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Lesetipps für Belletristik


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Petra Brumshagen: Scheinfrei

Job weg, Kasse leer und der drohende Rausschmiss aus der Wohnung das Chaos im Leben von Vicky könnte kaum größer sein. Dabei müsste sie sich eigentlich auf ihre Abschlussprüfungen vorbereiten, damit sie endlich ihr Studium beenden und voll ins Leben durchstarten kann. Die Geldbeschaffungsmaßnahmen von ihr und ihren beiden Mitbewohnerinnen scheinen auch nicht recht zu fruchten: Toni ist aus lauter Verzweifelung unter die Flaschensammler gegangen und Hannah hat von ihrem letzten Geld ihren fetten Kater Nepomuk an eine Casting-Agentur vermittelt. Für, oder besser gegen das Chaos in Vickys Leben ist es auch nicht wirklich hilfreich, dass sie plötzlich Gefühle für Toni entwickelt, die eindeutig über eine platonische Freundschaft hinausgehen. Wird Vicky es in absehbarer Zeit schaffen, alle ihre Scheine zusammenzubekommen? Bekommt sie ihre Gefühle für ihre Mitbewohnerin Toni in den Griff oder steht die nächste unglückliche Liebe an? Und wird sie es endlich mal schaffen, pünktlich und gut vorbereitet bei einem Vorstellungsgespräch zu erscheinen? Zeit für Vicky, erwachsen zu werden. Auch wenn das Leben unter der Bettdecke viel einfacher ist.

Querverlag 2009, 267 Seiten, Kartoniert, 14.90 €


Siri Hustvedt: Die Leiden eines Amerikaners

Vom trügerischen Glück und der Gefährdung der Liebe Brooklyn zu Beginn des neuen Jahrtausends: Psychiater Erik Davidsen erzählt von einem bewegten Abschnitt seines Lebens. Es scheint ein «Jahr der Geheimnisse», das Jahr, in dem sein Vater stirbt und im Nachlass Briefe gefunden werden, die auf ein dramatisches Ereignis in dessen Jugend hindeuten. Das Jahr, in dem seine Schwester von einer Unbekannten verfolgt und belästigt wird. Das Jahr, in dem eine betörend schöne Jamaikanerin in Eriks Haus zieht, die jedoch etwas zu verbergen scheint...

Rowohlt 2009, 416 Seiten, Kartoniert, 9.95 €

Christine Lehmann: Mit Teufelsg'walt

In aller Herrgottsfrühe schreckt Lisa Nerz aus dem Schlaf: Die Wohnung über ihr bebt von wildem Tumult: "Ein Kind kreischte, eine Frau schrie in höchsten Tönen, und die Zimmerdecke über meinem Bett knarrte unter den Füßen von Leuten. Dabei war es stockfinster draußen. Mein Wecker zeigte kurz nach sechs. Stach da oben gerade der Vater seine Familie ab? Und das in meinem Mietshaus! Der körpereigene Adrenalinalarm wuppte mich aus dem Bett und trieb mich in Jeans und Pullover, ehe ich einen klaren Gedanken fassen konnte. Ich warf mir den Parka über, nahm den Schlüssel vom Haken und öffnete die Tür. Das hölzerne Treppenhaus war dezembernachtkalt. Und es roch nach Stressschweiß. Hier waren Leute mit aggressiven Absichten hinauf in den vierten Stock gestiegen. Ich zitterte plötzlich. Nicht vor Kälte. Denn knapp unterhalb meines bundesrepublikanischen Vertrauens in die Rechtsstaatlichkeit polizeilicher Maßnahmen staute sich das viel ältere Menschheitswissen von staatlicher Willkür und nächtlichen Abtransporten." Oben trifft Lisa Nerz auf drei Damen vom Jugendamt, die den kleinen Tobias mitnehmen wollen. Ein richterlicher Beschluss liegt nicht vor. Lisa schaltet auf stur, bietet der Obrigkeit die Stirn und setzt die amtlichen Vollstreckerinnen zunächst mal vor die Tür. Doch das Jugendamt holt den Jungen tags darauf einfach aus dem Kindergarten. Und seine Mutter will Lisas Hilfe nicht. Trotzdem geht der Journalistin das Erlebnis nach. Sie recherchiert und stellt fest, dass die deutschen Gesetze den Jugendämtern doch viel Raum für Willkür bieten. Kurz darauf finden Lisa Nerz und Staatsanwalt Richard Weber eine Leiche im Wald. Es ist die Familienrichterin Sonja Depper, die sich mit Weber treffen und ihn um einen Rat bitten wollte...

Argument 2009, 285 Seiten, Kartoniert, 11,00 €

Bernhard Moshammer: Zeit der Idioten

Jessasmarandjosef! Der Wiener hat ja praktisch keine Ahnung vom Terrorismus. Absurder Witz trifft auf reale Krise ... bis es 8-mal knallt. Ein freches, feines Buch - Rockmusik zwischen zwei Deckeln. Hoffnungsvoll hoffnungslos auf der Suche nach der richtigen Liebe, dem richtigen Song, dem richtigen Leben - zwischen Wien und St.Pölten, Selbstmordattentaten und Schotterteichen. Zutiefst traurig, zutiefst komisch, weil der Blues eben auch aus Österreich kommt. Und „Jessasmarandjosef“ sein Refrain ist. Schräge Komik, beißende Gesellschaftskritik, die Liebe zum Rock’n’Roll und die Suche nach DEM Song verbinden sich zu einem ungewöhnlichen Leseabenteuer. Sturm auf der Insel der Seligen. Aber das Leben ist kein Film. Trotzdem in Nebenrollen: Bob Dylan und Johnny Cash

Milena 2009, 200 Seiten, Kartoniert, 17.90 €

Manjushree Thapa: Geheime Wahlen

Aus dem Englischen von Philipp P. Thapa
Rishi ist in der Großstadt Kathmandu ein Zugereister ohne Beziehungen, der sich mehr schlecht als recht mit Nachhilfestunden in Geschichte durchschlägt. Entwurzelt und perspektivlos kehrt er zur Kommunistischen Partei (UML) und in sein Heimatdorf zurück, wo er im Wahlkampf eine konkurrierende Partei ausspionieren soll. Dort versucht die junge Witwe Binita, sich mit einem Leben am Rand der Gesellschaft abzufinden. Um sich, ihre kleine Tochter und eine Cousine zu ernähren, betreibt sie einen kleinen Teeladen und erregt damit den Unmut ihrer Verwandten. Der Schlüsselroman der jüngsten nepalesischen Literatur erstmals im Taschenbuch.

Unionsverlag 2009, 507 Seiten, Kartoniert, 12.90 €