Tipps für Popkultur
Art Spiegelman : Im Schatten keiner Türme
In den vergangenen zehn Jahren haben sich drei globale Erschütterungen ereignet, die der Welt neue Einsichten abverlangen: 9/11, Finanzkrise, Fukushima. Die erste dieser drei Erschütterungen hat Art Spiegelman fassbar gemacht, indem er sich der Katastrophe, die ihn ganz unmittelbar selbst betraf, mit künstlerischen Mitteln gestellt hat: Am Tag, an dem die Flugzeuge in die Zwillingstürme einschlugen, raste er durch eine Stadt in Panik, um seinen neunjährigen Sohn aus der UN-Schule zu holen, von der er fürchtete, sie würde ein weiteres Anschlagsziel sein.In einem jahrelangen Ringen um sein inneres Gleichgewicht hat Art Spiegelman den Schrecken jenes Tages in Kästchen und Sprechblasen gebannt, die sich zu einer Graphic Novel ohnegleichen fügten. Es bedurfte eines außergewöhnlichen Geistes und einer außergewöhnlichen Begabung, um 9/11 auf diese Weise begreifbar machen. Im Schatten keiner Türme ist sowohl in seiner ästhetischen Qualität als auch in seiner gesellschaftlichen Aktualität ein Solitär.
Lucha Amada : Musika Rebelde
Lucha Amada, das DJ- und Konzertveranstaltungskollektiv aus Bonn und Berlin, das seit 10 Jahren für politische Einmischung sowie rebellische Sounds und grenzenlose Beats steht, hat zum Jubiläum einen Soli-Sampler zusammengestellt.Der Erlös dieses Soli-Samplers wird an 2 Projekte gespendet: Agua para todas (Trinkwasserprojekte für Zapatistische Gemeinden in Chiapas/Mexiko) und das Afrique-Europe-Interact Netzwerk (Antirassistisches Netzwerk). Dieser Doppel-CD-Sampler im Buchformat vereint Bands, mit denen Lucha Amada zusammen gearbeitet hat, mit neuen, hier noch unbekannten Bands, die Creme de la Creme des Mestizo-Sounds (Watcha Clan, Panteón Rococó, Fermin Muguruza, Obrint Pas, Los de Abajo,…) mit spannenden Geheimtipps. Der Schwerpunkt liegt wie immer bei Lucha Amada hier auf dem politischen Teil der Mestizo-Szene: Bands, die etwas zu sagen haben, die sich nicht mit den ungerechten Verhältnissen abfinden, sondern für eine bessere Welt kämpfen und singen.
Martin Büsser : Music is my boyfriend
»Music is my Boyfriend« versammelt ausgewählte Texte Martin Büssers aus den letzten 20 Jahren, journalistische, essayistische und literarische. Das Buch zeigt die Entwicklung von einem nie auf Effekte und Beliebigkeit zielenden Musikjournalisten hin zu einem Autoren, der trotz begründeter Zweifel an der Popkultur als wichtiger Impulsgeberin für gesellschaftliche Veränderungen festhielt.Das Buch führt vor Augen, welche Lücke Martin Büsser, der im September 2010 im Alter von 42 Jahren verstarb, im deutschen Kulturbetrieb hinterlässt. Er hat den Ventil Verlag mitgegründet und als Herausgeber und Redakteur über 15 Jahre die Zeitschrift »testcard« geprägt. Darüber hinaus hat er sich als Kunst-, Literatur-, Film- und Musikkritiker einen Namen gemacht und arbeitete als Zeichner und Musiker.
Katja Peglow , Jonas Engelmann (Hg.) : Riot Grrrl Revisited
1990 gründeten sich Bikini Kill und Heavens to Betsy, aus denen später Sleater-Kinney hervorgingen. Damals hätte wohl keine der Beteiligten geahnt, dass 20 Jahre später eine Frau zum Superstar avancieren würde, die sich eben auf diese Bands beruft: Es gibt kaum einen Musikpreis, den Beth Ditto und ihre Band The Gossip in den letzten Jahren nicht bekommen hätten und kaum ein Cover einer Musikzeitschrift, auf dem Ditto nicht abgebildet gewesen wäre.Höchste Zeit also zurückzublicken und das Standardwerk zur Geschichte dieser Bewegung dem deutschen Publikum zugänglich zu machen. "Riot Grrrl!" erzählt die Entwicklung aus der Perspektive der Frauen, die in ihrer Wut auf den Sexismus im Punk und die gesellschaftlich vorgegebenen weiblichen Rollenmuster kurzerhand ihre eigene Szene gründeten, die unter dem Schlachtruf stand: Revolution Girl Style Now! Frauen wie Kathleen Hannah, Tobi Vail, Kathi Wilcox (alle Bikini Kill), Allison Wolfe (Bratmobile) oder Corin Tucker (Sleater-Kinney) haben in Fanzines und Songs ihrem Unmut Luft gemacht. Ergänzt um Interviews bilden die dort artikulierten Forderungen die Basis dieses Standardwerks über die Szene. Mit einem Vorwort von Beth Ditto.