearbeiteten und miteinander verwobenen Bewegungen, Kampagnen, Netzwerke und Allianzen offenbaren das Gerüst der Graswurzelglobalisierung. Zitate von Aktivisten aus Mexiko, Zentral- und Südamerika führen in lateinamerikanische Bewegungswelten ein. Anhand des zivilen Zapatismus in Mexiko werden diese Prozesse in ihrer Tiefe beleuchtet. Mehr hier.
Klaus Schönberger & Ove Sutter : Kommt herunter, reiht euch ein...
Im Laufe der wechselvollen Geschichte der sozialen Bewegungen hat sich ein vielfältiges Repertoire an Protestformen herausgebildet, mit denen versucht wird, einzugreifen, zu verhindern oder zu behindern sowie gesellschaftliche Veränderung denkbar und möglich zu machen. Dazu gehören Straßendemonstrationen, Kundgebungen, Infostände, Happenings, Reclaim-the-Street-Partys, Pink & Silver, Rebel Clown Army, Streiks oder direkte Aktionen sowie Aktionen des zivilen Ungehorsams wie beispielsweise Boykott-Aktionen, Sitzblockaden oder Tortenwerfen. Um Protest nach außen zu vermitteln, werden Unterschriften gesammelt, Petitionen verfasst, Fahnen geschwenkt, Transparente gemalt, Plakate layoutet, Graffitis gesprüht, Flugblätter verteilt, Musik gespielt und Lieder gesungen oder auch einfach nur bestimmte Kleidungsstücke getragen. Dieses Buch beschreibt die wechselvollen Geschichten des Protests sozialer Bewegungen anhand dieser und anderer Aktionsformen sowie die damit verbundenen Kommunikations- und Handlungsmuster von 1848/49 bis heute.
Thomas Schroedter : Antiautoritäre Pädagogik
Vorgestellt werden die wesentlichen Merkmale antiautoritäer Erziehung, ihre Theoretiker und die Institutionen, in denen Ansätze einer solchen Pädagogik verfolgt wurden und werden. Dabei wird die antiautoritäe Pädagogik nicht auf die theoretischen Ansätze und Praxen beschränkt, die sich diesen Titel gaben, wie die Kinderladenbewegung in den späten sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Vielmehr werden Vorläufer und pädagogische Ansätze ebenso beachtet wie die politischen Strömungen Marxistisch/Freudscher und anarchistischer anarchosyndikalistischer Ausprägung, die herrschaftskritische pädagogische Konzepte und Praxen entwickelten, sowie die bürgerliche Reformpädagogik.
Thomas Schroedter & Christina Vetter : Polyamory - Eine Erinnerung.
Nach mehreren Ratgebern für polyamore Beziehungsgeflechte ist laut Schroedter und Vetter die Zeit reif für ein Theorie-Buch und das ist ihnen auch gelungen. Polyamory bezeichnet Beziehungsnetzwerke, in denen mehrere Liebesbeziehungen verantwortungsvoll, ehrlich, offen und verbindlich gleichzeitig entwickelt und erlebt werden. Dabei zeichnet das Buch ausführlich historische Entwicklungen von Beziehungskonzepten und Liebesdiskursen nach. Im Kontext von aktuellen Fragestellungen werden auch Probleme und Schwierigkeiten nicht ausgespart: Welchen Umgang mit Eifersucht gibt es, welche Funktionen erfüllt sie, welche Auswirkungen haben u.a. Rassismus und Klassismus auf Beziehungskonzepte? Ausführlich wird auf Ansätze der Queer Theory eingegangen, um verschiedene Lebens- und Liebes-Konzepte gleichwertig nebeneinander in ihrer Vielfalt anzuerkennen. Sowohl Interessierte, Kritiker_innen als auch alte Poly-Erfahrene können neue Denk- und Diskussionsansätze aus diesem Buch herausziehen.
Gunnar Schubert : Die kollektive Unschuld
Am 13. Februar 1945 verwüsteten unter dem Kommando Luftmarshall Arthur Harris stehende alliierte Bomber aus reinster Vergeltungssucht das beschauliche Kunst- und Kulturzentrum Dresden. Im Zuge der massiven Bombardierung wurde ein "Feuersturm" (J. Friedrich) ausgelöst, der den friedlichen und kosmopolitischen Bürgern sowie einer wehrlosen Masse an Kriegsflüchtlingen zum tödlichen Verhängnis wurde. Von jeder kriegsbedingten Rationalität befreit, konnten sich die alliierten "Sonderkommandos" (J. Friedrich), ihren" alttestamentarischen Vernichtungsphantasien ungehemmt hingeben. Tiefflieger, Napalm-, sowie Phosphorbomben, die Transformation einer kriegsunwichtigen Stadt zum weltgrössten Krematorium (J. Friedrich): Nach jedem objektiven Kriterium ein Kriegsverbrechen. Ein Verbrechen wider die Menschlichkeit, das sich nur deshalb nicht im Pantheon der Zeugnisse menschlicher Untaten wiederfinden konnte, weil die Bürger Ost- und Westdeutschlands über genügend Pietät verfügten sowie eine Instrumentalisierung durch Rechtsradikale befürchteten.Dieser und ähnlicher "Dresden-Swinde" wird polemisch und kenntnisreich von Konkret-Autor Gunnar Schubert in seinem soeben erschienenen Buch Die kollektive Unschuld als deutsche Propaganda zur Produktion und Reproduktion der "kollektiven Unschuld" entlarvt. Besonders erwähnenswert sind die Ausführungen zur geschichtsrelativistischen Funktion der Oral-History, dem in deutschen Exilkreisen stattfindenden Konflikt um die Bewertung des alliierten Bombenkrieges sowie den durchaus erfolgreichen Versuchen deutscher Historiker, die Kriegsschuld mit den Siegern zu teilen bzw. den deutschen Willen zur Vernichtung auf die Alliierten zu projizieren.
Lutz Schulenburg : Das Leben ändern, die Welt verändern! 1968 - Dokumente und Berichte
1968, das sind die Provokationen der KommunardInnen und die 10 Millionen im französischen Generalstreik. 1968, das ist der Krieg in Vietnam und die Absage an überkommene Rollenmuster. 1968, das ist das lustvolle Zähnefletschen des Gespenstes der Freiheit, der nachhaltige Schrecken für jede Art von Autorität und Bürokraten. Es markiert den Beginn einer Epoche, eine lange Welle revolutionäer Aufsässigkeit gegen eine Gesellschaft, die in ihrer Verherrlichung der Lohnarbeit und des Konsums die lebendigen Bedürfnisse des Individuums verschwinden lässt.Das Leben ändern, die Welt verändern! 1968 - Dokumente und Berichte, das ist das ultimative und beste Buch zum Thema. Lutz Schulenburg, Verleger bei der Edition Nautilus, ist ein geniales Panoptikum bekannter und weniger bekannter Texte aus Flugblättern, Erkläungen, Manifesten etc. der Bewegung gelungen. Die Dokumente sind weitestgehend in chronologischer Abfolge wiedergegeben und mit einem roten Faden verwoben, der unter dem Titel Kleine Erzählung zur großen Geschichte in Aufsätzen heterogene Sichtweisen zusammenfügt, die das Erleben und die Lernprozesse reflektieren.
Lutz Schulenburg leistet die erfreuliche Gegendarstellung zu den landläufigen Beerdigungsfeiern, auf denen sich die zahllosen gewendeten Ex-Revoluzzer oft und gerne zu ihrem Schritt in den Arsch der Gesellschaft beglückwünsch(t)en. Die einzige Botschaft, auf die es mir ankommt, heißt: Rebellion ist berechtigt!, beschreibt der Herausgeber deshalb seine Motivation für das Lesebuch. Absolut unverzichtbar für alle, die noch einen Rest von Geschichtsbewusstsein im Leib haben - und mit fast 500 Seiten auch schwer genug, um es denjenigen um die Ohren zu hauen, die heute meinen, mit Ministerpöstchen und Plätzen in den Vorstandsetagen grosser Konzerne das umzusetzen, wozu sie vor dreissig Jahren aufgebrochen waren.
Michael Schwandt : Kritische Theorie. Eine Einführung
Es scheint wieder mehr Interesse an Kritischer Theorie zu geben. Genau der richtige Zeitpunkt also, ein günstiges Einführungswerk auf den Markt zu bringen. Und dieses hier ist sogar gelungen.Michael Schwandt stellt kenntnisreich die Kritische Theorie dar, wie sie sich am Frankfurter Institut für Sozialforschung aus dem traditionellen Marxismus entwickelte, die Notwendigkeit und grundsätzliche Möglichkeit einer radikalen Veränderung von Ökonomie und Gesellschaft beibehaltend und doch enttäuscht vom "revolutionären Subjekt", das die Revolution nicht ernsthaft wollte und in so kurzer Zeit so weitgehend mit der Volksgemeinschaft verschmolz, als hätte es nie etwas Anderes für es gegeben.
Gut lesbar und an ein nicht besonders vorgebildetes Publikum gerichtet, behält Schwandt Tuchfühlung mit der radikalen Linken, für die dieses Buch geschrieben wurde. Angenehm hebt er sich dadurch von Anderen ab, deren Einführungen entweder zu umfangreich sind und zuviel Vorkenntnis erfordern, weil sie sich an Akademiker ausgewählter Disziplinen richten, oder so wenig Tiefgang besitzen, dass ihre Lektüre gar keinen Erkenntnisgewinn bringt. Interessante Begriffe, wie den der Dialektik, oder Fragen, wie die nach der Legitimität politischer Gewalt aus Sicht der Kritischen Theoretiker, bezieht Schwandt in Form von kurzen Exkursen zum Thema ein, deren Umfang und Qualität zwar sicher nicht erschöpfend sind, aber der vorliegenden kleinen Einführung durchaus angemessen. Auch auf Auseinandersetzungen innerhalb der Kritischen Theorie, am prominentesten sicher die zwischen Herbert Marcuse und Theodor W. Adorno über das kritische Potential der Studentenbewegung, geht Schwandt ein, bleibt dabei aber weitestgehend darstellend und ergreift nicht Partei, sondern lässt die Denker für sich stehen und entfaltet ihre Gedanken.
Etwas absurd erscheint der Versuch des Verlags, in der theorie.org-Reihe, in der dieses Werk erschienen ist, eine Kombination der Medien Buch und Internet zu versuchen. Die acht Seiten Zitathinweise und Literaturtipps zur Vertiefung des Themas hätte er ruhig in einen Anhang drucken können, statt dass man dies nun nach einem Download mit dem eigenen Drucker nachholen soll. Dies trübt aber das Lese- und Erkenntnisvergnügen nur geringfügig. Weil das Werk auch geeignet ist, einen Überblick über das zu verschaffen, was die wichtigsten Exponenten Kritischer Theorie im Lauf der Jahre gedacht und niedergeschrieben haben, sei es neben Menschen, die sich erstmals für Kritische Theorie interessieren, auch denen empfohlen, die sich bereits ausführlicher mit ihr auseinander gesetzt haben.
Searchlight, Antifaschistisches Infoblatt, Enough is Enough, RAT : White Noise
Rechts-Rock, Skinhead-Musik, Blood & Honour - Einblicke in die internationale Nazi-Musik-Szene.White Noise - RechtsRock bezeichnet rassistische, antisemitische und neonazistische Musik, die längst nicht nur mehr rechte Skinheads begeistert, sondern für viele Jugendliche und Jung-Erwachsene mittlerweile zum musikalischen Stammrepertoire gehört. Die Publikation stellt dieses Phänomen in seinem internationalen Kontext am Beispiel der USA, Schweden, England, Polen und Deutschland dar, kehrt unzweideutig die politische Intention hervor und benennt die neonazistischen Netzwerke, in denen die Fäden zusammenlaufen. Längst schon ist diese Musikrichtung zum Millionengeschäft geworden und hat sich zu einem wichtigen Instrument der subtilen politischen Indoktrination von Jugendlichen entwickelt. Die verschiedenen Beiträge zur Thematik geben einen facettenreichen Überblick über die Musikszene und ihre Strukturen, die sich im Schatten der Öffentlichkeit schon längst etabliert hat.
Niels Seibert : Vergessene Proteste - Internationalismus und Antirassismus 1964-1983
Schwerpunkt des Buches ist die Zeit des Anwachsens sowie der Fraktionierung der 68er-Studentenbewegung, in der neue Gruppen und Bewegungen entstanden, die an den Internationalismus der Studentenbewegung anknüpften. Diese Zeit, Ende der 1960er bis Anfang der 1970er, war von einer weltweiten Aufbruchstimmung geprägt. Auf allen Kontinenten revoltierten Menschen auf den Straßen, in Betrieben und an den Universitäten gegen die herrschenden Verhältnisse. Die politischen Aktivitäten, zu denen Niels Seibert recherchierte, sind vielfach in Vergessenheit geraten. Ausgewählt wurden Proteste der Studenten- und Internationalismusbewegung, die sich innerhalb der Themenbereiche Kolonialismus und Neokolonialismus, internationale Solidarität, bundesdeutsche Ausländerpolitik sowie Flucht und Asyl bewegen. Die politischen Aktionen und Kampagnen waren einerseits eine praktische Kritik an staatlicher Politik und hatten andererseits Einfluss auf politische Entscheidungen. In diesem Wechselverhältnis vermitteln sie sowohl etwas über die politischen Verhältnisse als auch über die Bewegungen dieser Zeit.
Jürgen Serke : Die verbrannten Dichter
Von wenigen Ausnahmen abgesehen, blieb die Wiederentdeckung der von den Nazis 1933 verbotenen DichterInnen nach 1945 aus - die Bücherverbrennung wirkte nachhaltig weiter.Jürgen Serke ging den Spuren verfolgter, vergessener und verdrängter Autoren und Autorinnen nach. Entstanden ist eine eindrucksvolle Dokumentation einer zweimal totgeschwiegenen Dichtergeneration. In der Verknüpfung der Lebenswege von rund 30 Autorinnen und Autoren mit persönlichen Zeugnissen, Texten und dokumentarischem Bildmaterial bleiben diese Literatur und deren DichterInnen lebendig.
Das Buch wurde vor 25 Jahren erstmals veröffentlicht. Jetzt erscheint der Band in einer Jubiläumsausgabe mit einem aktualisierten Nachwort und einer ergänzten Bibliographie. Dem Buch liegt eine CD mit Texten verbrannter und verbannter Dichter bei. Es lesen Otto Sander, Christian Quadflieg und Angela Winkler aus den Werken von Carl Einstein, Max Herrmann Neiße, Albert Ehrenstein, Ernst Toller, Yvan Goll, Jakob Haringer und Else Lasker-Schüler.
Noah Sow : Deutschland Schwarz Weiss - Der alltägliche Rassismus
Der Angriff auf einen Schwarzen - ein fremdenfeindlicher Akt, was sonst? Doch der Betroffene ist oft gar kein "Fremder" sondern ein "Mitbürger", ein schwarzer Deutscher. Und so enttaren wir uns selbst als Rassisten. Die Autorin selbst ist in Bayern geboren, mit schwarzer Hautfarbe und sie hat ein Leben lang erfahren, dass für die meisten "echte" Deutsche doch nur weiße Deutsche sind. Rassismus zu bekämpfen heißt zunächst einmal, ihn überhaupt als solchen zu identifizieren. In deutlicher Sprache und mit tiefgründigem Humor entlarvt die bekannte Moderatorin und Künstlerin den ganz gewöhnlichen, alltäglichen Rassismus, der oft als solcher gar nicht erkannt wird.
Andreas Speit : Ästhetische Mobilmachung
Dark-Wave, Neofolk und Industrial im Spannungsfeld rechter IdeologienIm Mittelpunkt des Sammelbandes steht die Musik der schwarzen Szene, der Grufties, Gothics oder wie immer sie sich selbst bezeichnen. Gemeinhin wird ihre Musik unter den gemeinsamen Nenner "Dark-Wave" gezwungen, dabei differenziert sie sich doch in verschiedene Stile aus. In die Lieder von Verzweiflung, Sehnsucht und Romantik mischt sich bei einigen Bands in den letzten Jahren mehr und mehr antimodernistische und rechte Ideologiefragmente. In einem allgemeinen Aufsatz wird einleitend die Ausdifferenzierung dieser Musikszene umrissen. In drei Schwerpunkten werden anschließend die inhaltlichen Bezugspunkte der Musik skizziert, ihre internationale Dimension und Bedeutung umrissen und anhand der deutschen Szene die Bezüge zur sog. Neuen Rechten bis extremen Rechten dargestellt. Abgerundet wird der Band mit einem Beitrag über das Phänomen Neue deutsche Häte, das in der Öffentlichkeit vor allem mit der vieldiskutierten Band Rammstein in Verbindung gebracht wird.
Das Buch bietet einen spannenden Einblick in eine differenzierte Musikszene und weist auf eine politisch ernstzunehmende Entwicklung jenseits der neonazistischen Ränder der Gesellschaft hin.
Stadtrat : Umkämpfte Räume
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Das Thema Stadt mit all seinen Facetten (Öffentlicher Raum, Un-/Sicherheit, Stadtentwicklung, Gentrification usw.) ist unter dem klangvollen Schlagwort Urbanität schon seit geraumer Zeit ein Lieblingskind mehr oder minder fortschrittlicher Soziologen. Höchste Zeit also auch für die radikale Linke, sich dieses Themas anzunehmen, zumal immer mehr selbstbestimmte, herrschaftsfreie Nischen und Räume im Moloch Stadt (drohen zu) verschwinden. Dies geschieht mittlerweile republikweit. Der vorliegende Titel ist denn auch ein Sammelband von Texten aus den bundesdeutschen Metropolen, in denen die unterschiedlichsten Aspekte zum Thema Linke und Stadt bearbeitet werden. Die Bandbreite reicht vom Widerstand gegen die bevorstehende EXPO 2000 in Hannover, dem Kampf gegen Umstrukturierung am Beispiel der Roten Flora in Hamburg und der Stadtentwicklungsprozesse am Prenzlauer Berg in Berlin bis hin zu Drogen(politik) im Stadtviertel am Beispiel des Hamburger Schanzenviertels, den (umstrittenen) NachtTanzDemos in Frankfurt u.v.m. Darüber hinaus bieten internationale Texte (leider zu wenige!) zu Mexiko, den Pariser banlieues und über die Hintergründe der (hierzulande immer wieder gerne geforderten) Zero Tolerance Policy am Beispiel der New Yorker Polizei Gelegenheit, über den nationalen Tellerrand hinauszuschauen.Insgesamt bietet der Band trotz oder wegen seiner höchst unterschiedlichen Beiträge eine gute Diskussionsgrundlage oder einfach nur den Anstoß, sich mit diesem Thema zu beschäftigen.
Paco Ignacio Taibo II : Che
Die schönste und beste Biographie des Che Guevara in einer preiswerten Sonderausgabe
Paco Ignacio Taibo II : Erzengel - Geschichten von zwölf Häretikern der Revolution im 20.Jahrhundert
Aus dem Spanischen von Miriam Lang u.a.Sie alle suchten die Revolution und begaben sich mehrere Male in die Hölle, um sie zu finden. Was sie verbindet, ist ihre wunderbare Sturheit bei dem Versuch, diesen Planeten radikal zu verändern.
Die in diesem Buch versammelten Kurz-Biografien sind in den Jahren 1983-1998 entstanden. Es handelt sich um Taibos sehr subjektive Auswahl von linken Persönlichkeiten. So ist z.B. nur eine Frau beschrieben. Vielleicht liegt es daran, dass auch linke Geschichte hauptsächlich von Männern geschrieben wird und es bisher noch nicht zu Taibos Stäken gehörte, weibliche Persönlichkeiten zu beschreiben. Auch die einzelnen Beschreibungen sind von sehr unterschiedlicher Länge und Qualität, und unklar bleibt, aus welchem Anlass sie jeweils verfasst worden sind.
Portraitiert werden Prominente wie Durutti aber auch eher Unbekannte. Es handelt sich nicht um ausführliche Beschreibungen sämtlicher Lebensstationen sondern um Ausschnitte und da zeigt sich dann die Stäke von Paco Ignatio Taibo II: es gelingt ihm immer wieder, einige biographische Daten zu wunderbaren pointierten Geschichten zu verarbeiten. Ein Glanzstück ist die über Max Hoelz. Das eine fundierte Geschichtskenntnis in den mexikanischen Biografien einfliesst kommt nicht unerwartet, aber über Hoelz gelingt Taibo eine detaillierte und gleichzeitig so spannende Beschreibung eines Stücks deutscher Geschichte, wie sie hierzulande noch nicht zu lesen war.
Mario Tal : Bruderküsse und Freudentränen
Über 80 Jahre Tradition, rund 150 teilnehmende Länder, der Bezug auf olympische Werte - die Schach-Olympiaden zählen zu den drei größten Sportveranstaltungen überhaupt und stellen ein kulturgeschichtlich einzigartiges Phänomen dar. Wie bei den Spielen des IOC so haben sich auch in den Schach-Olympiaden stets die gesellschaftlichen Bedingungen gespiegelt: Der Kalte Krieg war nur der offensichtlichste Ausdruck davon. Deshalb konnten Kommentatoren sowohl "Bruderküsse und Freudentränen" ausmachen als auch immer wieder über die Verweigerung von Teilnahmen, Einreisen oder Handschlägen berichten. Neben der politischen Begleitmusik gibt Mario Tal den Verlauf der Turniere wieder und skizziert einige der schillerndsten Meister in biografischen Abrissen. Viele bislang unberücksichtigte Quellen wurden ausgewertet, was zusammen mit zahlreichen Bildern und Diagrammen dieses Werk zum Handbuch für Schachfreunde und generell zeitgeschichtlich Interessierte macht.
Conrad Taler : Asche auf vereisten Wegen - Eine Chronik des Grauens - Berichte vom Auschwitz-Prozess
Conrad Taler berichtete für die Zeitschrift der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde über den Frankfurter Auschwitz-Prozess, der vor vierzig Jahren begann und bis 1965 dauerte. Das Jahrhundertverfahren gegen Verantwortliche der Todesfabrik förderte unvorstellbare Tatsachen zu Tage und markierte eine tiefe Zäsur in der Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Massenmorden an den europäischen Jüdinnen und Juden. Die Aufzeichnungen Talers sind nun erstmals veröffentlicht worden. Ihm gelingt eine eindrucksvolle Verbindung aus der Nähe zum Geschehen, die in jeder Silbe seine tiefe Empathie mit den Opfern spürbar macht, und der notwendigen Distanz des Berichterstatters, der das Unfassbare und Unbeschreibliche nicht durch untaugliche Bilder oder Metaphern rationalisieren will. Der Autor hat seinen Berichten ein Kapitel angefügt, das das politische Wirken des hessischen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer, ohne dessen Beharrlichkeit der Auschwitz-Prozess nie stattgefunden hätte, angemessen würdigt. Ein beeindruckendes und notwendiges Buch
Sabriye Tenberken : Das siebte Jahr - Von Tibet nach Indien
Der blinde Bergsteiger Eric Weihenmayer aus den USA ist überzeugt, dass er den Kindern von Lhasa helfen kann. Er will mit ihnen zusammen einen Himalaya-Gipfel besteigen. Sabriye Tenberken und ihr Partner Paul Kronenberg willigen nur widerstrebend ein, denn eigentlich haben die Kinder, die im Blindenzentrum von Lhasa leben und zur Schule gehen, ihren eigenen Gipfel schon längst bezwungen. Doch die Climbing-Blind-Mission nimmt ihren Lauf. Im Herbst 2004 machen sich sechs blinde Kinder, Sabriye, Paul und Erik Weihenmayer, begleitet von einem Filmteam, an den Aufstieg zum Lhakpa Ri, einem Nebengipfel des Mount Everest. Doch nachdem sie auf 6.500 Metern Höhe einen mächenhaften Palast aus Eis bestaunt haben, schlägt das Wetter um. Einige Teilnehmer der waghalsigen Expedition leiden an Höhenkrankheit und müssen absteigen. Sabriye und drei der Kinder bleiben mehrere Tage in eisiger Höhe zurück, während der Schneesturm um das Everest-Advanced-Camp fegt...
Enzo Traverso : Nach Auschwitz
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Als einen Lackmustest für die Bedeutung und Relevanz der Theorien der Linken bezeichnet Enzo Traverso die Vernichtung der Europäischen Juden im Nationalsozialismus. Ob linke Theorie diesen Test besteht, muß sich seiner Meinung nach erst zeigen, denn in der Vergangenheit haben sich marxistisch inspirierte Theoretiker unfähig gezeigt, den Völkermord an den Juden überhaupt wahrzunehmen und dann zu denken.In den zehn Kapiteln des Bands (allesamt sind Vorträge oder Aufsätze, die zwischen 1993 und 2000 entstanden sind), wird ein Bogen gespannt von der deutschen Linken in der Weimarer Republik bis hin zu Sartre, Mandel, Goldhagen und Nolte sowie Furet. Der rote Faden seiner Texte - so meint Traverso - sei die Kritik und Aktualität der modernen Barbarei. Mit Barbarei bezeichnet er die Vernichtung der Europäischen Juden, die einer Zivilisation entstammt, die es abzuschaffen gilt, in der wir allerdings heute leben.
Der marxistischen Tradition wirft Traverso vor, die rassistisch-biologistische Stoßrichtung des Nationalsozialismus, insbesondere den Antisemitismus, nicht in seiner spezifischen Qualität wahrgenommen zu haben. Dies läge zum einen an der weitgehend evolutionäen Fortschrittskonzeption, wie sie von der Sozialdemokratie und den KommunistInnen geteilt wurde, zum anderen an der fehlenden Bereitschaft, Jüdinnen und Juden nicht nur als normale Opfer einer Klassenunterdrückung zu sehen. Daß diese Vorstellungen auch nach 1945 nicht gänzlich passé sind, wird in einem interessanten Kapitel zu Ernest Mandel deutlich.
Tjark Kunstreich (konkret 12/00) hat Traverso vorgeworfen, die Totalitarismustheorie hoffähig machen zu wollen. Einige Formulierungen legen diesen Schluß nahe. Anderseits jedoch wirft Traverso dieser Konzeption zurecht vor, daß sie blind für den rassenbiologischen Antisemitismus sei, und Traverso selbst scheint an der Singularität von Auschwitz nicht zu rütteln. Wiederum macht er allerdings nicht deutlich, was unter der von ihm geforderten kritischen Totalitarismustheorie zu verstehen ist. Trotzdem ist das Buch als Einführung in den Themenbereich Linke und Auschwitz geeignet.
Unsichtbares Komitee : Der kommende Aufstand
Aus dem Französischen von Elmar SchmedaDieses Buch hat bereits Zeitgeschichte geschrieben: Nach Sabotage an einer Eisenbahnstrecke, auf der im November 2008 ein Castortransport mit radioaktivem Material geplant war, wurde es von der französischen Regierung als einziges Beweisstück eines mittlerweile international bekannten "Terrorismusfalls" gehandelt, als ein "Handbuch des Terrorismus" und Vorwand für die skandalöse, z.T. monatelange Inhaftierung von neun Menschen aus dem Dorf Tarnac. Tatsächlich enthält des Buch eine pointierte, situationistisch geprägte Analyse der Reaktionen von Regierungen auf die verschiedenen Unruhen und Volksaufstände in den letzten Jahren. Die brennenden Vorstädte in Frankreich, die Straßengewalt in Griechenland usw. werden von den Regierungen als Gefahr gesehen, die polizeilich und militärisch gebändigt werden müsse, wobei das "Krisenmanagement" die Gesellschaft auch zusammenhalten soll. Für die Autoren dieses Manifests hingegen sind die Revolten revolutionäre Momente, Symptome des Zusammenbruchs der westlichen Demokratien, die sich gegenseitig verstärken und sich ausbreiten. Sie fordern einen Kommunismus, der als ergebnisoffener Prozess die Bildung von Kommunen sowie die Restrukturierung der Ökonomie in kleine, lokale Einheiten vorsieht und plädieren für eine anonyme Position der Unsichtbarkeit.
"Nur wir, die in Betonklötzen zur Welt kommen, in Supermärkten Obst pflücken und im Fernsehen nach dem Echo der Welt Ausschau halten, bringen es fertig, geduldig die Enzyklopädie des Desasters zu erstellen."
Unsichtbares Komitee
Lutz van Dijk & Barry van Friel : Sexuelle Vielfalt lernen - Schulen ohne Homophobie
Schwule Sau!, blöde Lesbe! solche oder ähnliche Schimpfwörter sind auf Schulhöfen keine Seltenheit. Die Kinder, die sie benutzen, wissen meist gar nicht, was sie bedeuten, denn im Schulunterricht wird das Thema sexuelle Vielfalt häufig totgeschwiegen. Bis heute sind Vorurteile und die damit einhergehenden Diskriminierungen gegenüber sexuellen Minderheiten, vor allem gegenüber Lesben und Schwulen, auch an Schulen weit verbreitet. Dieses Buch gewährt Einblicke in die Klassenzimmer verschiedener Länder und zeigt, wie dort mit den Themen Homosexualität und Homophobie umgegangen wird.Die AutorInnen beschreiben, welche kreativen und effektiven Möglichkeiten es gibt, um Homophobie erfolgreich zu begegnen und sexuelle Vielfalt zu lehren. Die zahlreichen Empfehlungen und Anleitungen machen dieses Buch zu einem wichtigen Ratgeber für Lehrende und Studierende und ein Muss für alle Schulen.
Gaby Weber : Die Verschwundenen von Mercedes-Benz
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1977 verschwanden die meisten Mitglieder des unabhängigen Betriebsrates des Mercedes-Werkes in González Catán (Buenos Aires). Das heißt, die aktiven Gewerkschafter wurden von den Repressionskräften der Militädiktatur entführt und ermordet. Nur einige wenige, bei deren Verschleppung es viele Zeugen gab, überlebten. 20 Jahre später begann die Journalistin Gaby Weber, das "Verschwinden" der Mercedes-Betriebsräte zu untersuchen. Sie recherchierte, wie die Gewerkschafter ins Visier der Todeskommandos des Militäs gerieten und wer aus dem Unternehmen dafür Verantwortung trug. Auf der Grundlage ihrer Recherchen erstattete der Republikanische Anwälte- und Anwältinnenverein (RAV) im September 1999 Strafanzeige gegen DaimlerChrysler wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 13 Fällen erstattet, die Staatsanwaltschaft Nürnberg hat die Ermittlungen übernommen. In dem Buch lässt Gaby Weber die LeserInnen an ihren Recherchen teilhaben, sie beschreibt, wie sie vorging und wie es ihr schließlich gelang, vieles von dem ans Licht zu holen, über dem mehr als 30 Jahre ein Mantel des Schweigens lag: die Komplizenschaft eines Unternehmens mit den unifomierten Mördern bei der Eliminierung aktiver Gewerkschafter.
Wolfram Wette : Militarismus in Deutschland.
Der Kampf gegen den Militarismus gehört schon immer zu den Grundpfeilern linker Bewegungen in Deutschland. Nun haben Schlagwörter häufig das Schicksal zwar viel benutzt, aber wenig gefüllt zu sein. In diese Lücke stößt das Buch "Militarismus in Deutschland" von Wolfram Wette, das bereits vor zwei Jahren erschien und nun in der "Schwarzen Reihe" des Fischer Verlages erstmals als Taschenbuch veröffentlicht wird. Wette - bekannt als Verfasser eines Standartwerkes über die nationalsozialistische Wehrmacht - legt mit dem Buch eine "empirisch fundierte Gesamtschau" über das Phänomen der "kriegerischen Kultur" Deutschlands vor.Allgemein beschreibt Wette Militarismus als die Prägung des politischen und gesellschaftlichen Lebens durch militärische Interessen und kriegerische Denkmuster. Er räumt in seiner Darstellung nicht nur den konkreten Erscheinungsformen und Trägern des Militarismus, sondern auch seinen Gegnern breiten Raum ein. Dabei behandelt er jeweils in chronologischer Reihenfolge die Zeit des Kaiserreiches, des ersten Weltkrieges, die Weimarer Republik, den Nationalsozialismus und die Nachkriegszeit. In jeder dieser Zeitabschnitte untersucht Wette auch die geschlechtsspezifischen Beteiligungs- und Reaktionsmuster von Frauen.
Wette kann nachvollziehbar die gesellschaftliche Stärke des Militarismus im Kaiserreich aus der Rolle der preußischen Armee für die Staatsgründung 1871 darlegen. Interessant in diesem Kontext ist ambivalente Haltung, die die Spitzen der Arbeiterbewegung gegenüber dem Militarismus einnahmen und in der sich die spätere Unterstützung zumindest des rechten Flügels der SPD für den ersten Weltkrieg bereits andeutete. Auch das Fortbestehen militaristischer Haltungen während der Weimarer Republik gerade in den Kreisen der konservativen Eliten und deren Interessensgleichheit mit den Nationalsozialisten beschreit Wette eindrücklich. Diese Übereinstimmung führt nicht nur zum Pakt mit den Nazis, sondern auch zu Vernichtungskrieg und (selbst)mörderischen Untergang. Dabei kann Wette deutlich zeigen, dass das selbstzerstörerische Element, dass sich spätestens in der zweiten Hälfte des zweiten Weltkrieges durchsetzt nicht erst von den Nationalsozialisten der Wehrmacht eingeimpft werden musste, sondern zu den Grundzügen des preußisch-deutschen Militarismus gehört. Dabei endet Wettes Studie nicht mit den Untergang des Dritten Reiches. Er untersucht auch das Fortbestehen militaristischer Strömungen nach dem Zweiten Weltkrieg. Besonders für die Zeit nach dem Kalten Krieg kommt er zu dem Ergebnis einer politisch motivierten Remilitarisierung der Politik, die sich zuerst auf das Gebiet der Außenpolitik beschränkte, inzwischen aber auch gedanklich vor Militäreinsätzen im Inneren nicht mehr Halt macht. Letzteres ist seit jeher eine wesentliche Forderung militaristischer Antidemokraten gewesen und hat somit beste deutsche Tradition.
Wettes Darstellung ist dabei immer unterhaltsam und reich an interessanten Belegen, ohne aber ins Anekdotische ab zu gleiten. Insgesamt eine Studie, die gerade wegen der Einbeziehung geschlechtergeschichtlicher Blickwinkel als ein Beispiel gelungener Sozialgeschichtsschreibung gesehen werden kann.
Änneke Winckel : Antiziganismus - Rassismus gegen Roma und Sinti im vereinigten Deutschland
Jahrhundertelang wurde ein Bild von den Zigeunern am Leben gehalten, das sich aus Klischees, Stereotypen und Vorurteilen zusammensetzt. Sinti und Roma in Deutschland sind nach wie vor Opfer von Verleumdung, Verfolgung und Vertreibung. Die Autorin legt in ihrer umfassenden Analyse die unterschiedlichen Formen des deutschen Antiziganismus seit 1989 offen und macht damit an zahlreichen Beispielen deutlich, wie verbreitet und gefährlich das Zigeuner-Bild noch immer ist. Dabei wird die Entstehung und Geschichte des Antiziganismus ebenso betrachtet wie seine Aktualität in Medien und Politik. Ein unbedingt lesenswertes Buch.
Ulrike Winkler : Stiften gehen. NS-Zwangsarbeit und Entschädigungsdebatte
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Der erste Teil des Buches Stiften gehen.NS-Zwangsarbeit und Entschädigungsdebatte umfasst Aufsätze, die einen guten Überblick über die NS-Politik und das ausgedehnte System der Zwangsarbeit in Deutschland geben. ZwangsarbeiterInnen waren sowohl Menschen, die aus den von Deutschland besetzten Ländern verschleppt wurden, als auch Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge. Von diesem System profitierten die deutsche (Rüstungs-)Industrie, Kommunen, Landwirtschaft, aber auch Privathaushalte.
Im zweiten Teil werden die verschiedenen Aspekte der Entschädigungsdebatte in der BRD untersucht. Thomas Kuczynski erläutert sein Gutachten, das davon ausgeht, dass die BRD etwa 180 Milliarden DM zu zahlen hätte, wenn sie die Verpflichtung anerkennen würde, Entschädigungen für nicht gezahlte Löhne zu leisten. Seit dem Beginn der BRD lässt sich deren Haltung als Entschädigungsverweigerung beschreiben. Daran hat auch die Stiftung nichts geändert, die nur durch außenpolitischen Druck entstand. Nachgezeichnet wird, wie auch deutsche Gerichte in den letzten 50 Jahren die Politik in ihrem Ziel unterstützt haben, ehemaligen ZwangsarbeiterInnen Löhne vorzuenthalten und die Wirtschaft zu schützen. Klagen wurden in der Regel mit dem Hinweis auf das Londoner Schuldenabkommen oder Verjährung abgewiesen. Rekapituliert werden außerdem von Lothar Evers und Ulla Jelpke die Verhandlung über Entschädigungszahlungen seit 1998 und die skandalösen Umstände der Einrichtung der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft, die allein vom Gedanken des Wirtschaftsschutzes getragen ist. Abschließend werden die antisemitischen Stereotypen in der Entschädigungsdebatte dargestellt, die in der deutschen Presse immer wieder auftauchen, etwa im Bild der mächtigen, geldgierigen, amerikanisch-jüdischen Anwälte, die die deutsche Wirtschaft erpressen und versuchen, für ihre Klientel möglichst hohe Summen herauszuschlagen zum Nachteil anderer Opfergruppen. Ein informatives Buch, das einen historischen Überblick mit der Analyse aktueller Debatten verbindet.
Milly Witkop : Der Syndikalistische Frauenbund
Als Teil der anarchosyndikalistischen Bewegung entstand ab 1920 der "Syndikalistische Frauenbund", der in seiner Hochzeit bis zu 1.000 Frauen umfasste. Die Besonderheit dieses anarchosyndikalistischen Frauenzusammenschlusses ergibt sich daraus, dass im Unterschied zur Frauenpolitik anderer Vereinigungen der ArbeiterInnenbewegung bewusst auch nicht erwerbstätige proletarische Hausfrauen und Mütter organisiert wurden. Die Protagonistinnen stellten wiederholt unter Beweis, dass das Private eminent politisch ist. Damit nahmen sie bereits in den 1920er Jahren eine Haltung vorweg, die von der Neuen Frauenbewegung nach 1968 wieder aufgegriffen werden sollte.
Kurt Wyss : Workfare - Sozialstaatliche Repression im Dienst des globalisierten Kapitalismus
In den vergangenen zwanzig Jahren wurde in vielen Ländern eine neue Sozialpolitik unter Stichworten wie Arbeit statt Sozialhilfe, 1-Euro-Jobs, Integration statt Rente oder ähnlichem durchgesetzt. Diese Sozialpolitik wird als Workfare bezeichnet. Wie hat es zum sozialstaatlichen Wechsel von Welfare zu Workfare kommen können? Welche Motive stehen dahinter? Welche Folgen haben die Workfare-Massnahmen für die Betroffenen? Inwiefern wird durch die um Workfare lancierten öffentlichen Debatten (z.B. Missbrauchsdebatte) Druck auf die allgemeine Bevölkerung ausgeübt? In Beantwortung dieser Fragen stützt die Untersuchung sich auf eine Vielzahl von theoretischen und empirischen Studien vor allem aus den USA, Kanada und Grossbritannien.
Raul Zelik : Kolumbien - schmutziger Krieg und Aufstandsbewegung
Mit Beiträgen von Dario N. AzzeliniKolumbien ist das südamerikanische Land, das zur Zeit am häufigsten in den Nachrichtenmeldungen Erwähnung findet. Drogenkartelle, Paramilitäs, Entführungen und Geheimdienstintrigen sind die beherrschenden Themen, aber auch die stäkste linke Guerillaorganisation der Welt, die FARC, die einen großen Teil des Landes besetzt hält, ein Gebiet von der Größe der Schweiz, und in der Lage ist, aus einer offensiven Position heraus Verhandlungen mit der Regierung aufzunehmen und zu bestimmen, wie diese Verhandlungen geführt werden.
Eingeleitet wird das Buch von Interviews mit exilierten Gewerkschaftern, gefolgt von einem allgemeinen und einem geschichtlichen Überblick über die Situation in Kolumbien. Erster Schwerpunkt ist die Geschichte der rechten paramilitäischen Organisation und deren politischer und ökonomischer Hintergrund. Zweiter Schwerpunkt ist die Entwicklung seit 1990 unter besonderer Berücksichtigung des organisierten linken Widerstandes und der Verhandlungen zwischen Guerilla und Regierung. Der dritte Schwerpunkt behandelt die Politik der verschiedenen Guerilla-Organisationen, u.a. auch die Verbindungen der ELN zum deutschen Geheimdienstkoordinator Schmidbauer, dem Agenten Mauss und der Bundesregierung. Den Abschluß bildet ein Ausblick auf die Perspektiven zwischen politischer Lösung und offenem Bürgerkrieg.
Raul Zelik & Helmut Weber Sabine Bitter : Made in Venezuela - Notizen zur »bolivarianischen Revolution«
In Lateinamerika scheinen die Verhältnisse in Bewegung zu geraten. Fast überall auf dem Kontinent artikulieren sich Revolten oder entstehen linke Gegenbewegungen. Der wohl tiefgreifendste Umbruch Lateinamerikas findet zur Zeit in Venezuela statt. Diese bolivarianischen Revolution wird von Basisorganisationen und der Chavéz-Regierung getragen. Die BewohnerInnen von Armenvierteln gründen Stadtteilräte und verwalten sich selbst. Landlose kämpfen für die Umsetzung einer Agrarreform. Die Bevölkerung diskutiert in Nachbarschaftsversammlungen über die Politik des staatlichen Erdölunternehmens PDVSA. An staatlich organisierten Alphabetisierungs- und Bildungskampagnen beteiligen sich Millionen.Gleichzeitig macht die bürgerliche Opposition mit Unterstützung aus Europa und den USA gegen die Reformpolitik der Regierung Chavéz mobil und spricht von drohendem Totalitarismus. Allein im Jahr 2002 hat es zwei rechte Putschversuche gegen die Chavéz-Regierung gegeben.
Raul Zelik beschreibt in einer Art Reisetagebuch seine Erlebnisse in Venezuela. Ein Sachbuch der anderen Art, mit dem man sowohl etwas über die Geschichte und Entwicklung des Landes als auch über die aktuellen Geschehnisse erfährt. Aber auch, wie sich ein Verständnis für die momentane Situation vor Ort entwickelt. Denn wer würde schon glauben, dass die Verfassung eines Landes zur Waffe einer Revolution werden kann. Oder wer würde den Sinn eines Gemüsegartens erkennen, der mitten in einer Stadt wie Caracas angelegt wird. Doch von Seite zu Seite erschließt sich mehr und mehr die Situation in Venezuela, von der hier ein nur stark durch die Medien verzerrtes Bild besteht.
Von Sabine Bitter und Helmut Weber stammt der Foto-Teil des Buches. Dieser berichtet von Architekturen, die heute Schauplätze der revolutionäen Bewegung sind. Zum Beispiel ein staatliches Wohnungsbauprojekt der 50er Jahre. Damals wurden 9000 Apartements für 80000 Menschen in kürzester Zeit aus dem Boden gestampft, um die Barrios aus dem Stadtbild zu verdrängen; 1958 wurde die Hälfte der Apartements besetzt und seither gilt 23 de Enero als rebellisches Terrain. Oder die Gemüsegäten inmitten Caracas, die ein Beispiel für landwirtschaftliche Selbstversorgung sein sollen.
Raul Zelik & Elmar Altvater : Die Vermessung der Utopie
Zwanzig Jahre nach dem Ende des Sozialismus ist die Frage nach der Überlebensfähigkeit des Kapitalismus höchst aktuell geworden. Vor diesem Hintergrund steht eine Renaissance des utopischen Denkens bevor. Der Schriftsteller Raul Zelik und der Politökonom Elmar Altvater im Gespräch über die Notwendigkeit eines radikalen Wandels. "Wir - Elmar Altvater und Raul Zelik - möchten mit unserem Gesprächsbuch (PDF-Download hier: www.vermessung-der-utopie.de/das-buch/) einen Diskussionsanstoß geben. Der Staatssozialismus ist gescheitert, aber auch der real existierende Kapitalismus steuert zielstrebig auf seinen Zusammenbruch zu. Höchste Zeit also, über eine Gesellschaft nach dem Kapitalismus zu sprechen. Dabei geht es nicht um phantastische Wolkenkuckucksheime, sondern um konkrete Utopien, also um politische Initiativen, die eine andere Gesellschaft möglich machen, aber in der Realität von heute angesiedelt sind. Auf der Website www.vermessung-der-utopie.de/diskussion soll in den nächsten Monaten eine offene, moderierte Diskussion dazu statt finden, an der sich jede/r beteiligen kann. Als Diskussionsgrundlage stehen auf der Seite www.vermessung-der-utopie.de/thesen 10 Thesen aus dem Buch zur Debatte.
Raul Zelik : Nach dem Kapitalismus?
Perspektiven der Emanzipation oder Das Projekt Communismus anders denkenDass die Krise der vergangenen Jahre nicht allein mit der Finanzwelt zu tun hat, ist zumindest in der Linken ein Gemeinplatz. Nicht nur der neoliberale Finanzkapitalismus, sondern auch die Politikform "bürgerliche Demokratie", die herrschenden Entwicklungs- und Konsummuster und das auf Erdöl beruhende Energiemodell stehen heute in Frage. Linke Kritik kann diese Systemkrise zwar beschreiben, liefert aber bislang wenig Vorschläge, wie sich ein emanzipatorisches Gegenprojekt entwickeln könnte. Auf der Grundlage aktueller Debattenbeiträge skizziert Raul Zelik mögliche Ansätze radikaler Veränderung. Aus der Kritik von Realsozialismus und lateinamerikanischen Linksregierungen leitet er Grundlagen für gesellschaftliche Gegenentwürfe ab und plädiert für einen Paradigmenwechsel. Dabei wird u.a. die Produktivität der französischen Philosophen Gilles Deleuze und Félix Guattari für eine soziale und politische Linke ausgelotet.