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Bini Adamczak: Gestern Morgen - Die Einsamkeit kommunistischer Gespenster und die Rekonstruktion der Zukunft
Die lang erwartete Fortsetzung von Bini Adamczaks „Kommunismus“ nimmt einen unerwarteten Verlauf. Hatte die „kleine Geschichte wie endlich alles anders wird“ den heimlichen Untertitel „Kommunismus für Kinder“, so wird der zweite Teil den unausgesprochenen Namen „Kommunismus für Kommunistinnen“ tragen. Pünktlich zum Jahrestag der russischen Revolution führt die Re-Konstruktion eines kommunistischen Begehrens in die Geschichte des Kommunismus und bürstet diese gegen den Strich: von 1939 bis 1917. Vom Hitler-Stalin Pakt bis zur Oktoberrevolution kreisen die überlegungen Adamczaks um die Figuren von Partei und Klasse von Verrat und Versprechen, um sie in ihrer Logik, aber vor allem als Erfahrungen zu rekonstruieren. Die Autorin sucht das Trümmerfeld der Geschichte nach den revolutionären Wünschen ab, die darunter begraben liegen. Aber es gibt keinen unbeschadeten Zugriff auf die vergessenen Träume. Der Weg zu den vergangenen Hoffnungen führt über deren Enttäuschung, über das doppelte Scheitern der russischen Revolution, das unbewältigt immer noch anhält. Die bergende Arbeit an der Geschichte ist somit eine Arbeit der Trauer, eine Trauerarbeit, die das Buch einfordert und zugleich bereits einlöst. Es birgt eine vergangene Zukunft, die Gegenwart hätte sein können und Zukunft sein kann: „gestern morgen“.
| Unrast 2007, 160 Seiten, kartoniert, 12.00 €
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A.G. Gender-Killer: Das gute Leben - Linke Perspektiven auf einen besseren Alltag
Wie umgehen mit unseren Körpern? Wie umgehen mit unserer Sexualität? Wie umgehen mit dem älter werden? Das sind Fragen, denen niemand aus dem Weg gehen kann und auf die eine „Linke“ um so dringender eine akzeptable Antwort braucht. Gemeinhin geraten die Fragen nach dem eigenen Leben im politischen Alltag immer unter die Räder zugunsten „wichtigerer“ Ziele. Oder es gilt als selbstverständlich, dass der Streit für emanzipative Ziele auch automatisch auf das eigene Leben rückwirkt und uns in ein besseres Leben katapultiert. Doch so falsch wie die herrschenden Verhältnisse ist zunächst auch unser Leben: Eingebunden in sexistische, rassistische, antisemitische und kapitalistische Strukturen sind wir tiefer und engmaschiger in ihre Reproduktion verwoben, als uns lieb sein kann. |
Unrast 2007, 208 Seiten, kartoniert, 16,00 €
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Justin Akers Chacón & Mike Davis: Crossing the border - Migration und Klassenkampf in den USA
Aus dem amerikanischen Englisch von Matthias Becker und Hanna Schroeder
Die Autoren analysieren in dieser gemeinsamen Arbeit die Geschichte der Einwanderung in die USA vom Eisenbahnstreik chinesischer Arbeiter im Jahr 1877 über die Aktivitäten der militanten Industrial Workers of the World (IWW) im frühen 20. Jahrhundert bis zu den Streiks und Aktionen im Rahmen der „Justice for Janitors“-Kampagnen der lateinamerikanischen MigrantInnen des Jahres 2006. Das Buch ist ein leidenschaftliches Plädoyer für eine internationale Organisierung von unten und die Abschaffung aller Grenzen. |
Assoziation A 2007, 352 Seiten, kartoniert, 20,00 €
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Antifaschistische Information: Freie Kameradschaften
Die neue Broschüre der Antifa 3000 informiert umfassend über »freie Kameradschaften «in Deutschland. Es gibt Berichte über ihre Struktur, ihre Geschichte, Frauen in ihren Gruppen, Aktionsfelder und -formen und ihrer Bedeutung innerhalb der rechten Szene. Außerdem beschäftigt sie sich mit der Einschätzung der Kameradschaften durch den Verfassungsschutz und gibt Hinweise zur Bekämpfung dieser und anderer neonazistischer Bestrebungen. |
Antifa Hannover 2002, br., 48 Seiten A4, 1,00 €
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Thomas Atzert & Jost Müller: Kritik der Weltordnung. Globalisierung, Imperialismus, Empire
Nach dem Erfolg von EMPIRE aus der Feder Hardts und Negris hat der ID-Verlag nachgelegt und einen kleinen Sammelband zu den Thesen der beiden sowie zur Rolle des Nationalstaates und zur Klassenanalyse herausgebracht. Besonders empfehlenswert ist hierbei der Aufsatz von Joachim Hirsch zur Internationalisierung des Staates im Zeitalter kapitalistischer Globalisierung. Hirsch widerspricht vehement der EMPIRE-These vom Verschwinden der Nationalstaaten und legt argumentativ schlüssig dar, dass auch im 21. Jahrhundert politische Regulierung im Kapitalismus ohne Nationalstaaaten nicht zu machen ist. Giovanni Arrighi hingegen kritisiert an EMPIRE, dass die prognostizierte Auflösung zwischen erster und dritter Welt genauso an der Realität vorbei geht wie die Thesen von Hardt/Negri zum Entstehen eines neuen Weltbürgertums jenseits nationalstaatlicher Regeln. In einem Interview mit den Herausgebern des Sammelbandes antwortet Negri auf die geschilderte Kritik. Hadt hingegen versucht in einem weiteren Aufsatz, die Konstituierung der Bauernschaft als kämpfende Klasse in Zusammenhang zu bringen mit seinem Begriff von Multitude und bedient sich hierbei theoretischer Schützenhilfe des großen Steuermannes Mao Zedong. Während Judith Revel sich mit den Aussagen von Foucault, Deleuze, Guattari und Clastres zum Krieg beschäftigt, thematisiert Anne Querrien skizzenhaft ihren Begriff von Multitude im Kontext des 11. 9. und Genua. Ein Buch, das auch vor der Lektüre von EMPIRE als kritische Einführung in die postoperaistische Theorie gelesen werden kann. |
ID-Verlag 2003, 142 Seiten, kt., 14,00 €
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Dario Azzellini: Genua - Italien Geschichte Perspektiven
Die Proteste gegen den G8-Gipfel in Genua - vorläufiger militanter Höhepunkt der Antiglobalisierungskämpfe - sind Ausgangspunkt dieses Sammelbandes über das Land der zur Zeit stärksten linken Bewegungen europas. Nach einer kurzen Geschichte Italiens seit dem 2. Weltkrieg folgen Analysen zur politischen Rechten in Italien und Beiträge und Interviews über die Perspektiven der Linken. Spannend geschrieben. |
Assoziation A 2002, 180 Seiten, Karton, 12,00 €
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Dario Azzelini & Stefan Thimmel: Futbolistas - Fußball und Lateinamerika
”Verpestende Idiotisierung durch wiederholtes Getrampel um ein Objekt herum“, beschrieb die anarchistische Tageszeitung »La Protesta« 1917 den Fußballsport. So steht es auf der ersten Seite des Vorworts von »Futbolistas«, was direkt klar macht, dass dies kein Jubelbuch ist. Es folgen 45 Beiträge von Linken über Arbeitsbedingungen, Menschenrechte, die Situation von Frauen, Instrumentalisierung für politische Zwecke und alles was das linke Herz bewegt aber normalerweise nicht zur Sprache kommt, wenn das Leder regiert. Vor nicht allzu langer Zeit, hätten sich Linke eher gar nicht mit diesem Thema auseinandergesetzt, was vielleicht auch nicht das Schlechteste war. Der Begriff Populismus scheint angebracht. Aber es stimmt nachdenklich, wenn ein politischer Basisaktivist aus Brasilien berichtet, dass seine Stadtteilarbeit überhaupt erst Erfolg hatte, nachdem er begann, sonntags das Stadion zu besuchen. Und schade wäre es auch gewesen, wenn dieses tolle Buch aus Abneigung zum Thema nicht zustande gekommen wäre. |
Assoziation A 2006, kt., 256 Seiten, 18,00 €
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AutorInnenkollektiv: Wege durch die Wüste - Ein Antirepressionshandbuch für die politische Praxis
Auf einmal befindest du dich nach einer Demo im sogenannten Polizeigewahrsam, du wirst beim "wilden" Plakatieren erwischt oder du fragst dich einfach nur, ob du als AnmelderIn einer Demo rechtlich verantwortlich bist und Stress mit den Behörden bekommen kannst. Diese oder andere Situationen, in denen du dich mit prügelnden Cops oder nervenden Behörden konfrontiert siehst, kommen früher oder später auf jeden politisch aktiven Menschen zu. Grundlegend überarbeitet bietet der Ratgeber nicht nur einen schnellen überblick. Er vermittelt zu allen Themen auch die weitergehenden Zusammenhänge, verweist auf Erfahrungen aus der politischen Praxis und Diskussionen, die für einen Umgang mit Repression unverzichtbar sind. |
Unrast Verlag 2007, 280 Seiten, kartoniert, 9,80 €
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Margot Barnard: "Ich sehe Dich nie wieder!" - Erinnerungen für die Zukunft
Margot Barnard wird 1919 als Tochter der in Bonn ansässigen jüdischen Familie Kober geboren. Mit Hitlers Machtübernahme 1933 beginnen die Schwierigkeiten. Ihre Eltern haben kaum noch Einkommen, sie muss die geliebte Schule verlassen. In dieser Zeit bekennt sie sich gegen den Willen des Vaters, der Mitglied des Bundes jüischer Frontsoldaten ist, zum Zionismus und gründet einen zionistischen Jugendbund, welcher der Jugendbewegung HaSchomer HaZair angehört. Sie bewirbt sich um ein Zertifikat zur Ausreise und Einreise nach Palästina und verlässt Deutschland im September 1936. Ihre Eltern, die im KZ umkommen, sieht sie nie wieder. Mehrere Jahr arbeitet sie im Kibbuz, dann in Haifa und in Jerusalem. Dort lernt sie Ted Barnard, Sergeant Major der englischen Armee, kennen, tritt in die englische Luftwaffe ein und heiratet ihn 1944. Kurz vor Kriegsende werden sie nach England geschickt. Bis 1955 arbeiten sie für die Armee in Gibraltar, Nigeria und wieder in England. 1956 werden sie nach Deutschland versetzt. 1964 stirbt Ted während einer Herzoperation. Seit 1980 informiert Margot Barnard an englischen und deutschen Schulen und auch schon mehrfach im Bonner Buchladen Le Sabot als Zeitzeugin am Beispiel des eigenen Lebens über das Schicksal jüdischer Mitbürgerinnen in der Zeit des Nationalsozialismus.
Margot Barnard lebt bis heute in London und hat jetzt, im Alter von 89 Jahren ihre Lebenserinnerungen auch in Buchform zugänglich gemacht. |
Bouvier Verlag 2009, 300 Seiten, Gebunden, 24.90 €
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Gioconda Belli: Die Verteidigung des Glücks
Aus dem Spanischen übersetzt von Lutz Kliche Mit ihren Erinnerungen, die sie mit gut fünfzig Jahren vorlegt, lernen wir Gioconda Bellis überaus abenteuerliches Leben kennen und können die wilden Jahre des Kampfes gegen die Somoza-Diktatur aus allernächster Nähe miterleben. Gioconda Belli wurde in eine privilegierte Familie hinein geboren und entschloss sich sehr jung, für die FSLN (Sandinistische Befreiungsfront Nicaraguas) zu arbeiten und schließlich Teil von ihr zu werden. Sie kämpfte zunächst nicht im Untergrund und auch nicht in den Bergen, sondern führte mit ihrer Zelle politische Diskussionen und unterstützte die Bewegung infrastrukturell. Schließlich wurde es auch für sie zu gefährlich weiterhin in der Legalität zu leben. Ihr Weg führte über Mexiko nach Costa Rica, wo sie mehrere Jahre im Exil lebte und von dort aus internationale Arbeit für die Sandinisten leistete. Dabei durchlebte sie private Höhen und Tiefen und neben der Sympathie und dem Respekt, die ich auf Grund dieser aus dem Vollen schöpfenden Autobiografie für Gioconda Belli empfinde, stelle ich fest, dass sie ihr Leben viel authentischer beschreibt und damit auch ihren Kampf für eine gerechtere Welt viel glaubwürdiger werden lässt, als die häufig so heroisierende (Selbst-)Beschreibung männlicher Revolutionäre. Sie lebte für die Revolution ebenso wie für die Liebe und ihre Kinder. Und sie ist bereit, über jeden dieser Bereiche offen und für sich selbst oft nicht in vorteilhafter Weise, zu erzählen, zu reflektieren, zu berichten und zu begeistern. Ihr humorvoller Stil lässt erahnen, in welcher Stimmung die Menschen von Nicaragua ihren schweren Kampf geführt haben. Und das macht Mut. |
Dtv 2002, 479 Seiten, Karton, 11,50 €
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Walther Bensemanns Fußball Glossen: „Der König aller Sports“
Walther Bensemann gilt als eine prägende Figur der Fußballgeschichte. In Süddeutschland wirkte er Ende des 19. Jahrhunderts als legendärer Pionier; während der Weimarer Zeit gründete er den „Kicker“ und glänzte als scharfsinniger Beobachter des Spiels. »Nie hat jemand im deutschen Sport geschliffener geschrieben«, urteilte später der renommierte Sportfeuilletonist Richard Kirn über Bensemann. 1933 musste der Kosmopolit jüdischer Herkunft in die Schweiz emigrieren, wo er ein Jahr später starb. Seit 2006 erinnert an ihn der „Walter-Bensemann-Preis“, der bisher an Franz Beckenbauer und an Alfredo di Stéfano verliehen wurde. Das vorliegende Buch versammelt Bensemanns beste „Kicker“-Beiträge aus den Jahren 1920 bis 1933. Damit ist nicht nur ein glänzendes Stück Fußball-Feuilleton dokumentiert, sondern zugleich ein eindrucksvolles Panorama des Fußballs jener Zeit eröffnet. |
Werkstatt Verlag 2008, 256 Seiten, gebunden, 22.90 €
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Monika Berberich/Irene Rosenkötter: Aber wir haben immer auf das Leben gesetzt...
In Interviews kommen zwölf Frauen zu Wort, die unter der Militärdiktatur in Uruguay zwischen 1973 und 1985 aufgrund ihrer politischen Aktivitäten inhaftiert worden waren. In den 60er Jahren erlebte Uruguay, bis dahin als die Schweiz Amerikas bezeichnet, eine Wirtschaftskrise. Es folgten die üblichen Auflagen des Internationalen Währungsfonds, Massenarbeitslosigkeit einerseits, Finanzspekulation anderseits, und eine zunehmende Verarmung der Unterklassen und der Mittelschicht. Auf die dagegen enstehende Organisierung unabhängiger Gewerkschaften und die studentische Bewegung von 1968 sowie die Gründung bewaffneter Widerstandsgruppen reagierte die Regierung mit einer zunehmend autoritären Politik und letztendlich mit der Ausrufung des Kriegszustandes 1972. Es folgte eine Militärdiktatur, in der mehr als ein Viertel der Bevölkerung von Knast oder Ermordung der nächsten Angehörigen betroffen war. Ab 1980 organisierten gewerkschaftliche Gruppen, StudentInnen und Angehörige der politischen Gefangenen eine neue Widerstandsbewegung. Die folgende Massenmobilisierung führte zum Ende der Militärdiktatur, der Übertragung der Macht an eine Zivilregierung und einer Amnestie für die Mehrzahl der politischen Gefangenen am 10. März 1985. Die meisten Interviewten kommen aus der Guerillaorganisation MLN/Tupamaros. Aber auch Frauen aus der kommunistischen Partei, der anarchistischen FAU, der trotzkistischen PST und der christlichen Jugendbewegung erzählen ihre Geschichte. Sie berichten über ihren familiären Hintergrund, ihre Politisierung und ihre Aktivitäten bis zur Verhaftung. Großen Raum haben die Knasterfahrungen, der alltägliche Widerstand gegen Repression und Folter, das Problem, hinter Gittern persönliche Beziehungen und Gefühle nicht mehr ausleben zu können, der Versuch, die eigene Identität dabei aufrechtzuerhalten und wie sich diese Erfahrungen auf die Zeit nach der Freilassung auswirken. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Frage nach den Unterschieden zwischen Frauen und Männern, dem unterschiedlichen Verhalten im politischen Kampf, im Knast und nach der Haftentlassung. Das ist der besondere Zugang der Herausgeberinnen zum Thema, die sich über ihr Interesse am Erinnern und der Verarbeitung traumatisierender Extremsituationen wie Folter und Haft hinaus vor allem mit den besonderen Erlebnis- und Erfahrungsweisen aus Frauensicht auseinandersetzen. Die Idee zu dem Buch kam den beiden - Monika Berberich war selbst politische Gefangene aus der RAF von 1970-88, Irene Rosenkötter arbeitet seit Jahren in Solidaritätsgruppen wie der Gruppe der Angehörigen politischer Gefangener in der BRD - nach Dreharbeiten zu dem Film Und plötzlich sahen wir den Himmel. Der Film handelt von Frauenbiographien aus dem Widerstand in Uruguay und Deutschland. Einige der Interviewten des Buches können dort auch audiovisuell erlebt werden (Als Video erhältlich bei Medienwerkstatt Freiburg; Tel.: 0761/709757). |
Assoziation A 1998, Karton, 272 Seiten, 14,83 €
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Willi Bischof& Irit Neidhardt: Wir sind die Guten. Antisemitismus in der radikalen Linken
So wichtig und richtig es stets war, dass die radikale Linke einen vehementen Kampf gegen die deutsche Schlussstrich-Mentalität, die Kontinuität des Faschismus und die Gleichsetzung von Rot und Braun geführt hat, so dürftig, unreflektiert und bisweilen peinlich fielen nicht selten ihre Analysen zum Thema Antisemitismus aus. Wie oft hatte leider auch in linken Kreisen eine unkritisch positive Bezugnahme auf das deutsche Volk antisemitische Untertöne, die mit den Deckmänteln Antizionismus und Antiimperialismus nur schlecht kaschiert wurden? Zwischen der Nazi-Parole Kauft nicht bei Juden! und der linken Forderung der siebziger und achtziger Jahre Boykottiert Israel! mochte man in der Regel keine Gemeinsamkeit sehen. Wir sind die Guten - damit war jeder (Selbst-)Kritik der Boden entzogen, obwohl hinter der deutschen Linken die linken Deutschen immer stärker hervortraten.
Um so erfreulicher, dass es dem kleinen Unrast-Verlag nun gelungen ist, einen Band herauszubringen, in dem Gruppen und Einzelpersonen aus der radikalen Linken endlich eine solche selbstkritische Reflexion leisten. Denn die eigene Sprachlosigkeit in den Debatten um Martin Walser und das Holocaust-Mahnmal hat erneut verdeutlicht, dass das Thema immer noch weitgehend unbehandelt ist. Selbst die Instrumentalisierung von Auschwitz durch die Propaganda im Krieg gegen Jugoslawien blieb von großen Teilen der Linken unbeantwortet. Um sich aber den linken antisemitischen Strukturen zu nähern und sich davon lösen zu können, ist eine Kenntnis des NS-Erziehungsstils unabdingbar. Eine Aufklärung über seine fortwährende Tradierung ermöglicht erst eine Auseinandersetzung jenseits von Selbstmitleid oder Selbstverachtung. Auf dieser Grundlage befassen sich in Wir sind die Guten verschiedene AutorInnen mit linker Antifa-Politik im weitesten Sinne. Dabei geht es um die Erfahrungen bei dem Versuch, Antisemitismus in den eigenen Reihen zu enttabuisieren, genauso wie um das Verhältnis der Linken zu Israel, um die Rolle, die Antisemitismus in autonomer Antifa-Politik (nicht) spielt, und um persönliche Reflexionen politischen Handelns. Das Buch mag so manche/n provozieren, und auch der Vorwurf, es spiele den Falschen in die Hände, wäre für radikale Linke nichts Ungewöhnliches. Argumente, es nicht zu lesen, sind das jedoch nicht. Im Gegenteil. |
Unrast-Verlag 1999, Karton, 220 Seiten, 14,00 €
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Terry Bisson: on a move - Die Lebensgeschichte von Mumia Abu-Jamalaus dem Amerikanischen übersetzt von Michael Schiffmann Mumia Abu-Jamal ist derzeit sicherlich der bekannteste politische Gefangene der Welt. Die Artikel des afroamerikanischen Journalisten sind in zwei Büchern publiziert und allwöchentlich in der Tageszeitung “junge welt” nachzulesen. Die Hintergründe des Gerichtsverfahrens, wegen dem er seit fast zwanzig Jahren aus der Todeszelle heraus gegen seine Hinrichtung kämpft, sind ebenfalls in mehreren Büchern akribisch beschrieben. »On a move «ist in erster Linie eine Erzählung über den privaten Mumia Abu-Jamal: über Herkunft, Kindheit und Jugend, über Schulzeit, Ausbildung und seine Tätigkeit als Journalist, über erste Liebe, Beziehung und Vaterschaft. Eingebettet wird diese Geschichte in die historischen Zeitumstände: die Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung in den USA, den Widerstand dagegen, von der Bürgerrechtsbewegung über die Black Panther Party bis hin zu MOVE. Den privaten Mumia und die politischen Gegebenheiten führt Terry Bisson in einer politischen Persönlichkeit zusammen. Eins ergibt sich aus dem anderen, ein Lebensweg wird nacherlebbar und ebenso die kompromißlose Härte, mit der rassistische Behörden ihren Hass auf einen ihrer erfolgreichsten Kritiker richteten. Die Erzählung endet mit der Verhaftung Mumias und beschränkt sich auf wenige Zeilen zum Prozeß und zur Zeit in der Todeszelle. All das ist in einer einfachen, klaren Sprache geschildert, reich bebildert und gerade auch für Jugendliche gut lesbar. Die notwendige Einführung für alle, die sich nicht damit abfinden wollen, das rassistische US-Justizsystem und die Todesstrafe als Normalzustand zu akzeptieren. |
Atlantik 2001, 246 Seiten, Karton, 12,80 €
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Klaus Bittermann: It's a Zoni. Zehn Jahre Wiedervereinigung. Die Ossis als Belastung und Belästigung
Bereits das Foto auf dem Cover ist die pure Verheißung. Es zeigt Jens Jeremies, Fußballprofi bei Bayern München, im Nationaltrikot, nach einem Gegentreffer im eigenen Tornetz liegend. Schadenfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Das Bild deutet symbolhaft an, was der Autoren Anliegen ist: Ossi-Bashing. Anschlussdeutsche schlagen nicht nur selbst, sie sind auch zu schlagen. It's a Zoni ist eine Fortsetzung des 1993 erschienenen Abrechnungsbandes Der rasende Mob. Die Ossis zwischen Selbstmitleid und Barbarei. Zehn Jahre nach dem Ereignis, das im Herrschaftssprech Wiedervereinigung heißt, legt die Edition Tiamat nun eine neuerliche, nicht minder gnadenlose Bilanz vor - übrigens rechtzeitig zu ihrem zwanzigsten Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle. Doch von Jubiläumsstimmung kann keine Rede sein. Clemens Nachtmann schildert in seinem Beitrag die Situation in Neufünfland treffend: Die nicht unbedingt glatzköpfigen Mordbrenner, die selber Hand anlegen; eine Polizei, die, wenn überhaupt, regelmäßig dann am Tatort eintrifft, wenn den Opfern schon der Schädel zertreten wurde, und die hinterher verlautbart, daß »keine Anzeichen für einen fremdenfeindlichen Hintergrund« vorlägen; Sozialarbeiter, die ... in sämigem Betroffenheitsjargon von »akzeptierender Sozialarbeit« faseln und als Jugendclubs getarnte Nazi-Kaderschmieden betreiben, ... eine Bevölkerung schließlich, die die Taten ihrer braunen Avantgarde in jeder Hinsicht ermuntert, beklatscht oder duldet. Eine Reise in den braunen Osten lohnt sich also nicht und ist sogar gefährlich, wie selbst die brandenburgische Landesregierung zugeben musste.
Mal ernsthaft, mal satirisch wird in dem Tiamat-Buch mit den Ostdeutschen ins Gericht gegangen. Der Ossi, so die Verlagsankündigung, sei der unangenehme Zeitgenosse geblieben, der er schon immer war, ein verdruckster Typ, der schnell und schwer beleidigt ist, sich ständig von den Wessis über den Tisch gezogen fühlt, obwohl er von denen schon einige Milliarden abgegriffen hat, und der ansonsten von der guten alten Zeit unter Erich schwärmt, als eben alles noch besser war und die Ostlimonadenmarke Club Cola und Rotkäppchen sich noch nicht im westlichen Verdrängungswettbewerb behaupten mußten. Die Zonis haben es nicht anders gewollt und beschweren sich jetzt über Verhältnisse, die ihnen vierzig Jahre lang im Staatsbürgerkundeunterricht prophezeit worden sind. Dumm gelaufen. Bei aller beißenden Kritik kann zumindest Fritz Tietz in seinem Aufsatz der zehnjährigen großdeutschen Realität einen positiven Aspekt abgewinnen. Ohne die Feindschaft zwischen Ossis und Wessis wäre nämlich nie bewiesen worden, daß es eine auf Herkunft, Geschichte, Blut oder sonstige Körpersäfte sich gründende nationale Identität nicht gibt. Außer natürlich als Chimäre, als Einbildung oder auch als fadenscheinigen Grund für einen Angriffskrieg, wenn auch leider bloß gegen die BR Jugoslawien und nicht etwa gegen die Stadt Magdeburg oder die sog. national befreiten Zonen in Mecklen- oder Brandenburg. Dementsprechend hat sich die nationalistische Lehre vom ewigen und einigen deutschen Volk und Vaterland ... durch die Realität gründlich widerlegt (Tietz). |
Edition Tiamat 1999, Karton, 160 Seiten, 13,00 €
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Horst-Pierre Bothien: Das braune Bonn (Personen und Ereignisse 1925-1939)
Das in einer Schriftenreihe des Stadtmuseumszur Geschichte Bonns erschienene Buch beginnt mit einer »Chronik des Schreckens«, einer beispielhaften Darstellung der Schicksale verschiedener Gruppen und Personen, die von Bonner Nazis verfolgt wurden. Das eigentliche Thema dieser Arbeit aber ist der Blick auf die »Täterseite« Aufsätze über die Frühgeschichte der Bonner NSDAP, das Funktionieren des NS-Systems in Bonn und einige der Verantwortlichen fügen sich zu einen Bild über das braune Bonn zusammen, durch das deutlich wird, dass auch hier der Faschismus nicht plötzlich vom Himmel fiel und auch hier ganz viele dabei gewesen sind. Somit ist dieser Band die notwendige Ergänzung zu den bekannten Büchern über Bonner Opfer nationalsozialistischer Verfolgung. Bleibt zu hoffen, dass auch die Bonner Tätergeschichte ab Kriegsbeginn bald Gegenstand einer ähnlich fundierten Recherche wird. |
Klartext Verlag 2005, kt., 160 Seiten mit zahlreichen Fotos, 18,00 €
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Volkhard Brandes: Paris, Mai '68
1968 in der BRD war ganz schön lasch im Vergleich zu dem, was in Frankreich abging. Nach den Studierenden, probten auch die ArbeiterInnen den Aufstand, am Generalstreik beteiligten sich 10 Millionen Menschen, der Ausnahmezustand wurde erklärt, Panzer rollten durch Paris und der französiche Präsident floh nach Baden-Baden. Diese Buch widmet sich dem Anteil, den Künstlerinnen und Künstler an der Revolte hatten. Dokumentiert werden die kollektive Plakatproduktion des „Atelier populaire“ und Arbeiten der berühmtesten französischen KarikaturistInnen. Dem gegenüber gestellte Fotos bezeugen die Wirkung dieser Werke in den Strassen von Paris. |
Brandes & Apsel 2008, 96 Seiten, Kartoniert, 16.90 €
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Franziska Bruder & Heike Kleffner : Die Erinnerung darf nicht sterben...
Barbara Reimann - Eine Biografie aus acht Jahrzehnten Deutschland Diese lebensnahe Biografie ist über eine Zeitspanne von fünf Jahren hinweg entstanden. In drei Teilen schildert die heute achtzigjährige Barabara Reimann im Gespräch mit den beiden Herausgeberinnen ihr Leben. Im Anhang wird das Buch durch einen hervorragenden Anmerkungsteil um zeitgeschichtliche Informationen sowie Kleinstbiographien der erwähnten Personen ergänzt und gegebenenfalls erläutert.
Barbara Reimann wurde 1920 in Hamburg geboren. Ihre Eltern und beide Brüder waren in der KPD organisiert, wodurch ihr die politische und soziale Arbeit der kommunistischen Bewegung von klein auf vertraut war. Ihr Vater, Max Dollwetzel, wurde im September 1933 von der Gestapo verhaftet und ermordet. Die beiden Brüder lebten längere Zeit in der Illegalität, bevor sie nach ihrer Verhaftung durch die Gestapo zunächst in die Sowjetunion beziehungsweise nach Dänemark emigrierten. Die Gestapo nahm die Mutter, Clara Dollwetzel, ebenfalls aktive Kommunistin, 1934 zum ersten mal fest. 1943 wurden Barbara, ihre Mutter und ihr Stiefvater verhaftet. Nachdem Barbara zwischenzeitlich für zwei Monate entlassen worden war (das tat die Hamburger Gestapo im Sommer 1943 mit vielen politischen Gefangenen, um deren Kontakt zu anderen WiderständlerInnen zu enttarnen), blieb sie bis April 1944 in Haft im KZ Fuhlsbüttel und wurde von dort gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Patentante mit dem Vermerk RU (Rückkehr unerwünscht) in das KZ Ravensbrück gebracht. Kurz vor der Befreiung 1945 räumte die SS das Lager und zwang die kranken und geschwächten Häftlinge auf die Todesmärsche. Von dort konnte Barbara gemeinsam mit ihrer Mutter und Patentante fliehen und alle drei zu Verwandten nach Schwerin in Sicherheit bringen. In den ersten Nachkriegswochen lebte Barbara noch in Hamburg. Dort hatte sie die Aufgabe, die Identität der ehemaligen Häftlinge von Ravensbrück festzustellen, um ihnen dann Ausweispapiere ausstellen zu können. Dabei enttarnte sie häufig SS-Angehörige, die auf diese Weise versuchten, ihren Persilschein zu bekommen. Außerdem berichtet sie über die Prozesse der Briten und der Deutschen gegen die Nazis, in denen sich bereits damals eine Verharmlosung des Naziterrors zeigte. Sie zog dann bald nach Berlin, arbeitete von Anfang an bei der VVN (Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes) mit und gründete gemeinsam mit überlebenden Freundinnen die Lagergemeinschaft Ravensbrück. Ihre Schilderung, wie sie und andere im KZ Fuhlsbüttel und später in Ravensbrück die schwere Zeit bewältigten, die Verhöre und Folterungen, das Aushungern und die entwürdigende und erniedrigende Behandlung, die Hinrichtung ihr bekannter Menschen, die ihr vielfach sehr liebgeworden waren. All das beschreibt sie mit einer bewundernswerten Stärke und zeigt, wie durch gegenseitige Hilfe und Organisierung vieles besser bewältigt werden konnte. Sie erzählt von zahlreichen GenossInnen, deren Biografien im Text sowie im Anhang erwähnt werden, so daß der Widerstand dieser Menschen in diesem Buch noch einmal lebendig wird. Denn Die Erinnerung darf nicht sterben...
Franziska Bruder und Heike Kleffner, beide Berliner Journalistinnen, hatten 1995 im Rahmen einer Artikelserie über Menschen, die in Widerstandsgruppen gegen das NS-Regime aktiv gewesen waren, Barbara Reimann kennengelernt. Nach Fertigstellung des geplanten Artikels wurde der Kontakt weitergeführt und intensiviert und führte so zu diesem lebendigen Buch. |
Unrast 2000, Karton, 140 Seiten, 13,00 €
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Buchenwald - Ein Konzentrationslager
Immer schwerer wird es für die wenigen noch lebenden Überlebenden des KZ Buchenwald, über die Nazizeit zu berichten. Auch die wenigen noch erhaltenen Bauten machen es schwer, sich das Leben im KZ vorzustellen. Deshalb kam man auf die Idee, diese CD-ROM zu erstellen. Etwa 450 Bilder und Dokumente illustrieren die Texte der überlebenden Widerstandskämpfer und Häftlinge. Sie selber kommen in über 50 Audio- und Videosequenzen zu Wort. Bewusst wird aus der Perspektive der überlebenden Häftlinge berichtet. So bilden der Widerstand und die Selbstbefreiung des KZ durch die Häftlinge einen Schwerpunkt der CD-ROM. Seit der Übernahme der Gedenkstätte durch die Bundesrepublik gibt es Versuche dies zu leugnen. Diese CD liefert ein Zeugnis gegen die Geschichtsrevisionisten, indem ausführlich die Selbstbefreiung dargestellt wird. Das KZ Buchenwald war aufgrund seiner speziellen Situation das einzige Konzentrationslager, in dem dies gelang. Eine klandestine Widerstandsorganisation im Lager sammelte Waffen, verzögerte die von der SS und der Lagerleitung geplante Evakuierung und griff am Nachmittag des 11. April 1945 die SS-Bewacher an. So konnten die übrig gebliebenen 21.000 Häftlinge vor dem sicheren Tod bewahrt werden. Als die US-Armee zwei Tage später das KZ erreichte, wurden ihr über 200 von den Häftlingen gefangen genommene SS-Leute übergeben. Ca. 250.000 Menschen durchliefen dieses Lager, davon kamen etwa 65.000 um. In unterschiedliche Kapitel unterteilt, wird anschaulich der gesamte Komplex KZ Buchenwald dargestellt. So erfährt man von der Geschichte des KZ, der Struktur, den unterschiedlichen Orten innerhalb des KZ, z. B. vom Zoo oder vom Falkenhof, der für die Weimarer Bevölkerung zugänglich war, und vieles mehr. Erwähnt wird auch die Funktion des Lagers als Sonderlager 2 durch die Sowjetarmee, die hier meist Nazi-Mitläufer inhaftierte. Aufgrund der katastrophalen Lebensmittelsituation starben mehrere tausend Menschen. Erschütternd der Bericht eines ehemaligen Häftlings, der erst unter den Nazis in Buchenwald einsaß und dann aufgrund eines Versehens, ohne Möglichkeit dies zu berichtigen, über zwei Jahre im Sonderlager 2 sass. Sein Bericht ist aber auch eine klare Absage an die immer wieder versuchte Gleichsetzung von KZ und Sonderlager, indem er darlegt, dass die Lebensbedingungen in keinster Weise zu vergleichen waren.
Die Benutzerführung der CD ist durchdacht, so dass man jederzeit zu jedem Punkt springen kann. Vielfache Verlinkungen ergänzen die Texte und Dokumente. Ein Nachteil historischer CDs sind die nötigen umfangreichen Texte. Die AutorInnen haben sich bemüht, diese so kurz wie möglich, so lang wie nötig zu halten, dennoch ist die Scheibe notgedrungen sehr textlastig. Das Layout hätte durchaus etwas moderner sein können, das mindert jedoch nicht die Aufmerksamkeit des Betrachters. Die CD ist hervorragend für Schüler geeignet und durch Unterrichtsmaterialien für diese ergänzt. |
Pahl-Rugenstein Verlag 2003, CD-ROM für PC, 24,95 €
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Thomas Buergenthal: Ein Glückskind
Eine glückliche, behütete Kindheit hätte es für Thomas Buergenthal werden können, damals in Lubochna. Doch dann kamen die Deutschen: Die Familie flieht nach Polen, wird verhaftet und ins Ghetto gesperrt, weil sie jüdisch ist. Es folgt die Deportation nach Auschwitz. Als eines von nur ganz wenigen Kindern überlebt Thomas einen der berüchtigten „Todesmärsche“ im eiskalten Winter 1944/45. Nach seiner Befreiung aus dem KZ Sachsenhausen erlebt er als „Maskottchen“ der polnischen Armee den Kampf um Berlin mit, kommt schließlich in ein Waisenhaus und findet auf wundersame Weise seine Mutter wieder.
Auf bewegende Weise, ganz ohne Bitterkeit, erzählt Thomas Buergenthal seine Kindheitsgeschichte und überdies, wie er zunächst in Deutschland bei seiner Mutter, später in den USA ein neues, „zweites Leben“ beginnt. |
Fischer 2008, 272 Seiten, Kartoniert, 8.95 €
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Colectivo Situaciones: Que se vayan todos - Krise und Widerstand in Argentinien
Wie in anderen ehemaligen Diktaturen Lateinamerikas bedeutete der Übergang von der Herrschaft des Militärs zur parlamentarischen Demokratie auch nicht gerade Freiheit und Wohlstand für alle. Die neoliberale Wirtschaftspolitik hat dafür gesorgt, dass weite Teile der Bevölkerung weiterhin in bitterer Armut leben. Gewinner sind die neuen alten Eliten des Landes und multinationale Konzerne. Als die Regierung im Dezember 2001 die Sparguthaben der Mittelschichten einfror, sorgte eine Massenmobilisierung dafür, dass die Regierung zurücktreten mußte. Da die neue Regierung aber auch nur durch Mitglieder der herrschenden Parteien gebildet wurde, änderte sich weder das politische System noch die Wirtschaftspolitik. Die kurze Phase der Revolte ist in einen zähen Kampf übergegangen. Auf der einen Seite entstehen viele selbstverwaltete Projekte und Eigeninitiativen, Fabriken und Land werden von BasisaktivistInnen besetzt, tägliche Demonstrationen bestimmen das Straßenbild. Auf der anderen Seite steht die Staatsmacht und lockt einige mit Machtbeteiligung, verfolgt die Mehrheit der AktivistInnen aber mit immer stärker werdender Repression. Der vorliegende Sammelband gibt einen Überblick über verschiedenste Projekte und Politikverständnisse die in der Bewegung vertreten sind und erläutert gleichzeitig die Schwierigkeiten, mit denen diese Form des Aufstands zu kämpfen hat. Das Collectivo Situaciones ist ein Kollektiv von kämpenden Intellektuellen aus Buenos Aires. Ergänzt werden ihre Analysen durch Beiträge von prominenten AktivistInnen und den Blickwinkel verschiedener InternationalistInnen, sowie einer Chronologie bis zum August 2002. Der Prozess der Revolte ist in ständigem Fluss, und deshalb kann dieses Buch keine abschließende Bewertungen bringen, ist aber durchaus geeignet, die Perspektiven aufzuzeigen. |
Assosiation A 2003, 221 Seiten, Karton, 14,00 €
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Margaret Collins Weitz: Frauen in der ResistanceEs ist schon erstaunlich, dass es bis heute kaum
Untersuchungen über Frauen in der Resistance gibt. Die US-Amerikanerin Margot Collins Weitz schließt mit ihrem Buch eine Lücke. Bis heute ist es
üblich, den Anteil der Frauen im Widerstand herunter zu spielen. Das liegt sicherlich an der Tatsache, dass nur ein geringer Teil aktiv mit der Waffe kämpfte. Trotz des Wunsches vieler Frauen nach dem bewaffneten Kampf wurde dies weder vom gaullistischen noch vom kommunistischen Widerstand gerne gesehen. So waren sie vor allem in den wichtigen Bereichen der Unterkunft- und Informationsbeschaffung, des Botendienstes und des Sanitätsbereiches tätig, ohne die ein Widerstand auch nicht möglich ist. Der Ausspruch eines Resistancekämpfers bei der Fallschirmlandung der Instrukteurin Bohec: "Was soll das denn? Jetzt schicken sie schon die Kinder", war eine typische männliche Reaktion auf kämpfende Frauen. Erst Bohecs umfangreiche Ausbildung in Sabotagetechniken verschaffte ihr den nötigen Respekt der Männer. Von dem bürgerlichen Bild der Frau - als Mutter, Freundin, Geliebte - war auch die Resistance nicht frei. Weitz führt in das Geschehen über die gesellschaftliche Situation vor dem Krieg ein, in der Frauen noch nicht einmal wählen durften. Dem Einmarsch und der folgenden Besatzung durch die Deutschen folgte eine Zäsur innerhalb der Gesellschaft. Während die einen abwarteten, wollten andere Widerstand leisten. Die Brüche gingen mitten durch die gesellschaftlichen Schichten. So fanden sich in der Resistance Frauen und Männer wieder, die vorher auf Grund des unterschiedlichen gesellschaftlichen Status niemals miteinander zu tun gehabt hätten. Sie alle vereinte der Kampf gegen die Nazis. Weitz zeigt die verschiedenen Facetten des Widerstandes, die ständige Gefahr von Verhaftung und Ermordung, die den Widerstand prägten. Die meisten Frauen waren sehr jung und unerfahren. Alle Praktiken, vom Verhalten auf der Straße bis hin zum Kampf mit der Waffe, mussten mühselig angeeignet werden. Eine Vielzahl der aktiven jungen Frauen kamen aus bürgerlichem Hause. Sie hatten meist auf den Eliteschulen Deutsch gelernt und mussten den gefährlichen Job des Feindkontaktes übernehmen. Die Arbeit im Geheimen hatte natürlich auch zur Folge, dass Liebschaften entstanden. Weitz nimmt sich auch dieses Themas an und gibt damit ebenfalls einen sehr intimen Einblick in die Resistance, der in den meisten Büchern einfach ausgeklammert bleibt. Immer wieder geht sie auf das propagierte Bild der Frau durch die Nazis und auch Petains, des Führers der unbesetzten französischen Zone, ein. Dieses Bild wurde nach der Befreiung nicht gebrochen. Da war eine Frau dann entweder Hure oder Kollaborateurin, wie Weitz schildert. Das sahen die Frauen aus der Resistance nicht ein und hatten im befreiten Frankreich kein leichtes Leben. Man merkt Weitz das Interesse an den Frauen an, das auf einer Vielzahl von Interviews basiert und sich nicht nur auf die Geschehnisse alleine reduziert. Dadurch ergibt sich ein tiefer Einblick, der das Buch überaus lesens- und empfehlenswert macht. Ein großartiges Buch, das schon lange gefehlt hat. |
Unrast Verlag, 428 S., gebunden, 25,00 €
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Cross the Border: Kein Mensch ist illegal - ein Handbuch zu einer Kampagne
MigrantInnen und Flüchtlinge sind in Europa unerwünscht. Nachdem es für sie nahezu unmöglich ist, auf legalem Weg hierher zu fliehen, einzureisen oder einzuwandern, ist die Überschreitung der Staatsgrenzen nur noch illegal möglich und nicht selten mit tödlichen Gefahren verbunden. Illegal wird, wer bleibt, obwohl der Aufenthalt nicht mehr erlaubt, gestattet oder geduldet ist. In entrechtetem, ungesichertem oder illegalisiertem Status zu leben, bedeutet die ständige Angst vor Denunziation und Erpressung, weil die Entdeckung Bestrafung, Abschiebehaft oder die sofortige Abschiebung zur Folge hat. Es bedeutet völlige Schutz- und Rechtlosigkeit gegenüber Behörden, Arbeitgebern und Vermietern, aber auch im Falle von Krankheiten, Unfällen und Übergriffen usw.
Deshalb rufen wir dazu auf, MigrantInnen bei der Ein- und Weiterreise zu unterstützen. Wir rufen dazu auf, MigrantInnen Arbeit und Papiere zu verschaffen. Wir rufen dazu auf, MigrantInnen medizinische Versorgung, Schule und Ausbildung, Unterkunft und materielles Überleben zu gewährleisten. Dieser Aufruf auf der documentaX im Juni 1997 startete die Kampagne kein Mensch ist illegal. Durch Aktionen wie das Wanderkirchenasyl in NRW und die bundesweite Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen wurde sie öffentlich bekannt, und mittlerweile ist ein Netzwerk aus linken, radikaldemokratischen, kirchlichen und gewerkschaftlichen Gruppen entstanden, das versucht, den im Aufruf gesetzten Anspruch in die Tat umzusetzen.
Das vorliegende Handbuch enthält Texte zum Hintergrund der Kampagne, eher theoretische über Rassismus und Flüchtlingspolitik, Berichte über Fluchthilfe und Beratungstätigkeit, aber auch praktische Hinweise, z.B. einen Leitfaden zur Eheschließung zwecks Erhalt eines Aufenthaltsstatus. Klar und verständlich geschrieben und ergänzt durch eine Adressenliste mit Anlaufstellen, ist das Buch eine gelungene Reflexion über den bisherigen Verlauf und die Perspektiven der Kampagne und ermöglicht gleichzeitig den Einstieg in die konkrete Unterstützungsarbeit. |
ID Verlag 1999, Karton, 144 Seiten, 8,00 €
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D. Dahlmann u.a.: Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Bonn 1940-1945«
„Schlagen gut ein und leisten Befriedigendes“ - unter diesem Titel fasst ein Buch die Erforschung der Zwangsarbeit in Bonn von 1940 bis 1945 zusammen. Obwohl Bonn weder eine sonderlich große noch eine ausgeprägte Industriestadt war, mussten mindestens 10.600 Menschen in dieser Stadt Zwangsarbeit verrichten, wobei die tatsächliche Zahl vermutlich höher ist. Die meisten größeren Bonner Unternehmen und Handwerksbetriebe beschäftigten ZwangsarbeiterInnen, die - was die Industriebetriebe betrifft - in Lagern untergebracht waren. Neben der Zwangsarbeit in Firmen und öffentlichen Einrichtungen hatte die Beschäftigung in der Landwirtschaft Bedeutung, da Bonn eher landwirtschaftlich geprägt war. Kaum bekannt ist der Einsatz von ZwangsarbeiterInnen in Privathaushalten, die von kinderreichen und „politisch zuverlässigen“ Familien als Dienstmädchen angefordert werden konnten.
Die eindrücklichsten Beiträge in diesem Buch sind diejenigen, die Aussagen von ZwangsarbeiterInnen selbst integrieren konnten, und zwar einer über die „OstarbeiterInnen“ (aus Russland) von Julia Hildt und Britta Lenz und der von Jolanta Altmann-Radwanska über die polnischen ZwangsarbeiterInnen, vornehmlich diejenigen der Jutefabrik Beuel. (Der Titel des Bandes ist ein Zitat aus einem Schreiben der Jutefabrik.) In beiden wird, von der Art der Zwangsverbringung nach Deutschland, Teilen des Alltags, der Arbeit, der Behandlung durch Personal und Bevölkerung, Fluchtversuchen, Verfolgung und Tötung sehr deutlich, was es hieß, hier als ZwangsarbeiterIn zu leben. Weitere Beiträge sind den westeuropäischen ZwangsarbeiterInnen, dem Arbeitserziehungslager in Bad Godesberg und der „Verwertung“ von hingerichteten ZwangsarbeiterInnen im Anatomischen Institut der Uni Bonn gewidmet.
Ein gutes Buch, das einen Beitrag mehr hätte enthalten können: Gerne würde man erfahren, welche Bonner Firmen, Institutionen und Einzelpersonen sich wenigstens am so genannten „Entschädigungstopf“ der Bundesregierung beteiligt haben. Und der/die ein oder andere TäterIn in diesen Einrichtungen könnte durchaus mit Namen genannt werden. (Die ausführliche Fassung dieser Rezension findet sich in der Nr. 70 der Bonner Zeitschrift NullNummer.) |
Stadtarchiv Bonn 2006, gb., 300 Seiten, 18,00 €
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Mike Davis: Eine Geschichte der Autobombe
Autobomben sind in der Berichterstattung über den Irak und Afghanistan zu täglichen Ereignissen geworden. Dass die Autobombe eine über 80-jährige Geschichte hat und von ganz unterschiedlichen Akteuren und in verschiedenen Kontexten auf fast allen Kontinenten eingesetzt wurde, ist wenig bekannt. Mike Davis gibt einen überblick über nahezu alle bis heute gezündeten Autobomben und stellt die Entwicklung dieser Waffentechnik in den jeweiligen historischen Kontext. |
Assoziation A 2007, 227 Seiten, kartoniert, 20,00 €
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Hans Jürgen Degen & Jochen Knoblauch: Anarchismus - Eine Einführung
Seit 2002 erscheint im Schmetterling-Verlag die Reihe »theorie.org«, in der auf jeweils ca. 200 Seiten lesbare und fundierte Einführungen in verschiedene linke Theoriebereiche gegeben werden. Der vorliegende Band bietet einen überblick über die verschiedenen anarchistischen Theorien seit dem 19. Jahrhundert, wobei auch gerade die Widersprüche gut zusammengefasst werden, Beispiele aus der anarchistischen Praxis von der Pariser Kommune bis zum Spanischen Bürgerkrieg und versucht anhand aktueller Beispiele einen Ausblick auf die Zukunft des Anarchismus. |
Schmetterling-Verlag 2006, kt., 216 Seiten, 10,00 €
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Gabriele Dennert u.a.: In Bewegung bleiben
100 Jahre Politik, Kultur und Geschichte von Lesben - informativ, vielfältig, historisch, bunt, analytisch und streitbar. Das Buch versammelt rund 100 Beiträge zu Bewegung, Alltag und Kultur lesbischer Frauen im 20. Jahrhundert. Aktivistinnen zwischen Jahrgang 1931 und 1981 beschreiben politische Kämpfe, Widerstand und Rückschläge, Spaß und Lust, Kontroversen und Streit. 325 Fotos, Plakate und Titelbilder illustrieren Bewegungsaktionen und Bewegungsalltag. |
Quer 2007, 448 Seiten, kartoniert, 24,90 €
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Sarah Diehl: Deproduktion - Schwangerschaftsabbruch im internationalen Kontext
Laut WHO stirbt alle sieben Minuten auf der Welt eine Frau an den Folgen eines unsicheren Schwangerschaftsabbruchs. Das verdeutlicht, dass Frauen gesellschaftlichen Konstellationen ausgesetzt sind, die sie dazu bringen, für die Beendigung einer ungewollten Schwangerschaft ihr Leben aufs Spiel zu setzen, wenn ihnen der Zugang zu einem medizinisch korrekt durchgeführten Abbruch verwehrt wird. Dennoch gibt es international nur wenige Bestrebungen, diesem Phänomen konsequent entgegenzutreten, während zugleich illegale Abtreibungen weltweit zu einem lukrativen Geschäft geworden sind. Die Anthologie verbindet historische Begebenheiten, kulturwissenschaftliche Perspektiven und persönliche Erfahrungsberichte von Frauen, Aktivistinnen und Wissenschaftlerinnen aus Ländern mit unterschiedlichen gesetzlichen Regelungen und stellt die Selbstverständlichkeit in Frage, mit der Frauen moralisch, sozial und politisch immer noch ihre vollen reproduktiven Rechte und ihre körperliche Selbstbestimmung verwehrt werden. Anhand des Themas Schwangerschaftsabbruch wird eine Vielfalt gesellschaftlich relevanter Aspekte verhandelt, die Normvorstellungen über Weiblichkeit und die Reproduktionsarbeit von Frauen in Frage stellen. |
Alibri 2007, 260 Seiten, Karton, 17,00 €
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Lutz van Dijk & Barry van Friel: Sexuelle Vielfalt lernen - Schulen ohne Homophobie
Schwule Sau!, blöde Lesbe! solche oder ähnliche Schimpfwörter sind auf Schulhöfen keine Seltenheit. Die Kinder, die sie benutzen, wissen meist gar nicht, was sie bedeuten, denn im Schulunterricht wird das Thema sexuelle Vielfalt häufig totgeschwiegen. Bis heute sind Vorurteile und die damit einhergehenden Diskriminierungen gegenüber sexuellen Minderheiten, vor allem gegenüber Lesben und Schwulen, auch an Schulen weit verbreitet. Dieses Buch gewährt Einblicke in die Klassenzimmer verschiedener Länder und zeigt, wie dort mit den Themen Homosexualität und Homophobie umgegangen wird.
Die AutorInnen beschreiben, welche kreativen und effektiven Möglichkeiten es gibt, um Homophobie erfolgreich zu begegnen und sexuelle Vielfalt zu lehren. Die zahlreichen Empfehlungen und Anleitungen machen dieses Buch zu einem wichtigen Ratgeber für Lehrende und Studierende und ein Muss für alle Schulen. |
Querverlag 2008, 223 Seiten, Kartoniert, 14.90 €
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Jutta Ditfurth: Ulrike Meinhof
Die Publizistin Jutta Ditfurth stieß in ihrer sechsjährigen Recherche auf bisher unbekanntes Quellenmaterial über Ulrike Meinhof und kann dadurch neue Zusammenhänge in der Lebensgeschichte dieser äußerst kompromisslosen Frau aufzeigen. Eine umfassende Biographie von Ulrike Meinhof, in der sich die Nachkriegsgeschichte der Bundesrepublik und das politisch rebellische Klima der sechziger und siebziger Jahre widerspiegeln.
| Ullstein 2007, 478 Seiten, Gebunden, 22.90 €
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Christian Dornbusch & Hans-Peter Killguss: Unheilige Allianzen
Im Schatten des Black-Metal-Mainstreams hat sich eine Underground-Szene aus Bands, Fans und Magazinen entwickelt, die sich zwischen Satanismus, Heidentum und offener Glorifizierung des Nationalsozialismus bewegt. Obgleich von der öffentlichkeit weniger beachtet, haben die extrem rechten Bands des Genres unter dem Label NS-Black-Metal den Schulterschluss mit ihren »Brüdern im Geiste«, den neonazistischen Skinheads, längst vollzogen. Die Autoren recherchieren seit einigen Jahren in der Szene. Sie beschreiben die Entwicklungen des Black Metals, analysieren die Motive des Genres sowie ihre Verknüpfung mit der Ideenwelt der extremen Rechten und benennen Bands und Akteure, die zum neonazistischen Untergrund in Deutschland und Europa gehören. |
Reihe antifaschistischer Texte, Unrast Verlag, br., 348 Seiten, 18,00 €
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Wolfgang Dreßen - Betrifft Aktion 3: Deutsche verwerten jüdische Nachbarn
Die als erste Station einer Wanderausstellung in Düsseldorf gezeigten Dokumente geben Auskunft, wie präzise die von den Nationalsozialisten mit der Verwaltung jüdischen Eigentums betrauten Ämter gearbeitet haben. Aber nicht nur das: Überdeutlich belegen sie, wie ganz normale BürgerInnen das Eigentum ihrer jüdischen Nachbarn erstanden in der Gewissheit, dass die nicht wiederkommen. Das Thema der Ausstellung erweist sich auch über ein halbes Jahrhundert später als noch so brisant, dass die meisten relevanten Akten von den Oberfinanzdirektionen unter Verschluss gehalten werden; die Ausstellungsmacher konnten viele Exponate nur quasi illegal präsentieren.
Der Band enthält die Dokumente der Ausstellung, denen ein ausführlicher Kommentar vorangestellt ist. Wolfgang Dreßen leitet die Arbeitsstelle Neonazismus an der Fachhochschule Düsseldorf. |
Aufbau Verlag 1998, Karton, 253 Seiten, 20,00 €
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Angelika Ebbinghaus: Die 68er - Schlüsseltexte der globalen Revolte
„1968“ stellt eine Chiffre dar. Die Sozialbewegungen wurden vor allem von Jugendlichen, Studierenden, Intellektuellen und Künstlern, aber auch von Arbeitern - wie in Frankreich, Brasilien und Italien - getragen und zeichneten sich durch antiautoritäre Mentalität, Kultur und Lebensweise aus. Der Protest gegen den Vietnamkrieg sowie die Auflehnung gegen Rassismus, gesellschaftliche Ungleichheit und autoritäre bzw. bürokratische Strukturen waren gemeinsame Anliegen. Der Wunsch nach einer besseren Welt verband diese Bewegungen über Länder und Kontinente hinweg. Die Parole „Ich nehme meine Wünsche für die Wirklichkeit, denn ich glaube an die Wirklichkeit meiner Wünsche“ an den Wänden der Sorbonne und die Forderung italienischer Arbeiter zehn Jahre später, „Wir wollen alles!“, markieren die Utopien und Hoffnungen dieser langen Revolte. Die hier zusammengestellten Texte, u.a. von Simone de Beauvoir, Ernesto „Che“ Guevera, Herbert Marcuse und Antonio Negri, haben das globale „1968“ geistig vorbereitet und beeinflusst. |
Promedia 2008, 224 Seiten, kartoniert, 12.90 €
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Heinrich Ehlers u.a.: Haschomer Hazair
Die jüdische Jugendbewegung Haschomer Hazair, gegründet in Wien am Vorabend des Ersten Weltkrieges, nimmt unter den unzähligen Jugendorganisationen in aller Welt eine besondere Stellung ein. Eine besondere ära in ihrer Geschichte stellt die Nachkriegszeit dar, als die überlebenden der Shoa aus den Konzentrationslagern und Ghettos sowie, heimkehrend aus der Emigration, nach österreich strömten. In über 40 Beiträgen berichten die AutorInnen, alle aus dieser Generation stammend, nüchtern und ohne Pathos, ebenso faszinierend wie erschütternd über ihre Erinnerungen, welche - unterstützt durch zahlreiche Fotos - ein zeitgeschichtliches Dokument ersten Ranges und ein Stück ungeschriebener Geschichte der Jüdischen Gemeinde Wiens darstellen. |
Mandelbaum 2006, 240 Seiten, gebunden, viele Fotos, 17,80 €
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Gernot Ernst: Komplexität: Chaostheorie und die Linke
Das Ziel jeder linken Bewegung ist die Veränderung der existierenden Verhältnisse zum Besseren. Um aber die Möglichkeiten, aber auch Grenzen von Veränderungen, ob in evolutionärer oder revolutionärer Form, besser zu verstehen, kann es nichts schaden, die Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Komplexitätsforschung zu verstehen.
Dass Systeme nicht statisch, sondern dynamisch, also in Bewegung sind, ist jedem Marxisten aus dessen Beschreibung der menschlichen Geschichte bekannt. Anarchistinnen haben schon lange über angenommene und beobachtete Selbstorganisationsphänomene nachgedacht. Linke sind im Grunde genommen Systemtheoretikerinnen und Dynamiker der ersten Stunde. In diesem Buch der Reihe "theorie.org" werden deshalb zunächst einige zentrale Ideen wie die der "Chaos-Theorie", der dynamischen Systeme oder Netzwerke entwickelt. Dabei werden, soweit wie möglich, Beispiele aus der Gesellschaftstheorie herangezogen. Danach wird der derzeitige Stand der Diskussion in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen dargestellt. Ein eigenes Kapitel soll einen Teil der bisherigen linken Diskussion darstellen, deren Ergebnisse kritisch diskutiert werden. |
Schmetterling 2009, 200 Seiten, Kartoniert, 10.00 €
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Ulises Estrada: Tania
Aus dem kubanischen Spanisch von Asma Esmeralda Abd'Allah Portales
Eine Biografie der Mitkämpferin Che Guevaras mit bisher unveröffentlichten Dokumenten. Tania wird 1937 in Argentinien als Haydée Tamara Bunke Bíder geboren. Ihre Eltern sind jüdische Kommunisten, die vor den Nazis ins Exil geflüchtet waren. Nach dem Zweiten Weltkrieg zieht die Familie in die DDR. Als junge Frau wird Tania von der kubanischen Revolution inspiriert und angezogen. Sie wird schließlich eine Aktivistin der lateinamerikanischen Revolution, die es schafft, in Bolivien mit falscher Legende in die höchsten Kreise der von den USA an der Macht gehaltenen Oligarchie vorzudringen. Auf diese Weise wird sie zu einer wichtigen Wegbereiterin des von Che Guevara geleiteten Versuchs, eine revolutionäre Aufstandsbewegung in Bolivien zu initiieren. |
Atlantik 2007, 280 Seiten, kartoniert, 20,00 €
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Stefan Eggerdinger & Hans-Rüdiger Minow: Der Terror des Krieges. Der Überfall auf Jugoslawien und die Eroberung Südosteuropas
Als aus dem Kosovo-Konflikt der Kosovo-Krieg wurde (besser gesagt: der Krieg um das Kosovo), erlangte die Bundesrepublik Deutschland endlich ein weiteres Stück der so heiß ersehnten Normalität: Zum dritten Mal in diesem Jahrhundert überfielen Deutsche Jugoslawien. Keine Lüge war der rot-grünen Bundesregierung, kaum im Amt, du dreist, um sie nicht als Rechtfertigung für den ersten wirklichen Kriegseinsatz seit 1945 ins Feld zu führen - vor dem Krieg nicht, während dessen nicht und hinterher schon gar nicht. Zuerst haben sie Genozide und Völkermorde herbei fantasiert, dann einen souveränen Staat angegriffen und das und das zur Lehre aus Auschwitz umgelogen; am Schluss wurden noch Hufeisenpläne erfunden, um das Bild von Slobodan Milosevic als Reinkarnation Adolf Hitlers aufrecht erhalten zu können.
Die Linke hatte an Protest und Widerstand leider viel zu wenig zu bieten. Viele ihrer (ehemaligen) MitstreiterInnen sypathisierten mit Rot-Grün und hatten jetzt den Salat bzw. keinen Anlass mehr, auf die Straße zu gehen. Dass das angegriffene Jugoslawien nicht gerade eine ideale Identifikationsfigur abgab, trug zusätzlich zu der Schwäche der Anti-Kriegs-Bewegung bei. Doch sie hatte auch ihre Höhepunkte. Einer davon war die Veranstaltung »Der Terror des Krieges« am 27. Mai 1999 in einer Bonner Mensa. Knapp 800 BesucherInnen bekamen die Statements der TeilnehmerInnen an einer zuvor organisierten wissenschaftlichen Konferenz für ein Tribunal gegen den Angriff auf Jugoslawien auf einer Podiumsdiskussion mit internationaler Beteiligung präsentiert. Die Beiträge richteten sich aus den unterschiedlichsten Gründen und Positionen allesamt scharf gegen den Krieg; die Bandbreite reichte von einem eher konservativen französischen Historiker, der die NATO ablehnt, bis zur antideutschen Jutta Ditfurth. Das Publikum verließ beeindruckt den Saal. Das Tribunal war perfekt organisiert, würdig und gelungen.
Ein knappes Jahr später ist nun das Buch erschienen, das den Titel der Bonner Veranstaltung trägt und überarbeitete Beiträge der KonferenzteilnehmerInnen und anderer AutorInnen enthält. Auch hier sorgt die internationale Besetzung für eine wichtige Erweiterung des Blickfeldes; ein Qualitätsmerkmal, das nicht viele Bücher zum Thema Jugoslawien-/Kosovo-Krieg aufweisen. Überhaupt gehört der Band zum weitaus Besten, was zu dieser Angelegenheit publiziert wurde. Besondere Beachtung finden die Kapitel von Stefan Eggerdinger - der über die Rolle der Bundesrepublik bei der Zerschlagung Jugoslawiens schreibt - und Wolfgang Dreßen. Der Düsseldorfer Hochschullehrer, der für die Ausstellung Aktion 3 verantwortlich zeichnet - eine Präsentation von Dokumenten aus Finanzamtsbeständen, die eindrucksvoll zeigen, ein wie großer Teil die so genannte Arisierung elementarer Bestandteil des NS-Vernichtungsprogramms war und in welch hohem Ausmaß die Bevölkerung genau Bescheid wusste und sich an jüdischem Eigentum bereicherte -, befasst sich mit der rot-grünen Relativierung von Auschwitz im Jugoslawien-Krieg. Im kleinen Verlag zur Förderung der wissenschaftlichen Weltanschauung ist ein großes Buch erschienen, das viel mehr Resonanz erfahren sollte als das vermutlich der Fall sein wird. |
Verlag zur Förderung der wissenschaftlichen Weltanschauung 2000, Karton, 180 Seiten, 12,68 €
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Frank Fernández: Anarchismus auf Kuba - Geschichte einer Bewegung
Ein gern verschwiegener schwarz-roter Faden zieht sich durch die Geschichte Kubas. Der Autor hat mit seinem Buch diese Geschichte neu aufgerollt. Er spannt den Bogen von der Zeit der spanischen Kolonialherrschaft bis hin zu dem heutigen Castro-Regime. Fernández zeichnet das Bild einer wechselvollen Geschichte der libertären kubanischen Bewegung, die oft in den diversen politischen Strömungen unterzugehen drohte. Die Unabhängigkeitsbewegungen (Loslösung von Spanien) mit ihrem Patriotismus wie auch die späteren Diktaturen von Machado und Batista konnten sie nicht klein kriegen. Das besorgte in den fünfziger Jahren erst das Regime von Castro. Dieses Buch sei daher vor allen auch den Leuten ans Herz gelegt, die immer noch ein romantisierendes Bild eines kubanischen „Sozialismus“ mit den marxistisch-leninistischen Galionsfiguren Che Guevarra und Castro pflegen.
In diesem Sinne: „Kill your Idols“. |
Syndikat A 2006, 143 Seiten, Karton, 8,90 €
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Harry Fisher: Comrades - Bericht eines US-Interbrigadisten im spanischen Bürgerkrieg
Mit einem Vorwort von Pete Seeger
»Wir kämpften dafür, Madrid zum Grabe des Faschismus zu machen.« Mit diesen Worten beginnt der Bericht des heute 90jährigen ehemaligen Spanien-Veterans Harry Fisher, der mit den Internationalen Brigaden gegen den faschistischen Putsch General Francos kämpfte. Er war einer der über 3000 US-amerikanischen »verfrühten« Antifaschisten” - so die Bezeichnung für diese amerikanischen Kommunisten in der McCarthy-Ära - von deren Geschichte bislang wenig bekannt war. Der in Bonn ansässige Pahl-Rugenstein-Verlag hat nun mit der Übersetzung von Fishers »Tales of a Brigadista in the Spanish Civil War« erstmals in deutscher Sprache eine Publikation zu diesem Thema vorgelegt. Im Februar 1937 entschloss sich der junge Gewerkschafter und YCL-(Young Communist League)Funktionär sein Verständnis von praktizierter internationaler Solidarität umzusetzen und nach Spanien zu gehen um, wie er schreibt, »durch die Verhinderung einer faschistischen Machtergreifung in Spanien einen zweiten Weltkrieg zu verhindern.« Fisher berichtet von den Schwierigkeiten, die den amerikanischen Interbrigadisten schon vor ihrer Abreise aus den USA von Seiten der Regierung gemacht wurden und von der illegalen Einreise über die geschlossene französische Grenze nach Spanien. Nachdem diese Hindernisse erfolgreich überwunden wurden, erhielten die frisch eingetroffenen Brigadistas lediglich eine kurze militärische Ausbildung, bevor sie den Befehl erhielten die loyalistischen Truppen an der Front zu unterstützen. Anders als in so vielen anderen Darstellungen des spanischen Bürgerkrieges finden sich keine heroisierenden und bisweilen an die Grenzen des Kitsches stoßenden Beschreibungen von den Heldentaten der Interbrigaden. Vielmehr erzählt hier einer, der sowohl den Tatendrang und die felsenfeste Überzeugung der Antifaschisten als auch ihre Ängste und den Schrecken des Krieges plastisch schildert. Dabei ist er stets darauf bedacht kein propagandistisch durchfärbtes Pamphlet zu liefern und auch die negativen Vorfälle nicht zu verschweigen. Die längste Zeit seines 19monatigen Einsatzes in den Interbrigaden verbrachte Harry Fisher als Fernmelder. Auch, wenn er in dieser Funktion zahlreichen lebensgefährlichen Situationen ausgesetzt war, überlebte er den Krieg ohne größere Verletzungen. Diesem Glück, das einem Drittel seiner amerikanischen Genossen, die in Spanien getötet wurden, nicht zur Seite stand, verdanken die LeserInnen den geschlossenen Bericht über die Geschichte des Lincoln(-Washington)Bataillons von der Schlacht im Jarama-Tal angefangen bis zur bitteren Niederlage gegen die übermächtigen faschistischen Einheiten am Ebro. Mit den immer wieder eingestreuten, erhalten gebliebenen Briefen an seine Verwandten, dem illustrierten Mittelteil und den englisch-deutschen Liedtexten der Interbrigaden im Anhang, ist »Comrades« sicherlich einer der besten Tatsachenberichte über den Spanischen Bürgerkrieg. |
Pahl-Rugenstein 2001, 243 Seiten, gebunden, 18,41 €
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Anja Flach: Frauen in der kurdischen Guerilla
Die ArbeiterInnenpartei Kurdistans PKK wird in Europa sehr kontrovers diskutiert. Wenig Beachtung fand bisher dagegen die kurdische Frauenarmee, die Mitte der 90er Jahre gegründet wurde. Tausende Frauen schlossen sich in der Folge der Aufstände und der Repression durch den türkischen Staat den Guerillakräften an. Zunehmend setzte sich die kurdische Bewegung mit der Geschlechterfrage auseinander. Aus der Sicht der feministischen Ethnologie untersucht Anja Flach vor allem die Motivation und Identität der Kämpferinnen sowie die Geschlechterrollen und Gender-Beziehungen innerhalb der kurdischen Guerilla und deren Auswirkungen auf die Situation der Frauen in der traditionell geprägten kurdischen Gesellschaft. |
Papyrossa 2007, 172 Seiten, kartoniert, 16.00 €
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Eric Friedler, Barbara Siebert & Andreas Kilian: Zeugen aus der Todeszone. Das jüdische Sonderkomando in Auschwitz
»Das ist eine Krankheit ohne Namen«, sagt Shlomo Venezia. In seinen Träumen sieht er seit fast 60 Jahren die verzweifelten Gesichter der Opfer auf dem Weg in den Tod, die entstellten Gesichter und gewundenen Körper der Ermordeten in der Gaskammer und hört die erschütternden Todesschreie der Sterbenden. Venezia gehört zu den vermutlich 25 letzten der ehemals 110 Überlebenden von etwa 2.200 Häftlingen aller jüdischen Sonderkommandos im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. In den Gaskammern von Auschwitz ermordete die SS zwischen 1941 und 1945 hunderttausende Menschen. In Gang halten mussten die »Todesfabrik« jedoch hilflose Arbeitssklaven: die jüdischen Häftlinge des Sonderkommandos Sie waren neben den TäterInnen und Ermordeten gezwungenermaßen die einzigen Augenzeugen der Vorgänge in den Vernichtungsanlagen. Die SS zwang sie, den Opfern beim Auskleiden zu helfen und auf diese beruhigend einzuwirken. Sie mussten nach der Vergasung die Leichen aus den Gaskammern zerren, sie nach Wertsachen untersuchen und ihnen das lange Kopfhaar abschneiden sowie die »ausgewerteten« Körper verbrennen. Wer sich weigerte, wurde ermordet. Doch als »Geheimnisträger« lebten die Sonderkommando-Häftlinge letztlich nur so lange, wie ihre Arbeitskraft von der SS missbraucht werden konnte. Die letzten Zeugen aus dem Inferno der Vernichtung überlebten wie durch ein Wunder. |
DTV, 416 Seiten, Karton, 14,50 €
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Sabine Fuchs: Femme! - radikal - queer – feminin
Lesbisch und Lippenstift? Homosexuell und hautenger Rock? Das sind nicht gerade die gängigen Vorstellungen, die über Lesben existieren. Doch auch in lesbischen Kreisen galt Weiblichkeit lange als nicht politisch korrekt und als Anpassung an die zweigeschlechtliche heterosexuelle Lebenswelt. Nun widmet sich das erste deutschsprachige Buch dem Thema Femme und zeichnet ein selbstbewusstes, radikales und politisches Bild einer femininen Lesbe, fern von den Klischees um Lederjacken, Motorräder, lila Latzhosen und kurze Haare. In zahlreichen Aufsätzen, Essays und Interviews widmet sich dieser Sammelband einem Thema, das viel zu lange verpönt war. Kritisch-analytisch, selbstironisch-provokant und feministisch entdecken die Autorinnen die neue Weiblichkeit! |
Quer 2009, 225 Seiten, Kartoniert, 16.90 €
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Klaus Gietinger: Eine Leiche im Landwehrkanal - Die Ermordung Rosa Luxemburgs
Die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ist eine der großen Tragödien des letzten Jahrhunderts. Kaum ein politischer Mord hat so sehr die Gemüter bewegt und das politische Klima in Deutschland verändert wie jener in der Nacht vom 15. auf den 16. Januar 1919 vor dem Hotel mit dem paradiesischen Namen "Eden". Der Mord war Auftakt für weitere politische Morde und nicht nur das: Der Fall Luxemburg/Liebknecht war sozusagen der Sündenfall, nach dem die Grundlagen für den deutschen Faschismus gelegt wurden. Über Jahre hinweg folgten Verdrehungen, Verdunklungen, Vorschubleistungen, falsche Verdächtigungen und Selbstbezichtigungen. Eine "Justizposse", die als einer der großen Justizskandale des vergangenen Jahrhunderts bezeichnet werden muss, machte aus der Tragödie eine Groteske. Gietinger hat seine akribischen Recherchen in dieser neu durchgesehenen und überarbeiteten Ausgabe zu einem spannenden Text zusammengefügt und entlarvt in aller Klarheit Mörder und Drahtzieher. |
Edition Nautilus 2008, 192 Seiten mit 70 S-W-Abbildungen, Kartoniert, 13.90 €
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Alexander Goeb: Kambodscha - Reisen in einem traumatisierten Land
1979: Phnom Penh, die Hauptstadt, ist eine Geisterstadt. Totenschädel am Straßenrand, die Killing Fields. Goeb reist zum ersten Mal nach Kambodscha. Vietnamesische Soldaten patrouillieren vor dem Chatomuk-Theater. Blicke in verstörte Gesichter, Zeugen treten auf. überlebende. Ein Tribunal. Der Genozid in Zahlen. Todesurteile wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit werden gefällt. Doch Pol Pot und Ieng Sary, die Angeklagten, sind nicht anwesend. Vor der vietnamesischen Armee flüchteten sie in den Dschungel, aus dem sie einst kamen.
2007: Ein neues Tribunal. Kambodschanische und internationale Richter sollen für späte Sühne sorgen. Wird das Trauma der Khmer dann zu Ende gehen? Die Mörder sind alte Männer, in Freiheit und reich. Einige sind tot - wie Pol Pot. In Freiheit leben auch die Befehlsempfänger: an der Seite ihrer Opfer. |
Brandes & Apsel 2007, 166 Seiten, kartoniert, 14,90 €
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Rolf Gössner: Erste Rechts-Hilfe
Rechts- und Verhaltenstips im Umgang mit Polizei, Justiz und Geheimdiensten
An Elogen soll nicht gespart werden, wo es angemessen ist. Rolf Gössners Buch ist das beste, das es zum Thema politische Repression derzeit auf dem Buchmarkt gibt. Es ist für RechtsanwältInnen, die sich mit politischem Strafrecht befassen, ebenso unverzichtbar wie für Bürgerrechts- und linke Anti-Repressions-Gruppen. Letztere sind im Anhang mit Anschrift, Telefon- und Faxnummer aufgelistet und teilweise sogar mit einer kurzen Beschreibung gewürdigt worden.
Die größte Stärke des beim Verlag Die Werkstatt erschienenen Bandes ist es, übersichtlich und sinnvoll gegliederte Rechts- und Verhaltenstips im Umgang mit staatlichen Verfolgungsbehörden und ausführliche politische Einschätzungen zu neueren Entwicklungen im Bereich der Inneren Sicherheit zusammenzuführen. Diese Kombination ergibt eine ideale Handreichung. Ob es um polizeiliche Demonstrationseinsätze, Hausdurchsuchungen, Strafverfahren und Gerichtsprozesse, Anwerbeversuche des Verfassungsschutzes, Datenschutzrechte oder den Großen Lauschangriff geht - Gössner hat nichts vergessen.
Das Buch ersetzt alle mühsamen Sammlungen von Flugblättern, Presseausschnitten und Broschüren. Und der Autor schreibt so verständlich, dass auch Nicht-JuristInnen mit den Tips etwas anfangen können. Und wer doch mehr wissen will, für den/die findet sich am Ende eines jeden Kapitels ein umfangreicher Literaturapparat zum Weiterlesen. |
Werkstatt 1999, Karton, 384 Seiten, 20,40 €
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Gabriele Goettle: Wer ist Dorothea Ridder?
Gabriele Goettle rekonstruiert in Gesprächen mit Freunden Dorothea Ridders nicht nur das Leben einer Frau, die ihr Gedächtnis verloren hat, sondern einer ganzen Generation, deren Welt ssich um so mehr zu entfernen scheint, je mehr über sie geschrieben wurde. Dorothea Ridder flüchtete 1959 nach Westdeutschland, arbeitete als Kinderbetreuerin und Animierdame, gründete die Kommune 1 und saß wegen RAF-Unterstützung ein Jahr in Isolationshaft, als Ärztin arbeitete sie in Ankara un Berlin. 1997 erlitt sie im Alter von 55 Jahren einen schweren Schlaganfall, wodurch sie einen großen Teil ihrer Erinnerungen verlor. Das Buch ist der Versuch einer Rekonstruktion dieser Erinnerungen. |
Edition Tiamat 2009, 144 Seiten, Kartoniert, 14,00 €
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Uki Goñi: Odessa. Die wahre Geschichte - Fluchthilfe für NS-Kriegsverbrecher
Der Name Odessa steht für die massenhafte Flucht von NS-Kriegsverbrechern - unter ihnen Adolf Eichmann, Klaus Barbie und Josef Mengele -, die sich mithilfe eines hoch organisierten Netzwerkes der Justiz entziehen konnten. Der argentinische Historiker und Journalist Uki Goñi zeichnet auf der Basis langjähriger Recherchen in Argentinien, den USA und Europa nach, wie es Tausenden von Nazis gelang, nach Lateinamerika zu entkommen. Hauptaufnahmeland und zentrale Drehscheibe war das Argentinien unter Juan Domingo Perón. Die Fluchthilfeorganisation verfügte über Basen in Skandinavien, Spanien und Italien, aktive Hilfe leisteten Schweizer Behörden - und im Vatikan liefen alle Fäden zusammen. |
Assoziation A 2006, 400 Seiten, 22,00 €
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A.G. Grauwacke: Autonome in Bewegung. Aus den ersten 23 Jahren
Fünf Berliner Autonome erzählen ihre Geschichte linker militanter Politik von den ersten Kämpfen zu Beginn der 80er über Wackersdorf & Startbahn West, die Antifa-Bewegung der 90er bis hin zu aktuellen Kämpfen in der Antiglobalisierungsbewegung: Mit vielen Fotos hübsch autonom layoutet und locker lesbar. Den Bewegungsabläufen entsprechend enthält das Werk mehr Krawallstories als Theorie, aber auch diese hat ihren Platz. Der männliche und der Berlin-zentrierte Blick dominieren, aber, mal ehrlich, so wars ja auch. Ein nettes Buch für alle Dabeigewesenen und alle, die es wissen wollen.
Einen Ein- und Ausblick bietet http://autox.nadir.org. |
Assoziation A, 2003, 408 Seiten 20,00 €
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Madeleine Grawitz: Bakunin - Ein Leben für die Freiheit
Übersetzt von Andreas Löhrer
Wer den Anarchismus liebt oder sich für die radikale Linke des 19. Jahrhunderts, ihre Kämpfe und ihre Milieus interessiert, wer eine der faszinierendsten Persönlichkeiten dieser Zeit und ihr abenteuerliches Leben kennenlernen möchte, wird in diesem opulenten Werk der französischen Sozialgeschichtlerin Madeleine Grawitz schwelgen. Fern vom Klischee des pulverdampfumflausten Barrikadensatans, der mit perfider Wut die schöne bürgerliche Welt ins Verderben reißen will, ersteht vor uns Michail Alexandrowitsch Bakunin, geboren am 18. Mai 1814 als Aristokratenspößling auf dem Gut Prjamuchino in der Provinz Twer, gestorben am 1. Juli 1876 in Bern, in der ganzen Leibes-, Gedanken und Temperamentenfülle seines Seins. Wem dabei auf über fünfhundert Seiten die Orientierung verlorengeht, der findet im Anhang neben dem Glossar der Protagonisten und einem Register einen vorzüglichen chronologischen Abriß von Bakunins Leben vor den geschichtlichen Ereignissen, die ihn bewegt haben und an denen er mitgedreht hat.
Von der 1848er Revolution bis zur Commune, von der Erhebung in Dresden, Streitereien in der Internationale bis hin zum Scheitern der Aufstände von Lyon und Bologna erleben wir einen Freigeist von Rang, der, ohne je sesshaft und gesittet zu werden, seinem Ideal gefolgt ist. - Bakunins Versuch, den Ruhestand in La Baronata zu genießen, geht denn auch vollständig daneben, bzw. macht den schon schwer kranken alten Kämpfer, zeitlebens von Schulden geplagt, von Polemiken umzingelt und auf sein Erbteil wartend, in den Augen seiner Kritiker unglaubwürdig. Grawitz läßt ihrem Helden auch hier Gerechtigkeit widerfahren.
Was die äußeren Ereignisse dieses Lebens betrifft, so wird nichts ausgelassen. Bakunins unermüdlicher Einsatz an allen möglichen Fronten, um die Leidenschaft zur Freiheit, die Empörung gegen jede Autorität zu entfesseln,die schöpferische Lust an der Vernichtung aller Formen von Staatlichkeit, die die Freiheit in der Gleichheit oder die wesentliche Kollektivität des Menschen unterbindet, wird detailliert nachgezeichnet. Einen Höhepunkt stellt dabei sicherlich die Re-Inszenierung des Aufstands von Lyon durch Grawitz/Bakunin dar. Eindringlich sind zu Anfang die Familienszene, die Jugend in der heimatlichen Idylle, die intensiven Beziehungen zu den Schwestern, die Entwicklung des Themas Freiheit-Widerstand aus dem Geist des Idealismus und der Romantik erzählt worden. Hier erhalten wir auch behutsame Deutungshinweise oder auch Deutungsverbote zu Bakunins Lust an der Revolution aus dem Geist der geheimbündlerischen Bruderschaft, zu seiner unbändigen Sinnenlust auf Streiten und Denken, Essen und (Tee) Trinken, die seltsamerweise vor der Sexualität haltmacht; Bakunins Idealisierung der reinen Liebe mündet später in der skandalumwitterten menage à trois mit seiner jungen Frau Antonia und ihrem neapolitanischen Geliebten Gambuzzi.
Wir erfahren von einem unsteten Leben aus dem Koffer, Versammlungen, Konspirationen, schriftstellerischer Arbeit, vom (später umgewandelten) Todesurteil, der Auslieferung an das zaristische Rußland, von zwölf Jahren Kerkerhaft in der Peter-und-Pauls-Festung in St. Petersburg und der spektakulären Flucht aus Sibirien über die USA nach europa zurück. Wir lesen von den Auseinandersetzungen zwischen Marx (dem Theoretiker und Taktiker, dem durchtriebenen Ränkeschmied, seiner Eitelkeit und Rachsucht) und Bakunin (dem Propheten der Revolution, dem Vielgeliebten und, seine Freunde wie die Sache, heiß Liebenden), ihren Parteiungen und dem Ausschluß der Anarchisten aus der Internationale. Und immer wieder die überwältigende großherzige Persönlichkeit Bakunins, der - als Denker des Anti-Autoritarismus paradox mit der größten »natürlichen Autorität «ausgestattet - an die Spitze jeder Bewegung gesetzt wurde und sie durch die einzigartige Fähigkeit lenkte, Begeisterung und politische Leidenschaft zu erzeugen; daß er hinsichtlich der letzteren zur Selbstkritik fähig war und in seinen späteren Jahren sich von Fanatikern zu distanzieren suchte, denen jedes Mittel, den Krieg gegen die Herrschenden zu schüren, gelegen kam, bestätigt das nur. (Ob Bakunins antisemitische »Äußerungen« allerdings so tief gehängt werden dürfen wie in diesem Buch, kann ich nicht beurteilen.) - Daß bei all dem der Theoretiker Bakunin ein wenig kurz kommt, ist zu verschmerzen, weil die Lesenden nach diesem Buch mit Bakunin bestimmt nicht fertig sein werden. Aus dem Jura berichtet Grawitz, daß die Kinder, als sie diesen Riesen mit seinem gutmütigen und breiten Lächeln, seinem großen Schlapphut, seinem Umhang und seinen groben russischen Stiefeln vorbeigehen sahen, riefen: »Da ist der große König der Internationale.« Voilà, dies Buch ist das Standbild seiner Majestät. |
Edition Nautilus 1999, gebunden, 558 Seiten, 17,00 €
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Melanie Groß & Gabriele Winker: Queer- Feministische Kritiken neoliberaler Verhältnisse
Seit den 1990er Jahren ist die feministisch und queer-feministisch orientierte Wissenschaft in Deutschland stark mit ihren eigenen theoretischen Grundlagen beschäftigt. Es gab vielfältige Erkenntnisse sowohl aus komplexen theoretischen Debatten als auch aus akribischer empirischer Arbeit. Wie lassen sich mit diesen vorliegenden Erkenntnissen feministischer und queer-feministischer Wissenschaft neoliberale Entwicklungen verstehen, die mit Ungleichheiten, fehlender Anerkennung oder geringer gesellschaftlicher Teilhabe bestimmter Gruppen von Menschen einher gehen? Daran schließt sich die Frage an, welche queer-/feministischen Handlungsperspektiven sich aus diesem Verständnis entwickeln lassen. |
Unrast 2007, 192 Seiten, kartoniert, 14,00 €
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Kien Nghi Ha, Nicola Lauré al-Samarai, Sheila Mysorekar: re/visionen
Postkoloniale Perspektiven von People of Color auf Rassismus, Kulturpolitik und Widerstand in Deutschland.
Im vorliegenden Band werden erstmals kritische Stimmen ausnahmslos von People of Color zusammen gebracht - Schwarze Deutsche, Roma und Menschen mit außereuropäischen Flucht- und Migrationshintergründen. Ihre widerständige Wissensproduktion und ihr politischer Erfahrungsaustausch bringen alternative Diskussionen hervor. Sie setzen sich mit Rassismus, Islamophobie und ausgrenzenden Migrations- und Integrationsregimes auseinander und diskutieren Fragen von individuellem und kollektivem Widerstand, antirassistischer Kulturpolitik und postkolonialen Denkansätzen. Selbstbestimmte Räume und solidarische Visionen werden sichtbar, welche die rassistische Logik des Teilens und Herrschens herausfordern und auf grenzüberschreitende Identitäten und Bündnisse zielen. Durch den People of Color-Ansatz wird ein Paradigmenwechsel möglich, der die weiße Norm hinterfragt und nachhaltig untergräbt. |
Unrast 2007, 456 Seiten, kartoniert, 24,00 €
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Birgit Haas: Der postfeministische Diskurs
Der interdisziplinäre und internationale Essayband diskutiert den umstrittenen Begriff des Postfeminismus aus performativer, literaturwissenschaftlicher und soziologischer Sicht. Die Kernfrage ist dabei, ob der Postfeminismus mit seiner Aufwertung der Weiblichkeit einen Rückfall in präfeministische Zeiten darstellt oder ob er als Radikalisierung des Feminismus zu verstehen ist. Bedeutet die Vorsilbe post das Ende des Feminismus oder einen neuen, radikalen Anfang? Eine Problematik, die sich keinesfalls auf einen einfachen Nenner bringen lässt, wie die unterschiedlichen Analysen und Ansätze zeigen. Mit Blick auf die Streitfrage ob bzw. in welcher Form Postfeminismus existiert, betrachten die Beiträge unterschiedliche gegenwärtige Erscheinungsformen der postfeministischen Kultur: Die Bandbreite reicht dabei von der Debatte um die Camp-Kultur über den girlism bis hin zum Backlash. |
Königshausen & Neumann 2006, 256 Seiten, Kartoniert, 29.80 €
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Roya Hakakian: Bitterer Frühling - Meine Jugend im Iran der Revolutionszeit
Aus dem amerikanischen Englisch von Rita Seuß
Zwischen Schah und Chomeini: eine bezaubernde Geschichte vom Erwachsenwerden
Roya Hakakian wuchs in einer jüdischen Familie in Teheran auf und schildert ihre Kindheit und Jugend im Iran der siebziger und frühen achtziger Jahre. Aus der Perspektive des optimistischen jungen Mädchens erzählt sie von den Ereignissen der iranischen Revolution, dem Sturz des Schahs und davon, wie die Etablierung des Ayatollah-Regimes, die Hoffnungen einer ganzen Generation junger Iranerinnen und Iraner auf eine bessere und gerechtere Zukunft zunichte machte. Hakakians Familie musste nach der Revolution mit Schrecken feststellen, dass sie im iranischen Gottesstaat nicht mehr erwünscht war. |
Goldmann 2009, 288 Seiten, Kartoniert, 8,95 €
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Heide Hammer: Revolutionierung des Alltags
Die Beschäftigung mit llinken Ansätzen deutschsprachiger politischer Philosophie führt Heide Hammer zur Analyse zweier meist gegensätzlich rezipierter Strömungen: Kritische Theorie versus Poststrukturalismus. Hammer untersucht die Möglichkeiten eines anerkennenden Nebeneinanders unter Einbeziehung der Theorien von Spinoza, Deleuze, Guattari, Foucault, Butler, Haraway u.a. Neben der Analyse von Machtregimen steht die Beschreibung kollektiver Widerstandsformen: die EZLN in Chiapas/Mexiko, die Ereignisse um Genua im Juli 2001, die Entstehung der Neuen Linken 1977, die Bewegung der Autonomia in Italien 1969, und die Studentenproteste im Mai 1968 in Frankreich. Die Autorin begibt sich auf die Suche nach gegenwärtigen und vergangenen Widerstandspraktiken. Revolutionäres, theoretisches Gedankengut und Popkultur werden mit offensiven Formen der Lebensfreude und des Genusses kontrastiert: Riot Grrrls existieren neben Lady-Festen und Radical Cheerleading. |
Argument 2008, 143 Seiten, kartoniert, 7,00 €
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Michael Hardt und Toni Negri: Empire
Ein Literaturwissenschaftler & ein Uraltautonomer verfassen das »Kommunistische Manifest des 21. Jahrhunderts« - und alle jubeln. Warum? Weil sie wissen, dass die Revolution nicht aufzuhalten ist. Unser teuerstes & trotzdem bestverkauftes Buch im Frühjahr 2002... |
Campus 2002, 461 Seiten, gebunden, 34,90 € Karton 19,90 €
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Sabine Harling: Lieber Leser, willst Du mich begleiten...
Nachdem das Buch „Leben in der Bonner Nordstadt 1850-1990“ leider schon länger vergriffen ist, gibt es jetzt wieder eine Alternative. Sabine Harling von der Bonner Geschichtswerkstatt vermittelt Geschichte und Gegenwart der Bonner Nordstadt in Form eines historischen Stadtrundgangs von der alten Synagoge bis zum Oscar-Romero-Haus. |
Geschichtswerkstatt 2007, 63 Seiten, Broschüre, 5.00 €
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Arthur Heinrich: Der deutsche Fußballbund
Eine politische Geschichte
Was hat Fußball mit Politik zu tun? Nichts, wenn man den Funktionären des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) glaubt. Seit der Gründung des Verbandes vor 100 Jahren versteckten sich dessen Obere stets hinter dem Bild vom »völlig unpolitischen Fußballsport«. Dessen gesellschaftliche Bedeutung konnte man zwar nicht leugnen, aber zum Politikum taugte er offiziell nie. Es ist schon merkwürdig: Was deutsche Banken, Wirtschafts- und Versicherungsunternehmen inzwischen - mit unentschuldbarer Verspätung - nolens volens veranlaßt haben, nämlich die Aufarbeitung ihrer Vergangenheit durch unabhängige Wissenschaftler, scheint der Deutsche Fußballbund überflüssig zu finden”, leitet der Politikwissenschaftler Arthur Heinrich seine Betrachtung zur politischen Geschichte des größten Fußball-Verbandes der Welt ein. Heinrich ist auch ohne offiziellen Auftrag genau diese Aufarbeitung gelungen. Akribisch analysiert er die Verbandsgeschichte jenseits ihrer unmittelbaren fußballerischen Aspekte.
Dabei räumt er mit so ziemlich allen Mythen auf, die in den hundert Jahren des Bestehens des DFB entstanden sind und gepflegt wurden. Der Verband war stets hoch politisch in seiner Ausrichtung und seinem Tun, nur begriffen seine Offiziellen ihre durchgängig stramm autoritäre, deutsch-nationale Gesinnung nie als Ausdruck politischen Denkens und Handelns. Politisch, das war ein Schimpfwort, das waren immer nur die anderen, die Demokraten, die Arbeitersportler, die Kommunisten. Bis heute ist man beim DFB daher beispielsweise der Meinung, eine Nische im Nationalsozialismus gebildet zu haben; schlimmstenfalls sei man eben instrumentalisiert worden. Man war (und ist) sich nicht der geringsten Schuld bewusst. Die Wahrheit sieht jedoch anders aus: Nach 1933 wurden deshalb keine Funktionäre ausgetauscht, weil die bis dahin aktiven bereits freiwillig ein derart hohes Maß an Übereinstimmung mit den Zielen der Nazis zum Ausdruck gebracht hatten, dass es schlicht keines neuen Personals bedurfte.
Auch nach der Niederschlagung des deutschen Faschismus änderte sich nichts an der politischen Linie des DFB. Die Funktionäre blieben die gleichen; die Ziele musste man zwar etwas zurückhaltender formulieren, aber bei dieser Einschränkung blieb es auch. Die dreiste Missachtung des alliierten Verbots einer Verbandsneugründung; die weiterhin antidemokratische Struktur; die trotzige Instrumentalisierung des WM-Erfolgs von 1954 als verspäteter Sieg über die Kriegsgegner; die Kooperation mit faschistischen Regimen und Militärdiktaturen; das Einfliegen eines hoch dekorierten Nazi-Fliegers in das Trainingslager der Nationalmannschaft; der arrogante Umgang mit jeder Art von Kritik und nicht zuletzt die unbeugsame Weigerung, die eigene Geschichte einer (selbst-)kritischen Prüfung zu unterziehen - all das ist Teil der (eben politischen) Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes
Wenige haben im Zusammenhang mit dessen 100-jährigem Jubiläum auf diese Versäumnisse und Verfehlungen hingewiesen, und die, die es taten, kamen nicht aus den eigenen Reihen und waren nicht dazu eingeladen. Arthur Heinrichs Arbeit (mit der er im übrigen an der Berliner Humboldt-Uni promovierte) ist das Beste und Umfassendste, was zu diesem Thema publiziert wurde. Sie ist eine Gegen-Geschichte, deren Zustandekommen der DFB auch noch dadurch behinderte, indem er dem Autor die wichtigen Archivalien vorenthielt. Zweifellos wird der Fußball-Verband mit Heinrichs heftiger Kritik so verfahren, wie er es immer tat: Er wird sie aussitzen. Kein Grund allerdings, das Buch nicht zu lesen und nicht dessen fundierte Ergebnisse zu verbreiten. Im Gegenteil: Das ist die einzige Chance - übrigens nicht nur für Fußballfans -, ein wenig am Thron der Frankfurter Tugendwächter zu rütteln und ihre Selbstherrlichkeit anzugreifen. |
PapyRossa 1999, Karton, 296 Seiten, 15,24 €
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Elisa Heinrichs & Lukas Hano: Flüchtlingsgeschichten - Interviews und Hintergründe
Gut gegliedert und übersichtlich gibt dieses Buch einen Einblick in das Leben von Menschen, die aus dem Land in dem sie einst wohnten, flüchteten. Den Interviews der zwölf Flüchtlinge aus Afrika, Asien und europa geht jeweils eine kurze demo- und geographische Hintergrundinformation über die Herkunftsländer voraus. Dann folgt eine aufschlußreiche Beschreibung der (politischen)Geschichte des Landes, was beim anschließenden Lesen der Interviews beim Erkennen von Hintergründen und Zusammenhängen hilfreich ist. Dort erzählen Menschen über die politische Lage und die Menschenrechtssituation in »ihrem« Land. Verfolgung, Angst, die Ankunft in einem fremden Land und nicht zuletzt auch ihrer Eindrücke und der Alltag in Deutschland sind Thema. |
PapyRossa 1999, Karton, 208 Seiten, 12,68 €
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Florence Hervé & Gerd Schumann: Baskenland - Frauengeschichten - Frauengesichter
Mit Fotos von Mundo Cal - Ein Reisebuch der besonderen Art Florence Hervé und Gerd Schumann, beide langjährige KennerInnen des Baskenlandes, suchten und fanden einen Schatz alter und junger, wahrer und erdachter Geschichten von und über Frauen, die der Region ihre geheimnisvolle, kratzbürstige, lebenslustige und widerständige Atmosphäre geben. Die Autoren haben, unterstützt vom galizischen Fotografen Mundo Cal, eine bunte Mischung aus Geschichten, Dokumenten, Reportagen und Interviews über das nördliche (Iparralde) und südliche Baskenland (Hegoalde). zusammengetragen. Im Anhang sorgt eine Landkarte für die Orientierung, ein Glossar für besseres Verstehen und die Literaturliste macht, ebenso wie das ganze Buch, neugierig.
Am Anfang steht der Blick zurück: in einem Gespräch mit Teresa de Valle, Leiterin des Seminars für Frauenstudien an der Universität von San Sebastian, wird die soziale und ökonomische Entwicklung des Baskenlandes der Frauen in einem Schnelldurchgang durchstreift. Streben nach Selbstständigkeit, so erfahren wir aus Reiseaufzeichnungen des alten Wilhelm von Humboldt (1801), gehört ebenso zu den Wesensmerkmalen (nicht nur) der baskischen Frauen, wie das ausgeprägte soziale gesellschaftliche Zusammenleben. Traditionell kam den Frauen innerhalb der Familien eine gehobene Stellung zu. Die ausgewählten Texte beleuchten die Geschichte des Baskenlandes von unerwarteten Seiten: man lernt die weiblichen Zauberwesen kennen, von denen es in den Bergen und Höhlen nur so wimmelt: die laminaks, hadas und sorginaks Zu deren Zusammenkünften versammeln sich schon mal bis zu 12.000 ihrer zauberhaften Art. Auch die dunkle Seite wird nicht vergessen: im 16. und 17. Jahrhundert wurden tausende von Menschen wegen vermeintlicher Hexerei auf den Scheiterhaufen verbrannt. 1672 stoppten aber 5000 Fischer in Saint Jean de Luc (Donibane Lohitzun) den Marsch der Frauen zum Scheiterhaufen und befreiten alle. Es waren ihre Ehefrauen. Eine Mitarbeiterin des Museums der Baskenmütze erzählt die Geschichte der typischen Kopfbedeckung, man lernt die erste baskische Fotografin Eulalia Allende kennen, die seit 1873 die industrielle Revolution im Baskenland dokumentierte und - last but not least - wird Dolores Ibarruri, la Pasionara, gewürdigt, Mitbegründerin der spanischen KP (1920), bekannt durch ihren entschiedenen Ausruf No Pasaran! mit dem die Widerstandskämpfer 1936 die Eroberung Madrids durch faschistische Truppen stoppten.
Auf der Reise durch Iparralde, den baskischen Norden, begegnen wir einer Angelfischerin, ehemaligen Kämpferinnen der Resistance, die im KZ Ravensbrück inhaftiert waren, Schriftstellerinnen, einer Lehrerin, einer Sängerin und zwei politischen Flüchtlingen, Baskinnen aus dem Süden. Nicht zu vergessen, die Weltmeisterin im urbaskischen Pelota-Sport. Was das ist? Auch das wird natürlich anschaulich erklärt. Die Reise durch den baskischen Süden, Hegoalde, beginnt in Bilbao. Nach und nach durchstreifen die Autoren die 4 südlichen Provinzen, treffen eine Schauspielerin, eine Schriftstellerin, eine Buchhändlerin, eine Frau Bürgermeisterin und viele Frauengesichter und deren Geschichten mehr. Die Dame von Gernika, die 12 war, als die nazideutsche Legion Condor ihre Stadt in Schutt und Asche legte, erzählt ihre Geschichte.
Die Autoren haben die Frauengeschichten und -gesichter respektvoll, voller Zuneigung ausgesucht. Da Liebe bekanntlich durch den Magen geht, schließt das Buch mit Rezepten ab: Marmitako, Menestra, Ttoro - wer wissen möchte, was das ist und wie es zubereitet wird, findet nähere Angaben dazu, garniert mit ein paar Geschichten zum Vorlesen bei verschiedenen Gelegenheiten. Das Buch ist eine gelungene Anregung zum Anders Reisen und im übrigen: nicht nur für Frauen geeignet. |
Dietz 2000, Karton, 128 Seiten, 14,90 €
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Merle Hilbk: Sibirski Punk
Sehnsuchtsvolle Balladen und russischer Rock 'n' Roll bilden den Soundtrack zu diesem transkontinentalen Trip, der von Hamburg über Nowosibirsk bis hinter den Baikalsee, 20000 Kilometer durch Steppen, Gebirge und Taiga, führt. Wir begegnen Grigori, dem Direktor des Atomforschungsinstitutes der Wissenschaftlerstadt Akademgorodok, Swetlana, der Gründerin des ersten sibirischen Frauenautomobilclubs, oder Pjotr, dem Manager der Punkband „Orgasmus Nostradamus“. Sie leben in Industriestädten wie Irkutsk und Ulan-Ude oder mitten in einsamster Wildnis. Mit ihnen teilt die Autorin Alltag und Träume, feiert wilde Partys am Baikal und lernt, wie man russischen Männern ein Liebeslied singt. Merle Hilbk lässt uns an den witzigen, bizarren, sentimentalen Erlebnissen dieser Reise teilhaben und vermittelt die Faszination eines rätselhaften Kontinents. |
Aufbau 2008, 255 Seiten, Kartoniert, 9.95 €
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Eric Hobsbawm - Wieviel Geschichte braucht die Zukunft
Eric Hobsbawm ist die Gallionsfigur der Universalhistoriker. Sein Schaffen wurde vergangenes Jahr in Leipzig mit dem Hauptpreis für €päische Verständigung honoriert.
Im vorliegenden Band sind Vorträge und Beiträge zu Konferenzen und Symposien der letzten dreißig Jahre versammelt, die teilweise schon in Zeitschriften oder Festschriften publiziert wurden. Sie alle verbindet die theoretischen Überlegungen zum Thema Geschichte. Im Vordergrund stehen Fragen nach dem Wert der Geschichtswissenschaften für andere Disziplinen, sowie nach der Form historischer Darstellungen und Interpretationen unter Berücksichtigung neuerer Trends und Moden. Hier bezieht Hobsbawm Stellung und verdeutlicht so an vielen Punkten sein eigenes Interpretationsmodell: den historischen Materialismus bzw. die marxistischen Geschichtswissenschaft.
Hobsbawm schreibt erfrischend und klar, seine Ausführungen sind gut nachzuvollziehen, ohne dabei theoretischen Gehalt zu verlieren. Ein wichtiges Buch in einer Zeit, in der Geschichte einerseits für viele an Interesse einzubüßen scheint und für Politiker zur Rechtfertigung ihrer repressiven Politik mißbraucht wird. |
Dtv 2001, gebunden, 364 Seiten, 12,50 €
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Kurt Holl & Claudia Glunz: Satisfaction und ruhender Verkehr – 1968 am Rhein
Ende der Sechziger, als die Aktionen der APO in Berlin und Frankfurt im Fokus des Interesses liegen, entfalten sich am Rhein ganz eigene Initiativen. In der Nähe der ideologischen und politischen Zentren der Adenauerrepublik wuchs aus dem Zorn über die verlogene Moral und die repressiven Tendenzen der Zeit eine Bewegung der lustvollen Provokation. Beuys, Böll, Vostell, The Can oder Rolf Dieter Brinkmann - Namen wie diese stehen für die Phantasie, die Furchtlosigkeit und die unbändige Sehnsucht jener noch nicht so fernen Zeit, von der dieses Buch berichtet. |
Emons 2008, 320 Seiten, 600 Abbildungen, kartoniert, 29.80 €
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Steffi Holz: Alltägliche Ungewissheit - Erfahrungen von Frauen in Abschiebehaft
Abschiebehaft ist Bestandteil deutscher Zuwanderungs- und Abgrenzungspolitik. Sie ist offiziell eine Verwaltungsmaßnahme zur Vorbereitung der Abschiebung und keine Strafhaft. Für die Inhaftierten ist sie jedoch ein Gefängnisaufenthalt, der als Bestrafung wahrgenommen wird und eine bedrohliche Erfahrung und extreme Lebensrealität darstellt. In ihrer auf der Basis von Interviews erstellten Studie lässt Steffi Holz diese Lebensrealität sichtbar werden und beschreibt die Handlungsperspektiven und Strategien der Frauen, mit der belastenden Situation umzugehen. Thematisch begleitend enthält das Buch Fotos von Leona Goldstein. |
Unrast 2007, 166 Seiten, kartoniert, 12.80 €
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ISF: Furchtbare Antisemiten, ehrbare Antizionisten: Über Israel und die linksdeutsche Ideologie
Als am 17. Januar 1991 die USA anfing, den Irak zu bombardieren und so den zweiten Golfkrieg begann, erlebte die Friedensbewegung ihren vorläufig letzten Frühling. Hunderttausende gingen auf die Straße, um zu demonstrieren. Kein Blut für Öl, hieß die griffige Parole, mit der der Protest gegen den Angriff der Weltmacht auf den Punkt gebracht werden sollte. Namhafte (Ex-) Linke wie Wolf Biermann und Hans-Magnus Enzensberger verglichen in der Zeit bzw. dem Spiegel Saddam Hussein mit Adolf Hitler und schrieben so ein weiteres, nicht unbedeutendes Kapitel deutscher Geschichtsrelativierung. Zeitgleich distanzierten sich Linke um die Zeitschrift konkret von den Protesten der Friedensbewegung. Auch wenn der Golfkrieg von den USA angeführt werde, müsse er verteidigt werden, weil Israel bedroht sei.
Diese Position blieb in eben dieser Linken minoritär. Dass es ausgerechnet Israel war, das von Bagdad mit aus Deutschland geliefertem Giftgas angegriffen wurde, schien kein besonderes Problem darzustellen; auch Christian Stöbeles antisemitische Ausfälle Henryk M. Broder gegenüber nahm man zur Kenntnis, widersprach aber nicht. Der alternative Freiburger Radiosender Radio Dreyeckland ging sogar so weit, einen notorisch antisemitischen Universitätsprofessor zu einem Plauderstündchen einzuladen, um mit ihm einer Meinung über die Rolle Israels zu sein. Anschließende Proteste saßen die Radioten (Zitat der Herausgeber) mehrheitlich aus. Der Golfkrieg ist mittlerweile fast zehn Jahre her, doch in nicht unbeträchtlichen Teilen der Linken gehört der so genannte Antizionismus immer noch zum Repertoire. Insofern hat der Band Furchtbare Antisemiten, ehrbare Antizionisten der Initiative Sozialistisches Forum leider nichts an Bedeutung und Aktualität eingebüßt. In zehn Thesen über die linksdeutsche Ideologie, Israel und den Klassenkampf am falschen Objekt begründen die Herausgeber, inwiefern es sich bei Israel um eine Projektionsfläche deutscher Ideologie handelt, warum Antizionismus schlecht verbrämter Antisemitismus ist und weshalb die populäre Ansicht, Israel sei der Brückenkopf des Imperialismus im Nahen Osten, an der Wirklichkeit und Wahrheit vorbei geht. Im Anschluss daran schildern die Autoren die Vorfälle bei Radio Dreyeckland beispielhaft für die Funktionsweise linken Antisemitismus' und analysieren an drei Fallstudien die (Nicht-) Aufklärbarkeit der Antizionisten.
Der polemische Ton des Buches ist dabei durchaus angemessen und dürfte nur diejenigen ärgern, die wahlweise etwas gegen die Störung linker Befindlichkeiten haben oder selbst zu denen gehören, die sich partout nicht aufklären lassen wollen - weil Antisemitismus eine Doktrin, eine Weltanschauung ist, die keine Begründung erfordert, weil sie sich selbst Begründung genug ist. |
ca ira Verlag 2000, Karton, 155 Seiten, 13,50 €
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Greg Jackson: Tötet den Bullen in eurem Kopf!
Aus dem US-amerikanischen Englisch von Gabriel Kuhn.
Trotz der Wahl Barack Obamas zum Präsidenten der USA hat für viele radikale afroamerikanische AktivistInnen die Notwendigkeit eines revolutionären Schwarzen Befreiungskampfs nichts an Aktualität eingebüßt. Ein wichtiger Bezugspunkt für viele der in diesem Kampf engagierten Gruppen – etwa Anarchist People of Color – ist die von 1994 bis 1997 herausgegebene Zeitschrift „Black Autonomy“. Die Herausgeber, Greg Jackson und Lorenzo Komboa Ervin, verpflichteten sich einerseits einem internationalen Klassenkampf und versuchten mit ihrem Konzept einer „Black Autonomy“ einen „Black Nationalism“ zu überwinden; andererseits kritisierten sie die weiße US-amerikanische Linke unerbittlich für ihren strukturellen Rassismus und betonten die Notwendigkeit unabhängiger Schwarzer Organisation. Greg Jacksons „Autoritäre Linke: Bringt den Bullen in eurem Kopf um!“ ist einer der in diesem Zusammenhang erschienenen Schlüsseltexte. In dem vorliegenden Band wird er durch ein rückblickendes Interview Jacksons ergänzt, das auch jüngere Entwicklungen innerhalb der revolutionären Bewegung der USA diskutiert. |
Unrast 2009, 88 Seiten, Kartoniert, 7.80 €
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Christian Jakob & Friedrich Schorb: Soziale Säuberung
Wie New Orleans nach der Flut seine Unterschicht vertrieb. Die Vernichtung von Sozialbauvierteln ist ein zentrales Projekt der repressiven Wende der amerikanischen Sozialpolitik. In New Orleans vollzieht sie sich - wegen des Hurrikans „Katrina“ - im Zeitraffer. Die Autoren lassen nach dem Sturm aus der Stadt vertriebene afroamerikanische SozialmieterInnen, Verantwortliche aus Bundesbehörden, Manager von Immobilienfirmen, AktivistInnen und Bürgerrechtler sprechen. Sie erzählen, wie am Mississippi im Namen des ‘Wiederaufbaus’ ein brutales Verwertungs- und Vertreibungsprogramm durchgesetzt wird. |
Unrast 2008, 228 Seiten, Kartoniert, 13.80€
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Ryszard Kapuscinski: Die Erde ist ein gewalttätiges Paradies - Reportagen, Essays, Interviews aus vierzig Jahren
Aus dem Polnischen von Martin Pollack, Renate Schmidgall & Edith Heller
Leider konnte der Auftritt des polnische Journalisten Ryszard Kapuscinski auf der lit-cologne nicht mehr stattfinden, da er am 23. Januar im Alter von 75 Jahren verstorben ist. Es bleibt die Erinnerung an einen der besten politischen Reise-Journalisten des 20. Jahrhunderts und eine Vielzahl spannend und informativ geschriebener Reportagen, Essays und Interviews aus vierzigjähriger beruflicher Tätigkeit in Afrika, Asien, Lateinamerika und Europa. Das im März in vierter Auflage erschienene Buch gibt einen guten Einblick in sein Gesamtwerk. |
Piper, 2007, 316 Seiten, Karton, 10,00 €
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Jens Kastner: Transnationale Guerilla - Aktivismus, Kunst und die kommende Gemeinschaft
Die Gefahren beim Verfassen eines Essays wie diesem sind klar, die Mängel liegen auf der Hand: Für Kunsttheorie zu viel Politik, für sozialen Aktivismus zu viel Theorie, für politische Theorie zu viel Kunst. Dennoch scheint es lohnenswert darauf hinzuweisen, dass die von Agamben bzw. Lenin aufgeworfenen Fragen »Was ist bloßes Leben?« und »Was tun?« nicht nur zwei der drei Leitmotive einer der wichtigsten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, der documenta 12 sind, sondern auch im Bereich des politischen Aktivismus diskutiert werden. Die Transnationale Guerilla ist insofern ein Versuch, die von Bourdieu beschriebenen Feldgrenzen zwischen Kunst und Aktivismus zu überwinden: Die jeweiligen Eigenlogiken von Theorie- und Kunstproduktion sowie politischer Aktion weisen immer wieder überlappungen und Verstrickungen auf. An diesen gilt es anzusetzen, und zwar nicht über identitäre Schließungen oder vorausgesetzte, kontextlose Gemeinschaften. Sondern als Transnationale Guerilla. |
Unrast 2007, 84 Seiten, kartoniert, 8,00 €
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Kleinhans: Ein Volk, ein Reich, ein Kino - Lichtspiel in der braunen Provinz
Ein besonders wirksames Instrument der Massenbeeinflussung im Dritten Reich war der Film. Als modernstes Massenmedium der Zeit sprach das Kino vor allem die Emotionen der Menschen an. Weit mehr als Presse oder Rundfunk wurde er so zum idealen Mittel, Feindbilder zu erzeugen, Bewunderung und Verehrung für das Regime und seinen Führer Hitler zu erwecken. Auf Betreiben des Propagandaministers Joseph Goebbels begann bereits unmittelbar nach der Machtübernahme der Zugriff auf die Filmwirtschaft. Das betraf zunächst die Filmproduktion: Eine strenge Zensur sorgte dafür, dass nur noch vom Regime akzeptierte Filme zur Vorführung kamen. Alle Filmschaffenden mussten überdies Mitglied in der neu geschaffenen Reichsfilmkammer werden. Wer politisch nicht genehm war, ob als Schauspieler, Drehbuchautor oder Kameramann, wurde ausgeschlossen und erhielt Berufsverbot.
In seinem Buch zeigt der Historiker Bernd Kleinhans, dass der Machtanspruch sich nicht auf eine regimekonforme Filmproduktion beschränkte: Das gesamte System der mehr als 5000 Lichtspieltheater im Reich sollte zu einem einheitlichen und zentral gelenkten Propagandaapparat gleichgeschaltet werden. Man wusste im Propagandaministerium nur zu gut, dass die Wirksamkeit eines politischen Films nicht nur von Drehbuch und Inszenierung, sondern ebenso von der Präsentation vor Ort abhing. Nur wenn die Kinobetreiber einen Film zu einem lokalen Ereignis machten, konnte er die gewünschten Effekte entfalten. Die Kinos waren nach NS-Verständnis eben nicht bloße Abspielstätten, sondern Zentren der nationalsozialistischen Volkskultur. Das galt gerade für die Provinz. Fernab von den Metropolen sollten die Kinos etwas vom »schönen Schein« des Dritten Reiches vermitteln, nicht zuletzt mit Filmberichten über Parteitage, Kundgebungen und natürlich mit Filmbildern des Führers. »Der Kinosaal,« so Kleinhans, »wurde zum Ort der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft, wo der Führer durch seine übergroße Leinwandchimäre das Volk beherrschte.« Dabei widerlegt Kleinhans das verbreitete Klischee vom Kino der 30er und 40er Jahre als einer rein großstädtischen Angelegenheit: Vielfach übertrafen kleine Provinzstädte in punkto Kinodichte und Besuchshäufigkeit sogar die Metropolen wie Berlin in Hamburg. So hatte Berlin beispielsweise zwar eine hohe Kinoversorgung von 46 Kinoplätzen pro 1000 Einwohner, wurde darin aber sogar von kleinen Städten wie Husum oder Kempten überboten. Selbst das flache Land ohne eigene Kinos wurde mit Filmen versorgt. Hier übernahmen mobile Filmtrupps der Parteifilmstellen diese Aufgabe. Mehr als 800 Tonfilmwagen - komplett ausgestattete rollende Kinos - sorgten dafür, dass auch in den abgelegenen Regionen Thüringens oder des bayerischen Waldes wenigstens monatlich ein Film zu sehen war. Entsprechend umfassend war der Zugriff auf die Kinobetreiber. Wie die Filmschaffenden mussten auch die Kinobetreiber in der Reichsfilmkammer Mitglied werden und ihnen drohte bei nicht parteikonformem Verhalten ebenso rasch Berufsverbot wie den Filmproduzenten. Bei den Kinobetreibern ging man sogar noch einen Schritt weiter: Die NSDAP bestellte in den Gauen eigene Filmstellenleiter, die als regionale Beauftragte der Reichsfilmkammer praktisch den Kinos vor Ort vorgesetzt waren.
Eine Flut von immer neuen Regelungen schränkte die Kinos zunehmend ein. So gab es detaillierte Vorschriften, wie hoch die Preise sein durften, an welchen Orten neue Kinos zugelassen werden konnten, wie Filme beworben und teilweise sogar, welche Filme abgenommen werden mussten. Zu Sonderveranstaltungen wie Schulfilmstunden und Filmvolkstagen waren die Kinobetreiber sogar gezwungen, ihre Theater kostenlos zur Verfügung zu stellen. Wehren konnten sich die Kinobetreiber kaum: Anordnungen der Filmkammer hatten Verordnungs- teilweise sogar Gesetzescharakter. Überwacht wurde die Einhaltung der Anweisung daher nicht nur von der Kammer und der Partei, sondern auch von der örtlichen Polizei. Viele Filmvorführungen, insbesondere der sogenannten »staatspolitisch wertvollen« Filmen, wurden zu diesem Zweck als regelrechte Kultfeiern durchgeführt: Tage zuvor wurde in Zeitungsberichten die Bevölkerung auf das bevorstehende Ereignis eingestimmt. Am Tage des eigentlichen Kinoereignisse wurden die Theater meist schon an der Außenfront mit riesigen Hakenkreuzfahnen geschmückt, die Innenräume waren ebenfalls mit NS-Flaggen und Grünschmuck ausgestattet. Vor der eigentlichen Filmvorführung spielte das Orchester irgendeiner lokalen NS-Formation und dann sprach ein hoher Funktionär - meist der Kreis- oder Ortsgruppenleiter zur Einführung. Und nach der Filmvorführung wurde das Publikum erst nach Absingen gemeinsamer Lieder entlassen. Auch für solche Kultfeiern gab es eigene Richtlinien und Vorschriften der Reichsfilmkammer.
Ein besonders düsteres Kapitel der NS-Kinopolitik im Dritten Reich behandelt Kleinhans auch: Die Verfolgung und Vertreibung jüdischer Kinobetreiber: Obgleich vermutlich nicht einmal 2% aller Kinos in Deutschland von Juden betrieben wurden, waren sie nach 1933 den Repressionen der neuen Machthabern besonders ausgesetzt. Gerade in der Provinz waren die kleineren Kinobetreiber oft besonders dem Terror der lokalen Machthaber ausgesetzt, waren sie vor Ort doch die einzig greifbaren Vertreter der angeblich von Juden beherrschten Filmwirtschaft. Auch die Kinos waren bereits 1933 in die Boykottmaßnahmen gegen jüdische Geschäfte einbezogen. Nach und nach wurden Juden zur Aufgabe ihrer Lichtspieltheater gezwungen. Am Ende gab es sogar ein Verbot für Juden, Kinos zu besuchen. Die umfassende Studie wird vervollständigt durch die Analyse einiger Filmbeispiele. Am Beispiel Leni Riefenstahls Parteitagsfilm »Triumph des Willens« zeigt der Autor, wie das Kino auch die Funktion hatte, die Provinz an an die Machtzentrale anzubinden: Durch ständige optische Präsentation des »Führers« im ganzen Reich, konnte die Gefolgschaft des Hitlerstaates auch in den Regionen gesichert werden, in denen er persönlich nie auftrat.
Weitere Analysen beschäftigen sich mit der Wochenschau, antisemitischer Filmpropaganda. Am Beispiel der Heinz-Rühmann-Komödien zeigt Kleinhans, wie die Strategie einer verdeckten Propaganda in scheinbar unpolitischen Filmen funktionierte. Typische Probleme des NS-Staates - Machtlosigkeit des Einzelnen oder der Wunsch aus Zwang und Befehl auszubrechen - werden hier aufgegriffen und in ein unpolitisches Milieu der ökonomie oder des Privaten übetragen. Nahezu alle Rühmann-Komödien, so Kleinhans, zeigen eine ähnlich Struktur: Ein aufbegehrendes Individuum gliedert sich am Ende wieder freiwillig in eine größere Gemeinschaft an, die in diesen Filmen immer für die Volksgemeinschaft steht. Kleinhans beleuchtet mit »Ein Volk, ein Reich,ein Kino« nicht nur bisher wenig berücksichtigte Aspekt der Kinogeschichte im Dritten Reich. Es ist zugleich ein hervorragender Überblick über die Film- und Kinopolitik der braunen Machthaber. Ausgewiesenen Filmhistorikern wird dieser Band ebenso nützlich sein wie allen Interessierten, die sich einen Überblick über das wichtigste Propagandainstrument des NS-Staates verschaffen wollen. Trotz ausführlicher und genauer Quellenbelege ist das Buch spannend zu lesen: Sehr empfehlenswert. |
PapyRossa Verlag Köln 2003, kart., 229 Seiten, 14,95 €
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Hermann Knüfken: Von Kiel bis Leningrad - Erinnerungen eines revolutionären Matrosen 1917 bis 1930
Hermann Knüfken ist der Prototyp aller politischen Abenteuerer des 20. Jahrhunderts. Vom Kieler Matrosenaufstand 1918 führt sein Weg in verschiedene Länder Europas. Er wird Emissär der Kommunistischen Internationale und später Chef des Interklubs der Seeleute im Leningrader Hafen. Knüfken beschreibt sein Leben als deutscher Matrose, der an vielen Brennpunkten der Arbeiterbewegung zu finden war. Die stalinistische Umformung der Russischen Revolution durchlebte er bereits 1929 in der Lubjanka. Seine Erinnerungen an die Jahre 1917-1930 erscheinen hier erstmals. Im Anhang dokumentieren Briefe, amtliche und persönliche Berichte sowie ein Nachwort die weiteren Stationen seines Lebens. |
Basisdruck 2008, 474 Seiten, gebunden, 28,00 €
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Gertrud Koch: Edelweiß - Meine Jugend als Widerstandskämpferin
Im Jahr 2000 fand im Kölner NS-Dokumentationszentrum im EL-DE-Haus, der ehemaligen Gestapo-Zentrale, eine Ausstellung über Kölner WiderstandskämpferInnen statt. Eine Besucherin meinte eher beiläufig, dass sie auch im Keller der Gestapo inhaftiert gewesen war. Einem Mitarbeiter, der sie daraufhin ansprach, erzählte sie ihre Geschichte. Lange hatte sie geschwiegen, auch weil der antifaschistische Widerstand proletarischer Jugendlicher, die im Nationalsozialismus unter dem Namen »Edelweißpiraten« bekannt waren, in Nachkriegsdeutschland Jahrzehnte lang nicht nur nicht gewürdigt, sondern eher als »kriminell« angesehen wurde. Aus diesem ersten Gespräch enstand ein Buch über Jugendwiderstand im NS, Gefangenschaft und Flucht. Eine spannende Autobiografie und nach mehreren »Piraten«-Büchern, erstmals die Geschichte einer Frau aus dem Edelweiß-Widerstand. |
Rowohlt 2006, TB, 253 Seiten, 8,90 €
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Kontrollverluste - Interventionen gegen überwachung
„Kontrollverluste“ versammelt Beiträge zu Fragen einer linken emanzipatorischen Kritik an der aktuellen überwachungsgesellschaft. Es führt unterschiedliche Inhalte, Strategien, Positionen und Stimmen der überwachungskritik zusammen. Das Buch weist über den engen Bezugsrahmen des Grundgesetzes und der „bürgerlichen Freiheiten“ hinaus, indem es die aktuellen überwachungsentwicklungen in ihrem sozialen Kontext verortet. Es stellt die Grundpositionen einer linken Kritik an der überwachungsgesellschaft dar und fragt nach ihrer praktischen Umsetzung. AktivistInnen, Initiativen und kritische WissenschaftlerInnen stellen unterschiedliche theoretische, strategische und aktionsorientierte überlegungen an. Diese reichen von der Beschäftigung mit vernachlässigten Themen linker überwachungskritik (Migration, Gender, Hartz IV) über grundlegende Reflexionen politischer Handlungsbedingungen in der überwachungsgesellschaft (Feindstrafrecht, Neoliberalismus und Kontrolle, „Krieg gegen Terror“) und die Auseinandersetzung mit liberalen Positionen der überwachungskritik (Kampagne gegen die Vorratsdatenspeicherung) bis hin zur Reflexion konkreter politischer Handlungserfahrungen einzelner Initiativen. |
Unrast 2009, 229 S. m. Fotos, Kartoniert, 18,00€
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Leitfaden Alg II / Sozialhilfe von A -Z
Hiermit liegt ein ausführlicher, verständlicher und zugleich kritischer Leitfaden zum Arbeitslosengeld II vor. Er stellt unter 88 alphabetischen Stichworten dar, wie das gegenwärtige Leistungssystem von Alg II sowie Sozialhilfe und Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung aufgebaut und wie es zu bewerten ist. In 33 weiteren Stichworten wird behandelt, wie Betroffene ihre Rechte durchsetzen und sich gegenüber den Behörden behaupten können. Für alle, die sich orientieren wollen, ist dieser Leitfaden unverzichtbar. |
AG TuWas 2006, 364 Seiten, Kt., 7,50 €
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Silke Lohschelder: AnarchaFeminismus - Auf den Spuren einer Utopie
Unter Mitarbeit von Ines Gutschmidt und Liane M. Dubowy Das Buch beschäftigt sich mit Anarchismus, Feminismus und ihrer Verbindung, dem AnarchaFeminismus. Die Autorinnen stellen die jeweiligen theoretischen Grundlagen in Kurzform dar. Zusätzlich werden die historischen Wurzeln und die damit verbundene Praxis vorgestellt - inklusive der Biographie von einzelnen AnarchistInnen (überwiegend Frauen).Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf der Darstellung der Praxis. Die theoretischen Teile sind eher Einführungen in die jeweiligen Themenbereiche. Dabei wird dem Anarchismus deutlich mehr Platz als dem Feminismus gewidmet. Vorgestellt werden der soziale Anarchismus Proudhons, Bakunins kollektiver Anarchismus und Kropotkins kommunistischer Anarchismus. Die Theoretiker werden zusätzlich auf ihre Standpunkte zum Geschlechterverhältnis abgeklopft. Die (anarcha-)feministische Theorie wird schlagwortartig in ihren Grundrichtungen und ihrer Entwicklung abgehandelt. Der historische Teil bietet einen Überblick über verschiedene Orte und Zeiten, zu denen anarchistisch orientierte Frauen(gruppen) aktiv waren: Rußland im 19. Jahrhundert, die Pariser Kommune, Spanien im Bürgerkrieg, Italien in den 70ern und 80ern des 20. Jahrhunderts, Louise Michel, Emma Goldman ... Die Darstellung bezieht immer den historischen und politischen Kontext mit ein. Dadurch gehen die Beschreibungen weit über das hinaus, was Bücher mit Titeln wie »starke Frauen« oder »Rebellinnen« leisten. Schon allein wegen diesem Teil ist AnarchaFeminismus lesenswert. Trotz der Schwächen in den theoretischen Teilen, die bei dem geringen Umfang wohl unvermeidlich sind, ist AnarchaFeminsmus allen ans Herz zu legen, die endlich mal etwas (Genaueres) über Anarchismus, Feminismus und AnarchaFeminismus wissen wollen. |
Unrast 2000, Karton, 196 Seiten 13,00 €
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Mary Low & Juan Ramón Bréa: Rotes NotizbuchErstmalig erscheint das Rote Notizbuch auf deutsch. Die junge Britin australischer Herkunft, Mary Low, und ihr kubanischer Lebensgefährte Juan Bréa schreiben das Notizbuch kurz nach ihrer Flucht aus der spanischen Republik, die sich noch verzweifelt im Bürgerkrieg gegen die faschistischen Franco Truppen befindet. Fliehen mussten die beiden, weil sie der POUM angehören. Einer trotzkistischen Gruppe, die sich zusammen mit den Anarchisten in der Republik gegen die Kommunisten wehren müssen. Die stalinistische KP hat wie in der UDSSR ein Terrorregime aufgezogen, in dem viele POUMler und Anarchisten ihr Leben verlieren. Von den Anfängen der Revolution bis zu dem Anfang des Ende erzählt dieses Buch. Die beiden Journalisten kommen 1936 kurz nach Beginn des Kampfes in Spanien an. In bewegten Schilderungen zeigen sie die ansteckende Lebensfreude und das bunte Alltagsleben der Revolution. Es ist der Beginn eines Traumes, das ein anderes Leben möglich ist. Low und Bréa gehen diesen Traum ein Stück mit und geben ein lebendiges Bild von diesen Tagen, ohne die Kritik zu vergessen. Wo George Orwell mit »Mein Katalonien« aufhört, fängt das Buch an. Orwell kam ungefähr nach Spanien, als das Paar das Land gerade verlassen hat. In Orwell´s Buch fehlt der Anfang der Revolution, der hier geschildert wird, und auch die schleichenden Veränderungen, die letztendlich zur Tragödie führen. Das Notizbuch diente als Vorlage für Ken Loachs Film »Land und Freiheit«. Einen Film könnte man auch von dem bewegten Leben von Low und dem schon 1941 gestorbenen Bréa machen. Ein schönes Buch, das einem ein wenig Glauben an Veränderungen wieder gibt. |
Nautilus Verlag 2002, 256 S., Gb., 19,90 €
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Malte Ludin: 2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß
Die Familie eines Nazitäters, 60 Jahre nach Kriegsende. Längst ist die Wahrheit über die Vergangenheit des Vaters aktenkundig, aber unter seinen Verwandten wird sie beschönigt, geleugnet und verdrängt - mit all der Leidenschaft, zu der nur Familienbande fähig sind. Hanns Ludin, Wehrmachtsoffizier, steigt nach 1933 schnell zum SA-Obergruppenführer auf. Ihm werden der Blutorden und andere hohe Weihen des Nazistaates zuteil. Diese Tatsachen nimmt sein jüngster Sohn, der Filmemacher Malte Ludin, zum Ausgangspunkt einer schmerzlichen filmischen Auseinandersetzung mit den Legenden, die in der Familie über den Vater kursieren. |
Absolut Medien 2007, DVD, 17,90 €
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Gruppe Magma: ...denn Angriff ist die beste Verteidigung!
Die KPD zwischen Revolution und Faschismus
Als am 30. Januar 1933 der deutsche Reichspräsident, Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg, Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte und ihm so die Macht übertrug, hatten die Nazis gesiegt und der deutschen Arbeiterbewegung die verheerendste Niederlage ihrer Geschichte beigebracht. Was folgte, ist bekannt. Die beiden großen Arbeiterparteien, KPD und SPD, hatten den Triumphzug des deutschen Faschismus nicht verhindert. Beide wurden verboten, ihre Mitglieder verfolgt, vertrieben, vernichtet. Nachdem sich die revolutionären und die reformistischen Teile der organisierten Arbeiterschaft jahrelang zum Teil schärfer gegenseitig bekämpft hatten als gegen die Nazis vorzugehen, merkte man plötzlich gemeinsam in den Konzentrationslagern, wie schwer dieser Fehler gewesen war.
Die KPD agierte in der Weimarer Republik dabei wie nach dem Motto ...denn Angriff ist die beste Verteidigung!, ständig in der Erwartung, die nächste Krise des Kapitalismus würde seine letzte sein. Die sozialistische Revolution schien nur eine Frage der Zeit - denn daß die Massen unweigerlich nach Links tendieren würden, stand außer Frage.
Die SPD mutierte zunehmend zur Hauptgegnerin der KPD, verzögerte sie mit ihrer Politik den Tod des Kapitalismus doch nur. Sie hatte bereits die Novemberrevolution blutig niedergeschlagen und die junge Republik im Bündnis mit den alten kaiserlichen Eliten aufgebaut. Die These vom Sozialfaschismus brach sich Bahn. Umgekehrt setzte die SPD-Führung unversehens Kommunismus und Faschismus gleich.
Die Autoren analysieren, warum ein Bündnis zwischen KPD und SPD nicht zustande kommen konnte. Sie untersuchen Theorie und Praxis der KPD in der Weimarer Republik und stellen dabei deren Faschismusverständnis in den MittelpunKarton Ihr Standpunkt ist dabei einer, der revolutionären Antifaschismus für notwendig und unabdingbar hält und trotzdem (oder gerade deshalb) ausführlich auf fatale Fehler der KPD eingeht. So finden sich neben einer chronologischen Darstellung der KPD-Geschichte Betrachtungen dazu, wie diese Partei mit Nationalismus, Antisemitismus und der Frauenbewegung umgegangen ist und inwieweit sie Kriterien emanzpatorischer Politik erfüllt.
Das Buch stellt sich deutlich gegen Versuche, kommunistische Politik per Totalitarismusthese dem Faschismus gleichzustellen. Gleichzeitig hebt es sich von Publikationen orthodoxer Prägung ab. Insofern - und weil es durchweg leicht verständlich ist - eignet es sich vor allem für LeserInnen, die sich bislang nicht oder kaum mit der Thematik auseinandergesetzt haben und die zwischen Links und Rechts noch unterscheiden können und wollen. |
Pahl-Rugenstein 2001, gebunden, 295 Seiten, 18,50 €
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Peter Michels - Black Perspectives I & II - Berichte zur schwarzen Bewegung
Peter Michels begann Ende der 60er Jahre seine journalistische Tätigkeit mit Radiosendungen. Seit 1970 unternahm er zahlreiche Reisen in die USA und die Karibik und verarbeitete seine Kontakte mit praktisch allen wesentlichen Organisationen der schwarzen und karibischen Bewegungen zu Hörfunkbeiträgen und mehreren Büchern. Das vorliegende zweibändige Werk versammelt diese Beiträge in zum Teil überarbeiteter und thematisch gegliederter Form.
Band I ist den Bewegungen in den USA gewidmet und beschäftigt sich zuerst mit dem geschichtlichen Hintergrund aus der Sicht der Schwarzen, vom Ursprung eines afroamerikanischen Bewußtseins aus dem Widerstand gegen die Versklavung bis hin zur Situation nach der Bürgerrechtsbewegung. Der geschichtliche Teil endet mit einer Beschreibung des Lebens der puertoricanischen Bevölkerung im New Yorker Ghetto Spanish Harlem. Im zweiten Teil des ersten Bandes folgt eine Darstellung der Bewegungen, Ideologien und Aktionen der Black Panther Party, der GI-Bewegung gegen den Vietnamkrieg, den puertoricanischen und Chicano-Organisationen und vieler anderer. Band II befaßt sich mit der Situation in der Karibik. Neben aktuellen Portraits der verschiedenen Staaten von Cuba bis Trinidad enthält er eine Darstellungen verschiedener politischer Bewegungen, insbesondere auch der musikalisch geprägten wie den Rastafaris auf Jamaica. Insgesamt gelingt Michels durch ungefilterte Einbeziehung umfangreichen Originaltonmaterials tatsächlich eine Darstellung aus schwarzer Perspektive. Gleichzeitig ist es die Perspektive von unten, keine Erfolgsrezepte und Siege werden abgefeiert, sondern Momentaufnahmen aus kontinuierlichen Kämpfen geboten, eine Seltenheit und um so wertvoller, da die Geschichte normalerweise von den Siegern geschrieben wird. |
Atlantik 1999, Karton, 2 Bände 728 Seiten, 10,00 €
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Gitta Mühlen Achs: Wer führt? Körpersprache und die Ordnung der Geschlechter
Welche Frau hat sich nicht schon einmal gefragt, warum sie sich so angegriffen fühlt, wenn bestimmte Männer auch nur den Raum betreten? Oder, ob es wirklich so wichtig ist, eine superschlanke Figur zu haben? Auf diese und viele andere Fragen aus den Bereichen Körpersprache, Geschlechterdifferenz, Körperideale und symbolische/ persönliche Räume antwortete Gitta Mühlen Achs ausführlich und vor allem anhand von vielen Beispielen und Abbildungen sehr anschaulich. Sie zeigt damit, daß die alte Ordnung der Geschlechter mitnichten verschwunden ist, sondern besonders durch Medien und Werbung aufrecht erhalten wird. Ziel ihres Buches ist es daher vor allem, aus diesen körperlichen Strukturen der Geschlechterordnung auszubrechen und frau zur größeren individuellen und gesellschaftlichen Freiheit zu verhelfen. |
Frauenoffensive Verlag, Karton, 235 Seiten, 19,90 €
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Notes from Nowhere: Wir sind überall - weltweit.unwiderstehlich.antikapitalistisch
Aus dem Englischen übersetzt von Sonja Hartwig, Dietlind Falk und Eva-Maria Bach
Ein inspirierendes Handbuch des neuen weltweiten Protests, der ohne Führer und ohne Kleines Rotes Buch auskommt und dezentral für Deglobalisierung , Pluralismus und direkte Demokratie eintritt. Ein Pflasterstein gegen den Zynismus und ein beeindruckendes Dokument der Zivilcourage. Für alle, die nicht an »Alternativlosigkeit« glauben und diesen Zweifel praktisch bestätigt sehen wollen. Subjektive Berichte, praktische Tipps und zusammenführende Analysen machen dieses Buch zu einer alternativen Weltreise. Auf über 500 Seiten Text, illustriert mit 150 Fotos, berichten AktivistInnen aus aller Welt über die neue, kreative »Bewegung der Bewegungen«: Straßenkarnevalisten aus England, G-8-Protestiererinnen aus Seattle und Genua, gegen genmanipuliertes Saatgut kämpfende Bauern aus Indien, die »Wasserkrieger« aus Bolivien, Landbesetzerinnen aus Brasilien, afrikanische Sans-Papiers aus Frankreich, Gartenguerilleras aus New York ... |
Edition Nautilus 2007, 550 Seiten, Karton, 19,90 €
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Gisela Notz: Warum flog die Tomate? - Die autonomen Frauenbewegungen der 70er Jahre
In diesem Buch geht es um die Gründe für die Herausbildung eigenständiger Frauenbewegungen in der BRD, die ihre agitatorischen Schwerpunkte und ihre größte Breitenwirkung in den 1970er Jahren erreichten. Es geht auch um Organisationsformen, Programme und Institutionen, um politische Wirksamkeit sowie um Auswirkungen über die Gründerinnengeneration hinaus. |
AG Spak Bücher 2006, 70 Seiten, Karton, 7,00 €
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Saul K. Padover: Lügendetektor
Übersetzt von M. Fienbork
Der Lügendetektor wurde bereits 1946 in den USA veröffentlicht und ist nun endlich in der Anderen Bibliothek bei Eichborn erschienen. Saul K. Padover wurde 1905 in Wien geboren und wanderte 1920 mit seiner jüdischen Familie in die USA aus. Seit 1943 arbeitete er für das dortige Innenministerium in derAbteilung Psychologische Kriegsführung. Sein Auftrag in Deutschland beginnt im Herbst 1944, also noch zu Kriegszeiten, und lautet: Die politische Stimmung und die Denkweise des Feindes zu erforschen .Noch vor Kriegsende war er einer der ersten, der sich ein Bild machen konnte von der politischen und moralischen Bewußtseinslage der Deutschen. Er war dabei, als die erste deutsche Großstadt Aachen von den Alliierten eingenommen wurde. Es war eine gefährliche Arbeit, da die Kampfzone nicht immer eindeutig abgegrenzt war und er sich manchmal zwischen den schemenhaften oder auch vor den eigentlichen Fronten bewegte. Er sprach mit Menschen aus allen Bevölkerungsschichten um zu einem repräsentativen Ergebnis zu gelangen.. Es gab zufällige und beabsichtigte Gespräche mit Nazis, Mitläufern und Gegnern- die er kaum fand- des Dritten Reiches. In all seinen Gesprächen und Interviews behielt er die nötige Distanz. Sein Resumée ist erschreckend und nur ganz wenige Begegnungen haben bei ihm hoffnungsvolle Erinnerungen hinterlassen. Er zeichnet ein Bild von sich selbst bedauernden Deutschen, obwohl es keinem in europa materiell so gut ging wie Ihnen. Auch in den befreiten Städten entpuppten sich die Deutschen weiterhin als autoritätsgläubig, äußerten sich abfällig über die Weimarer Republik, das Mehrparteiensystem und lehnten sogar Gewerkschaften ab.Der Versailler Vertrag war für viele die Ursache allen Übels. Fast alle , die dem Naziregime ablehnend gegenüberstehen, klagen darüber, wie schwer sie es hatten. Sie fließen über vor Selbstmitleid. Diese Larmoyanz ist eine mehr oder weniger unbewußte Methode zur Rechtfertigung des eigenen Mitläufertums. Bei dieser quasi ethnologischen Reise durch Deutschland empfindet er die Deutschen als geduckte Menschen, die zu selbständigem Handeln ebenso unfähig sind wie zu couragiertem Widerstand. |
Econ 2001, Karton, 334 Seiten, 8,95 € |
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Teo Panther (Hg.): Alle Macht den Räten I - Novemberrevolution 1918
Es war die Revolte der spontan gebildeten Arbeiter-, Soldaten-, und Bauernräte, die im November 1918 das Ende des 1. Weltkriegs besiegelte und den deutschen Kaiser zum Teufel jagte. Die Novemberrevolution war geboren, doch konnte die Macht der Räte nicht in eine (sozialistische) Räterepublik gewandelt werden. Die Arbeiter- und Soldatenräte selbst gaben ihre Macht wieder aus der Hand. Klassiker der Sozialrevolte Bd. 12, editiert mit Vorwort, Kurzbiografien, Zeittafel und historischen Abbildungen. |
Unrast 2007, 248 Seiten, kartoniert, 14,80 €
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Guillaume Paoli: Mehr Zuckerbrot, weniger Peitsche
Aufrufe, Manifeste und Faulheitspapiere der Glücklichen Arbeitslosen
Nur selten haben sich Feuilletonisten dermaßen auf eine Gruppierung gestürzt wie momentan auf die in Berlin entstandene Gruppe »Die glücklichen Arbeitslosen«. Was sich zunächst wie eine Verhöhnung der weit über vier Millionen Arbeitslosen anhört, ist eine Auseinandersetzung mit der Ware Arbeit. Die ketzerischen Ansichten brachten ihnen mediale Öffentlichkeit, aber auch Angriffe von allen Seiten ein. Bestenfalls wurden die »glücklichen Arbeitslosen« als nette Spinner belächelt. Dabei wäre eine Auseinandersetzung mit Argumenten über den Begriff »Arbeit« durchaus wünschenswert und wichtig. Dazu gibt das vorliegende Büchlein Gelegenheit. Dort sind die wichtigsten Beiträge der glücklichen Arbeitslosen versammelt.
Mit dem Titel »Die Glücklichen Arbeitslosen« knüpfen sie einerseits an das Manifest von Peter Paul Zahl in seinem herzerfrischenden und lesenswerten Roman »Die Glücklichen« an, anderseits auch an Lafarguess Manifest des »Rechts auf Faulheit«. Sie sprechen von einem Leben jenseits der Arbeit. Arbeit macht nicht glücklich. So ist auch nicht die Arbeitslosigkeit das Problem, sondern die Geldlosigkeit, die den Menschen zu schaffen macht. Dem vorliegenden Buch zufolge bietet sich in der aktuellen Situation eine historische Chance, denn die schön formulierte These von der »Arbeit für alle« wird man wohl endgültig ad acta legen können.
Demnach entscheidet sich gerade, wie die Gesellschaft mit Arbeitslosigkeit umgehen wird. Der Weg, die Arbeitslosen über die Hartz-Kommission »in staatlich geförderter Job-Simulation« zu parken (neueste Variante: die »Ich-AG«), ist die »Zuckerbrot-Variante«. Der andere Weg degradiert die Arbeitslosen zu überflüssigen Elementen, die an ihrem Schicksal angeblich selber schuld sind. Dies nennt Paoli die »Peitschen-Variante«. Der dritte Weg kann nur in der Freiheit des Einzelnen liegen, selbstbestimmt über sein Leben - ob nun Karriere oder Faulenzen - zu verfügen. Der Zugang zu diesen Möglichkeiten sollte von der Schule bis zur Rente gelten. Die Finanzierung hierfür dürfte dabei das geringste Problem sein.
Mit ihrem ostentativen, trotzigen Glücklichsein sind die Berliner Arbeitslosen ein Affront gegen die immer stärker werdende Ideologie der Leistungsgesellschaft, nach der nur der glücklich sein darf, der auch etwas leistet. Damit begehen sie regelrecht einen Tabubruch in Punkto Arbeit und Arbeitsmoral. Ihr Verdienst ist es, der ganzen Diskussion etwas Gefühl und Witz beigegeben zu haben. So sind in diesem Band, neben den theoretischen Grundlagen der Glücklichen Arbeitslosen, auch viele Berichte von ihren Aktionen in Arbeitsämtern, bei Verleihfirmen etc. enthalten. Mittlerweile gibt es sogar internationale Ableger, beispielsweise in Spanien.
Also: Ein Buch, das jedeR lesen sollte. Es ist zwar nicht unbedingt die Anleitung zum Glücklichsein, aber es zeigt auf, dass es Wichtigeres und vor allem Schöneres gibt als Arbeit. Damit sind aber noch nicht alle Probleme gelöst. |
Edition Tiamat 2002, 208 S., Kt., 14,00 € |
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Claudia Pinl: Das Biedermeier-Komplott Wie Neokonservative Deutschland retten wollen
Neokonservative Publizisten sehen Deutschland am Abgrund. Werte und Institutionen wie die Familie, die Nation und die Religion seien systematisch heruntergewirtschaftet worden. Das Ergebnis: Bevölkerungsschwund und allgemeine gesellschaftliche Erosion.
Claudia Pinl macht in ihrem Buch deutlich, dass der Neokonservatismus, der in der Politik und in den Medien immer öfter zum Ausdruck kommt, die wahren Probleme der Gesellschaft verschleiert. Sein Bemühen, rechte Denkfiguren in der politischen Mitte heimisch zu machen, ist ein gefährlicher Angriff auf die demokratischen Grundlagen der Gesellschaft. |
Konkret 2007, 180 Seiten, Karton, 15,00 €
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Silvy Pommerenke: Küsse in Pink
Anne Wills spätes Coming-out auf dem (vorläufigen) Höhepunkt ihrer Karriere lässt vermuten: Offen lesbisch zu sein ist noch immer nicht selbstverständlich. Nicht für eine gestandene Frau. Und erst recht nicht für Mädchen und junge Frauen in der Selbstfindungsphase. Trotz einiger „Promi-Lesben“ und den Lesben in den Vorabend-Soaps ist das Coming-out für jede Einzelne ein vielschichtiger und oftmals von großer Verunsicherung geprägter Prozess, für den es Rückenstärkung braucht.
Die Berliner Autorin Silvy Pommerenke hat mit vielen jungen Frauen gesprochen und sie zu allen Aspekten rund um ihr Coming-out befragt. Sachinformationen, Geschichten und ein Anhang mit einem kleinen lesbischen Wörterbuch, Literatur- und Filmtipps sowie weiterführenden Links unterstützen die Leserin darin, ihren eigenen Weg des Coming-out zu finden. Coming-out-Ratgeber (auch für Lesben) gab es schon einige, aber Silvy Pommerenke hat einen für das 21. Jahrhundert geschrieben. |
Krug & Schadenberg 2008, 190 Seiten, Kartoniert, 14.90 €
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Wolfgang Pomrehn: Heisse Zeiten - Wie der Klimawandel gestoppt werden kann
Die Klimadebatte ist voll entbrannt und geht doch am entscheidenden Punkt vorbei: Es geht um den kompletten Umbau der Industriegesellschaft. Die Frage ist nicht, ob das Zeitalter von öl, Kohle und Atomenergie zuende geht, sondern wann und wie das geschieht. Den Umbau so schnell wie möglich zu beginnen und nicht abzuwarten, bis die ökologische Krise allgegenwärtig und die ökonomische nicht mehr abzuwenden ist, darum dreht es sich. Und zugleich um die Kontrolle über die gesellschaftlichen Ressourcen: Gelingt die Umstellung der Energieversorgung oder überziehen die Stromkonzerne das Land mit neuen Kohlekraftwerken? Diktiert weiterhin die Autolobby die Verkehrspolitik? Können die Kämpfe für Klimaschutz und sinnvolle Beschäftigung miteinander verbunden werden? Wolfgang Pomrehn trägt die wichtigsten Fakten und Argumente zusammen. Er macht die physikalischen Grundlagen der Klimaprobleme verständlich, nimmt die Bedrohungsszenarien unter die Lupe und diskutiert Sackgassen und echte Alternativen. |
PapyRossa 2007, 236 Seiten, kartoniert, 16.90 €
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pro:fem: Das feministische Dschungelbuch
Die anfängliche Kraft des Feminismus scheint einer Erschöpfung und Lustlosigkeit gewichen. Ist die Luft raus nach all den Jahren? Wie kommt es, dass parallel die bundesrepublikanische Presse die Gefahr des Feminismus für Frieden und Ordnung beschreit, als stünde eine Massenbewegung bevor? Die Autorinnen erlebten einige überraschungen in der Analyse öffentlicher Texte und ihrer Selbst-Verwicklungen im Alltagsdschungel. Die Expedition war erfolgreich. Mitgebracht haben sie neue Fragen, inspirierende Ideen und Politikvorschläge für einen zeitgemäßen Feminismus - und dieses Handbuch. Ein Bericht für all diejenigen, die die Expedition selbst wagen wollen. |
Milena Verlag 2007, 171 Seiten, kartoniert, 17,90 €
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PROKLA 153: Die USA nach Bush
Schon in den 1970er Jahren wurde der "US-Decline" prognostiziert. Stattdessen hatten das Ende des Weltwährungssystems von Bretton Woods und die Krise des Fordismus als ein Ergebnis eine Transformation der US-amerikanischen Hegemonie. Die USA etablierten ein "Dollar-Wall-Street-Regime" (Gowan) und der Zusammenbruch der Sowjetunion ließ die USA als alleinige Supermacht zurück. Die erneuten Krisenprozesse – z.B. die New Economy-Blase, der 11. September 2001, die Doha-Runde der WTO, der Aufstieg neuer Regionalmächte wie Brasilien, China und Indien – schaffen grundsätzlich neue Bedingungen in der globalen Arena. Aktuell kommen die US-Immobilienkrise, die anhaltende Schwäche des Dollar und das immer weiter zunehmende Haushaltsdefizit hinzu. Wie wirken sich alle diese Faktoren auf die US-Hegemonie aus? Ist die Rede vom Abstieg der USA auch diesmal verfrüht? Handelt es um den Übergang von einer „integralen Hegemonie" mit einer starken Position der USA zu einer „minimalen Hegemonie" mit einer geschwächten Position der Hegemonialmacht? |
Westfälisches Dampfboot 2008, 167 Seiten, Kartoniert, 12.00 €
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Luise F. Pusch: Die Eier des Staatsoberhaupts und andere Glossen
Als Luise F. Pusch gebeten wurde, etwas über die Frage „Ist die Frauensprache am Ende?“ zu schreiben, denn so der Fragesteller „man hört rein gar nicht mehr von dem Thema“, fragte sie zurück, „wie ist es mit Skandinavien? Ist Skandinavien auch am Ende? Man hört in letzter Zeit so wenig von Skandinavien.“ Die Frage, ob Frauenbewegung und Frauensprache tot sind, ist ungefähr so alt wie diese selber, und kann mit „Nein“ beantwortet werden. Denn immer neue Herausforderungen an die Sprache halten diese quicklebendig: Kann eine Frau die „Schirmherrschaft“ übernehmen? Wäre es nicht besser von einem »Matronat« zu sprechen? Gibt es eine passendere Bezeichnung für „Frauenpaar“ vielleicht „Knutschfreundinnen“?Pusch gelingt es immer wieder, gedanken- und bedenkenlos verwendete Sexismen in der Sprache aufzudecken und sie durch witzige, überraschende und oft durchaus ironische Feminin-Äquivalente zu ersetzen. |
Wallstein 2008, 144 Seiten, kartoniert, 9.90 €
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re.ACTion: Antisexismus_reloaded.
Zum Umgang mit sexualisierter Gewalt - ein Handbuch für die antisexistische Praxis
Ein aktuelles Buch mit Grundlagen zu Definitionsmacht, Parteilichkeit, Veröffentlichung, UnterstützerInnengruppe, Umgang in Politgruppen, Täterumgang, etc. hat bislang gefehlt. Antisexismus_reloaded bietet einen Ausweg aus dem Kreislauf üblicher Debatten zum Umgang mit sexualisierter Gewalt und zeigt einen emanzipatorischen Ansatz auf.
Dieser Leitfaden richtet sich sowohl an Menschen, die sich noch nicht mit dem Thema auseinandergesetzt haben als auch an solche, die Erfahrungen im Umgang mit sexualisierter Gewalt gemacht haben. Anschaulich und zugleich fundiert werden die entscheidenden Punkte angesprochen, kontextualisiert und Vorschläge für einen reflektiertes Handeln dargestellt. |
Unrast 2007, 80 Seiten, Karton, 5,00 €
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Redaktionskollektiv (HG.): Tipps & Tricks für Antifas - reloaded
Aus der Erfahrung des antifaschistischen Widerstands der letzten 20 Jahre heraus gibt Tipps & Tricks für Antifas, jetzt in der aktuell überarbeiteten Auflage, grundlegende Informationen und Unterstützung für die alltäglichen Fragen in der Antifa-Arbeit: Wie gründen wir eine Gruppe? Wie geben wir eine Zeitung heraus und organisieren Veranstaltungen? Wie gehen wir mit Festnahmen und anderen staatlichen Repressalien um? Welche Formen des Widerstandes von der Recherche bis hin zu Demos gegen Nazis gibt es und was ist dabei zu beachten? |
Unrast 2009, 80 Seiten, Kartoniert, 4,00 €
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Robert A. Rockaway: Meyer Lansky, Bugsy Siegel & Co - Lebensgeschichten jüdischer Gangster in den USA
Robert Rockaway in Detroit geboren arbeitet als Historiker an der Universität von Tel Aviv und ist Autor mehrerer Bücher über jüdisches Leben in den USA. Hier beschreibt er die Geschichte jüdischer Gangster vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Vor allem in den dreißiger Jahren, in der Zeit der Prohibition, verdienten sie durch Alkoholschmuggel und -Verkauf Millionen Dollar und gehörten gerade in New York zu den führenden Köpfen der organisierten Unterwelt. Rockaway berichtet aber nicht nur die kriminelle Seite des Lebens dieser Gangster, sondern auch über ihr Engagement und ihre Hilfe für die jüdische Bevölkerung in den USA, hauptsächlich in den Großstadtslums jüdischer osteuropäischer Einwanderer. Viele kämpften im Zweiten Weltkrieg freiwillig in der US-Armee gegen die Nazis oder organisierten Geld und Hilfe für den Aufbau des Staates Israel. Ein faszinierendes Buch, das eine Epoche beschreibt, die uns bisher nur aus US-Gangsterfilmen bekannt war. |
Konkret Literatur Verlag 1998, Broschüre, 256 Seiten, 18,50 €
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Andrea Röpke & Andreas Speit: Neonazis in Nadelstreifen - Die NPD auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft
In den letzten Jahren konnte die NPD nicht nur Wahlerfolge in Ost und West verbuchen. Gemeinsam mit den außerhalb der Parlamente agierenden „Freien Kameradschaften“ ist es ihr gelungen, vielerorts eine rechte Alltagskultur zu etablieren. Der Grund dafür ist ein Strategiewechsel, mit dem sie sich zugleich ein neues Image zu geben versucht: Sie greift soziale ängste und regionale Probleme auf, und ihre Mitglieder engagieren sich verstärkt in Vereinen und ehrenamtlichen Initiativen. Dabei stützt sich die NPD auf ein bundesweites Netzwerk von Kameradschaften, Wirtschaftsunternehmen und Organisationen. Als harmlos erscheinende Bürgerinitiativen setzen sie sich zudem für Stadtteil- und Gemeindethemen ein. Doch auch im Gewand des Biedermannes werden die alten völkischen Botschaften verbreitet, hinter der Bürgernähe steht eine straff geführte Organisation, und die Zahl rechtsextremer Gewalttaten nimmt weiter zu. Dieses Buch gibt einen überblick und deckt Hintergründe auf. |
Chr. Links Verlag 2008, 208 Seiten, Kartoniert, 16.90 €
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Shmuel Ron - Die Erinnerungen haben mich nie losgelassen
Übersetzt von Esther Kinsky
In schlichter, einprägsamer Sprache beschreibt Shmuel Ron seine Situation in Polen zur Zeit des Nationalsozialismus. Er hat aktiv am jüdischen Widerstand teilgenommen. Nun wirft er Fragen der Moral auf: Ob mehr Widerstand hätte geleistet werden können, ob es grundsätzlich eine Pflicht zum Widerstand gegeben hat, warum nicht mehr Unterstützung aus dem Ausland kam? Wie kann man mit seinen Kindern über den Genozid sprechen? Kann man es überhaupt? Ron legt in seinem Buch Zeugnis für seine Kinder ab. Es ist ein Erinnerungsbericht, der ihn befreit aber auch bittere Erinnerungen wach werden läßt. Alle seine Mitkämpfer kommen um. Er selbst wird am 31. März 1944 nach Auschwitz deportiert. Er überlebt. Seine Wunden schließen sich nicht, zumal er mehrere Male als Zeuge gegen NS-Verbrecher aussagt, diese aber dennoch freigesprochen werden. Dieses Buch gehört zu den wichtigen, die zu diesem Thema in den letzten Jahren erschienen sind. |
Verlag Neue Kritik 1998, gebunden, 168 Seiten, 19,50 €
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Christoph Ruf - Die Untoten vom Millerntor
"Der Selbstmord des FC St. Pauli und dessen lebendige Fans" ist dieser Sammelband untertitelt und bringt Innenansichten eines Vereins, der trotz Durchmarsch von der Bundesliga in die Regionalliga Nord bundesweit immer noch zehntausende von Fans hat. Im ersten Teil des Buches wird der zum Teil selbstverschuldete Niedergang des Vereins eingehend analysiert, was den treuen GenossInnen des linken Mythos-Vereins schon die Tränen aus dem Knopfloch treiben kann. Im zweiten Teil aber beschreiben Prominente wie Richard Golz oder Gregor Gysi und Fans von der Basis, warum Pauli immer noch das Größte ist. |
Papyrossa Verlag 2004, 236 Seiten, kt., 14,80 €
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Bernhard Schmid: Der Krieg und die Kritiker
Die Realität im Nahen Osten als Projektionsfläche für Antideutsche, Antiimperialisten, Antisemiten und andere
Bernhard Schmids neues Buch handelt von dem Krieg im Libanon, der im Hochsommer 2006 rund 1.200 zivile Tote kostete, und den Reaktionen innerhalb von Teilen des – im weiteren Sinne – gesellschaftskritischen Spektrums darauf. Es geht dabei um unterschiedliche Flügel der Linken und der Intellektuellenszene, jedenfalls desjenigen Spektrums, das selbst den Anspruch erhebt, Kritik an der bestehenden Gesellschaft zu üben. Im Anfangsteil des Buches wird ein Rückblick auf das Nachkriegsverhältnis zwischen Deutschland und Israel und seine Rezeption durch die Linke geworfen. Im Anschluss wird auf die Entstehung von linken Weltbildern, die vom Antiimperialismus bzw. der Entkolonialisierung dominiert waren, und ihre Auswirkung auf die Wahrnehmung der israelisch-arabischen Konflikte eingegangen. Schließlich wird sehr ausführlich die Entstehung und Auswirkung der «antideutschen» Ideologie und ihre, gegenüber den bis dahin dominierenden linken Wahrnehmungsmustern schroff entgegen gesetzte, Rezeption des Nahostkonflikts eingegangen. Ferner wird ein, knapper, Blick über den nationalen Tellerrand riskiert und, in einem kurzen Vergleich mit den deutsch-österreichischen Debatten, auf den Stand der politischen Auseinandersetzung in den USA und Frankreich verwiesen. |
Unrast 2007, 80 Seiten, Karton, 8,00 €
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Birgit Schmidt: Freundliche Frauen - Eine Kritik an der Juden- und Frauenfeindlichkeit des esoterischen Feminismus
Das weibliche Selbstverständnis speist sich heute aus anderen Quellen als noch vor 30 Jahren. Eine wachsende Zahl an Frauen gewinnt aus der Identifikation mit der Natur einen wesentlichen Teil ihrer Identität. Durch die Renaissance der Hexen verbreitet sich der Glaube an Karma und Reinkarnation. Erklärte Feministinnen bringen mit einem vermeintlich historischen Matriarchat paradiesische Zustände in Verbindung. Für die Unterdrückung der Frau wird, ebenso wie für Naturzerstörung und Krieg, der übergang zum Patriarchat verantwortlich gemacht, der zeitlich mit der Herausbildung des Judentums zusammenfalle. Birgit Schmidt hat die „Große Göttin-Szene“ kritisch unter die Lupe genommen. Sie analysiert die Verkürzungen und Denkfehler, die den esoterischen öko-Feminismus prägen; sie verweist auf die Anschlussfähigkeit vieler Auffassungen zu rechtem Gedankengut und warnt vor den immer wieder zutage tretenden antisemitischen Untertönen. |
Alibri 2007, 131 Seiten, kartoniert, 12,00 €
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Ulrich Schneider (Hg.): Paris - Boulevard St. Martin No. 11.
Peter Gingold (1916-2006) war einer der profiliertesten jüdischen Widerstandskämpfer und Kommunisten in der Bundesrepublik. Besonders seit den 70er Jahren trat er als Redner auf politischen Kundgebungen gegen Naziaufmärsche und als Zeitzeuge in Schulen und bei Jugendgruppen auf. Er hatte viel zu berichten: Die Zeit des aufkommenden Faschismus in Deutschland, Exil in Frankreich und Widerstand in den Reihen der Résistance (Illegalität, politische Agitation unter deutschen Besatzungssoldaten, Flucht aus den Fängen der Gestapo und Teilnahme am Aufstand zur Befreiung von Paris 1944). Den 8. Mai 1945 erlebte er in Turin mit der italienischen Resistenza. Zurückgekehrt nach Deutschland, gestaltete er dort den politischen Neuanfang aktiv mit, musste jedoch erleben, wie er und seine Familie danach fast zwei Jahrzehnte der erneuten Verfolgung, der Ausbürgerung und des Berufsverbots erlebten. Trotzdem verstand er sich stets als Mut-Macher, seine Maxime: „Nie aufgeben!“ |
PapyRossa 2009, 187 Seiten, Kartoniert, 14.90 €
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Georg Schön: Somos Viento. Wir sind der Wind. Globalisierte Lebenswelten in Lateinamerika.
Ausgehend von der deutschen Bewegungsforschung zeichnet der Autor ein interdisziplinäres Bild über zeitgenössische Perspektiven auf soziale Bewegungen in Lateinamerika. Multiple methodische Zugänge bearbeiten die Brennpunkte aktueller sozialer Prozesse: ökologische und kulturelle Verteilungskämpfe, indigene soziale Bewegungen, Sozialforen, Netzwerk- und Artikulationsprozesse sozialer Bewegungen, Auswirkungen von neuen Informations- und Kommunikationstechnologien auf globalisierte Bewegungslandschaften, Aufbau von (Gegen-) öffentlichkeiten und alternativen Räumen von Macht. Die in diesem Buch aufgearbeiteten und miteinander verwobenen Bewegungen, Kampagnen, Netzwerke und Allianzen offenbaren das Gerüst der Graswurzelglobalisierung. Zitate von Aktivisten aus Mexiko, Zentral- und Südamerika führen in lateinamerikanische Bewegungswelten ein. Anhand des zivilen Zapatismus in Mexiko werden diese Prozesse in ihrer Tiefe beleuchtet. Mehr hier |
Unrast 2008, 192 Seiten, Kartoniert, 16,00 €
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Klaus Schönberger & Ove Sutter: Kommt herunter, reiht euch ein...
Im Laufe der wechselvollen Geschichte der sozialen Bewegungen hat sich ein vielfältiges Repertoire an Protestformen herausgebildet, mit denen versucht wird, einzugreifen, zu verhindern oder zu behindern sowie gesellschaftliche Veränderung denkbar und möglich zu machen. Dazu gehören Straßendemonstrationen, Kundgebungen, Infostände, Happenings, Reclaim-the-Street-Partys, Pink & Silver, Rebel Clown Army, Streiks oder direkte Aktionen sowie Aktionen des zivilen Ungehorsams wie beispielsweise Boykott-Aktionen, Sitzblockaden oder Tortenwerfen. Um Protest nach außen zu vermitteln, werden Unterschriften gesammelt, Petitionen verfasst, Fahnen geschwenkt, Transparente gemalt, Plakate layoutet, Graffitis gesprüht, Flugblätter verteilt, Musik gespielt und Lieder gesungen oder auch einfach nur bestimmte Kleidungsstücke getragen. Dieses Buch beschreibt die wechselvollen Geschichten des Protests sozialer Bewegungen anhand dieser und anderer Aktionsformen sowie die damit verbundenen Kommunikations- und Handlungsmuster von 1848/49 bis heute. |
Assoziation A 2009, 265 Seiten, Kartoniert, 18,00 €
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Thomas Schroedter: Antiautoritäre Pädagogik
Vorgestellt werden die wesentlichen Merkmale antiautoritärer Erziehung, ihre Theoretiker und die Institutionen, in denen Ansätze einer solchen Pädagogik verfolgt wurden und werden. Dabei wird die antiautoritäre Pädagogik nicht auf die theoretischen Ansätze und Praxen beschränkt, die sich diesen Titel gaben, wie die Kinderladenbewegung in den späten sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Vielmehr werden Vorläufer und pädagogische Ansätze ebenso beachtet wie die politischen Strömungen Marxistisch/Freudscher und anarchistischer anarchosyndikalistischer Ausprägung, die herrschaftskritische pädagogische Konzepte und Praxen entwickelten, sowie die bürgerliche Reformpädagogik. |
Schmetterling 2007, 201 Seiten, kartoniert, 10,00 €
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Gunnar Schubert - »Die kollektive Unschuld«
Am 13. Februar 1945 verwüsteten unter dem Kommando Luftmarshall Arthur Harris stehende alliierte Bomber aus reinster Vergeltungssucht das beschauliche Kunst- und Kulturzentrum Dresden. Im Zuge der massiven Bombardierung wurde ein „Feuersturm“ (J. Friedrich) ausgelöst, der den friedlichen und kosmopolitischen Bürgern sowie einer wehrlosen Masse an Kriegsflüchtlingen zum tödlichen Verhängnis wurde. Von jeder kriegsbedingten Rationalität befreit, konnten sich die alliierten „Sonderkommandos“ (J. Friedrich), ihren alttestamentarischen Vernichtungsphantasien ungehemmt hingeben. Tiefflieger, Napalm-, sowie Phosphorbomben, die Transformation einer kriegsunwichtigen Stadt zum weltgrössten Krematorium (J. Friedrich): Nach jedem objektiven Kriterium ein Kriegsverbrechen. Ein Verbrechen wider die Menschlichkeit, das sich nur deshalb nicht im Pantheon der Zeugnisse menschlicher Untaten wiederfinden konnte, weil die Bürger Ost- und Westdeutschlands über genügend Pietät verfügten sowie eine Instrumentalisierung durch Rechtsradikale befürchteten.
Dieser und ähnlicher „Dresden-Swindel“ wird polemisch und kenntnisreich von Konkret-Autor Gunnar Schubert in seinem soeben erschienenen Buch »Die kollektive Unschuld« als deutsche Propaganda zur Produktion und Reproduktion der „kollektiven Unschuld“ entlarvt. Besonders erwähnenswert sind die Ausführungen zur geschichtsrelativistischen Funktion der Oral-History, dem in deutschen Exilkreisen stattfindenden Konflikt um die Bewertung des alliierten Bombenkrieges sowie den durchaus erfolgreichen Versuchen deutscher Historiker, die Kriegsschuld mit den Siegern zu teilen bzw. den deutschen Willen zur Vernichtung auf die Alliierten zu projizieren. |
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Lutz Schulenburg: Das Leben ändern, die Welt verändern! 1968 - Dokumente und Berichte
1968, das sind die Provokationen der KommunardInnen und die 10 Millionen im französischen Generalstreik. 1968, das ist der Krieg in Vietnam und die Absage an überkommene Rollenmuster. 1968, das ist das lustvolle Zähnefletschen des Gespenstes der Freiheit, der nachhaltige Schrecken für jede Art von Autorität und Bürokraten. Es markiert den Beginn einer Epoche, eine lange Welle revolutionärer Aufsässigkeit gegen eine Gesellschaft, die in ihrer Verherrlichung der Lohnarbeit und des Konsums die lebendigen Bedürfnisse des Individuums verschwinden lässt.
Das Leben ändern, die Welt verändern! 1968 - Dokumente und Berichte, das ist das ultimative und beste Buch zum Thema. Lutz Schulenburg, Verleger bei der Edition Nautilus, ist ein geniales Panoptikum bekannter und weniger bekannter Texte aus Flugblättern, Erklärungen, Manifesten etc. der Bewegung gelungen. Die Dokumente sind weitestgehend in chronologischer Abfolge wiedergegeben und mit einem roten Faden verwoben, der unter dem Titel Kleine Erzählung zur großen Geschichte in Aufsätzen heterogene Sichtweisen zusammenfügt, die das Erleben und die Lernprozesse reflektieren.
Lutz Schulenburg leistet die erfreuliche Gegendarstellung zu den landläufigen Beerdigungsfeiern, auf denen sich die zahllosen gewendeten Ex-Revoluzzer oft und gerne zu ihrem Schritt in den Arsch der Gesellschaft beglückwünsch(t)en. Die einzige Botschaft, auf die es mir ankommt, heißt: Rebellion ist berechtigt!, beschreibt der Herausgeber deshalb seine Motivation für das Lesebuch. Absolut unverzichtbar für alle, die noch einen Rest von Geschichtsbewusstsein im Leib haben - und mit fast 500 Seiten auch schwer genug, um es denjenigen um die Ohren zu hauen, die heute meinen, mit Ministerpöstchen und Plätzen in den Vorstandsetagen grosser Konzerne das umzusetzen, wozu sie vor dreissig Jahren aufgebrochen waren. |
Edition Nautilus 1998, Karton, 480 Seiten, 20,80 €
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Searchlight, Antifaschistisches Infoblatt, Enough is Enough, RAT: White Noise
Rechts-Rock, Skinhead-Musik, Blood & Honour - Einblicke in die internationale Nazi-Musik-Szene.
White Noise - RechtsRock bezeichnet rassistische, antisemitische und neonazistische Musik, die längst nicht nur mehr rechte Skinheads begeistert, sondern für viele Jugendliche und Jung-Erwachsene mittlerweile zum musikalischen Stammrepertoire gehört. Die Publikation stellt dieses Phänomen in seinem internationalen Kontext am Beispiel der USA, Schweden, England, Polen und Deutschland dar, kehrt unzweideutig die politische Intention hervor und benennt die neonazistischen Netzwerke, in denen die Fäden zusammenlaufen. Längst schon ist diese Musikrichtung zum Millionengeschäft geworden und hat sich zu einem wichtigen Instrument der subtilen politischen Indoktrination von Jugendlichen entwickelt. Die verschiedenen Beiträge zur Thematik geben einen facettenreichen Überblick über die Musikszene und ihre Strukturen, die sich im Schatten der Öffentlichkeit schon längst etabliert hat. |
Unrast Verlag 2001, Karton, 167 Seiten,12,50 €
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Niels Seibert: Vergessene Proteste - Internationalismus und Antirassismus 1964-1983
Schwerpunkt des Buches ist die Zeit des Anwachsens sowie der Fraktionierung der 68er-Studentenbewegung, in der neue Gruppen und Bewegungen entstanden, die an den Internationalismus der Studentenbewegung anknüpften. Diese Zeit, Ende der 1960er bis Anfang der 1970er, war von einer weltweiten Aufbruchstimmung geprägt. Auf allen Kontinenten revoltierten Menschen auf den Straßen, in Betrieben und an den Universitäten gegen die herrschenden Verhältnisse. Die politischen Aktivitäten, zu denen Niels Seibert recherchierte, sind vielfach in Vergessenheit geraten. Ausgewählt wurden Proteste der Studenten- und Internationalismusbewegung, die sich innerhalb der Themenbereiche Kolonialismus und Neokolonialismus, internationale Solidarität, bundesdeutsche Ausländerpolitik sowie Flucht und Asyl bewegen. Die politischen Aktionen und Kampagnen waren einerseits eine praktische Kritik an staatlicher Politik und hatten andererseits Einfluss auf politische Entscheidungen. In diesem Wechselverhältnis vermitteln sie sowohl etwas über die politischen Verhältnisse als auch über die Bewegungen dieser Zeit. |
Unrast 2008, 224 Seiten, Kartoniert, 13.80 €
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Jürgen Serke: Die verbrannten Dichter
Von wenigen Ausnahmen abgesehen, blieb die Wiederentdeckung der von den Nazis 1933 verbotenen DichterInnen nach 1945 aus - die Bücherverbrennung wirkte nachhaltig weiter.
Jürgen Serke ging den Spuren verfolgter, vergessener und verdrängter Autoren und Autorinnen nach. Entstanden ist eine eindrucksvolle Dokumentation einer zweimal totgeschwiegenen Dichtergeneration. In der Verknüpfung der Lebenswege von rund 30 Autorinnen und Autoren mit persönlichen Zeugnissen, Texten und dokumentarischem Bildmaterial bleiben diese Literatur und deren DichterInnen lebendig.
Das Buch wurde vor 25 Jahren erstmals veröffentlicht. Jetzt erscheint der Band in einer Jubiläumsausgabe mit einem aktualisierten Nachwort und einer ergänzten Bibliographie. Dem Buch liegt eine CD mit Texten »verbrannter und verbannter Dichter« bei. Es lesen Otto Sander, Christian Quadflieg und Angela Winkler aus den Werken von Carl Einstein, Max Herrmann Neiße, Albert Ehrenstein, Ernst Toller, Yvan Goll, Jakob Haringer und Else Lasker-Schüler. |
Beltz 2002, gebunden, mit Fotos & Audio-CD, 442 Seiten, 16,90 €
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Noah Sow: Deutschland Schwarz Weiss - Der alltägliche Rassismus
Der Angriff auf einen Schwarzen - ein fremdenfeindlicher Akt, was sonst? Doch der Betroffene ist oft gar kein „Fremder“ sondern ein „Mitbürger“, ein schwarzer Deutscher. Und so enttaren wir uns selbst als Rassisten. Die Autorin selbst ist in Bayern geboren, mit schwarzer Hautfarbe und sie hat ein Leben lang erfahren, dass für die meisten „echte“ Deutsche doch nur weiße Deutsche sind. Rassismus zu bekämpfen heißt zunächst einmal, ihn überhaupt als solchen zu identifizieren. In deutlicher Sprache und mit tiefgründigem Humor entlarvt die bekannte Moderatorin und Künstlerin den ganz gewöhnlichen, alltäglichen Rassismus, der oft als solcher gar nicht erkannt wird. |
Goldmann Verlag 2009, 318 Seiten, Kartoniert, 8.95 €
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Andreas Speit: Ästhetische Mobilmachung
Dark-Wave, Neofolk und Industrial im Spannungsfeld rechter Ideologien
Im Mittelpunkt des Sammelbandes steht die Musik der »schwarzen Szene«, der Grufties, Gothics oder wie immer sie sich selbst bezeichnen. Gemeinhin wird ihre Musik unter den gemeinsamen Nenner “Dark-Wave” gezwungen, dabei differenziert sie sich doch in verschiedene Stile aus. In die Lieder von Verzweiflung, Sehnsucht und Romantik mischt sich bei einigen Bands in den letzten Jahren mehr und mehr antimodernistische und rechte Ideologiefragmente. In einem allgemeinen Aufsatz wird einleitend die Ausdifferenzierung dieser Musikszene umrissen. In drei Schwerpunkten werden anschließend die inhaltlichen Bezugspunkte der Musik skizziert, ihre internationale Dimension und Bedeutung umrissen und anhand der deutschen Szene die Bezüge zur sog. »Neuen Rechten« bis extremen Rechten dargestellt. Abgerundet wird der Band mit einem Beitrag über das Phänomen »Neue deutsche Härte«, das in der Öffentlichkeit vor allem mit der vieldiskutierten Band Rammstein in Verbindung gebracht wird.
Das Buch bietet einen spannenden Einblick in eine differenzierte Musikszene und weist auf eine politisch ernstzunehmende Entwicklung jenseits der neonazistischen »Ränder« der Gesellschaft hin. |
Unrast Verlag 2002, Karton, 282 Seiten, 16,00 €
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Stadtrat: Umkämpfte Räume
Das Thema Stadt mit all seinen Facetten (Öffentlicher Raum, Un-/Sicherheit, Stadtentwicklung, Gentrification usw.) ist unter dem klangvollen Schlagwort Urbanität schon seit geraumer Zeit ein Lieblingskind mehr oder minder fortschrittlicher Soziologen. Höchste Zeit also auch für die radikale Linke, sich dieses Themas anzunehmen, zumal immer mehr selbstbestimmte, herrschaftsfreie Nischen und Räume im Moloch Stadt (drohen zu) verschwinden. Dies geschieht mittlerweile republikweit. Der vorliegende Titel ist denn auch ein Sammelband von Texten aus den bundesdeutschen Metropolen, in denen die unterschiedlichsten Aspekte zum Thema Linke und Stadt bearbeitet werden. Die Bandbreite reicht vom Widerstand gegen die bevorstehende EXPO 2000 in Hannover, dem Kampf gegen Umstrukturierung am Beispiel der Roten Flora in Hamburg und der Stadtentwicklungsprozesse am Prenzlauer Berg in Berlin bis hin zu Drogen(politik) im Stadtviertel am Beispiel des Hamburger Schanzenviertels, den (umstrittenen) NachtTanzDemos in Frankfurt u.v.m. Darüber hinaus bieten internationale Texte (leider zu wenige!) zu Mexiko, den Pariser banlieues und über die Hintergründe der (hierzulande immer wieder gerne geforderten) Zero Tolerance Policy am Beispiel der New Yorker Polizei Gelegenheit, über den nationalen Tellerrand hinauszuschauen.
Insgesamt bietet der Band trotz oder wegen seiner höchst unterschiedlichen Beiträge eine gute Diskussionsgrundlage oder einfach nur den Anstoß, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. |
Assoziation A 1998, Karton, 237 Seiten, 14,00 €
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Subcomandante Marcos: Kassensturz - Interviews mit Laura Castellanos
Aus dem Spanischen übersetzt von Horst Rosenberger
Was passiert in Chiapas, in den Gebieten, die zwar vom Militär umstellt, nicht aber besiegt wurden, bei den Menschen, die die „erste Revolution des 21. Jahrhunderts“ initiiert haben? Im Gespräch mit der Journalistin Laura Castellanos analysiert Marcos, was die zapatistische Bewegung seit ihrem Anfang, dem Aufstand vom 1. Januar 1994, gewonnen und was sie verloren hat. Er skizziert die Konflikte, die über die Zukunft entscheiden werden, nicht nur über die der zapatistischen Gemeinschaften, sondern auch über die Zukunft seiner Person und seiner Rolle als „Sub“. Marcos erklärt seine Position zu wichtigen Themen, wie z.B. der Beziehung zu anderen bewaffneten Organisationen, er spricht über Fidel Castro, Hugo Chávez, Evo Morales u.a. und verortet die Bewegung in Chiapas innerhalb der kontinentalen Politik Lateinamerikas. Marcos lässt die Geschichte Revue passieren und antwortet auf die Kritik, die ihm entgegengebracht wurde. Er schildert die Perspektiven der Bewegung und prangert das massive Anwachsen der militärischen Bedrohung an. Eine aktuelle Bestandsaufnahme aus der mexikanischen Krisenregion. |
Edition Nautilus 2008, 160 Seiten, Kartoniert, 13.90 €
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Paco Ignacio Taibo II: CheDie schönste und beste Biographie des Che Guevara in einer preiswerten Sonderausgabe |
Edition Nautilus, 740 Seiten & Fotos, Karton, 19,90 €
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Paco Ignatio Taibo II: Erzengel - Geschichten von zwölf Häretikern der Revolution im 20.Jahrhundert
Aus dem Spanischen von Miriam Lang u.a.
»Sie alle suchten die Revolution und begaben sich mehrere Male in die Hölle, um sie zu finden. Was sie verbindet, ist ihre wunderbare Sturheit bei dem Versuch, diesen Planeten radikal zu verändern.«
Die in diesem Buch versammelten Kurz-Biografien sind in den Jahren 1983-1998 entstanden. Es handelt sich um Taibos sehr subjektive Auswahl von linken Persönlichkeiten. So ist z.B. nur eine Frau beschrieben. Vielleicht liegt es daran, dass auch linke Geschichte hauptsächlich von Männern geschrieben wird und es bisher noch nicht zu Taibos Stärken gehörte, weibliche Persönlichkeiten zu beschreiben. Auch die einzelnen Beschreibungen sind von sehr unterschiedlicher Länge und Qualität, und unklar bleibt, aus welchem Anlass sie jeweils verfasst worden sind.
Portraitiert werden Prominente wie Durutti aber auch eher Unbekannte. Es handelt sich nicht um ausführliche Beschreibungen sämtlicher Lebensstationen sondern um Ausschnitte und da zeigt sich dann die Stärke von Paco Ignatio Taibo II: es gelingt ihm immer wieder, einige biographische Daten zu wunderbaren pointierten Geschichten zu verarbeiten. Ein Glanzstück ist die über Max Hoelz. Das eine fundierte Geschichtskenntnis in den mexikanischen Biografien einfliesst kommt nicht unerwartet, aber über Hoelz gelingt Taibo eine detaillierte und gleichzeitig so spannende Beschreibung eines Stücks deutscher Geschichte, wie sie hierzulande noch nicht zu lesen war. |
Assoziation A 1999, gebunden, 310 Seiten, 19,50 €
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Mario Tal: Bruderküsse und Freudentränen
über 80 Jahre Tradition, rund 150 teilnehmende Länder, der Bezug auf olympische Werte – die Schach-Olympiaden zählen zu den drei größten Sportveranstaltungen überhaupt und stellen ein kulturgeschichtlich einzigartiges Phänomen dar. Wie bei den Spielen des IOC so haben sich auch in den Schach-Olympiaden stets die gesellschaftlichen Bedingungen gespiegelt: Der Kalte Krieg war nur der offensichtlichste Ausdruck davon. Deshalb konnten Kommentatoren sowohl „Bruderküsse und Freudentränen“ ausmachen als auch immer wieder über die Verweigerung von Teilnahmen, Einreisen oder Handschlägen berichten. Neben der politischen Begleitmusik gibt Mario Tal den Verlauf der Turniere wieder und skizziert einige der schillerndsten Meister in biografischen Abrissen. Viele bislang unberücksichtigte Quellen wurden ausgewertet, was zusammen mit zahlreichen Bildern und Diagrammen dieses Werk zum Handbuch für Schachfreunde und generell zeitgeschichtlich Interessierte macht. |
Papyrossa 2008, 420 Seiten, Kartoniert, 29.80 €
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Conrad Taler: Asche auf vereisten Wegen Eine Chronik des Grauens - Berichte vom Auschwitz-Prozess
Conrad Taler berichtete für die Zeitschrift der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde über den Frankfurter Auschwitz-Prozess, der vor vierzig Jahren begann und bis 1965 dauerte. Das Jahrhundertverfahren gegen Verantwortliche der Todesfabrik förderte unvorstellbare Tatsachen zu Tage und markierte eine tiefe Zäsur in der Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Massenmorden an den europäischen Jüdinnen und Juden. Die Aufzeichnungen Talers sind nun erstmals veröffentlicht worden. Ihm gelingt eine eindrucksvolle Verbindung aus der Nähe zum Geschehen, die in jeder Silbe seine tiefe Empathie mit den Opfern spürbar macht, und der notwendigen Distanz des Berichterstatters, der das Unfassbare und Unbeschreibliche nicht durch untaugliche Bilder oder Metaphern rationalisieren will. Der Autor hat seinen Berichten ein Kapitel angefügt, das das politische Wirken des hessischen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer, ohne dessen Beharrlichkeit der Auschwitz-Prozess nie stattgefunden hätte, angemessen würdigt. Ein beeindruckendes und notwendiges Buch |
PapyRossa Verlag Köln 2003, Karton, 154 Seiten, 12,90 €
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Sabriye Tenberken: Das siebte Jahr - Von Tibet nach Indien
Der blinde Bergsteiger Eric Weihenmayer aus den USA ist überzeugt, dass er den Kindern von Lhasa helfen kann. Er will mit ihnen zusammen einen Himalaya-Gipfel besteigen. Sabriye Tenberken und ihr Partner Paul Kronenberg willigen nur widerstrebend ein, denn eigentlich haben die Kinder, die im Blindenzentrum von Lhasa leben und zur Schule gehen, ihren eigenen Gipfel schon längst bezwungen. Doch die »Climbing-Blind«-Mission nimmt ihren Lauf. Im Herbst 2004 machen sich sechs blinde Kinder, Sabriye, Paul und Erik Weihenmayer, begleitet von einem Filmteam, an den Aufstieg zum Lhakpa Ri, einem Nebengipfel des Mount Everest. Doch nachdem sie auf 6.500 Metern Höhe einen märchenhaften Palast aus Eis bestaunt haben, schlägt das Wetter um. Einige Teilnehmer der waghalsigen Expedition leiden an Höhenkrankheit und müssen absteigen. Sabriye und drei der Kinder bleiben mehrere Tage in eisiger Höhe zurück, während der Schneesturm um das Everest-Advanced-Camp fegt... |
Kiepenheuer & Witsch 2006, 250 Seiten, gebunden, 18,90 €
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Enzo Traverso: Nach Auschwitz
Als einen »Lackmustest« für die Bedeutung und Relevanz der Theorien der Linken bezeichnet Enzo Traverso die Vernichtung der €päischen Juden im Nationalsozialismus. Ob linke Theorie diesen Test besteht, muß sich seiner Meinung nach erst zeigen, denn in der Vergangenheit haben sich marxistisch inspirierte Theoretiker unfähig gezeigt, »den Völkermord an den Juden überhaupt wahrzunehmen und dann zu denken«.
In den zehn Kapiteln des Bands (allesamt sind Vorträge oder Aufsätze, die zwischen 1993 und 2000 entstanden sind), wird ein Bogen gespannt von der deutschen Linken in der Weimarer Republik bis hin zu Sartre, Mandel, Goldhagen und Nolte sowie Furet. Der rote Faden seiner Texte - so meint Traverso - sei die Kritik und Aktualität der modernen Barbarei. Mit Barbarei bezeichnet er die Vernichtung der €päischen Juden, die einer Zivilisation entstammt, die es abzuschaffen gilt, in der wir allerdings heute leben.
Der marxistischen Tradition wirft Traverso vor, die rassistisch-biologistische Stoßrichtung des Nationalsozialismus, insbesondere den Antisemitismus, nicht in seiner spezifischen Qualität wahrgenommen zu haben. Dies läge zum einen an der weitgehend evolutionären Fortschrittskonzeption, wie sie von der Sozialdemokratie und den KommunistInnen geteilt wurde, zum anderen an der fehlenden Bereitschaft, Jüdinnen und Juden nicht nur als »normale« Opfer einer Klassenunterdrückung zu sehen. Daß diese Vorstellungen auch nach 1945 nicht gänzlich passé sind, wird in einem interessanten Kapitel zu Ernest Mandel deutlich.
Tjark Kunstreich (konkret 12/00) hat Traverso vorgeworfen, die »Totalitarismustheorie« hoffähig machen zu wollen. Einige Formulierungen legen diesen Schluß nahe. Anderseits jedoch wirft Traverso dieser Konzeption zurecht vor, daß sie blind für den rassenbiologischen Antisemitismus sei, und Traverso selbst scheint an der Singularität von Auschwitz nicht zu rütteln. Wiederum macht er allerdings nicht deutlich, was unter der von ihm geforderten »kritischen Totalitarismustheorie« zu verstehen ist. Trotzdem ist das Buch als Einführung in den Themenbereich »Linke und Auschwitz« geeignet. |
Neuer ISP-Verlag 2000, Karton, 220 Seiten, 15,00 €
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Versteckspiel - Lifestyle, Symbole & Codes von Neonazis
In dieser Broschüre werden Symbole, Marken und Codes, die in der rechten Jugendkultur eine wichtige Rolle spielen, nicht nur aufgelistet. Vielmehr wird erklärt , wo diese Symbole herkommen und was sie im jeweiligen Zusammenhang bedeuten. Außerdem erfährt man einiges über rechte Musik und Publikationen in der rechten Szene. Eine umfassende und ausführliche Zusammenstellung aller gebräuchlichen Symbole u.ä. |
Reihe antifaschistischer Texte 2003, 38 Seiten, Broschüre, 3,00 €
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Willem de Vries: Sonderstab Musik - Organisierte Plünderungen in Westeuropa 1940-45
Willem de Vries, niederländischer Musik- und Zeithistoriker beschäftigt sich seit 30 Jahren mit der Geschichte des Nationalsozialismus. Er greift in diesem Buch bisher wenig beachtete Themen auf: die deutsche Musikpolitik während des Nationalsozialismus und die Beteiligung von bekannten Musikwissenschaftlern an der Organisierung und Durchführung von Plünderungen von Musikalien aller Art. Im Mittelpunkt steht der von Alfred Rosenberg initiierte Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR), der mit der Sichtung und Plünderung von Kunstschätzen in den von Deutschland besetzten Gebieten befaßt war.
De Vries skizziert die kulturpolitischen Ambitionen Rosenbergs hinsichtlich der Musikpolitik. Der Schwerpunkt liegt auf der Beschreibung des Sonderstab Musik des ERR und der von ihm organisierten Plünderungen von Musikalien in Frankreich, den Niederlanden und Belgien. Dabei werden die Hauptakteure wie Herbert Gerigk und Wolfgang Boetticher benannt und ihre Aktivitäten, insbesondere vor dem Hintergrund ihres Erfolges im Nachkriegsdeutschland ausführlich analysiert.
Das Buch zeichnet sich durch seinen flüssigen Schreibstil aus. Zur Zeit besitzt es große Aktualität, denn es liefert Informationen zu der Diskussion über die Wiedergabe bzw. Entschädigung von arisiertem jüdischen Besitz. |
Dittrich Verlag 1998, gebunden, 380 Seiten, 25,00 €
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Gaby Weber: Die Verschwundenen von Mercedes-Benz
1977 »verschwanden« die meisten Mitglieder des unabhängigen Betriebsrates des Mercedes-Werkes in González Catán (Buenos Aires). Das heißt, die aktiven Gewerkschafter wurden von den Repressionskräften der Militärdiktatur entführt und ermordet. Nur einige wenige, bei deren Verschleppung es viele Zeugen gab, überlebten. 20 Jahre später begann die Journalistin Gaby Weber, das “Verschwinden” der Mercedes-Betriebsräte zu untersuchen. Sie recherchierte, wie die Gewerkschafter ins Visier der Todeskommandos des Militärs gerieten und wer aus dem Unternehmen dafür Verantwortung trug. Auf der Grundlage ihrer Recherchen erstattete der Republikanische Anwälte- und Anwältinnenverein (RAV) im September 1999 Strafanzeige gegen DaimlerChrysler wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 13 Fällen erstattet, die Staatsanwaltschaft Nürnberg hat die Ermittlungen übernommen. In dem Buch lässt Gaby Weber die LeserInnen an ihren Recherchen teilhaben, sie beschreibt, wie sie vorging und wie es ihr schließlich gelang, vieles von dem ans Licht zu holen, über dem mehr als 30 Jahre ein Mantel des Schweigens lag: die Komplizenschaft eines Unternehmens mit den unifomierten Mördern bei der Eliminierung aktiver Gewerkschafter. |
Assoziation A 2001, Karton, 128 Seiten, 10,00 €
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Änneke Winckel: Antiziganismus - Rassismus gegen Roma und Sinti im vereinigten Deutschland
Jahrhundertelang wurde ein Bild von »den Zigeunern« am Leben gehalten, das sich aus Klischees, Stereotypen und Vorurteilen zusammensetzt. Sinti und Roma in Deutschland sind nach wie vor Opfer von Verleumdung, Verfolgung und Vertreibung. Die Autorin legt in ihrer umfassenden Analyse die unterschiedlichen Formen des deutschen Antiziganismus seit 1989 offen und macht damit an zahlreichen Beispielen deutlich, wie verbreitet und gefährlich das »Zigeuner-Bild« noch immer ist. Dabei wird die Entstehung und Geschichte des Antiziganismus ebenso betrachtet wie seine Aktualität in Medien und Politik. Ein unbedingt lesenswertes Buch. |
Unrast 2002, Karton, 197 Seiten, 14,00 €
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Ulrike Winkler: Stiften gehen. NS-Zwangsarbeit und Entschädigungsdebatte
Der erste Teil des Buches Stiften gehen.
NS-Zwangsarbeit und Entschädigungsdebatte umfasst Aufsätze, die einen guten Überblick über die NS-Politik und das ausgedehnte System der Zwangsarbeit in Deutschland geben. ZwangsarbeiterInnen waren sowohl Menschen, die aus den von Deutschland besetzten Ländern verschleppt wurden, als auch Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge. Von diesem System profitierten die deutsche (Rüstungs-)Industrie, Kommunen, Landwirtschaft, aber auch Privathaushalte.
Im zweiten Teil werden die verschiedenen Aspekte der Entschädigungsdebatte in der BRD untersucht. Thomas Kuczynski erläutert sein Gutachten, das davon ausgeht, dass die BRD etwa 180 Milliarden DM zu zahlen hätte, wenn sie die Verpflichtung anerkennen würde, Entschädigungen für nicht gezahlte Löhne zu leisten. Seit dem Beginn der BRD lässt sich deren Haltung als Entschädigungsverweigerung beschreiben. Daran hat auch die Stiftung nichts geändert, die nur durch außenpolitischen Druck entstand. Nachgezeichnet wird, wie auch deutsche Gerichte in den letzten 50 Jahren die Politik in ihrem Ziel unterstützt haben, ehemaligen ZwangsarbeiterInnen Löhne vorzuenthalten und die Wirtschaft zu schützen. Klagen wurden in der Regel mit dem Hinweis auf das Londoner Schuldenabkommen oder Verjährung abgewiesen. Rekapituliert werden außerdem von Lothar Evers und Ulla Jelpke die Verhandlung über Entschädigungszahlungen seit 1998 und die skandalösen Umstände der Einrichtung der Stiftung »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft«, die allein vom Gedanken des Wirtschaftsschutzes getragen ist. Abschließend werden die antisemitischen Stereotypen in der Entschädigungsdebatte dargestellt, die in der deutschen Presse immer wieder auftauchen, etwa im Bild der mächtigen, geldgierigen, amerikanisch-jüdischen Anwälte, die die deutsche Wirtschaft erpressen und versuchen, für ihre Klientel möglichst hohe Summen herauszuschlagen zum Nachteil anderer Opfergruppen. Ein informatives Buch, das einen historischen Überblick mit der Analyse aktueller Debatten verbindet. |
PapyRossa 2000, Karton, 272 Seiten, 15,24 €
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Kurt Wyss: Workfare - Sozialstaatliche Repression im Dienst des globalisierten Kapitalismus
In den vergangenen zwanzig Jahren wurde in vielen Ländern eine neue Sozialpolitik unter Stichworten wie Arbeit statt Sozialhilfe, 1-Euro-Jobs, Integration statt Rente oder ähnlichem durchgesetzt. Diese Sozialpolitik wird als Workfare bezeichnet. Wie hat es zum sozialstaatlichen Wechsel von Welfare zu Workfare kommen können? Welche Motive stehen dahinter? Welche Folgen haben die Workfare-Massnahmen für die Betroffenen? Inwiefern wird durch die um Workfare lancierten öffentlichen Debatten (z.B. Missbrauchsdebatte) Druck auf die allgemeine Bevölkerung ausgeübt? In Beantwortung dieser Fragen stützt die Untersuchung sich auf eine Vielzahl von theoretischen und empirischen Studien vor allem aus den USA, Kanada und Grossbritannien. |
Edition 8 2007, 160 Seiten, kartoniert, 15,20 €
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Raul Zelik & Elmar Altvater: Die Vermessung der Utopie
Zwanzig Jahre nach dem Ende des Sozialismus ist die Frage nach der Überlebensfähigkeit des Kapitalismus höchst aktuell geworden. Vor diesem Hintergrund steht eine Renaissance des utopischen Denkens bevor. Der Schriftsteller Raul Zelik und der Politökonom Elmar Altvater im Gespräch über die Notwendigkeit eines radikalen Wandels. „Wir – Elmar Altvater und Raul Zelik – möchten mit unserem Gesprächsbuch (PDF-Download hier: www.vermessung-der-utopie.de/das-buch/) einen Diskussionsanstoß geben. Der Staatssozialismus ist gescheitert, aber auch der real existierende Kapitalismus steuert zielstrebig auf seinen Zusammenbruch zu. Höchste Zeit also, über eine Gesellschaft nach dem Kapitalismus zu sprechen. Dabei geht es nicht um phantastische Wolkenkuckucksheime, sondern um konkrete Utopien, also um politische Initiativen, die eine andere Gesellschaft möglich machen, aber in der Realität von heute angesiedelt sind. Auf der Website www.vermessung-der-utopie.de/diskussion soll in den nächsten Monaten eine offene, moderierte Diskussion dazu statt finden, an der sich jede/r beteiligen kann. Als Diskussionsgrundlage stehen auf der Seite www.vermessung-der-utopie.de/thesen 10 Thesen aus dem Buch zur Debatte. |
Blumenbar 2009, 160 Seiten, Gebunden, 12.90€
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Raul Zelik - Kolumbien - schmutziger Krieg und Aufstandsbewegung
Mit Beiträgen von Dario N. Azzelini
Kolumbien ist das südamerikanische Land, das zur Zeit am häufigsten in den Nachrichtenmeldungen Erwähnung findet. Drogenkartelle, Paramilitärs, Entführungen und Geheimdienstintrigen sind die beherrschenden Themen, aber auch die stärkste linke Guerillaorganisation der Welt, die FARC, die einen großen Teil des Landes besetzt hält, ein Gebiet von der Größe der Schweiz, und in der Lage ist, aus einer offensiven Position heraus Verhandlungen mit der Regierung aufzunehmen und zu bestimmen, wie diese Verhandlungen geführt werden.
Eingeleitet wird das Buch von Interviews mit exilierten Gewerkschaftern, gefolgt von einem allgemeinen und einem geschichtlichen Überblick über die Situation in Kolumbien. Erster Schwerpunkt ist die Geschichte der rechten paramilitärischen Organisation und deren politischer und ökonomischer Hintergrund. Zweiter Schwerpunkt ist die Entwicklung seit 1990 unter besonderer Berücksichtigung des organisierten linken Widerstandes und der Verhandlungen zwischen Guerilla und Regierung. Der dritte Schwerpunkt behandelt die Politik der verschiedenen Guerilla-Organisationen, u.a. auch die Verbindungen der ELN zum deutschen Geheimdienstkoordinator Schmidbauer, dem Agenten Mauss und der Bundesregierung. Den Abschluß bildet ein Ausblick auf die Perspektiven zwischen politischer Lösung und offenem Bürgerkrieg. |
Neuer ISP Verlag 1999, Karton, 220 Seiten, 15,00 €
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Raul Zelik, Sabine Bitter, Helmut Weber: Made in Venezuela – Notizen zur »bolivarianischen Revolution«
In Lateinamerika scheinen die Verhältnisse in Bewegung zu geraten. Fast überall auf dem Kontinent artikulieren sich Revolten oder entstehen linke Gegenbewegungen. Der wohl tiefgreifendste Umbruch Lateinamerikas findet zur Zeit in Venezuela statt. Diese »bolivarianischen Revolution« wird von Basisorganisationen und der Chavéz-Regierung getragen. Die BewohnerInnen von Armenvierteln gründen Stadtteilräte und verwalten sich selbst. Landlose kämpfen für die Umsetzung einer Agrarreform. Die Bevölkerung diskutiert in Nachbarschaftsversammlungen über die Politik des staatlichen Erdölunternehmens PDVSA. An staatlich organisierten Alphabetisierungs- und Bildungskampagnen beteiligen sich Millionen.
Gleichzeitig macht die bürgerliche Opposition mit Unterstützung aus Europa und den USA gegen die Reformpolitik der Regierung Chavéz mobil und spricht von drohendem Totalitarismus. Allein im Jahr 2002 hat es zwei rechte Putschversuche gegen die Chavéz-Regierung gegeben.
Raul Zelik beschreibt in einer Art Reisetagebuch seine Erlebnisse in Venezuela. Ein Sachbuch der anderen Art, mit dem man sowohl etwas über die Geschichte und Entwicklung des Landes als auch über die aktuellen Geschehnisse erfährt. Aber auch, wie sich ein Verständnis für die momentane Situation vor Ort entwickelt. Denn wer würde schon glauben, dass die Verfassung eines Landes zur Waffe einer Revolution werden kann. Oder wer würde den Sinn eines Gemüsegartens erkennen, der mitten in einer Stadt wie Caracas angelegt wird. Doch von Seite zu Seite erschließt sich mehr und mehr die Situation in Venezuela, von der hier ein nur stark durch die Medien verzerrtes Bild besteht.
Von Sabine Bitter und Helmut Weber stammt der Foto-Teil des Buches. Dieser berichtet von Architekturen, die heute Schauplätze der revolutionären Bewegung sind. Zum Beispiel ein staatliches Wohnungsbauprojekt der 50er Jahre. Damals wurden 9000 Apartements für 80000 Menschen in kürzester Zeit aus dem Boden gestampft, um die Barrios aus dem Stadtbild zu verdrängen; 1958 wurde die Hälfte der Apartements besetzt und seither gilt »23 de Enero« als rebellisches Terrain. Oder die Gemüsegärten inmitten Caracas, die ein Beispiel für landwirtschaftliche Selbstversorgung sein sollen. |
Assoziation A, 2004, 144 Seiten, 13,00 €
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