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David Mitchell : Number 9 Dream

Der neunzehnjährige Träumer Eiji Miyake kommt aus dem ländlichen Japan nach Tokio, um seinen Vater zu suchen, der die Familie früh verlassen hat. Während er in der faszinierenden großen Stadt herumirrt, gerät er in Berührung mit den Kräften, die ihre geheime Unterwelt beherrschen: Yakuza-Gangs und Cyberpunks. Plötzlich ist das Rätsel der Identität seines Vaters nur noch eines von vielen, die er lösen muss. Warum ist die Grenze zwischen der Welt seiner Erfahrungen und der seiner Träume so verschwommen? Und was hat es mit dem Geheimnis der Zahl 9 auf sich? Diese Fragen verlangen Eiji Einsichten ab, die jedem schwerfielen, erst recht einem Jungen vom Lande, der weniger Geld in der Tasche hat, als das titelgebende Album mit dem Lennon-Song kostet.
Rowohlt 2012, 536 Seiten, Kartoniert, 978-3-499-25238-9
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Heny Ruttkay : Gestohlene Tage

Eva und Heinrich, entfernte Cousins und frühere Spiel kameraden, sehen sich im Jahre 1931 auf einem Familienfest in Karlsruhe wieder und stellen fest, dass sie einiges gemeinsam haben. Sie sind beide homosexuell, sehnen sich nach einem Leben in Berlin und haben eine reiche, kinderlose Tante, die sich Ersatzenkel wünscht. Eva und Heinrich gehen eine Scheinehe ein und ziehen mit dem Geld ihrer Verwandten nach Berlin. Beide lernen die geschlossenen Klubs, Lokale und Vereine der homosexuellen Szene kennen und genießen das Berliner Nachtleben. Als ein arbeitsloser Vetter bei einem Besuch ihr Geheimnis entdeckt, erkaufen sie sein Schweigen dadurch, dass sie ihn finanziell unterstützen und in ihrer gemeinsamen Wohnung wohnen lassen.Eva lernt eine Armenärztin kennen und lieben, Heinrich verliebt sich in einen kommunistischen Kader. Ihr Glück bleibt nicht lange ungetrübt, denn ihre Tante kommt nach Berlin, um nach dem Rechten zu sehen. Auch die politische Lage verdüstert sich und Evas und Heinrichs Leben nehmen eine unerwartete Wendung.
Querverlag 2013, 380 Seiten, Kartoniert, 978-3-89656-209-8
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Merle Kröger : Grenzfall

Ein Ariadne Krimi, ausgezeichnet mit dem deutschen Krimipreis 2013, Platz 1
Deutschland 1992: Im deutsch-polnischen Grenzgebiet fallen in den frühen Morgenstunden plötzlich Schüsse. Zwei Menschen sterben im Weizenfeld. Mord oder fahrlässige Tötung? Erst Jahre später kommt es zur Gerichtsverhandlung. Die Schützen werden freigesprochen.
Wir schreiben das Jahr 2012. In Rumänien kämpft die Wanderarbeiterin Adriana ums Überleben ihrer Familie und fasst einen verzweifelten Entschluss: Sie reist nach Deutschland und fordert Entschädigung für den Tod ihres Vaters. Doch die Sache läuft anders als geplant: Adriana landet in Untersuchungshaft. Sie wird beschuldigt, den Schützen von damals erstochen zu haben. Die Berliner Roma-Community schickt ihr Mattie Junghans als Rechtsbeistand. Sie soll ans Licht bringen, was seinerzeit wirklich geschah.
Merle Krögers Dokumentarfilm "Revision" ist die filmische Untersuchung der damaligen Opfer- und Täterperspektiven. Der Roman "Grenzfall" geht noch einen Schritt weiter. Im ersten Teil zoomt sie sich literarisch an die handelnden Personen des Dramas im Grenzgebiet heran, im zweiten Teil, der heute spielt, schreibt sie die fiktive Geschichte der Kinder der Erschossenen und verstrickt sie ein weiteres Mal in einen Kriminalfall, der die Grenzen der europäischen Rechtsauffassung scharf ins Bild rückt.
Argument 2012, 374 Seiten, Kartoniert, 978-3-86754-210-4
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Dominique Manotti , DOA : Die ehrenwerte Gesellschaft

Eine Gruppe junger Ökoaktivisten plant einen spektakulären Coup gegen die französische Atompolitik und hackt den Rechner eines Ermittlers des Kommissariats für Atomenergie CEA. Sie übernimmt die Kontrolle der Webcam und wird zufällig Zeuge eines Kampfes zwischen dem Polizisten und zwei Geheimagenten, bei dem der Polizist zu Tode kommt. Ein Zwischenfall zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt, kurz vor dem ersten Wahlgang zur Präsidentschaftswahl. Gegenüber stehen sich der blasse Kandidat der Linken, Eugène Schneider, und der zynische, machtbesessene Pierre Guérin, Finanzminister und Kandidat der Rechten, wenig zufällig an einen gewissen Nicolas S. erinnernd. Tief verstrickt in ein Machtgeflecht aus Politik, Geheimdiensten und den Eliten der französischen Industrie, will der voraussichtliche neue Präsident seinen Förderern die Privatisierung der französischen Atomindustrie auf dem Silbertablett servieren. Von der Polizei als Mörder ihres Kollegen von der CEA verdächtigt, ziehen sich die Ökoaktivisten zurück, um ihren Coup nicht zu gefährden. Doch das Spiel beginnt für sie lebensgefährlich zu werden, denn nicht nur die ermittelnde Kriminalpolizei ist ihnen auf den Fersen, sondern auch die Schergen der Atommafia, die die Aufdeckung ihres Komplotts befürchtet.
Dominique Manotti und der mysteriöse DOA legen mit »Die ehrenwerte Gesellschaft« einen vierhändig verfassten Roman vor. Fesselnd, präzise und schnörkellos beschreiben sie die Korruptheit, die Intrigen und inzestuösen Machtverflechtungen der herrschenden Klasse. Ein mitreißend schneller Rhythmus, sich atemlos überschlagende Ereignisse und packende Dialoge sorgen für höchste Spannung. Eine düstere Affäre, fiktiv und doch so nahe an der Realität, dass es einen frösteln lässt.
Assoziation A 2012, 280 Seiten, Kartoniert, 978-3-86241-419-2
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Olga Grjasnowa : Der Russe ist einer, der Birken liebt

Der Roman ist das Debüt der jungen Autorin, die am Deutschen Literaturinstitut Leipzig studierte.
Mascha Kogan, eine junge Frau, die, aus Aserbaidschan stammend, in Frankfurt lebt, ist die Protagonistin des Buchs. Als ehrgeizige Übersetzerin gerät ihr Leben durch den Tod ihres Freundes Elias ins Wanken. Dieser hatte sich beim Fußballspiel den Oberschenkelknochen gebrochen, was letztendlich zu einer tödlichen Sepsis führte. Der Tod löst bei Mascha ein Trauma aus, da Erinnerungen aus ihrer Kindheit über die Pogrome wach werden, die sie selbst miterlebte. Anschließend eilt Mascha wie unter Betäubung durch die Republik und trifft sich mit ihren alten Freunden Cem und Sami. Vor ihren Erinnerungen flieht sie nach Israel, wo sie als Übersetzerin bei einer NGO arbeitet, aber auch dort kann sie ihren Frieden nicht finden.
In einer kalten und distanzierten Sprache schildert Grjasnowa die ganze Tragik von Mascha. Sie empfindet wenig Empathie für ihre Protagonistin und läßt sie in ihr Unglück laufen. Mit ihrem Debüt ist der Autorin ein bemerkenswertes Werk von großer Sprachgewaltigkeit gelungen.
Hanser Verlag 2012, 283 Seiten, Gebunden, 978-3-446-23854-1
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